Buch: Word-Perlen & Foto-Blasen

Hervorgehoben

Wie sagte  Anno in den letzten Tagen: “Jetzt komm’ ich noch 7, 6, … 1 mal und dann komm’ ich nimmermehr.” – Und so ist das auch mit dem Buch, das auf die Welt gekommen ist – jetzt ist es da und will gelesen und nicht nur beworben werden. Annos Leben und das seiner Familie bis zum Jahr 2084 ist darin schwarz auf weiß abgedruckt, aber auch andere Geschichten, die dem Leben oder meiner Phantasie entsprungen sind – und teilweise hat sich das bunt durcheinander gemischt. Also kurz gesagt: Viel Leben, viel Kinder, viel Humor und auch ein wenig Hund, na eben so eine echte Tutti-Frutti-Mischung à la Clara Himmelhoch.
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2040 – Das ist alles nur aus Sand

Und den Urlaub gab es als Zugabe, den bezahlte aber Johannis allein, zumindest den für seine Frau. Sandra, die Frau von Kay, arbeitete bei einer Reiseagentur. Sie kam eines Tages mit der Idee, auf der wunderschönen Insel Rügen ein großes Ferienhaus für viele Familien mit Kindern zu mieten. Nach genauer Umfrage stellten sie fest, dass ein Haus allein doch nicht ausreichte. Also wurde noch ein zweites gemietet – für die ältere Generation, die ja nun durchweg alle über 60 waren und alle etwas mehr Ruhe brauchten. Da die beiden Häuser direkt benachbart waren, konnten die Kinder problemlos zwischen den Häusern und Generationen hin und her wechseln. Alle waren glücklich damit. Mit 5 Autos machte man sich an einem Wochenende im Juli auf den Weg nach Rügen.

Dort angekommen, teilte man sich je nach Interessen bei den Freizeitbeschäftigungen auf. Frühstücks- und Mittagsmahlzeiten wurden getrennt in den einzelnen Ferienwohnungen eingenommen, aber das Abendbrot fand gemeinsam für alle in der großen Diele statt. Da saßen die Eltern von Anna und die Eltern von Anno (4 Personen), die Anno-Familie (4 Personen), Felix und Constantin (2 Personen) und Kays Familie (4 Personen). Ihr könnt euch sicher vorstellen, was das für ein Geschnatter und Gekichere war. Zum Glück war das Haus mit einer großen Spülmaschine ausgestattet, so dass die Kinder nicht zum Abwaschdienst abkommandiert werden mussten. Das Kochen übernahmen wechselseitig die einzelnen Ehepaare. – Ich habe anschließend mal den Jüngsten gefragt, an welchem Abend es ihm denn am besten geschmeckt hat. Na, wer kennt die richtige Antwort?

Eines Tages  meinte Constantin ganz geheimnisvoll: „Wir fahren heute ins Sandburgenland!“ Die größeren Kinder waren fast geneigt, ihm einen Vogel zu zeigen, denn sie waren schon lange aus dem Sandspielalter raus.

Doch als sie vor dem Eingang von „Das ist alles nur aus Sand standen, bekamen nicht nur die Kinder das Grübeln. Die Eintrittspreise ließen nicht darauf schließen, dass man jetzt nur Sand- oder Kleckerburgen zu sehen bekommt.

Felix, der erfolgreiche Psychiater mit eigener Praxis und einem Ruf, der weit über Deutschland hinausgeht, hatte ja die Idee für diesen Ausflug gehabt und hielt jetzt die ganze Mannschaft mit Eintrittskarten frei. Und Constantin setzte das dann nach dem Besuch mit Essen und Trinken fort – aber nicht zu Haus, wo heute die beiden Männer mit Kochen dran gewesen wären. Alle gingen in ein abgelegenes Gartenlokal, wo sie unter Apfelbäumen sitzen konnten. Die Kinder konnten gleich, nachdem sie ihre Pizza aufgegessen hatten , in den Wald zum Toben verschwinden. – Und das war dann natürlich das schönste Abendessen, von allen Kindern auf den ersten Platz nominiert.

Doch jetzt erst einmal zurück zur eigentlichen Ausstellung. In der sogenannten „Sandsation“ hörten die aaaaaahs und oooohs nicht auf. Alle staunten darüber, dass man so filigran mit Sand arbeiten konnte. Überwiegend wurden Märchenfiguren gezeigt. Alle wetteiferten miteinander, ohne das Lesen der Schilder zu erkennen, welche Märchen gemeint sind. Da war Oma Claudia stark im Vorteil, denn sie hatte den beiden Enkeln sehr oft die Märchen der Gebrüder Grimm vorgelesen. Die Männer der erfolgreichen mittleren Generation schwächelten ein wenig, aber Felicitas zeigte sich auch absolut stark.

Plötzlich standen sie vor verschiedenen Figuren aus Aschenputtel, hier z. B. ist die böse Stiefmutter zu sehen. Felix flüsterte in Constantins Ohr: „Nicht nur Stiefmütter sind oft böse!“, was diesen zu einem kurzen Händedrücken veranlasste.

1704 2040 alles aus Sand

Benno war mit seinen 11 Jahren zwar der jüngste, aber auf keinen Fall der zurückhaltendste von den Kindern. Sein Kommentar: „Der springen ja gleich die Äpfel aus der Bluse“ ließ Anna ein wenig rot werden, denn sie konnte Zeit ihres Lebens immer nur Äpfelchen vorweisen. Bevor sich die Großen in die Wolle bekamen, setzte er versöhnend nach: „Aber das Kleid ist toll gemacht!“.

Später nahm Felix seinen Constantin nochmal kurz zur Seite und meinte zu ihm: „So ungefähr hat meine Mutter immer vor mir gestanden, wenn sie wütend war und ich gleich wieder verprügelt werden sollte.“ Daraufhin erwiderte Constantin schlagfertig: „Dann lass uns einen verkleinerten Abguss davon bestellen, den stellen wir ihr dann aufs Grab.“

Allein diese Vorstellung ließen bei Felix die Lachtränen kullern. Seit er mit Constantin zusammen war, hatte die Vergangenheit ihre Schrecken vollends verloren und es gab nicht einen einzigen Alptraum mehr in dieser Zeit. Also muss es wohl stimmen, dass Herr oder Frau Dr. Liebe die besten Mediziner sind.

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25 Beiträge und 40 Lebensjahre lang konntet ihr Anno begleiten und ihn und seine Lieben kennenlernen.
Hier im Blog ist das heute der letzte Beitrag zu dieser Geschichte.

Eine Zusammenfassung des bisherigen Geschehens steht hier: http://chh150845.wordpress.com/geschichten/anno-domini/

 

2038 – Ein Geburtstagsgeschenk

In diesem Jahr soll Mutter Beimer, ach nein, Mutter Domini natürlich, ihren 60. Geburtstag feiern. Alle überlegten hin und her, was denn nun für sie passend wäre. Da es allen, die sich an dem Geschenk beteiligen wollten, finanziell gut ging, wurde an ein Geschenk der etwas besseren Finanzierungs-Klasse gedacht. Zuerst wurde eine 4-Wochen-Kreuzfahrt anvisiert, aber zum Glück konnte sich Anno noch gut erinnern, dass seine Mutter schon bei der kleinsten Bootsfahrt den Fischen ihr Frühstück „schenkt“.

Constantin stimmte für eine exzellente Neuausrüstung mit technischen Geräten, denn Claudia, wie sie inzwischen auch von Sohn Anno genannt wurde, nicht nur von den „Ziehkindern“, war sowohl an Computern als auch an Fotoapparaten oder I-Phones interessiert und versiert. Da ihre Außenaktivitäten aus verschiedenen Gründen weniger wurde, tummelte sie sich umso mehr auf den Wegen des Internets. – Aber auch dieser Vorschlag fand keine allgemeine Zustimmung.

Und wieder waren es die Kleinen, die die richtige Idee hatten. „Oma braucht unbedingt ein neues Auto!“, meinte Felicitas, möglichst eines in einer auffälligen Farbe, denn langsam kann sie schon ein wenig schlecht gucken. Außerdem hat sie immer vergessen, wo das Auto nun gerade abgestellt war. Oma Claudia übernahm oft den Fahrdienst für ihre Enkel, wenn die zu ihren unterschiedlichsten Hobbystunden gebracht werden mussten. Deswegen war es auch durchaus gerechtfertigt, dass Johannis sein Auto behielt – das große für den Urlaub – und Claudia ein kleines und knuffiges bekam. –

Als Claudia an ihrem Geburtstag mit verbundenen Augen zu ihrem Geschenk geführt wurde, musste sie es erst einmal abtasten. Auf Auto kam sie natürlich sofort – aber bei der Marke haperte es ein wenig. Doch dann dachte sie an das Löwenauto, dass ihr immer so gut gefallen hat. Sie „guckte“ am Heck nach dem Löwen-Logo und dann, ob es die fünf- oder die dreitürige Variante ist und war sich plötzlich sicher: Es ist der kleine Peugeot. Beifall bestätigte das. Sie wollte sich die Augenbinde von den Augen reißen, aber ein allgemeines „Stopp“ ließ sie einhalten. Jetzt sollte sie noch die Farbe erraten. Ihr erster Vorschlag Weiß wurde verneint, dabei schwärmte sie doch so von weißen Autos. „Hoffentlich kein schwarzes oder dunkles, denn ihr wisst ja alle, dass ich nur helle Autos möchte.“, gibt sie noch schnell, dennoch überflüssiger Weise zur Kenntnis. An der Farbe könnte nämlich jetzt keiner mehr was ändern. Auf „schwarz“ gab es ein allgemeines „NEIN“, bei „dunkel“ gibt es nur noch ein „JEIN“ zu hören. Na dann war es hoffentlich auch kein silbergrauer, denn die fand sie langweilig. Nein, war es auch nicht. – Da alle langsam Hunger bekamen, meinte Anno: „Nu komm ma langsam in die Puschen, Mutta! Wat war denn immer deine Lieblingsfarbe? Schon vajessen, oda?“ – Absichtlich berlinerte er viel mehr als normal, er wollte ihre Aufregung ein wenig senken. – Und da fiel es Claudia wie Schuppen aus den Haaren: „Nu sagt nicht, dass es pink ist!!!???“

1504 2038 Geburtstagsgeschenk

Die Binde fiel und Claudia fiel allen der Reihe nach um den Hals. Es war genau das, was sie sich ganz still und heimlich gewünscht hatte, sich aber nie hätte selbst gekauft, dazu war sie einfach zu sparsam.

Den Modellnamen „Clara Himmelhoch“ ließen die Kinder später in Claudia Domini oder nur in CD ändern, damit es wirklich IHR Auto ist.

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“Jetzt komm ich noch einmal und dann komm ich nimmermehr! ” sagt Anno Domini.

2036 – Just married

Endlich mal Ruhe – endlich mal keine Probleme, fast schon langweilig. Die Einschulung von Benno war ein willkommener Anlass, alle mal wieder im Haus zu versammeln. Der kleine Kerl hatte seine schwere OP bestens verkraftet und wuchs und gedieh in bester und frischester Luft, im Haus und im Garten. Er war ja um ein Jahr älter als seine Mitschüler. Da er schon viel bei Feli mitbekommen hatte, meinte die Lehrerin nach 3 Monaten, dass er viel zu klug für diese Klasse sei, ob die Eltern ihn nicht ein Jahr überspringen lassen wollen.

Papa und Mama sprachen mit ihm und erwarteten eigentlich Widerspruch, denn er war in Bezug auf Hausaufgaben ein kleines Faultier – NUR DAS NÖTIGSTE – das war seine Devise. Wie erstaunt waren sie jedoch, als er voller Begeisterung zustimmte. Es machte ihm angeblich gar nichts aus, dass er einiges nebenbei aufholen muss, wenn er nicht die rote Laterne sein wollte. – Er zog den „Lernstress“ dem „Langeweilestress“ vor, denn in der 1. Klasse hatte er sich wirklich nur gelangweilt und deswegen zu viel geschwatzt.

Gesagt – getan – und bald gehörte er auch in der zweiten Klasse zu den Pfiffigsten, die manchmal die Lehrer mit ihren spitzfindigen Fragen zur Weißglut brachten. Doch ich denke, das war mehr deren Problem als seins, denn schlauer als die Schüler sollten die Lehrer schon sein.

Für ein Wochenende kündigten sich Felix und Constantin an. Fast wie im Spaß meinte einer der Erwachsenen in der Runde: „Die sind ja auch schon wie ein altes Ehepaar, die müssen sich doch jetzt etwa so 7 Jahre kennen. Hoffentlich gibt es da nicht auch nach 7 Jahren Krach.“

Der Gedanke war noch nicht zu Ende diskutiert, da hupte draußen ein wunderschönes silbernes Auto, ganz neu. Und Benno entdeckt es als erster.

Obwohl er kein Englisch kann, kräht er die Aufschrift mit deutscher Aussprache, was natürlich einen Heiterkeitserfolg hervorruft „Just married!“ Die beiden haben sich getraut, genau nach 7 Jahren, die sie sich nun kennen und lieben. Da kann der Himmel nicht nur voller Herzen, sondern auch voller Geigen hängen. Sie waren nicht nur ein schönes Paar, sie waren auch ein sehr musikalisches Paar, denn Constantin war ein hervorragender Pianist, der sich in allen Genres der Musik auskannte.

1104 2036 Just married Geigen

 

Bei den Dominis stand neuerdings ein Klavier, da beide Kinder Lust zum Lernen hatten. Conny setzte sich nach kurzer Zeit an den Flügel, schmetterte erst den Hochzeitsmarsch und dann zogen alle ins Restaurant, wo Plätze vorbestellt waren.

Dass die alten Dominis auch mitgenommen wurden, war für Felix Selbstverständlichkeit und Herzenssache, denn in diesen beiden sah er mehr als nur Pflegeeltern. Sie waren es, die ihm vor 20 Jahren ein sorgenfreies Leben ermöglich hatten, aber das wissen wir ja alle noch genau. Auch Conny hatten sie herzlich in ihre „Elternliebe“ mit eingeschlossen.

Als Benno dann am Tisch im Restaurant laut und unbekümmert fragte: „Wer von euch beiden hat denn nun das weiße Kleid angezogen und den Schleier getragen?“, gab es allgemeine Heiterkeit, auch an den Nachbartischen. Natürlich hatten die beiden Fotos in der Tasche von ihrer Eheschließung (das blöde Wort Verpartnerung war inzwischen aus dem Sprachgebrauch gestrichen und homosexuelle Ehepaare hatten die gleichen Rechte wie andere) und zeigten sie rum. Benno war etwas enttäuscht, dass beide einen Anzug trugen und prompt kam auch: „Da kann man ja gar nicht sehen, wer die Frau ist und wer der Mann.“ Felix erklärte ganz kurz, dass sie doch beide Männer seien und auch Männer blieben, aber er doch wenigstens einen weißen Anzug getragen hat, ob das Benno nicht ein wenig aussöhnen würde. „Na gut, dann bin ich eben mit dem weißen Anzug zufrieden“, meinte der Lütte ganz generös.

Sogar die Kirchen waren inzwischen tolerant geworden, aber sie wollten dennoch nicht kirchlich heiraten. Felix hatte es damals einigen Angestellten der Kirche sehr verübelt, dass sie ihm in seiner Not nicht geholfen haben. Aus diesem Grund war er auch ausgetreten, denn seiner Meinung nach ist die wahre „caritas = Nächstenliebe“ die Hauptaufgabe der katholischen Kirche.

Constantin beschloss, sich seinen Patenjungen bei Gelegenheit mal einzuladen und ihm paar Sachen zu erzählen, wie das so bei einer Mann + Mann = Beziehung ist. Felicitas wusste es inzwischen oder ahnte es vielleicht – aber sie wollte es nicht so genau wissen. Sie war da viel zurückhaltender als ihr Bruder.

Heute war offenbar der Tag der Offenbarungen. Ganz nebenbei ließ Felix fallen, dass inzwischen beide Elternteile von ihm tot sind. Sein Vater hatte nach der Entlassung aus der Haftanstalt so stark zu trinken angefangen, dass das seine Leber nicht lange mitgemacht hat. – Seine Mutter hatte immer und immer wieder eine Versöhnung mit ihrem Sohn angestrebt, aber es war bei einem sehr unterkühlten Verhältnis geblieben.

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Im Fotoblog gibt es die entsprechenden Sitz- und Liegemöglichkeiten für das Paar und die Gäste.

“Jetzt komm ich noch zweimal und dann komm ich nimmermehr! ” sagt Anno Domini.

2035 – Incognito

Gleich übergehend von der Silvesterfeier wurde in Annos 35. Geburtstag hinein gefeiert. Die „halben“ und die runden – wenigstens die wurden immer mit Freunden und Familie gefeiert. Seine Eltern sah Anno ja häufig, da sie sich oft um die Kinder kümmerten, doch der Kontakt zu Annas Eltern war inzwischen nicht mehr so eng wie anfangs – vielleicht, weil sie in einer anderen Stadt wohnten, vielleicht, weil sie ein wenig dachten, sie seien etwas Besseres als Annos Eltern. Das hatte zwischendurch schon zu Auseinandersetzungen zwischen Anno und seiner Frau geführt, die dann aber immer wieder mit Versöhnung endeten. Sie liebten sich wirklich sehr – immer noch – auch wenn sie jetzt schon so lange zusammen waren.

Anna war gerade mit ihren home-office-Aufgaben beschäftigt und hatte sich kopfüber in eine schwierige Aufgabe gestürzt, als sie ein markerschütterndes Gebrüll hörte. Sie glaubte, Benno sei die Treppe runter gefallen. Felicitas war in der Schule, von ihr konnte also keinerlei Gefahr ausgehen. Anna rannte die Treppe zum Kinderzimmer nach oben. Benno lag auf der Erde, hatte erbrochen und aus seiner Windelhose floss Blut. Ohne auch nur einen Moment nachzudenken, packte sie den Jungen, trug ihn die Treppe runter, setzte ihn ins Auto und jagte mit total überhöhter Geschwindigkeit ins nahe gelegene Klinikum. Vielleicht wegen des Geruchs, vielleicht auch, weil die Schwester die Dringlichkeit der Sache erkannt hatte – Benno kam sofort dran … und Benno kam auch sofort auf den OP-Tisch.

Nach der OP sagte man ihnen, dass Benno eine angeborene Darmanomalie gehabt hatte – der Dickdarm war an mehreren Stellen unnatürlich verengt. Alles andere will ich jetzt nicht en detail erläutern, auf jeden Fall war die Operation sehr, sehr schwer und auch in letzter Minute passiert. Wäre der Dickdarm geplatzt, wäre das erste Grab in der Anno-Domini-Geschichte fällig gewesen. Zum Glück können wir solche Ereignisse noch ein wenig vor uns herschieben.

Der Kleine, der eigentlich schon im letzten Jahr hätte eingeschult werden müssen, brauchte jetzt absolute Ruhe, wenn nicht noch was schief gehen sollte. In die Schule konnte er natürlich als „Windelkind“ nicht gehen – doch der operierende Arzt versicherte ihnen, dass jetzt alles in Ordnung sei.

Benno durfte nur über Telefon mit seinen Eltern sprechen, und das auch nur ganz kurz. Damit er seine Mutter nicht erkannte, wenn sie ihn durch die Scheibe beobachten wollte, musste diese inkognito auftreten.

1104 2035 incognito

Die Gefahr, dass er spontan aus dem Bett springt und seine Mutter umarmen will, war einfach zu groß.

Aber nach einer Woche war die Gefahr vorbei, Benno fühlte sich rundum wohl, hatte keine Bauchschmerzen mehr und trug von nun an keine Windelhose mehr – alles funktionierte. Gleich nach seiner Entlassung wurde die Schulanmeldung nachgeholt. Mit großem Glück kam er für die letzten paar Monate auch noch in einer tollen Kita unter. Endlich konnte er mal unter Kindern sein, ohne dass alle im wahrsten Sinne des Wortes die Nase rümpften.

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“Jetzt komm ich noch drei mal und dann komm ich nimmermehr! ” sagt Anno Domini.

2033 – Abgase

Abgase in der Wohnung, ja im ganzen Haus, denn inzwischen konnte Benno schon recht gut die Treppen hoch und runter krabbeln bzw. steigen. Inzwischen müsste er schon längst sauber sein. Er sprach ganz exzellent – aber auf dem Gebiet der „Rohstoffentsorgung“ hinkte er anderen Kindern um Lichtjahre hinterher. Offenbar hatte Benno  Schmerzen dabei, wenn er in die Windeln „stank“, denn er jaulte immer ganz fürchterlich dabei. Das einzig Gute daran war, dass ihn Anna dann gleich mit einer sauberen Windel versorgen konnte.

0704  2033 Ab-Gas

Wegen all dieses Kummers war die Einschulung von Felicitas ein wenig untergegangen, was sie auf der einen Seite ganz gemein fand, auf der anderen Seite aber auch verstehen konnte, denn auch sie machte sich schon Sorgen um ihren Bruder. In dieser Situation erwiesen sich Felix und Constantin als wahre Onkel, die für ihr Patenkind nicht nur Geld und gute Worte übrig hatten. Sie buchten ein Wochenende in einem Bungalow in einem Kinderparadies = Spaßpark und alle drei amüsierten sich königlich in diesen zwei Tagen. Felicitas kam strahlend und glücklich wieder in ihr Zuhause, wo es natürlich stank. So viel Lüften konnte man gar nicht, um diesen Geruch rauszubekommen.

Seine Eltern wurden immer unruhiger und gingen von einem Arzt zum anderen mit ihm – alle stellten es als Lappalie hin. Der Laborbefund zeigte zwar irgendeine Stoffwechselstörung an, aber kein Arzt hielt sie für bedenklich, kein Röntgenbefund zeigte eine Deformität an. Also ergaben sie sich in ihr Schicksal und warteten ab. Bis es eines Tages fast zu spät gewesen wäre.

Sogar Constantin, sonst immer ein hervorragender Arzt und Chirurg, irrte sich dieses Mal in seiner Diagnose. Doch Chirurgen sind ja auch hauptsächlich für die „Reparaturleistung“ zuständig, nicht vorrangig für die Diagnose. – Hätte er Benno „geöffnet“ vor sich auf dem Tisch gehabt, wäre ihm dieser Diagnosefehler nicht unterlaufen.

Sein abartiges Stuhlgangsverhalten war auch der Grund, warum ihn keine Kindertagesstätte annahm – also musste Anna von zu Haus aus arbeiten.

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“Jetzt komm ich noch vier mal und dann komm ich nimmermehr! ” sagt Anno Domini.

2031 – Geblähte Nasenlöcher

Benno machte gute Fortschritte bei allen Dingen, die ein Mensch, speziell ein kleiner Mensch, so erlernen muss. Er krabbelte in der Geschwindigkeit eines Formel-1-Rennwagens durch die Wohnung, befreundete sich mit allem auf der Straße, was ebenfalls auf vier Beinen durch die Welt ging und erheiterte mit seinen Späßen alle, ausnahmslos alle. Egal, was er gerade wieder angestellt hatte, egal, was er vom Tisch gezogen hatte – keiner konnte ihm richtig böse sein, denn er hatte es ja nur aus Wissbegier, Wissensdurst oder wegen anderer positiver Eigenschaften gemacht.

Nur eine Sache gab es, mit der hatten alle Erwachsene ihre Schwierigkeiten. Felicitas, die das natürlich auch registrierte, lief dann laut schreiend durch die Wohnung „Benno stinkt, Benno hat Kacka gemacht!“. Es war so schlimm, dass sich dem Vater schon unten an der Haustür die Nasenflügel blähten, wenn Benno die Buchsen voll hatte. Anna versuchte alles, um ihn so zeitig wie möglich auf den Topf zu setzen. Doch war er sonst ein williges Kind – in diesem Moment fing er an zu schreien, als wenn der Leibhaftige hinter ihm her wäre – also verbreitete Benno weiterhin seine Stinkereien in der Wohnung. So konnte man mit Fug und Recht behaupten: „Hier in diesem Haus ist Stunk oder Gestank!“ Und der sollte auch noch einige Zeit bleiben.

0504 2031 geblähte Nasenflügel

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“Jetzt komm ich noch fünf mal und dann komm ich nimmermehr! ” sagt Anno Domini.

Buch: Wer will, wer will, wer hat noch nicht …

der kann jetzt         Bestellen – Bezahlen – Beschnuppern

Das Äußere meines “dritten Kindes” ist weniger lila als befürchtet, der Inhalt  abwechslungsreicher als da beschrieben und  das Musterexemplar in meiner Hand ließ mehr Freude aufkommen als eingeplant. :-)
Am 8.4.  habe ich alle Bücher in der Hand, im Auto, im Schrank und vielleicht bald im Briefumschlag, damit das Buch neue Leute kennenlernt.
Sucht jemand noch ein Ostergeschenk – das ist zumindest ein lustiges Ei zum Verstecken?!? Am 25. März 2010 animierte ich euch, Ostern ein Schlagloch zu verschenken - und jetzt hat sich das Schlagloch zum (Verschenk-)Buch gemausert.
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und 15,00 € + 2,00 € Porto
von eurem Konto an meins überführen, nachdem ich meine Kontonummer verraten habe.

2029 – Stützen

Anno hatte sich diesen Namen für seinen Sohn gewünscht so nach dem Motto: Wer A sagt, muss auch B sagen, und so kam es eben zu Benno. Beide Großeltern zeigten sich anfangs etwas pikiert und meinten, dass Benno doch nur die Kurzform von Bernhard sei. Sie wollten, dass er als Bernhard ins Standesamtsregister eingetragen werden soll. – Die jungen Eltern ließen die Großeltern palavern und machten im Endeffekt doch, was sie für richtig hielten – und am Ende war ihnen keiner böse.

Was sie dagegen ernst nahmen, war die Beschwerde ihrer Tochter. So klein, wie sie ja eigentlich noch war, bemerkte sie zielsicher, dass ihr Name Felicitas im Grunde genommen nicht zu Anna, Anno und Benno passte – er war viel zu sperrig, da half auch die Abkürzung Feli nicht viel. Der Hinweis auf den Patenonkel Felix machte allerdings einiges wieder wett, denn sie liebte ihn abgöttisch – was total auf Gegenseitigkeit beruhte. Doch in der letzten Zeit musste sie ihre Liebe etwas portionieren oder teilen – und das kam so. Felix war bei den letzten Besuchen und bei Felicitas Geburtstag immer mit dem gleichen Freund gekommen. Alle begriffen sofort und alle akzeptierten sofort – denn die beiden passten wunderbar zusammen. Aus Felix, der früher immer so ernst und verschlossen gewesen war, war fast schon ein „Comedian“ geworden, wie man neudeutsch zu den Komikern sagte. – Doch Felicitas litt, litt so sehr, wie eben nur ein kleines Mädchen in diesem Alter leiden kann. Sie wusste nämlich nicht, welchen der beiden Männer sie lieber hatte: Felix war ja ihr Patenonkel, doch Constantin liebte sie schon deswegen, weil der auch so einen langen Namen wie sie hatte. Und da sie lange Namen blöd und umständlich fand, war sie die konsequenteste Verfechterin der Abkürzung Conny. Constantin hatte sich in Schul- und Studienzeiten immer vehement gegen diese Verballhornung seines Namens gesträubt. Doch der charmanten Felicitas konnte er nichts abschlagen. Und es war wiederum Felicitas, die auf eine andere Idee kam. Wenn sie den Felix zum Patenonkel hatte, dann sollte ihr Bruder den Constantin als Paten bekommen. Pfiffig, wie das kleine Weib schon war, wusste sie, dass sie dann diese beiden Lieblingsmänner – neben ihrem Papi natürlich – oft sehen würde.

Im Laufe der Zeit zeigte sich, dass die Eltern und auch die beiden Patenonkel für ihre Kinder, Enkel und Paten eine sehr große Stütze waren, so dass Anno und Anna der Kultur nicht ganz entsagen mussten, es fand sich immer wieder mal eine Betreuerin oder ein Betreuer.

0304 2029 Stützen

Es war doch viel anstrengender, als sie es sich ursprünglich gedacht hatten. Am meisten vermissten sie Schlaf. Die Sache mit Felicitas, meist nur Feli genannt, hatte sich schon gut eingespielt, sie ließ ihre Eltern am Wochenende auch bis 9.00 Uhr schlafen, bevor sie energisch ihr Frühstück einforderte.

Aber Benno wollte immer nur trinken, so dass Anna schon ganz müde und abgezehrt war. Es war für sie eine große Hilfe, wenn Feli abwechselnd mal für ein paar Tage zu den einen und dann zu den anderen Großeltern durfte. Sie schärfte beiden Omas ein, Feli nicht zuuuuuuuuuuuu sehr zu verwöhnen, denn sie hielt nichts von den allseits bekannten verwöhnten Berliner Blagen oder auch Gören genannt.

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“Jetzt komm ich noch sechs mal und dann komm ich nimmermehr! ” sagt Anno Domini.

Anno 2028 – Ist das Kunst …

… oder kann das weg?

Anna hatte sich ihre Berufstätigkeit mit Kind recht gut eingerichtet. Das erste halbe Jahr blieb sie zu Haus, um Felicitas in aller Ruhe und Gemütlichkeit zu säugen stillen, aber dann bekam sie einen Platz in der Kindertagesstätte für Angestellte der Museen des Preußischen Kulturbesitzes. Das kleine Familienauto stand jetzt überwiegend ihr zur Verfügung, damit sie sich nicht mit Felicitas und Kinderwagen und den unfreundlichen Berlinern in den Berufsverkehr stürzen muss. Sie hatte ihre Arbeitszeit verkürzt und verändert, so dass sie außerhalb der Stoßzeiten unterwegs sein konnte.

Bei ganz akuten Problemen konnte sie auf ihre Schwiegermutter zurückgreifen. Die freute sich immer, wenn sie Feli mal ein paar Tage bei sich hatte und sie wieder gesund pflegen konnte.

In diesem Jahr war Claudias 50. Geburtstag gewesen – doch sie hatte sich gewünscht, mit ihrem Johannis allein verreisen zu dürfen, sie wollte keinen Trubel. Der Schmerz saß ihr noch zu sehr in den Knochen – sie hatte gerade ihren besten Freund loslassen müssen – er hatte nach schwerem Kampf aufgegeben und den Krebs „gewinnen“ lassen, obwohl er selbst vom Tierkreiszeichen her Krebs war. Mit Johannis wollte sie eine ruhige Zeit der Besinnung haben.

Doch zurück zu Anna. Als sich alles so richtig gut eingespielt hatte, merkte sie, dass sie wieder schwanger ist. Der Bauch wuchs ziemlich schnell und blieb auch ihren Kollegen nicht verborgen.

Alle waren in ziemlicher Hektik, weil eine Ausstellungseröffnung bevor stand. Eines Morgens kam Anna ins Büro und bekam fast einen Lachkrampf. Sie sah das Ding hier:

0104 2028 Kunst

Fassungslos vor Lachen fragte sie: „Ist das Kunst oder kann das weg?“ Sie hatte wirklich ernsthaft geglaubt, einer ihrer kunstbegabten Kollegen hätte sich einen Scherz erlaubt und sie irgendwie abgebildet. – Am Ende war sie heilfroh, dass der erschaffende Künstler nicht im Büro gewesen ist, als sie sich über die Plastik lustig gemacht hatte. Sonst hätte sie vielleicht noch eine Anzeige bekommen wegen persönlicher Verunglimpfung des Künstlers oder seines Werkes.

Mit einigen Schwierigkeiten hatte Anna die letzten Wochen ihrer Schwangerschaft im Büro gearbeitet. Sie wusste, dass es ein Junge werden wird – und sie wusste auch schon jetzt, dass er Maradonna, Pele, Klose, Ribery und Özil weit in den Schatten stellen wird, so wie er in ihrem Bauch schon die Tore schoss. Ihr Mann war historisch sehr interessiert und kannte alle bedeutenden Fußballer der Vergangenheit – deswegen fielen diese Namen immer mal wieder, wenn der Kleine in ihrem Bauch ein Tor schoss oder einen Rückwärtssalto wie Klose auf der Uterusrückwand landete.

Als er draußen war und in ihren Eingeweiden wieder Ruhe herrschte, war sie mehr als zufrieden. Felicitas war ihr schon ein wenig Hilfe und außerdem war sie ganz glücklich darüber, dass sie jetzt die große Schwester von dem kleinen Benno ist.

Benno und seine Mutter Anna verband ein ganz besonderes Band – nämlich das des gleichen Tages der Geburt, nur mit 30 Jahren Unterschied. Die für diesen Tag angesetzte Party mussten die Gäste allein feiern, Anna vergnügte sich stattdessen mit Wehenschreiber, Fruchtblasensprengung und was da so an an- und unangenehmen Dingen mehr sind. Aber wie gesagt, als er draußen war und wunderschön auf ihrem Bauch lag, war aller Kummer vergeben und vergessen. – Anna war nur traurig, dass Anno nicht bei der Entbindung dabei war – doch einer musste sich um die Gäste kümmern. Wenigstens Felicitas hatte vor Jahren die Anwesenheit ihres Vaters bei der Geburt „erlebt“ (schade, dass sie sich nicht erinnern konnte), mit wenigen Minuten schon in den starken Armen ihres Papas gewiegt zu werden – gewagt hatte das Unternehmen Kind die Mutter und gewogen haben die Hebammen das Kind.

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“Jetzt komm ich noch sieben mal und dann komm ich nimmermehr! ” sagt Anno Domini.