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Vorsätze – aus Kindheitstagen
Heute, wo sich so viele Leute mit den Gedanken an gute Vorsätze plagen, die sie dann nach einigen Wochen vergessen oder nicht erfüllen und sich dann eventuell in Gedanken wieder ein wenig plagen oder sorgen, fallen mir meine guten Vorsätze aus der Kindheit ein. Mein Gedächtnis ist ja nicht das allerbeste, und deswegen staune ich um so mehr, dass ich mich an einiges so deutlich erinnern kann.
Bei meiner Geburt waren meine Mutter 30, mein Vater 40 und mein Halbbruder 12 Jahre alt oder jung – für damalige Verhältnisse und im Vergleich zu meinen Klassenkameraden “unheimlich alt”, so zumindest jedenfalls muss ich es immer empfunden haben. Ich kann mich lebhaft erinnern – wurde ich je nach dem Alter meiner Eltern gefragt – beantwortete ich die Frage und setzte ungefragt hinzu: “Ich habe aber noch einen großen Bruder, der ist 12 Jahre älter als ich!”
Vorsatz 1: Du bekommst ziemlich jung deine Kinder – mit 23 und 25 Jahren bei den Entbindungen bin ich nach heutigen Maßstäben eine Frühgebärende, in der DDR jedoch näherte ich mich schon langsam der Grenze der “Spätgebärenden”. Ich finde das Alter auch heute noch okay.
Da ich ja meinen Vater weder erlebt noch gekannt habe, wurde er mir immer nur durch die Erzählungen meiner Mutter nahegebracht und durch die vielen Grabbesuche verleidet. Ich hatte bei ihren Erzählungen immer das Gefühl, dass ein nichtsahnendes, wenig wissendes und sehr unerfahrenes junges Mädchen einen bewunderten Alleskönner geheiratet hat und darüber so froh und glücklich war, dass es für ihn nie und nimmer, auch nicht für einen Tag oder einen richtigen Kuss, einen Nachfolger gegeben hat. Also erschien er mir wie ein Gott auf einem Thron.
Vorsatz 2: Du heiratest keinen Gott, sondern einen ebenbürtigen Partner, der maximal 5 Jahre älter ist. Vorsatz immer erfüllt. Der erste ernsthafte Anlauf war 5 Jahre älter, der Ehepartner vier Jahre, die Himmels-Liebe HL verfügte über 3 Jahre mehr Erfahrung und der klügste Mann in all meinen Beziehungen war gefühlte 10 Jahre schlauer, aber nur 4 Jahre laut Geburtsurkunde.
Mit meinem 9. Lebensjahr vergrößerte sich die Zahl meiner Erziehungsbeflissenen um zwei Personen – eine äußerst liebenswerte, aber vollkommen inkonsequente Oma, und eine altersmäßig besser zu mir passende Tante, deren Abneigung ich wohl gleich in der ersten Woche eroberte. Unsere Antipathie beruhte auf Gegenseitigkeit. Und diese Frau war fast so breit wie hoch, wie ich boshaft sagen würde.
Meine Abneigung gegen adipöse Menschen wurde durch meinen erlernten Beruf der Krankengymnastin weiter untermauert. Ein Schlüsselerlebnis: “Ich muss eine wahnsinnig dicke Frau massieren und ich ekle mich so, dass ich das Behandlungszimmer verlassen muss, sonst hätte ich ihr auf den Bauch gek…. .
Vorsatz 3 Du wirst nie im Leben richtig dick. Damals jonglierte man noch nicht mit dem BMI, aber die Marke 25 habe ich vielleicht in Schwangerschaftszeiten erreicht, sonst pendelte ich jahrelang um die 20 herum – also schon eher Modell “Hungerharke.”
Woher mein vierter Vorbehalt und der daraus resultierende Vorsatz kommt, kann ich nicht begründen. Auf jeden Fall heißt er:
Vorsatz 4: Du wirst nie im Leben richtig alt!
Jetzt könnte jeder von euch boshaft einwenden, dass ich diese “Wette” bereits verloren habe. Sicherlich ändern sich Meinungen über das Alter mit den selbst steigenden Lebensjahren. Für Schüler waren die meisten Lehrer näher dem Grab als dem Leben. Ich komme aus einer Familie, wo alle uralt werden: 96, 95, 88. Das erschreckt mich mehr als dass es mich erfreuen würde, dass ich vielleicht auch so alt werden muss. Ich finde es nicht erstrebenswert, da ich ein unheimlich bewegungs- und technikorientierter Mensch bin, der jetzt schon ständig und immer seine Grenzen gezeigt bekommt. Lieber 70 gute Jahre als 90 erträgliche! Meiner Mutter geht es trotz ihres hohen Alters im Grunde genommen gut, und dennoch möchte ich nicht geschenkt wie sie leben wollen. Auf fremde Hilfe angewiesen, abhängig von Kindern, die diese Hilfe nicht wahnsinnig gern leisten wollen, Kommunikation nur noch äußerst schwierig in großer Lautstärke möglich, Geräusche produzierend, die die Umwelt nicht hören möchte usw. usf. – ich könnte die Liste noch fortsetzen. Ich will das nicht – notfalls muss ich ganz intensiv darum bitten oder beten. Aber jetzt erst einmal:
Geschützt: Omazeit = Fastenzeit statt Faxenzeit?
Es ist vorbei …
… denn zu sagen “Es ist vollbracht!” wäre vermessen und außerdem für den falschen Feiertag gewählt, denn dieser Ausspruch gehört zum Karfreitag.
Wenn es nach mir ginge, könnte der Kalender jeweils vom 23. Dezember auf den 27. springen – ich hätte nichts dagegen und würde nichts vermissen. Aber wie “fröhlich” soll Weihnachten aber auch sein, wenn 158 Jahre versammelt sind – verteilt auf nur 2 Personen. Mir ist bei Weihnachten offensichtlich der Anlass zum Feiern verloren gegangen, seitdem ich nicht mehr kirchlich orientiert bin und mein – noch nie sehr tief verwurzelter – Glaube abhanden gekommen ist. Bei den meisten wird ja Weihnachten als “das Fest der Familie” mit viel gutem Essen, Trinken und vor allem Geschenken gefeiert – diese Auslegungsweise war besonders in der DDR verbreitet. Bei mir ist diese Interpretation mit dem Niedergang der DDR auch den Bach hinunter gegangen. – Als dritte Auslegungsvariante bleibt “Weihnachten – das Fest der Liebe!”. Vor der Definition dieses Wortes habe ich ein wenig Angst – überfrachtet man damit Weihnachten nicht?
Wenn es nach den Geschenken geht, bin ich dieses Jahr mehr als reichlich beschenkt worden. Kurz vor Weihnachten läutete der Paketbote. Da ich nichts im Versandhaus bestellt hatte, erwartete ich eine Sendung für meine Nachbarn. Aber nein, es war ein richtiges, ein richtig schönes Paket für mich, mit Enkelkinderzeichnungen, Enkelkinderkalender, Tochtergeschenk und vor allem Tochterkarte mit einer Fotomontage der Kinder.
Meine Freude war sehr, sehr groß. Voller Enthusiasmus fing ich an, in das in der Kiste enthaltene Glückstagebuch meine ersten Eintragungen zu machen. Doch gestern und heute fand ich nichts, was ich hätte aufschreiben können. Ob ich meine Augen oder meine Sinne nicht richtig geöffnet habe? – Als ich jedoch die CD gehört habe, jauchzten meine Ohren und ich habe sie vor lauter Begeisterung gleich 3x hintereinander gehört. An Spiegel, Kühlschrank und Geschirrspüler kleben jetzt überall “E.-v.-Hirschhausen-Sprüche” wie
“Liebe dich selbst, dann können die anderen dich gern haben” oder
“Lache, und die Welt lacht mit Dir – schnarche, und du schläfst allein!”
Einer Freundin, die ungemein Pinguine liebt, habe ich noch am Heiligabend eine der XXL-Postkarten in den Briefkasten gesteckt. Darauf war die Vorlage für einen Pinguin-Hampelmann gezeichnet – alle notwendigen Zutaten lieferte ich ihr gleich mit.
Der Geschenkefluss ging am zweiten Feiertag weiter. Ich war bei einer Freundin eingeladen. Dort kamen wir auf lumpige 133 Jahre, verteilt auf 4 Personen. Neben Dingen für die Schönheit (Badesalz), den Geist (Buch) und die Hüften (Superkonfekt) bekam ich wieder etwas für die Lachfalten, nämlich 210 Minuten Hape Kerkeling. Wenn er nicht gerade als Horst Schlämmer mit seinem Gerülpse und seinem “Schätzelein” nervt, ist er ja ein toller, intelligenter und vor allem supersprachbegabter Komiker, den ich sehr mag.
Jetzt ist nur noch Silvester und Neujahr zu überstehen, dann habe ich erst mal wieder ein Jahr Ruhe. Für Silvester muss ich mir noch was ausdenken, wie ich dem Höllenlärm entgehen kann, denn ein Knalltrauma wäre das letzte, was ich für meine Ohren noch brauchen könnte. Ein Böller in unserem Hausflur entspricht einer Detonation von (gefühlt) einer halben Tonne TNT.
Manisch – wie bin ich dann?
Nicht überlegend würde ich sagen: “Na, so wie immer.” Aber Gott sei Dank stimmt das nicht, denn das würde keiner aushalten, vielleicht nicht einmal ich. Jeder Mensch hat endliche Kraftreserven. Bin ich jedoch stark manisch, kann ich alles, weiß ich alles, klappt alles, bin ich sehr kreativ, will alles verändern, widerspreche jedem, akzeptiere (fast) nichts, handle unüberlegt, mache Sachen, die ich nachher bereue.
Manische Zeiten, an die ich mich erinnern kann:
Besuch in Prag: Neben vielen vernünftigen Sachen habe ich mir dort 2003 drei Tattoos stechen lassen. Jederzeit würde ich zu einem davon stehen und würde es mit Händen und Füßen verteidigen – aber mir fehlen alle Verteidigungsworte für drei von diesen Dingern. Am ersten Tag ließ ich mir eines in den linken Oberarm stechen – es war in memoriam für HL. Ich werde es nie weglasern lassen, und wenn meine Haut im Alter noch so schrumpelig werden sollte. Dann ziehe ich eben T-Shirts mit kurzen Armen an. -
Da mich niemand abhielt und zur Überlegung mahnte, ging ich am nächsten Tag noch einmal hin und “langte” richtig zu: einen kleinen Schmetterling auf die rechte Schulter gemalt und ein – meiner Meinung nach sehr schönes – auf dem rechten Unterschenkel. Letzteres tat richtig, richtig weh. Ich wollte nach den Konturen aufhören, aber das ließ die Ehre des Tätowierers nicht zu. Er radebrechend tschechisch-englisch, ich radebrechend deutsch-englisch – es war eine Kommunikation unter Tränen. – Da war das Bauchnabelpiercing ein Sch… dagegen. – Lacht jetzt bitte nicht, das alles animiert dazu, wirklich schlank zu bleiben und hübsche Beine zu behalten. Allerdings kam es dann doch anders. Nachdem sich mein Sohn entsprechend aufgeregt hatte, entzündete sich das Piercing und fiel mir auf der Irlandreise in der Nacht raus. Damit hatte sich diese Sache ganz schnell erledigt – dabei war es das Unauffälligste, das ich am besten verbergen konnte.
Zustand nach HLs Tod: So überdreht und überspannt war ich wohl selten. Alle hatten Trauer und Zusammenbruch erwartet, und es gab nur Geschäftigkeit, Hektik, Kampf – gegen seine Familie und am Arbeitsplatz. Zusammenbruch kam ca. 6 Monate später und seit dem bin ich auch in richtiger psychiatrischer Behandlung.
Der Höhepunkt war wohl der vollkommen unüberlegte Kauf des roten Golfs. Ich hatte vorher einen kleinen roten Toyota, in dem mich alles an HL erinnerte. Plötzlich sah ich einen roten Golf auf der Straße stehen. Ich meinte HLs Stimme zu hören, dass ich mir den kaufen sollte. “Gesagt, gehört, getan”, aber offensichtlich war auch damals mein Gehör schon schlecht und ich habe mich verhört, denn so ein Schrottauto hätte mir HL nie und nimmer empfohlen.
Zustand beim Umzug nach Lichterfelde: Innerhalb eines Vierteljahres suchte ich zwei Wohnungen für meine Mutter und mich, erledigte den Umzug, richtete beide Wohnungen mit allen handwerklichen Arbeiten fast alleine her und arbeitete mich nebenbei noch an einer neuen Stelle ein. Mein tägliches Schlafpensum lag bei ca. 4 Stunden. Angeblich soll man es mir danach aber doch angesehen haben, dass ich fix und fertig war. Und in meiner Über-Manie legte ich mich gründlich mit meinem Chef, dem Dr. Kotzbrocken (so sein allgemeiner Spitzname), an, so dass ich nach drei Monaten in der Probezeit fristlos gekündigt werden sollte, was aber abgewendet wurde.C’est la vie.
Die Ihr das lest und mich kennt, Ihr könnt die Liste als Kommentar ruhig verlängern – ich muss es ja nicht veröffentlichen, wenn es mir nicht gefällt.
Fernsehen bildet …
… behauptet das Fernsehen. Ab und an gibt es mal eine Sendung, die tatsächlich einige interessante Informationen bringt.
Neulich ging es um psychisch Kranke. Ein Neurologie-Psychiatrie-Professor hatte über die verschiedenartigsten Erkrankungen ein Buch geschrieben. Er meint, dass ein Drittel der Bevölkerung irgendwann einmal psychisch krank war oder ist und der Rest als Angehöriger, Befreundeter oder einfach nur Arbeitskollege etc. mit diesen Menschen zu tun hat. Er vertrat die Auffassung, dass gerade manisch Kranke eine Abwechslung zu den ständig angepassten Normalos seien und das Leben bunter und aufregender machten.
Also bitte, liebe “Normalos”, die ihr diesen Block lest, werft mir doch nicht immer meine Überdrehtheit, meine Verrücktheit und mein Anderssein vor – ich will doch nur eine “Bereicherung” sein. Mal ohne Ironie – es hilft psychisch Erkrankten sicher, wenn sie sein dürfen, wie sie sind – und sich nicht immer zusammenreißen müssen. Mein Temperament geht eben auch mal ein wenig mit mir durch – und wenn es als Freude auf einer Entbindungsstation ist.
Geschützt: Oh du fröhliche …
Mein (Tele-)Kommunikations-Tick
Wenn eine einzelne Person allein drei Festnetztelefone und zwei Handys hat, ist das doch schon ein wenig verrückt. Bis vor kurzem hatten die verschiedenen Festnetzapparate wenigstens noch einen Sinn: sie verteilten sich nämlich durch ISDN auf zwei verschiedene Nummern. Dadurch konnte ich unbesorgt stundenlang mit der unbekannten Nummer anrufen und die andere war immer frei, falls mich jemand erreichen wollte. Das wichtigste Wort im letzten Satz ist “falls”. Jetzt habe ich ISDN aus Kostengründen abgegeben. Ein Anklopfsignal gibt es auch nicht – also weiß ich nicht, wer mich vielleicht anrufen möchte und nicht kann, da ich das Telefon blockiere.
Ich wünsche mir so oft, dass ein Anruf blinken würde, wenn ich nach Hause komme – aber meist sind es nur Gewinnspielanrufe, Versicherungsvertreter oder sonstwie verkappte Dienstanrufe. Ein wirklich privater Anruf ist so selten – will denn wirklich kaum noch jemand was von mir wissen? Oder denken alle Leute, dass ich mich schon melden werde, wenn ich was will. Ich habe nämlich tatsächlich immer die schwächeren Nerven und rufe dann von mir aus an.
Die beiden Handys erkläre ich mit technischen Finessen – das eine dient nur als Organizer und ist praktisch mein klingelnder Kalender. Doch ich würde es schon ab und an mal gern zum Angerufen-Werden benutzen.
Manchmal denke ich, dass ich die Leute (Bekannte, Freunde …) mit meinen Problemen überfordere, zu viel von ihnen erwarte. Dennoch begreife ich es nicht, dass ich noch gerade mit jemandem telefoniert habe, dann eine Mail mit wichtigen Dingen hinschicke und darauf mehr als drei Wochen nichts mehr höre. Ich selbst traue mich dann auch nicht mehr anzurufen, weil so eine ganz zarte Andeutung kam, dass nun der Probleme genug gewälzt wären. Dann sollte man mir doch nicht vorher sagen, dass man mir helfen will.
Vielleicht sollte ich mal ernsthaft darüber nachdenken, warum die (Tele-)Kommunikation mit manchen Leuten gestört oder unterbrochen ist.
Sollte ich "X" beneiden oder nicht?
Wer ist “X”, der auch Y oder Z heißen könnte und auch weiblich sein könnte? Auf jeden Fall ist es eine Person, die plötzlich und unerwartet stirbt, quasi mitten aus dem Leben herausgerissen wird. – Zu Haus sind von diesem Tod Ehepartner oder Lebensgefährtin und Kinder betroffen und bis ins Mark erschüttert. Wie soll es jetzt weitergehen?
All das wäre in meiner Situation vollkommen anders. Ein Herzensgefährte ist nicht da, in dessen Leben es wie ein Blitz einschlagen würde. – Meine Mutter würde leiden, denn Mütter leiden immer, wenn ihre Kinder vor ihnen gehen. Würden meine Kinder “leiden” – ich denke, nicht so richtig. Würden sie überhaupt weinen können – oder wären durch meinen Tod die Konflikte und Auseinandersetzungen zu Ende? Sicher wäre das Gefühl ein anderes, wenn ich nicht durch Krankheit tot umgefallen wäre, sondern der Tod selbst bestimmt eingetreten wäre.
Es gibt Tage wie heute, da kann ich “X” eher beneiden. Ich bin mitten in der Nacht aufgewacht und hatte einen beiderseitigen Tinnitus, wie ich ihn noch nie gehabt habe. Alles rauschte, in meinen Ohren spielten sich wahre “Lüfterorgien” ab, so hörte es sich an. – Zum Glück schlief ich wieder ein. Als ich am späten Vormittag aufwachte, war es noch schlimmer. Auf beiden Ohren waren die tiefen Frequenzen ausgefallen, so dass sich Männerstimmen wie die von Eunuchen anhörten. Eine Telefonverständigung war ausgeschlossen – ich verstand einfach nichts mehr. Das hatte ich jetzt schon zweimal innerhalb der letzten 13 Monate. Der Gedanke, auch noch mein gutes linkes Ohr zu “verlieren” und dann ganz und gar von der Kommunikation abgenabelt zu sein, erscheint mir unerträglich. Jetzt ist sie teilweise durch psychische Ursachen gestört, dann wären es physische, die noch irreparabler sind. – Also ging ich sofort in die Notaufnahme des Klinikums. Die Ärztin war – wie mein Facharzt auch – der Meinung, dass es von einer Blockade der Halswirbelsäule kommt. Ich lief den ganzen Tag mit einem heißen Körnerkissen und einem elektrischen Heizkissen herum. – Offensichtlich hat es schon ein wenig geholfen – es hört sich schon wieder normaler an, auch meine eigene Stimme.
Dummerweise hatte ich am Nachmittag ein Kennenlerngespräch mit einer neuen Familie. Was mögen sich die drei Jungen (2, 4, 6) gedacht haben, als ich nie so richtig auf ihre Fragen einging. Ich hoffe, dass mich wenigstens die Eltern verstanden haben und der Kontakt dennoch zustande kommt.
Nie richtig Kind – nie richtig erwachsen!
An was mag es wohl liegen, dass ich das Gefühl habe, immer noch nicht richtig erwachsen geworden zu sein? Liegt das an den fehlenden Kuscheltieren in meiner Kindheit, dass jetzt lauter Löwen, Hunde, Krokodile und Bären aus Plüsch in meiner Wohnung verteilt sind??? Oder hat meine manische Grundeinstellung im Leben auch etwas damit zu tun, dass sich mein Wohnzimmer, mein Bad – nein – alle meine Räume so sehr von den Räumen anderer Erwachsener unterscheiden?
Aber nicht nur Plüschtiere sind meine Begleiter. In meinem Bad ist alles voller Fische, Seepferdchen, und Seesterne, Schlingpflanzen, Schildkröten, Muscheln, Seeigel und was es nicht noch alles an Meeresbewohnern gibt. 
Wer sich schon keinen Urlaub auf Hawaii leisten kann, sollte sich Meeresgefühle auf andere Weise verschaffen. – Damit ihr mir das auch glaubt, zeige ich euch jetzt ein paar Bilder. – Die Reaktionen der Besucher zeigen mir auch ohne Worte, ob sie zu den “Kindern” oder zu den “Erwachsenen” dieser Welt zählen.
Meine Kinder freuen sich immer wieder darüber, wenn dann auch noch Sterne am Himmel oder phosphoreszierende Delphine im Dunklen leuchten – aber nicht nur die Kinder freuen sich darüber, ich auch, sonst hätte ich es nicht gemacht.
Was kann frau denn noch so alles sammeln in ihrer Wohnung? Antiquitäten? Ist nicht mein Ding – alt werde ich von allein und zu teuer sind sie außerdem. – (Öl-)Gemälde – kann ich mir nur in der Form von Kunstdrucken leisten. Pompöse Bilder mit Goldrahmen sind auch nicht so mein Geschmack. Also blieben mir nur Fächer mit chinesischen Schriftzeichen und Rosen.
Vielleicht finde ich auf diese Weise jemand, der oder die mir sagen kann, was ich da so an meiner Wand zu stehen habe – ich hoffe nur gute Sachen!
Geschützt: Wunschoma = Freude auf Zeit
Arbeitslosigkeit – Belohnung oder Bestrafung???
Zu diesem Thema möchte ich die Einleitung zu einer Geschichte wiedergeben, die ich 2005 für die Eltern eines Wunschenkelkindes zu Weihnachten geschrieben habe:
Arbeitslos!!! Ein schreckliches Wort in meinen Ohren, denn an Arbeit mangelt es ja wohl nicht, allerdings ist diese mehr ehrenamtlicher oder schlecht bezahlter Natur.
Arbeitssuchend!!! Eine vornehmere, vor allem aktiver klingende Umschreibung der Tatsache, dass der Arbeitsmarkt für solche “ältlichen Vorzimmerdamen” wie mich keine Verwendung mehr hat. Mehr als 100 Bewerbungsbriefe brachten mir immer wieder in Erinnerung, dass ich gegen ein Heer von jüngeren, kürzer berockten und auch fachlich versierteren Sekretärinnen – die auch noch weniger aufmüpfig als ich sind – antrete und eigentlich nur verlieren konnte.
Erwerbslos!!! Da es immer noch nicht klappt, dass der Mensch allein von Luft und Liebe leben kann – die Sozialämter machen dennoch ähnliche Vorschläge – spielte dieser Faktor in meinen Überlegungen eine wichtige Rolle. Wie schön wäre es für mich, die persönlichen Präferenzen mit ein wenig finanzieller Belohnung dekorieren zu können.
Nachdem ich diese drei Worte immer und immer wieder fruchtlos in meinem Kopf gewälzt und meinem Herzen bewegt hatte, entschied ich mich für den ehrenamtlichen Weg. Die finanzielle Lage wird zwar dadurch nicht gebessert, aber wenigstens die moralische. Viele fallen ohne Aufgaben und Verpflichtungen in ein tiefes Loch, aus dem sie dann mühsam durch teure Medikamente wieder Stufe für Stufe ans Tageslicht geholt werden müssen. Mir wäre es ähnlich ergangen.
Zum Glück entschied ich mich dafür, mal das zu machen, woran ich Spaß und Freude hatte. Alte und Kranke, Obdachlose oder Gefangene, religiöse Gemeinschaften oder Kleintierzüchtervereine, Ökofreaktreffen oder politische Parteiarbeit kamen nicht in die engere Wahl. Büro- und Bibliothekstätigkeit hatte ich im Berufsleben satt erlebt. Ein Hund war lange Zeit im inneren Zwigespräch, aber er verlor das Rennen gegen Kinder.
Offensichtlich ist das bei Mutter und Tochter fließende Pädagogenblut auch in meinen Adern vorhanden, denn ich entschied mich für die ach so niedlichen (und ach so wehrlosen) Kindergartenkinder. Direkt im Kindergarten beschäftigte ich mich mit Kindern, denen die deutsche Sprache aus irgendeinem Grund mehr Schwierigkeiten macht als ihren Altersgefährten. Auf spielerische Art versuchte ich, ihren Sprachschatz zu erweitern und ihre Fehler zu verbessern. Zuletzt waren es 20 Stunden pro Woche – fast eine Halbtagsstelle, deren Vergütung vielleicht mal im Himmel erfolgt, denn der KITA-Träger war die Caritas.
Aus Gesundheitsgründen (2 Mittelohrvereiterungen mit anschließendem Hörverlust und Tinnitus) machten der regelmäßigen Beschäftigung ein Ende. Mit Tränen in den Augen, vor allem aber im Herzen, nahm ich Abschied. Eltern und Kinder bedauerten es sehr, doch ich bedauerte es noch mehr.
Jetzt hatte der Tag wieder keinen richtigen Anfang und keine Struktur.
Meine Recherchen führten mich im März 2005 zum Berliner Großelterndienst. Ein gut aufgemachter Fleyer ließ mich Hoffnung schöpfen. Die vielen, vielen Ersatzomas und die nicht ganz so zahlreichen Ersatzopas – liebevoll auch Wunschoma und -opa genannt – werden nicht einfach ins kalte Wasser gestoßen und ihrem Schicksal überlassen. Monatlich gibt es ein Arbeitsfrühstück, bei dem jeder seine Probleme in der Runde vorbringen kann, um zu einer Lösung zu kommen. – In Weiterbildungsveranstaltungen kann man sich Rat und Hilfe holen, wie die kleinen Zappelphilipe oder Quasselstrippchen im Winter oder bei schlechtem Wetter beschäftigt werden können. Aber auch Tagesausflüge zum kennen lernen von Land und Leuten werden organisiert. – Für finanziell schlechter gestellte Omas/Opas gibt es eine Aufwandsentschädigung, die variabel ist und von der Finanzsituation der alleinerziehenden Mutter oder der Eltern abhängt. Minimal 0,00 € bis 4,00 € oder 5,00 €, nach der 6. Stunde 2,50 €.
Ich bin dort sehr glücklich und habe viele spannende Kinder mit ihren zum Teil noch spannenderen, aber teilweise auch anstrengenden Müttern erlebt. Aber auf jeden Fall ist es besser, als nur von Hartz IV zu leben und dumpf in den Tag hinein zu vegetieren.
Musik
Musik wird störend oft empfunden, sobald sie mit Geräusch verbunden.
Ob das Eugen Roth, Ringelnatz oder Morgenstern gesagt hat, weiß ich nicht – aber auf jeden Fall haben sie recht. Und ich meine nicht nur Musik im ganz direkten Sinne, sondern Lärm und Geräusch ganz allgemein. In einer Großstadt gibt es wenig Chancen, dem Lärm zu entgehen, er ist fast allgegenwärtig.
Nun könnte doch jeder denken, dass ich es mit meinem eingeschränkten Hörvermögen gut hätte, weil ich ja alles leiser oder gar nicht höre. Leider ist dem nicht so. Das Innenohr mit seinem zerstörten Flimmerepithel nimmt Geräusche über eine bestimmte dB-Zahl und vor allem schrille Frequenzen ganz besonders übel. Fachleute nennen das “Hyperakusis”. Kreischende Weiber im Gewinntaumel beim Doppelkopfspielen sind eine wahre Prüfung Gottes für meine Ohren, auf die ich manchmal verzichte, wenn es mir nicht so gut gehe – obwohl ich für mein Leben gern Doppelkopf spiele. – Generell haben es die meisten Frauenstimmen schwerer, Wohlgefallen vor meinen Ohren zu finden. Sind sie aber auch noch laut und schrill, dann ist es für diese Stimmen noch schwerer, auf der Sympathieleiter weiter nach oben zu steigen. – Sind sie jedoch zu leise, tritt bei mir der sogenannte “Kopfhörereffekt” ein – ich spreche immer lauter, weil ich nichts verstehe.
Insgesamt bin ich immer wieder empört, dass ich / wir uns in jedem Geschäft, in jeder Kneipe und fast schon in jeder S-Bahn Musik anhören müssen, die wir gar nicht hören wollen. Gesunde Menschen können akustische Störquellen = Akustikmüll ausblenden – ich kann es leider nicht mehr – und das nervt, nervt, nervt!
Behindert oder doch nur beeinträchtigt?
“Wenn du morgens aufwachst und dir tut nichts weh, dann bist du tot!”
Diesen dummen Satz kennt ja wohl jeder. Tot bin ich nicht, über Schmerzen kann ich im allgemeinen auch nicht klagen – nur einen neuen Kopf möchte ich haben. Die Medizin hat Transplantationen wohl schon stückweise versucht – aber mir ist nichts bekannt, dass schon ganze Köpfe von dem einen Körper auf den anderen gepflanzt wurden. Und wie ich mich und meine Mäkligkeit kenne – könnte ich mich im Ernstfall nicht entscheiden: Der eine wäre mir zu alt, der andere zu hässlich, der dritte zu männlich. Also muss ich wohl mit dem meinigen trotz aller Unvollkommenheiten leben.
Warum habe ich alle Einschränkungen nur am Kopf? Will mir da jemand etwas zu verstehen geben? Ich kann das Rätsel nicht lösen. – Wenn ich mich mit gleichaltrigen Frauen vergleiche, sehe ich ganz schön alt aus, auch wenn es nicht gleich auf den ersten Blick auffällt. Figur und Geist sind ok, doch was machen wir mit dem Rest?
Nase: Eine total verpfuschte Operation, die sogar zu einer Klage führte mit mittelprächtigem Erfolg. Der Arzt (bzw. seine Versicherung) musste nicht für die misslungene Operation zahlen, sondern nur für die fehlende Aufklärung über die Risiken. – Die zweite Op war eine korrigierende, die dritte eine nochmalige Totaloperation. Das jetzt niemand auf falsche Gedanken kommt – es ging nicht um Schönheit, sondern lediglich um Luft. Ich wollte einfach und allein den Mund zulassen können beim Luftholen, und das nicht nur im Ruhezustand, sondern auch in Bewegung. – So richtig hat es aber auch die große HNO-Koryphäe nicht hinbekommen. Wahrscheinlich waren ihm die 3.000,00 € zu wenig, die ich gezahlt habe. Er wollte 4.000,00 haben.
Augen: Eine überflüssige (durch Fehldiagnose zustande gekommene) Kataraktoperation. Dann die notwendige Op, da auf der Netzhaut eine Membran lag. Es bestand die Gefahr der Verwachsung. Eine zu späte Entfernung hätte Blindheit auf einem Auge bedeutet. – Aber nicht das stört, sondern die ständig und immer brennenden Augen. Das Gefühl, im einen Auge drei Wimpern und im anderen zwei Sandkörner zu haben. Tropfen, Gel, Kompressen – es gibt kaum etwas, was ich nicht schon probiert hätte und es gibt kaum etwas, was dauerhaft hilft. – Wenn ich so überlege, dass eine Brille so um die 800,00 € kostet, habe ich in meinen Kopf schon mehr als einen Cadillac investiert.
“Blind sein trennt von den Dingen, doch taub sein trennt von den Menschen!”
Ohren: An diesen Spruch muss ich immer wieder denken, wenn ich mir den Zustand meines Innenohrs vorstelle. Ca. zwölf Hörstürze über 30 Jahre verteilt und zwei Mittelohrvereiterungen mit anschließendem hammerharten Tinnitus im Jahre 2004 haben dazu geführt, dass ich rechts sehr wenig und links ein wenig mehr höre. Hörgeräte sind wohl am besten für die Hörgeräteakustiker und die Herstellerfirmen, denn sie verdienen daran. Sie verbessern das Hören in Situationen, in denen ich auch noch ohne etwas verstehen würde. Bei Musik, Lärm, Strassengeräuschen und ähnlichen akustischen Widrigkeiten sind sie eher störend, da sie auch diese ungewollten Geräusche verstärken. Ich bin öfters so genervt und gestresst, dass ich Feiern, Veranstaltungen u.ä. vorzeitig verlasse, weil ich denke, mir explodiert der Schädel.- Wenn ich überlege, dass ich dafür mehr als 5.000,00 € bezahlt habe, bin ich noch mehr gestresst.
Gehirn: Meine Vergesslichkeit grenzt schon manchmal an Demenz oder Alzheimer, aber es ist keines von beiden. Vielleicht will mich mein Gedächtnis auch nur schützen vor unangenehmen Erinnerungen. – Und die bipolare Erkrankung hat ihren Sitz im Gehirn, es fehlen chemische Botenstoffe, die bei mir mit einem Lithiumpräparat ausgeglichen werden.
Zähne: Wenigstens das ist doch ein “erfreulicher” Absatz, denn Zahnschmerzen kann ich nicht mehr bekommen, nur noch Implantatschmerzen. Im Unterkiefer hat mich der Spaß, wieder feste Nahrung zu mir nehmen und den Pürierstab aus der Liste meiner engsten Freunde aussortieren zu können, mehr als 6.000,00 € gekostet – alles Geld, was ich eigentlich für meine Altersvorsorge gedacht habe. Bei der zu erwartenden Mindestrente wird am Ende des Geldes immer noch viel zu viel Monat übrig sein. – Mit dem Millionär als Ehemann wird es nicht mehr klappen, also muss ich entweder auf Günter Jauch ausweichen oder eben nicht so lange leben.
Macht Stress depressiv oder aggressiv?
Ja – nein – vielleicht – mal so, mal so. So etwas sagen die Ärzte so alles. Mal auch: “Kommt drauf an, ob es eine endogene oder exogene Depression ist.” – Das soll heißen, bei der ersten kann man auch nach einem Millionenlottogewinn im Kreis der besten Familie auf Haiiti depressiv werden und muss damit nicht erst auf das triste Novemberwetter in Deutschland warten. – Für die letztere braucht es schon, je nach Stand der Erkrankung, einen nennenswerten äußeren Anlass, um wieder in das schwarze Loch zu fallen. Doch die Anlässe können bei den einzelnen so vielfältig sein. Für einen reicht schon die fehlende Sonne, der andere wird erst bei fehlender Arbeitsstelle krank.- Der eine wird trotz guter Partnerbeziehung krank, der andere wegen einer fehlenden Beziehung. – Eine gute stabile Familieneinbindung mit einer Umgebung, die versteht und liebt, kann auf keinen Fall falsch sein.
Doch bloß was tun, wenn das fehlt?























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