Fotostöckchen “Lang, lang ist’s her”
Mit ihrem harmlosen “Lang, lang ist’s her” hoffte Frau Skryptoria, uns alle dazu zu animieren, in unseren alten roten Truhen, unseren vermotteten Kleiderkisten, unterm Bett und sonstwo zu kramen, um alte Fotos aufzutreiben. Sie warf so mir nichts dir nichts ein Stück Holz in die Luft, freute sich, dass es z. B. von Ute und der frisch gestylten Freidenkerin aufgefangen wurde und lehnte sich entspannt zurück.
Und wie sich herausstellt, haben das Tausende und Abertausende danach begeistert getan. So funktioniert Massenmanipulation durch die Medien oder hier durch eine Bloggerin. Dieses “Brenn-holz-stöckchen” ist zur freien Verfügung und jeder kann es aufsammeln.
Da ich Gott sei Dank nicht zu diesen Personen gehören, die alte Fotos einfach verbrennen, könnte ich mich jetzt entspannt zurücklehnen und sagen, dort sind doch schon alte Fotos von mir zu sehen. Als Braut vor 42 Jahren habe ich mich hier auch schon gezeigt - im Grunde genommen ist das genug Selbstbeweihräucherung, zumal alle Kommentare zu meinem Brautkleid so wohlwollend ausfielen.
Aber sie, die Frau Skryptoria, will ja auch noch begleitende Geschichtchen zu den Bildchen lesen – was mag sie nur davon haben?
Soll sie sich doch durch die ganzen Veröffentlichungen “fressen” (*grins*), bis ihr von dem vielen historischen Brei übel wird. Dann will sie den Rest ihres Lebens keine Fotos mehr sehen. Ätsch! Das hat sie nun davon: “Phot-Ant-Eritis” wird die Folge sein – ein Leiden, das beim Anblick alter Bilder auftritt.
Vielleicht auch einfach nur: Einzelkind. Ich habe das Foto extra so groß eingestellt, damit ihr die abgenutzten Schuhspitzen und das irre Design des Sofas sehen könnt. Es war übrigens 1952. Heute würde kaum ein Kind mit solchen Schuhen zur Feier geschickt werden. – Man beachte: Lernbereites, wissbegieriges Lächeln, erste Zahnlücke schon fast verwachsen (ich war 7), wenig windschlüpfrige Ohren, dämliche Zopf-Hahnekamm-Frisur und überhaupt.
In der 10. Klasse legte ich mich bei einem äußerst brutalen HNO-Arzt unters Messer, biss die Zähne zusammen und beseitigte den geburtsmäßigen Missstand – lies Ab-Stand – der Ohren. – Ab da konnte ich endlich kurze Haare tragen und habe diesen Zustand (bis auf einen Ausrutscher mit Lockendutt und Korkenziehern – siehe letzte Bilder) seit dem nie wieder verändert. – Das Bild ist 1962 entstanden. Pausbäckig optimistisch.
Urspünglich wollte ich mein Tanzstundenfoto zeigen – aber wer zeigt schon gern ein Bild, auf dem man aussieht wie die eigene Oma – ich nicht. Und den wirklich hübschen Tanzstundenherrn hätte ich nicht zeigen dürfen – der ist Kommunalpolitiker geworden!
Deswegen folgt als nächstes das Hochzeitsfoto mit richtig gut erkennbarem Nelkenstrauß (Extragruß an chinomso) – aber von der standesamtlichen Trauung im (un)anständig kurzen Kleid – für d
amalige Verhältnisse. Es war 1967! Die gerade noch vorsichtig hervorlugende Brille vom frischgetrauten Gemahl beweist doch hoffentlich, dass ich diese Zeremonie nicht allein durchgestanden habe!
Warum ich weiße Schuhe zum schwarzen Kleid trage, weiß ich heute nicht mehr. Sicher lag das an einem in der DDR oft üblichen Engpass – für das Quartal waren eben gerade Hüte zum Verkauf vorgesehen und nicht Schuhe. – Vielleicht hätte ich barfuß mit Hut auch nicht uninteressant gewirkt.
Das Hutbild habe ich extra für Frau Skryptoria rausgesucht, damit ich den Hut für ihr lebensgefährliches Hobby und natürlich vor ihr lüften (oder “lüpfen?”) kann. Geoutet hat sie sich bei einer ehemaligen Fliegerin in dieser Runde! Sucht doch selbst!
Und jetzt, last but not least gibt es ein letztes: Es ist aus einer ganzen Serie, einige Bilder davon sind weniger jugendfrei als dieses, und wir hatten bei der Session viel, viel Spaß. Der Fotograf war ein Klassenkamerad von mir und wir haben diesen Foto-Serien-Zirkus 1998 veranstaltet.
Halt, noch nicht Schluss! Nach diesen zwei Fotos habe ich mehr als eine Stunde in -zig verschiedenen Alben gesucht, denn ich hatte sie noch nicht verdigitalisiert. Also schnell über den Scanner gejagt und:
Fasching 1972: Das ist die Endstufe des Brautkleides. Vorher war es um eine Rüsche länger, doch Clara hat offensichtlich gesungen:
“Wenn doch die Clara, nett, nicht so schöne Beine hätt,
hätt sie viel mehr Freud an dem langen Hochzeitskleid.
Doch, da sie Beine hat, gertenschlank und kerzengrad,
hat sie jetzt mehr Freud an dem kurzen Faschingsskleid.”
Das Motto des Faschings: “Die goldenen 20er Jahre”. Das Käppchen mit dem Röschen wurde schnell an einem Tagchen gehäkelt, das Make-Upchen aufgetragen und los ging’s auf’s Tanzbödchen! – Übrigens, die Himmelhochs waren keine Alkoholiker, deswegen stehen die Flaschen alle voll auf dem Schrank. Der Geburtstags-Mastika ist nicht dabei! Der kam später.
Langsam beginnt mir das Stöckchen richtig Spaß zu machen, und deswegen kommt jetzt das kurioseste Foto, was es je von mir gegeben hat: Clara mit Locken-Hochsteckfrisur. Von der Vor-Ohren-Zeit abgesehen habe ich nur dieses eine Jahr mal lange Haare gehabt.
Nun habe ich euch eine Palette von 1952 bis 1997 geboten. Ein ganz klein wenig habe ich mich in dieser Zeit verändert (die Haare sind silberner geworden), die äußeren Umstände haben sich verändert – teils zum Guten, teils zum weniger Guten.
Wenn Ihr Spaß hattet – ich hatte ihn auch! Clara von 7 bis 50+

















Hallo, liebe Clara!
Wie schön, dass ich durch Skriptums Stöckchen und einen Gegenbesuch bei dir hier in diesem schöne Blog gelandet bin und an einer herrlichen Zeitreise teilnehmen durfte.
Ich komme ganz bestimmt noch mal wieder zu Besuch und lasse erst mal liebe Grüße aus dem Münsterland hier.
LG Gudi
“Stöckchen” verbinden – wahrscheinlich rückt die Bloggerwelt am Kaminfeuer, das mit lauter Stöckchen beheizt wird, und der damit verbundenen Wärme enger zusammen.
Münsterland – Münster – Jugendherberge am Aasee? – richtig – mit die schönste Erinnerung meines Lebens damit verbunden.
Nicht nur deswegen, sondern überhaupt sei gegrüßt auf “BOb” = Berliner Oma bloggt, allgemein aber bekannt unter Clara Himmelhoch
**Nelken-Gruß gefangen und blau-weissen Blümchengruss (aus meinem Header) an dich zurück schick**
Schöne Fotos aus dem Himmelhoch-Leben.
Also sind die schönen Beine deine? Wow, da kann man ja nur vor Neid erblassen.
Dir einen schönen Tag.
SChade um die Beine, denn zu 90% der Zeit trage ich Hosen, nur im Hochsommer wird Bein gezeigt.
Danke für Blümchengruß sagt Clara
Ich mag das vor der Schrankwand – raffitükisch!
Na sieh da, ein “Neuzugang” – ich mag es auch sehr, es sieht wirklich fast osmanisch aus. – Und die “Maria” auf der Schrankwand habe ich auch noch, denn die Frauen in der Kirche habe sich ja nicht schlecht benommen, nur die Männer!
Diesen “Hahnenkamm” finde ich ja außerordentlich!
Und zwei Schultüten hattest du, ich werd’ jetzt fast blass vor Neid, ich hatte nämlich nicht mal eine! Man hat mir zum ersten Schultag eine Puppe geschenkt, damit ich aus der Menge heraus steche – und stand dann einsam, traurig und sehr verloren als einzigste ohne Schultüte auf dem großen Schulhof… Und soooo brav haste als Schulmädel drein gesehen!
Solche Beene, die hat sonst keene! Wow! Und die pinkfarbene Brille noch dazu… Schön schräg!
Ich wette, dass du deine Korkenzieherlocken – so wie ich auch vor vielen, vielen Jahren – mit so viel Haarspray “imprägniert” hattest, dass man damit tatsächlich eine Flasche Wein hätte öffnen können…
Danke für diesen nostalgischen Rückblick, meine Liebe!
Herzliche Grüße!
Na da bist du ja, auf dich habe ich doch noch gewartet, liebe Freidenkerin. Ich hätte ja schlecht meine Schultüte so lange für dich aufheben können, aber ich hätte dir glatt eine abgegeben. – Heute hättste das aber mit der Puppe als Einzigste als Vorteil umgemünzt, so dass alle anderen neidisch geworden wären. Aber so als Kind ist es so wahnsinnig schwer, wenn man Außenseiterin ist – denke nicht, dass ich das nicht kenne. – Ich habe nicht nur brav ausgesehen, ich war brav!!!!!!!!!!!!
Lustig. Und interessant, wie schnell man sich bis zu einem gewissen Zeitraum verändert. Dann geht es langsamer. Das ist wohl auch gut so.
Kurze Haare stehen dir eindeutig besser.
Und der Text unter den Fotos, die Erläuterungen, sind sehr unterhaltend.
(Das rosa/pinkfarbene Outfit finde ich persönlich furchtbar. *g*)
Vieles ist ja schon wieder modern, das Foto mit frisch angelegten Ohren – da hast du eine Frisur, die ich auch manchmal habe, wenn ich meine Haare hinters Ohr klemme. (Also die eine rechte Seite, die andere Seite ist ja kurz gehalten.)
Schöner Einblick, danke fürs Zeigen!
Liebe Grüße
Heike.
Das pinkige war nur für die Fotositzung – keine Straßenkleidung. Doch vom Prinzip her steht mir die Farbe gut und abgewandelt kommt sie immer wieder zu mir (fast automatisch)
Mit meinen teilweise fast raspelkurzen Haaren ist das so, dass ich früher fast schon angesprochen wurde, wenn ich mal 8 Wochen nicht Haare schneiden war – kurz ist meins!
Danke Heike und einen schönen Tag wünscht Clara
Noch schöner als die Fotos finde ich deine Kommentare! Das ist Zeitgeschichte. Kein Wunder, dass dir Hahnenkamm und Lockendutt die langen Haare verleidet haben.
Ach, frau podruga, Hahnekammfoto war wohl nicht das allerbeste von allen? Sei froh, dass deine Generation von dieser Haarvergewaltigung nichts mehr mitbekommen hat. – Mit dem Lockendutt musste ich wirklich und wahrhaftig im Sitzen schlafen, denn den hätte ich ja nie und nimmer mehr zusammenbekommen. – Für die jetzige Frisur reichen 10 Finger – und die habe ich immer bei mir!
Mann, hätte ich das nur gestern abend noch gelesen. Ich wäre mit einem Lächeln ins Bett gegangen. Was für schöne Bilder und was für nette Kommentare dazu. Ich bin einfach nur begeistert. Zwei Dinge von dir hätte ich auch gerne, einmal dein Talent zu schreiben und zum anderen deine langen Beine
Ich glaube dir gerne, dass es Spaß gemacht hat, die Bilder rauszusuchen, mir ging es genau so. Ich sage einfach nur danke für diesen herrlichen Bilderbericht. Du bist ganz große Klasse *Riesenbeilfall*
Lieber Gruß Ute
Wie ist es hier in der Bloggersprache üblich: “Dunkelrot werd’” Danke für dein schönes Kompliment. Meine Beine scheinen wirklich ein Gottesgeschenk zu sein – als Ausgleich für die unendlich vielen Macken wahrscheinlich, die ich am Kopf hab. Vielleicht kann ich auf dem “Anatomiemarkt” mal krampfaderfreie, schlanke, lange Beine gegen Kopf mit besseren Hörohren und Mund mit besseren Beißzähnen tauschen.
Ideen zum Schreiben habe ich tatsächlich einen so vollen Kopf, dass es mich immer wieder am Tag an den Computer zieht. – Ist doch auch schön, dass wenigstens das innere vom Kopf noch tadellos funktioniert.
Ein Dankeschönfreu-Gruß für dich von Clara
Clara in allen Variationen – toll und beeindruckend
.
Liebe Grüße
Anna-Lena
Danke, Anna-Lena!
Schon interessant, wie sich ein Mensch so verändert
Danke – ich werde mir auch die angekündigten Mit-und-ohne-Bauch-Fotos ansehen kommen, die ja heute ins Netz gestellt werden sollen. – Wäre ja schlimm, wenn in fast 60 Jahren keine Veränderungen wären – aber es hätte schlimmer kommen können.
*öööh* eigentlich sollte hier ein Pingback stehen… Ist der im Spam gelandet? Mein Stöckchen ist online
Von mir waren am WoE auch einige Pings nicht “angekommen”. Vielleicht gibt es aktuell Probleme bei WP?
Übrigens hab ich sowas auch schon mal gemacht, allerdings aus jüngeren Jahren:
http://gedankentheater.wordpress.com/2009/11/02/selbstportrait-v/
Wow, danke für diese tollen Fotos!
Und übrigens: Deine Schuhe von 1997 hatte ich exakt in dunkelblau
LG Sunny
Hey, du meinst diese elastischen Gummitreter – ja, die gabs in fast allen Farben – aber dass sie extra welche zu meinem “Unterrock” – das war es nämlich in Wirklichkeit – produziert haben, fand ich schon recht beachtlich.
Tschüss von Clara
Ja, das stimmt
Ich hatte übrigens nen passenden blauen. Und das dazugehörige blaue Überkleid. Aber mein Unterrock war lang nicht so sexy wie deiner 
Schlaf gut!
Wow! Ich bin geplettet bis baff: Von süß bis rassig ist ja echt alles dabei! Hey, wenn ich das gewusst hätte, hätte ich auch noch ein paar andere Fotos heraus gesucht. ;o)) Aber es ist ja noch nicht aller Stöckchen Abend. Insofern ist es vielleicht ganz gut, dass ich noch nicht das ganze Pulver verschossen habe.
Liebe CC, ich bin wirklich begeistert über dieses Stöckchen! Großartige Bilder und eines (nebst Beschreibung!) interessanter als das andere!
Lieben Dank auch für’s Hutziehen! Ich fühle mich geschmeichelt und werde meine Hüte zukünftig mit wesentlich mehr Vorsicht tragen. Mir reicht es schon, wenn der Wind sie mir im Herbst immer von den Locken zu wehen droht. Nicht auszudenken was passiert, wenn Du irgendwann einmal hinter mir her flitzen solltest! Den Hut finde ich ja nie wieder! *g
Und jetzt werde ich meine Begeisterung mit in meine Kissen nehmen und mich säuselnd-begeistert in den Schlaf grinsen
Liebste Grüße und vielen Dank für das tolle Stöckchen von skriptum/skryptoria
Ach, das ist ja wie Weihnachten – nicht allein nur deine Begeisterung über meinen Post – nein, dass du tatsächlich gewartet hast bis nach Mitternacht, um auch wirklich die Erste zu sein. – Beim Schreiben habe ich mächtig gegrinst. – Mit “süß” meinst du sicherlich das Hochfrisurfoto und mit rassig mein tolles Schultütenbild? Ich wusste, dass ich dich begeistern werde.
Gute Nacht sagt jetzt ganz müde Clara
Ja, genau: In der Reihenfolge meinte ich es. Ungefähr zumindest! *g
Ich bin auch hundemüde, kann aber mal wieder nicht schlafen. Vermutlich bin ich wegen Deines Stöckchens einfach viel zu aufgewühlt ;o) Aber jetzt versuche ich es noch einmal. Diese Korkenzieher kenne ich übrigens auch noch. Schlaf mal damit; meide dann aber bitte am nächsten Morgen jeden Spiegel!
)
Was heißt “Spiegel meiden” – akuter Arztbesuch wegen drohender Schläfenbeinfraktur ist nötig. Deswegen trage ich jetzt meine Haare “offen”.
Grüßli von ClaraChristin = CC (*grins*)
Was um Himmelswillen ist eine Schläfenbeinfraktur? *gg
Ne, das will vermutlich kein Mensch. Weg mit den Locken und gut ist’s!