Geschichten
Inhalt:
- Sommerfest in Bloggerland
- Familie Breitmaulgrinsfrosch
- Ich sehe gern Musik – Clara geht mit kindlichen Augen ins Konzert)
- Claras Kinderkram - ein Federball erzählt eine Geschichte
- Rotkäppchen 2010 – Was eine kaputte Radkappe alles zu erzählen hat
- Die Welt ist auch nur ein Dorf
************
(Aus den Stichworten: Lila, Zauberworte, Honigkuchenpferd, Farben, Eselsohren von “Seelenbalsam” und Holunderblüten, Lederhosenpflegemittel, Endoskopie, Griechenland, Dauerlutscher von “chinomso” habe ich folgende Geschichte geschrieben
Sommerfest in Bloggerland
Hier kommt kurz der Sommer vorbei - nutzen Sie die Gelegenheit für einen Bummel!
Eine Idee wird geboren
In Groß-Bloggersdorf wird zum Sommerfest aufgerufen. Clara, dieses Hibbelwesen, muss wohl „Langeweile“ gehabt haben, als ihr diese spleenige Idee kam.
Erste Anfrage – erste Zustimmung – erste Hilfsmeldungen. Seelenbalsam, bekannt für ihr Blog mit den 1001 Farben und Farbschattierungen, erklärte sich spontan bereit, die Dekoration zu übernehmen.
Chinomso, ähnlich wie die Initiatorin sprühend vor leicht spleenigen Ideen und immer den Herrn Schalk im Nacken, erklärte sich bereit, die Sache interessant zu machen und für action zu sorgen. Das trauten ihr alle sofort zu und so übernahm sie den Sektor „Entertainment“.
Und Clara hat versprochen, alles brav zu protokollieren und zu fotografieren, damit wir uns auch 2020 noch erinnern können, wie schön es 2010 war.
In der ersten Teamsitzung wurden die Grundtendenzen besprochen.
Besucherinnen, die äußerst farbenfroh gekleidet kommen, bekommen den halben Eintritt erlassen, da sie durch ihre Farbigkeit anziehend auf andere Gäste wirken. Wohlwollend beäugten alle die Beispiele, die Seelenbalsam parat hielt.
Und wer gar in der absoluten Trendfarbe lila erscheint, darf das Fest ohne Eintritt genießen. Auf diesem Foto hätte die entsprechende Dame freien Eintritt.
Lila, die magische Eintritts-Karte (-Farbe)
Unbewusst ratterte Clara bei diesem Vorschlag den Inhalt ihres Kleiderschrankes herunter und überlegte, ob genügend lila vorhanden ist oder ob eine lila Neuanschaffung nowendig sein würde. –
Da ihr dieses großmütterliche, eher historische Kostüm ihrem jugendlichen Alter nicht angepasst schien, entschied sie sich doch für einen Neukauf.
Natürlich sollte die Eintrittspreisregelung top secret bleiben, denn … Na, könnt ihr euch ja selbst ausmalen, welches Kassenmanko entstünde, wüssten es alle vorher.
Blasmusik-Begrüßung für alle
Wenn diese Musiker die Gäste am Eingang begrüßen, dann bleibt kein Auge trocken. Die netten Herren erklärten sich gern dazu bereit, nach ihren musikalischen Pflichten einsame Damen über das Festgelände zu geleiten. Nur zu! – Alle waren dafür, diese Kapelle zu buchen.
Ob der untere Herr allerdings noch Termine frei hat, ist ungewiss, denn er erfreut sich wegen seines roten Kussmundes großer Beliebtheit unter den Damen!
Dekorationsideen
Jetzt ging es um die Dekoration. Chino mischte sich ein und schlug vor, die abgeblühten Holunderblüten an all den Sträuchern, die das Festgelände umgeben, durch angehängte Dauerlutscher zu ersetzen bzw. zu schmücken.
Sie packte ein Beispiel aus und die beiden anderen fragten sich heimlich, ob sie mit dieser Firma einen Werbevertrag hat. – Da auch kein Sponsorenvertrag zu erwarten war, lehnten Clara und Seelenbalsam rigoros ab. Die eine mit dem Kommentar: „Die heutigen Kinder haben eh schon viel zu schlechte Zähne“, die andere sagte: „Das sieht mir zu sehr nach Weihnachtsbaum aus, außerdem willst du doch nicht im Ernst das Übergewicht der Kinder fördern?“ –
Chino saß für kurze Zeit leicht schmollend in der Ecke, aber zum Glück hält dieser Zustand bei ihr nicht lange an. Plötzlich ging ein Leuchten über ihr Gesicht. „Ich hab’s, statt Dauerlutscher nehmen wir CDs, die wir an die Sträucher hängen.” In einer Deko-Zeitschrift ließ sich ein Foto finden – da war es zwar eine Palme, doch das ist zweitrangig - und alle waren sich einig: „Top, die Wette gilt.“ Sie konnten sich das Funkeln, Glitzern, Schillern der sich im Wind drehenden CDs gut vorstellen – richtig sommerfestwürdig.
Attraktionen auf dem Sommerfest
Jetzt wurden die Attraktionen besprochen. Seelenbalsam hatte irgendwo eine lilagelbe aufblasbare Rutschbahn entdeckt, die geordert werden sollte. Wenn auch farblich nicht passend, sollten auch rote Leute rutschen dürfen, gelbe und schwarze (Schallplatten) sowieso – quasi nationalflaggenmäßig.
Ein Karussell wurde organisiert, Losbuden, Luftballonverkäufer, eine Hüpfburg, Kinderschminken und diverse Grillstände waren natürlich ein Muss.
Sollte es irgendjemand an dem Tag schaffen, in schwarzrotgold aufzutauchen und dann
noch ein Supersuperdekolleté zu haben, dann wäre es Zeit für eine Sonderbelohnung.
Die Eselsohr-Belohnung
Clara hatte diese (eselige) Idee für die “Belohnung” . Diese Person durfte für eine Stunde ihr Outfit tauschen und sich Eselsohren verpassen lassen. Damit konnte sie unerkannt unter den Besuchern „Horch- und Guck“ spielen – sicher doch ein interessantes Spielchen. Werbefotos von diesem Gag hatte sie ausreichend dabei. – Alle waren sich einige, damit pure Begeisterung zu ernten.
Dieses obere ist mehr die weibliche Form eines Ohres. – Es war zwar kaum zu erwarten, dass ein Mann in schwarz-rot-gold antanzen sollte, aber heutzutage weiß man ja nie. Vielleicht kommt der Herr Oberbürgermeister Wowereit auch persönlich vorbei, dann sollten doch auch für ihn die passenden Ohren bereitliegen.
Mein Gott, der arme Kerl ist aber in seiner Amtszeit alt geworden und hat Falten bekommen. Ob das viele Verreisen und die Partys doch soooooo anstrengend ist? – Sieht so aus. – Ach , da liegt doch eine Verwechslung vor, das hier ist doch nur das Kostüm, nicht der echte Kerl!
Die Pferdesensation
Der absolute Sommerfesthöhepunkt sollte der Ritt auf einem Honigkuchenpferd sein. Es standen zwei Modelle zur Auswahl. Die Rosinante-Variante war durch Herrn Don Quichote ein wenig in Verruf geraten, deswegen wurde sie abgelehnt. –Außerdem war sie auf dem Vorbild zur Kuh mutiert, die gute Rosinante.
Das vierrädrige Honigkuchenpferd sah etwas stabiler aus, denn man musste ja auch mit etwas kräftigeren Besucherinnen rechnen.
Dennoch sollte der Zugang zu diesem Ritt durch eine besonders schwierige Aufgabe fast unmöglich gemacht werden. Alle grübelten, was das sein könnte. Und da kommt es aus Frau Chinomso hinausgeschossen: „Die müssen erst eine Endoskopie durchführen.“ In Clara sträubte sich jeder, aber wirklich jeder medizinische Sachverstand, da sie an die fehlende Hygiene auf so einem Jahrmarkt dachte. Aber wie immer, dachte sie zu kompliziert und zu wissenschaftlich. Chino hatte mehr an die Variante mit einem flexiblen Gartenschlauch und einem Spielzeugtier gedacht. Damit waren alle einverstanden.
Alles war besprochen, geplant – das Fest kann beginnen:
Das Fest beginnt
Am Festtag schnappt sich die lilagewandete Clara ihre siebenjährige Wunschenkeltochter Anna und gibt der Mutter vorher telefonische Order, das Kinddoch bitte in lila zu kleiden. Meiner Meinung nach hat zwar das beliebte “Rosa” überwogen, doch wir kamen trotzdem kostenlos rein. Vielleicht hat auch die coole Sonnenbrille den Ausschlag gegeben.
Das Geld für den gesparten Eintritt wird gleich auf der Gummiburg verhüpft.
Die beiden kriegen sich vor Begeisterung gar nicht mehr ein, da sie alle Nase lang etwas neues entdecken. Anna fragt, warum es hier so viel bunt angezogene Leute gibt und wird von Clara in das Motto des Sommerfestes eingeweiht:
Bring Farbe in dein Leben.
Als sich das mit dem ermäßigten Eintritt herumspricht, macht sich ein findiger Maler sofort ein Geschäft draus. Mit verschiedenen Farabbüchsen und Pinseln malt er die Leute an, die lieber den halben Eintritt sparen wollen, danach jedoch ihre gesamte Kleidung wegschmeißen können. “Spare mit jedem Pfennig, koste es, was es wolle”. Mit dieser oder einer ähnlichen Losung wurden schon mal 17 Millionen 40 Jahre lang vera…. – Clara Klug hat sich doch da lieber gleich lila eingekleidet.
Anna hinten drin grinst wie ein Honigkuchenpferd, das sie in in diesem Clara-Cabrio von Caroline vorfahren darf.
Anna ist von den vielfarbigen Sonnenschirmen begeistert,
Clara erwägt, sich so eine bunte, geflochtene Tasche zu kaufen. Als sie sich dazu nicht durchringen kann, bringt Anna schon so einen Monsterstrohhut angeschleppt. Sie lachen sich beide kaputt über das Ergebnis. Ihr dürft nicht lachen, denn wer macht sich schon gern zum Gespött der Leute?
Durch den Hut an lila, die Wunderfarbe, erinnert, gucken sie sich mal um, was bei den Besucherinnen alles so lila sein kann.
Und dann die vielen kleinen, vollkommen nutzlosen, dennoch so süßen Püppchen, die es an vielen Ständen zu bewundern, natürlich auch zu kaufen gibt. Clara entscheidet sich für den Teufel, Anna kann sich nicht entscheiden.
Anna sieht, wie ihr zwei kleine Mädchen mit ganz lustiger Gesichtsbemalung entgegen kommen. Da diese beiden auch aus Afroamerika sind, möchte Anna gleich wie ein Schmetterling aussehen. Das Schmetterlingshemd ist eine gute Vorlage. Beide sind mit dem Ergebnis zufrieden.
Chinomsos Los- und Lutscherbude
Anna guckt in ihre Geldbörse. Von ihrem Taschengeld ist noch ziemlich viel da und deswegen möchte sie jetzt Lose kaufen. Vor der Losbude läuft Chinomso mit einem Topf voller Lose rum und preist ihre Gewinne lautstark an. Plötzlich guckt sie Anna an, denkt sich die Gesichtsbemalung und die Sonnenbrille weg und meint: „Dich kenne ich doch, dich hab’ ich schon mal neben einem großen bunten Bären auf einer Geburtstagskarte für meinen Wildhüter gesehen“. Anna versteht nur Bahnhof, nimmt es aber gelassen hin, da sie endlich Lose ziehen und nicht plaudern möchte.
Fünf Gewinne sind bei den 10 Losen dabei: tolle Ausbeute. Anna freut sich über einen Dauerlutscher und über ein Püppchen. Schön, dass Chinomso nicht nur weiße Püppchen da hatte – Anna fragt gleich, ob der vielleicht aus dem Nachbardorf von ihrem Papa ist. Unwissend muss Clara leider mit den Schultern zucken. Und dann staunt Anna darüber, dass sie den Hauptgewinn gezogen hat – echt und ehrlich und nicht geschummelt. – Obwohl, wenn ich es so recht überlege, war ein Los aus einem Extratopf, den Chinomso so besonders angepriesen hat. Clara wollte jetzt nicht testen, ob da lauter “Hauptgewinne” drin sind, weil die Büchsen wegmüssen.
Doch noch mehr staunt sie, als Chinomso mit einer unscheinbaren Schachtel ankommt, als sie ihren Hauptgewinn einlösen will. Da sie ja schon recht gut lesen kann, dreht sie die Dose und buchstabiert mehr oder weniger schnell Le-der-hosen-pfle-ge-mittel. Nicht ihr, sondern mehr mir klappt vor Überraschung fast der Unterkiefer runter. Beide sind wir der Meinung, dass so etwas Fieses nicht der Hauptgewinn für ein Mädchen sein kann, außerdem, wer trägt heute schon noch Lederhosen außer solche Ewig-Gestrigen wie Edmund Stoiber.
Chinomso schmunzelt wissend-hinterhältig und meint: „Es ist eine Zaubersalbe, aber ihr müsst es selbst herausbekommen. Ich wünsche euch viel Spaß dabei! Und – vor allem, dieses Mittel wirkt nur bei Kindern!“
Der endoskopische Ritt auf dem Honigkuchenpferd
Irgendwann stehen die beiden vor dem Wundergaul, lies Honigkuchenpferd, und Anna möchte natürlich reiten. Obwohl Seelenbalsam von ihrer Gesichtsbemalung hin und weg ist, kann sie jedoch von den einmal aufgestellten Spielregeln nicht abweichen.
Sie erklärt Anna, dass sie erst eine schwere Aufgabe lösen muss.
Anna grinst pfiffig und fragt, ob ihre Mama Pfefferkuchen für ein neues Pferd backen muss. Aber Seelenbalsam meint ganz richtig, dass ja nicht die Mama die Aufgabe lösen soll, sondern eben Anna. Sie erwähnt die Aufgabe mit der Endoskopie und Anna lacht sich spontan kringelig, weil sie dieses Wort noch nie gehört hat.
Vieles hat sie schon von Clara in den zwei Jahren ihrer „Zusammenarbeit“ gelernt, aber Endoskopie war leider in diesem Wortschatz nicht enthalten. Enttäuscht will sie schon aufgeben, als Clara auf die bereitliegenden Gartenschlauchstücke zeigt und auf das Regal voller Plüschtiere. Kurzes Geflüster zwischen “Oma” und Kind beseitigt alle Unklarheiten und Anna greift sich beherzt eine Giraffe und ein besonders langes Schlauchstück. In dem Moment – zwei Dumme, ein Gedanke – kommen sie auf die Idee, den Schlauch mit dem Lederhosenpflegemittel einzureiben, damit es besser flutscht. (nicht, dass jetzt jemand schlimme Gedanken bekommt!) Gesagt – getan. Geschickt schiebt sie dem langhalsigen Tier den angespitzten Anfang des Schlauches in das Maul. Vorsichtig schiebt sie und schiebt und hält plötzlich erschrocken inne, da es geklingelt hat. Clara versteht nicht, warum sie nicht weiterschiebt, denn sie hat mir ihren Ohren bei diesem Lärm das Geklingel natürlich nicht gehört, sieht aber das strahlende Gesicht von Seelenbalsam: „Herzlichen Glückwunsch, du hast es geschafft, du bist im Magen der Giraffe angekommen und deswegen hat es geklingelt.“
Stolz, wie drei Spanierinnen, machte Anna ihre Platzrunde und Clara bangte ununterbrochen um das Pferd. Sicherheitshalber hatte sie ein Stück Honigkuchen eingesteckt und schob das dem Tier zwischen die Zähne. Vor Freude machte es einen solchen Satz, dass Anna fast hinten runter gerutscht wäre. – Ganz geheuer ist es ihr auf dem Wundergaul nicht, also ist sie froh, als sie wieder festen Boden unter den Füßen hat.
Rundgang auf dem Festgelände
Die beiden sehen sich noch ein wenig auf dem Gelände um und freuen sich immer und immer wieder, wieviel schöne, bunte Ideen hier sind.
Clara hat mit Hut zu erscheinen
Von nicht unmaßgeblicher Stelle wurde angeordnet, dass Clara dieses Fest nur noch mit Hut besuchen darf, da der Sonnenscheinpegel einen Sonnensstich befürchten lässt. Da sie sowieso schon einen Knall, Spleen, Vogel, Trilli und sonstwas hat, wäre ein “Stich” eine merkliche Verschlechterung der allgemeinen Chaos-Lage.
Also putzt sie sich festtagsmäßig raus, schminkt sich übertrieben und setzt die farblich zur Hutschleife passende Brille auf, durch die sie aber natürlich nichts mehr sieht. Jetzt braucht sie einen Blindenhund oder die kleine Anna, die auch noch für sie hören können.
Also weiter zum Tagesgeschehen, nach diesem unbeabsichtigten Ausflug in die Hüte-Welt!
Die Sache mit den Luftballons
Habt Ihr schon mal ein Kind gesehen, dass ohne Luftballon von irgendeinem Fest nach Hause kommt?
Ich nicht. Prompt, als so ein Verkäufer mit den dicken Bündeln heliumgefüllter Ballons in die Nähe kommt, geht das Gequengel los: „Ich will einen Luftballon!“ Ziemlich unwirsch fragt Clara: „Wie heißt das?“ „Ich möchte einen Luftballon!“ Clara ist immer noch nicht zufrieden und fragt nach dem Zauberwort. Mit leicht verleierten Augen kommt es zum dritten Mal: „Ich möchte bitte einen Luftballon“. Wie alte, manchmal eben auch erziehende Omas so sind, bringt sie jetzt das passende Sprichwort von der Höflichkeit an: „Die Höflichkeit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr!“ Dass jetzt prompt kommt: „Das muss aber ‚sie’ heißen!“ , weiß jede, die Anna ein wenig kennt. Die grammatische Diskussion dauerte also nicht lange.
Die einfachen roten, gelben, blauen oder lilafarbenen gefallen ihr nicht, sie sucht etwas Außergewöhnliches. Plötzlich läuft sie auf einen Kinderwagen zu und zeigt mir, dass sie genau so einen Hubschrauber möchte, wie ihn der kleine Kerl krampfhaft festhält. Na, das wird sich ja machen lassen und kurze Zeit später hält sie ihn stolz in der Hand.
Skryptorias Blumenstand
Als wir so weiterschlendern, kommen wir an einem extravaganten Blumenstand vorbei. Die Frau, die uns freundlich zuwinkt, hat so wie Clara ein Namensschild anstecken. Diese Schilder wurden übrigens von Seelenbalsam für alle spendiert.
Das ist günstig, denn wir kennen uns ja alle nur unter unserem Pseudonym. Auf dem Schild steht “Skryptoria” in passendem Blumengrün und da gibt es natürlich ein freudiges Hallo.
Ihr Stand fällt nicht nur wegen der wunderschönen Blumen und Blüten auf, sondern vor allem wegen der riesengroßen Kakteen, die so bequem wie Polstermöbel zum Sitzen einladen.
Weil wir noch keine Sitzgelegenheit für unseren Hubschrauber haben, nimmt Clara einfach mal auf so einem Riesenkaktus Platz. (Übrigens ist das die Jacke, die Clara auf ihrem Tempelhofer-Flughafen-Spaziergang trug und die von tonari kurzerhand zur “Gartenjacke” gemacht wurde – jetzt ist sie noch eine “Kaktusjacke”)
Es gefällt ihr sehr gut darauf, Anna muss auch noch mal probieren – doch sie findet es ein wenig zu stachlig.
Ohne eine kleine Schlitzohrigkeit kann Clara diesen Markt nicht verlassen. Sie sagt zu Skryptoria; “Dreh dich doch mal bitte um!” und im Handumdrehen hat sie sich eine der schönsten Blüten gemaust: Die Coco Chanel-Blüte. – Skryptoria ist großzügig und schenkt sie ihr.
Man verspricht sich, im Kontakt zu bleiben und dann geht es los.
Der Flug nach Griechenland
Und jetzt fliegen wir beide zusammen damit nach Griechenland. „Verdatterung“ – falls es so ein Wort überhaupt gibt – steht Clara im Gesicht geschrieben. „Machst du Witze? Das ist doch unendlich weit!“ – „Ach Clara, du bist immer so skeptisch! Du weißt doch, dass ich in eine griechische Schule gehe. Und heut ist auf dem Gelände Schulfest – und da heißt eben alles Griechenland. Bist du jetzt zufrieden?!
„Etwas, aber noch nicht ganz! Wir sind doch viel zu schwer für diesen kleinen Hubschrauber!“
„Und wofür habe ich eine Dose Zaubersalbe gewonnen? Diesen komischen Namen von der Salbe will ich jetzt nicht aussprechen.“
Beide beschließen, dass das klappen könnte und machen einen letzten Abschiedsrundgang über das Festgelände. Immer und immer gibt es noch neues zu entdecken.
Claras Löwenherz hüpft ganz besonders bei den löwigen Artikeln. Aber sie weiß, dass es hier noch mehr “löwt”, denn Anna-Lena und Seelenbalsam sind auch in diesem sonnigen Monat geboren.
Anna hat auch noch Spaß an einigen Sachen, wie da sind: Ein kleiner Gecko am Stand von Sunny als ihr persönlicher Gruß an diese Geschichte, denn sie hat sich extra freigenommen und ist aus ihrem fernen Bayernland angereist.
In lila gibt es immer noch so unendlich vieles zu entdecken, z.B. eine Tasche mit lila Henkeln – doch die überschreitet um vieles das Taschengeldbudget – und tollen Haarschmuck – da lässt sich doch vielleicht was basteln.
Doch langsam wird es Zeit, Abschied zu nehmen, denn sonst haben sie gar nichts mehr von dem Fest in Griechenland.
Gemeinsam überlegen sie, welche Teile des Hubschraubers sie gut schmieren müssen. Sie entscheiden sich für die Rotorenblätter und für das Halteseil.
Als sie das erledigt haben, springt Anna auf Claras Rücken und huiiiiiiiiiiiiii, geht es hoch in die Lüfte, quer über Berlin und auf einem Platz in Lichterfelde senkt sich der Hubschrauber mit seiner schweren Last ganz langsam zu Boden.
Aber das ist jetzt ein anderes Fest, bei dem sind wir aus Bloggerland nicht mehr dabei – nur Anna und Clara, denn wir können eine gültige Eintrittskarte vorweisen: ein selbstgemaltes Mandala.
Ein Bild zeige ich euch noch. In Griechenland konnte ich den etwas unbequemen Hubschrauber gegen ein weitaus bequemeres, aber vor allem standesgemäßeres Fahrzeug umtauschen.
Meine vier starken Löwen wollten gleich auf dem Rückweg einen Besuch in München bei der Freidenkerin abstatten, denn dort sind sie schließlich entlaufen. Doch wenn ihr dieses superbequeme Fahrzeug sehen wollt, dann müsst ihr auf die “Löwen” klicken.

**************
Familie Breitmaulgrinsfrosch
(Aus den Stichwörtern: “regenbogenbunt, schlampig, Orchester, eine mit Wasser gefüllte Badewanne, Tunnel, glückselig, Wunderbaum, Unterwasserkamera”
musste eine Geschichte erfunden werden.)
Historisches in Mauretanien
Vor vielen, vielen Jahren lebte in einem kleinen Land eine glückliche Froschfamilie. Viele Jahrzehnte davor gab es diese Familie noch nicht, weil da alle noch in des Herrgotts großem Froschteich als Kaulquappen umherschwammen, ja, es gab noch nicht einmal das Froschland.
Als Gott dann beschloss, die Familie „Breitmaulgrinsfrosch“ ins Leben zu entlassen, organisierte er erst mal, dass sich Herr Breit und Frau Maul in ihrem gut geschützten kleinen Land in einer seiner Hauptorganisationen kennen und froschlieben lernten.
Diese beiden waren mit ihren Namen doch sehr gestraft. Herr Breit hüpfte am Anfang hin und wieder, später häufiger auf die Bahnhofsfroschwaage, da er im Bereich seiner Froschschenkelchen immer breiter zu werden drohte. – Auf dem Foto sehen wir ihn, als er mal mit einem Wiegeergebnis der Waage nicht zufrieden war und deswegen fast vor Unglück zum Alkohol gegriffen hätte:
Frau Maul dagegen hätte sich über ihren Namen gar nicht beklagen dürfen, denn bei ihr konnte man wirklich sagen: „Nomen est omen!“. Bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit riss sie ihr Froschmaul auf, quakte mit anderen um die Wette oder verteidigte andere Froschleute, die gar nicht darum gebeten hatten. Deswegen hat sie sich in dieser geschützten Froschrepublik des öfteren ihr quakendes Maul verbrannt. Besonders unangenehm fiel sie dadurch auf, dass sie nicht wie alle anderen Frösche “quak” quakte, sondern immer “quok”. Sie hielt es nur für eine Marotte, andere witterten darin schon Widerstand.
Politische Gegebenheiten
Dieses Land war so schön und so sicher für alle Frösche, weil eine große, hohe Mauer drum herum gebaut war, damit kein Frosch auf die gefährliche Straße hüpfen und dort womöglich von schnellen Audis oder dicken Mercedessen überfahren werden konnte. Die einheimischen Vierräder, die manche für „Autos“ hielten und die man deswegen wahrscheinlich so schlecht zu kaufen bekam, waren nach astronomischen Sonnenumkreisern benannt oder trugen den Namen einer prächtigen Burg im Froschland. Frau Maul hatte immer so bei sich gedacht: „Lasst dem Luther was des Luthers ist und beleidigt sein Domizil nicht mit einem schnöden Autonamen.“ 
Diese Fahrzeuge waren so langsam, aber vor allem auch so laut und so stinkig, dass sich jeder Frosch zeitig genug vor ihnen in Sicherheit bringen konnte. Das war doch also sehr im Sinne der Frösche gedacht – zumindest derer, die auf der Straße hüpften. Die Frösche, die gerade drin saßen, hätten es schon gern etwas schneller gehabt.
Ansonsten ging auf dieser grünen Wiese mit den vielen schönen, allerdings sehr oft auch mittelschwer chemieverdreckten Teichen und Flüssen alles recht deutsch und manches manchmal auch demokratisch zu:
Deswegen nannte man dieses Land: DDM, also Deutsches Demokratisches Mauretanien.
Die Hochzeit
Da Herr Breit und vor allem Frau Maul mit ihrem Familiennamen nie so sonderlich glücklich waren, wie oben schon ein wenig näher erläutert, änderten sie diesen in einer feierlichen Zeremonie in Ehepaar Breitmaul – wie Sie sehen, fing damals diese Unsitte der Doppelnamen schon an, die später solche Blüten trieb wie Eleonore Maushäuser-Rattenfänger, aber darüber will sich Frau Kommentatorin nicht länger auslassen, weil sie sonst ihr Thema verfehlt oder sehr elegant um- um… schifft? Umfroscht? Umlabert!!!!!
Es dauerte gar nicht lange, da wurde das Treiben der Frösche im Teich – in diesem speziellen Fall natürlich nur das des Paares Breitmaul – belohnt.
Froschtöchterchen ist da
Das frischgelaichte Töchterchen bekam zur demokratischen Ergänzung des Familiennamens den Vornamen Frosch, so dass wir jetzt mit den Breitmaulfroschs mitfiebern können, wie es weitergeht. Als Tochter Frosch in der Seekathedrale getauft wurde, sang ein Chor himmlischer Meerjungfrauen, begleitet von einem Orchester saitenbeherrschender Karpfenteichbewohner. – Man konnte sich nicht einigen, ob dieses süße Kind mehr dem Vater oder mehr der Mutter ähnele.
Fröschlein wollte noch ein Geschwisterchen haben, weil es selbst nämlich immer ein wenig ängstlich war und sich nichts so richtig traute. Den Ausspruch: „Sei doch kein Frosch“ hasste das Kind aus tiefster Froschkinderseele und er kam ihm schon zu den Kiemen raus, so oft hörte es ihn.
Froschsöhnchen ist angekommen
Fromme Froschkinderträume gehen in Erfüllung und bald schwamm im kleinen Familienteich, der allerdings nicht größer war als eine mit Wasser gefüllte Badewanne, der kleine Froschprinz. In dieses eigene Reich waren sie gezogen, als der kleine Froschprinz den Leib seiner Mama so stark ausbeulte, dass diese nur noch mit Mühe in die umliegenden Naherholungsgebiete hüpfen konnte, denn so einen fahrbaren Umweltstinker hatten sie noch nicht. Also wurde die Badewanne gekauft,
mit Wasser befüllt, mit Seerosen verschönert und in den Vorgarten wurden Löwenzahn und Löwenmäulchen gepflanzt, beides auf Wunsch von Mutter Maul, da sie eine Löwin von edelster Rasse ist.
Da er von Anfang an so ein fröhliches Kind war, nannten ihn seine Eltern kurz und bündig „Grins“, weil sie die Erweiterung des Namens zu
Familie Breitmaulgrinsfrosch
so schön und passend fanden. So einen wunderbaren Familiennamen hatte niemand in dem wohlbehüteten Mauretanien. Zumindest niemand, den man im Telefonbuch finden konnte. Und in die Akten der großen Horch- und Guck-Kraniche wollten sie nicht Einsicht nehmen.
Die Froschtaufe politisierend
Zur Taufe von Prinz Grins scheuten die Eltern weder Mühen noch Kosten. Schließlich sollte dieser kleine Frosch den Familiennamen weitertragen und vielleicht sogar mal über die Mauern des Landes bekannt machen. Die Eltern waren nämlich sogenannte Freidenker-Frösche, denen es in dem großen Gemeinschaftsteich und auf der Gemeinschaftswiese manchmal etwas eng und zu fröschig war – sie wollten mehr Freiheit. Quok! Quok! Deswegen arbeiteten sie ja auch beide beim Sender “Freies Denken in Berlin” = FDB, der quasi das Gegenstück vom “Onkel Tobias vom Rias” war. Dieser Sender hat nichts mit einer ähnlich lautenden Partei zu tun, bei der man den letzten Buchstaben weniger sächsisch aussprechen muss, dann ist er blaugelb, damit haben grüne Frösche nichts im Sinn.
Die gute Fee ist auch dabei
DieDie Eltern bestellten eine gute Fee,
die bei ihrer Ankunft gemächlich ihrem transportablen Wunderbaum entstieg wie Phönicia aus der Asche. Es ist verständlich, dass sie bei der allgemein herrschenden Materialknappheit diesen Baum für alle ihre Auftritte in- und außerhalb von Mauretanien ständig bei sich haben wollte. (KünstlerInnen durften auch außerhalb Mauretaniens auftreten). Undenkbar für sie, einfach nur so effektlos zu erscheinen.
Ihr Gefolge bestand aus lauter kleinen Elflein, schwarze und weiße, die auch mal
wieder eine Froschtaufe erleben wollten. Es hatte sich herumgesprochen, dass diesmal ein besonders spaßiger Frosch – nämlich ein schwarz-goldener, getauft werden sollte. Die aufmüpfigen Eltern hatten das Rot einfach aus der Farbkombination gestrichen.
Die Fee vom festen Land, die Frösche vom kalten Wasser – etwas schwierig war das Zusammenkommen schon, sie konnten nur kurz miteinander kommunizieren.
Und das waren die Gäste bei der Froschtaufe. Sie alle sangen dreistimmig den Kanon: “Heut ist ein Fest bei den Fröschen am See …”
Die Voraussagen der Fee
Die Fee sprach von 4 Losen, die sie für die Familie mitgebracht hat. Vater, Mutter und Töchterchen zogen je ein Röllchen. Mutter Maul durfte zur Belohnung, weil sie gerade Prinz Grins gelaicht hatte, auch noch das Los für den Wickelfrosch ziehen.
Auf Mutter Mauls Los stand: „Du wirst dein Leben lang regenbogenbunt sein und durch deine schillernden Geschichten die Frösche deines Blogs fesseln. – Sie war zufrieden mit dieser Voraussage der Fee.
Töchterchen Frosch, die viel zeitiger als die Menschenkinder lesen, schreiben und vor allem rechnen konnte (ein Froschleben ist ja auch um viele Jahre kürzer) las von ihrem Loszettel vor. „Glückselig“. Sie fragte mit großen Froschaugen ihre Eltern: „Ist das immer der Zustand, in dem ich mich befinde, wenn ich eine ganz, ganz schwierige Rechenaufgabe rausbekommen habe?“ – Obwohl ihre Eltern dieses Glückseligkeitsgefühl nicht im Zusammenhang mit Mathematik kannten, stimmten sie zu, denn ihr Fröschlein hüpfte tatsächlich immer von zwei seiner vier Beine auf die anderen zwei, wenn es eine vertrackte Lösung gefunden hatte. – Die Fee war mit der Auslegung zufrieden und versprach noch viele, viele dieser glückseligmachenden Momente in des Töchterleins Leben.
Vater Breit wollte mit seinem Los nicht so recht rausrücken, da er es nicht verstand. Also löste Mutter Maul die Banderole von dem Losröllchen – mit ihren tollpatschigen Schwimmhautpfoten keine so einfache Aufgabe – und lachte schallend los. Auf dem Zettelchen für ihren Sohn stand: „Schlampig“ – teilweise entschuldigte sie sich für ihr unverschämtes Lachen bei ihrem Söhnchen, andererseits wusste sie nun gleich, was sie in den nächsten Jahren zu erwarten hatte: „Faule Fische im Schulranzen, weil er sie wieder vergessen hatte auszuräumen; die ganze Badewanne (=Wohnung) blockiert von seinem Spielzeug, da er nichts wegräumen wollte und und und.“ – Die Fee bestätigte diese Voraussichten, teilte aber gleichzeitig mit, dass chaotische Kinder von einer riesengroßen Kreativität geplagt oder damit belohnt werden, so dass sie Fähigkeiten haben, die weit über ihre Altersgrenzen hinausgehen. Sie prophezeite ihm, dass er ein großer Näher vor dem Herrn werden wird, der immer weiß, wie er seinen Geldbeutel füllen und vor allem wieder leeren kann.
Mutter Maul wollte sich den Tauftag nun nicht verderben lassen und war vor allem auf die letzte Voraussage für Vater Breit gespannt. Dort stand schlicht und ergreifend „Tunnel“.
Er konnte so garnichts mit dem Wort anfangen und schaute erwartungsvoll die Fee an. Und diese sprach: “Du wirst mit deiner ganzen Sippe durch einen langen, dunklen Tunnel hüpfen müssen, um in eine größere, mit Wasser gefüllte Badewanne umziehen zu können – doch diese Freude wird nicht lange anhalten!“
Das war allen zu mysteriös, obwohl sich viele Jahre später herausstellen sollte, dass die Fee die Zukunft bessser als aus jeder Kugel vorausgesagt hatte. – Alle wandten sich wieder dem feuchten Wasserfest zu.
Das verpatzte Familienfoto
Am Ende musste die gute Fee nochmals kurz die Luft anhalten und zu den Breitmaulgrinsfroschs in die nasse, kalte Wohnung hinabsteigen, denn mit der nagelneuen Unterwasserkamera sollten schließlich noch ein paar Aufnahmen für das Familienalbum gemacht werden. Aus Personenschutzgründen wollte kein Frosch hier abgebildet werden, also können nur ein paar Wohnungsfotos gezeigt werden.
Alle waren mit dem Fest zufrieden, die Fee rauschte mit ihrem Gefolge wieder hinauf in ihren Wunderbaum, die mit Wasser gefüllte Badewanne sah etwas verwüstet aus – und wenn sie nicht gestorben sind, dann quaken sie noch heute.
Ob das aber immer noch in ihrem Naturschutzgebiet, das man auch als Frosch-Reservat bezeichnen könnte, passiert, ist der Erzählerin nicht bekannt. Vielleicht gab es auch eine Vertreibung aus dem “Paradies” und sie quaken jetzt in der gefährlichen, freien Welt, wo die bösen Drogen locken, die schnellen Autos und, und, und ….
*************
Ich sehe gern Musik
Clara geht mit kindlichen Augen ins Konzert
Das ” sehe” ist kein Schreibfehler. Ich meine damit keine Fernsehsendungen wie Musikantenstadl oder ähnliche. Ich meine wirkliche Konzerte, genauer gesagt, Sinfoniekonzerte, möglichst mit großer Besetzung.
Da meine Ohren nicht nur beim Verstehen, sondern auch bei Musik Probleme machen, verlasse ich mich beim Konzertbesuch viel auf meine Augen. Ich beobachtete:
Bevor ich die ganze -isten oder -istinnen-Parade wie Violin-, Bratsch-, Cell-, Bass-, Flöt-, Klarinett-, Horn-, Posaun- und Fagottisten usw. usf. aufzähle, werde ich bei der Geschichte beim Instrument bleiben, denn bei Tubisten, Oboisten und Paukisten bin ich mir sprachtechnisch nicht so sicher.
Was bietet sich also einer Konzertbesucherin aus dem 1. Rang?
Die Geigen, Bratschen und Celli, gewissermaßen die kleinen Streicher, sitzen alle kerzengerade auf ihren Stühlen, den Kopf schräg auf ihrem Instrument abgelegt, ihre Körper wiegen sich im Takt der Musik.
Doch halt, da geigt doch einer gegen den Strich, nicht akustisch, sondern optisch. Ein Linkshänder mit einer Links-Geige, ein äußerst seltener und doch recht kurioser Anblick. Ein ganz klein wenig stört er das gemeinsame nach links oder rechts aller Bögen – aber eben nur ein ganz klein wenig.
Die Besitzer der Bässe hingegen machen mitunter einen schwächelnden Eindruck – sie lehnen sich gegen ihr Instrument, als müssten sie sich von der schweren Schlepperei ausruhen.
Die Holzbläser (Klarinette, Flöte, Fagott mit ihrem König, dem Kontrafagott) haben an ihren Notenständern eine Extraablage befestigt, auf denen liegen viele weiße Blättchen herum, an denen sie immer wieder mal lutschen, es befeuchten, dann gegen das schon nass-gesabberte austauschen – damit sind die Damen und Herren richtig beschäftigt. Zum Glück hören sie trotzdem auf das, was ihnen der Dirigent auf diskrete Art und Weise zu verstehen gibt.
Um die (Wald)hörner und die Posaunen herum muss das Parkett besonders wasserfest versiegelt worden sein, denn diese kleinen Ferkelchen spucken offensichtlich zu sehr in ihre Instrumente. Jedenfalls sah ich, wie sie immer mal Teile abschraubten, umdrehten und ausschütteten. Offensichtlich ist das vollkommen normal, denn alle machten es.
Die Trompeten feuchteten auch ein wenig, aber sie blieben ziemlich ruhig (außer akustisch), wechselten keine Mundstücke, keine Teile und kein Instrument.
Den Pauker – hä, ist der Lehrer? Oder heißt er doch Paukist – bewunderte und bedauerte ich gleichermaßen. Ein richtiger Schlagzeuger ist er nicht, dazu fehlt ihm der ganze andere Kram – er begnügt sich mit drei großen Pauken. Ob sie ihn damit in die U-Bahn lassen? Braucht er extra einen LKW als Dienstauto? Hat er noch Freunde in seiner Wohnumgebung?
Wenn er sich für die richtigen Schlegel entschieden hatte, haute er mächtig auf die Pauke – ja, ohne Übertreibung. Aber, als ob es ihm gleich unmittelbar darauf wieder leid täte, machte er den Nachklang seines Handelns gleich wieder zunichte, indem er die Hand auf das Fell legte. – Ob der Dirigent das so will? Schade! Der Klang war so schön, besonders von der größten, die er allerdings am meisten geschont hat. Wahrscheinlich war es die teuerste. Die hätte er meinetwegen gern länger nachklingen lassen – vielleichgt hätte das dann die anderen irritiert.
Doch am meisten hat mir folgendes gefallen. Nach der Pause wurde Mr. Beethoven zu den Akten gelegt und ein neuer Komponist durfte zeigen, dass er ein schönes Stück geschrieben hat. Der Herr Pauker bekam Verstärkung – dachte ich. “Vielleicht wechseln die sich jetzt ab, oder der eine paukt auf den zwei Kleinen herum und der andere bekommt die Große zum bepauken.”
Doch nein, plötzlich steht dieser erwachsene Mann auf und hat dieses winzige Metalldreieck und ein Metallstöckchen in der Hand, eine Triangel. Das finde ich immer zu schön, wenn ein Musiker den halben Abend im Orchester rumsitzen muss, um ca. 6x auf das Triaangelchen schlagen zu dürfen. Ist so ein Musiker nicht wegen Mindereinsatz depressionsgefährdet? Wäre das nichts für ein Musiker-Kind, das sowieso auf seine Mama oder seinen Papa warten muss, bis die fertig sind?
Doch nun, Scherz beiseite – es war ein wunderschönes Konzert. Es war für mich auch deswegen so besonders, weil das Hartz IV-Einkommen in keiner Rubrik Konzertkarten o. ä. berücksichtigt. – Hier war das mal anders. Danke!
Als besonderes Instrument kommt jetzt noch das Klavier, in diesem Fall natürlich ein Flügel, in die Geschichte spaziert. Zum Glück bin ich nicht in einem Pop-Konzert und der Flügel ist schwarz. Bei einem weißen kommen ja immer gleich Putzgedanken auf, denn die werden doch so schnell schmutzig. Ob sich die Herren Pianisten und Damen Pianistinnen auch immer schön davor die Hände waschen, damit die weißen Tasten nicht nah einiger Zeit aussehen wie ihre kleineren Geschwister?
Schade, dass die den Deckel hochgeklappt haben, denn so glänzend wie das Instrument ist, könnte ich glatt von oben sehen, ob meine Frisur auch sitzt. Schließlich schwebe ich fast über dem Flügel, weil ich mich immer so weit über die Brüstung beuge.
So, und jetzt bekommt der Pian-ist (siehe oben die ganze -istenparade) sein Zeichen. Anfangs wirkt er, als wenn er seine Strecke auf den Tasten vergessen hat. Lange überlegt er, welchen Weg er einschlagen soll und bewegt sich mehr oder weniger auf der Stelle. Dann trennen sich seine Hände – die eine marschiert nach links und die andere nach rechts, ich könnte natürlich auch sagen, die eine will tiefe und die andere Hand hohe Töne spielen und dann hören. Aber das scheint den Händen nicht zu gefallen. Ganz schnell sind sie wieder beieinander und marschieren vereint in die gleiche Richtung. Erstaunlich, wie schnell der seine Finger bewegen kann – der macht bestimmt jeden Tag Finger-Yoga oder Finger-Gymnastik.
Das lasse ich mir so eine ganze Weile gefallen und lehne mich entspannt zurück. Doch halt, aus einem Augenwinkel heraus sehe ich, dass er sich jetzt verheddert hat. Hat er den falschen Befehl bekommen? Auf jeden Fall spielt er jetzt überkreuz – na, das geht ja mal schon gar nicht. Bis zu welchen Höhen und gleichzeitigen Tiefen will er denn da mit seinen Händen kommen, bevor er sich die Luftzufuhr absperrt?
Das scheint er – Gott sei Dank – zeitig genug mitzubekommen und auf einen deutlichen Wink des Herren mit dem Stock / Stöckchen pfeift er seine rechte Hand zur Raison und beordert sie wieder auf die ihr zustehenden Tasten.
Ganz schön schweißtreibend, solch ein langer Einsatz. Was die einen an Feuchtigkeit in ihren Instrumenten fabrizierten, das perlte auf seiner Stirn. Der etwas größere Junge neben ihm, der seine Noten auf ein leichtes Kopfnickzeichen umblätterte, hätte doch gleich noch als Schweißwischer eingesetzt werden können. – Die sollten mich mal befragen, ich hätte da bestimmt noch ein paar Ideen.
***************
Claras Kinderkram
Viel Zeit blieb nicht mehr. Schon in wenigen Stunden würde diese unsympathische Frau sicher nach Haus kommen und ihn – wie sie das schon öfter getan hatte – erbarmungslos rauswerfen. Einfach so, auf die Straße, auf den Hof, auf das harte Pflaster – wie es ihr gerade beliebte. Dabei gefiel ihm sein jetziges Quartier ausnehmend gut. Es war zwar äußerst ungewöhnlich, aber anheimelnd, warm und vor allem weich.
Wenn er so seine Lage betrachtete, war sie mehr als misslich. Aus eigener Kraft würde er sich da nie und nimmer befreien können – dazu lag sein „Gefängnis“ viel zu hoch. Er war zu unsportlich, um die hohen Wände, die ihn umgaben, zu übersteigen. Obwohl er eine Heidenangst vor dem „Drachen“ hatte, der das ganze Terrain um ihn herum bewachte, ergab er sich seinem Schicksal. Und bis dahin ließ er es sich gut gehen und futterte in sich hinein, was hineinpasste.
Geräusche und Bewegungen ließen ihn plötzlich auf Hilfe hoffen! Da unten, ca. zwei bis gefühlte drei Meter unter ihm – als Winzling kann man so schlecht Entfernungen schätzen – gab es doch diese beiden schrecklichen Mädchen. Schrecklich z. B. deswegen, weil diese ihn in seine missliche Situation gebracht hatten und schrecklich vor allem deshalb, weil sie ihn vorher regelmäßig geschlagen hatten.
Er erinnert sich: „Ständig diese leichten, doch sehr lästigen Schläge auf den Kopf, immer und immer wieder. Vor allem ist dieser gleichmäßige Rhythmus so nervtötend, manchmal zählten sie auch noch laut und penetrant die Schläge.“
Er denkt daran, wie er immer und immer wieder mit ziemlicher Wucht in die Ecke geschleudert wurde. Zum Glück konnte er dort ein wenig liegen bleiben und sich von den Schlägen erholen. Doch meist kam gleich wieder so eine lästige Kinderhand und griff mit Gekreisch nach ihm – einfach furchtbar! Und dann ging es sofort weiter mit diesem „plop, plop, plop“.
Jetzt vernimmt er in seinem „Gefängnis“ plötzlich Stille —– Ruhe, dann enttäuschte Kinderstimmen, Fragen, ängstliches Rufen .
Nun kommt eine Frauenstimme dazu, doch er hört im Moment nicht so richtig gut. Ist diese weiche, gelbe Masse in seiner Umgebung daran schuld? Verstopft sie ihm die Ohren?
Die Frau sagt zu einem der beiden Mädchen, das wohl Clara heißt: „Komm, wir machen jetzt Räuberleiter. Du kletterst auf meine Hände und dann versuche ich, dich so hoch wie möglich zu stemmen. Aber halt dich immer gut an der Hauswand fest, damit du nicht fällst. Und wenn du dich ganz lang machst, dann kannst du bestimmt das Fensterbrett erreichen!“
Der kleine Kerl hört noch paar ängstliche Ausrufe – und plötzlich sieht er eine kleine Hand auf sich zukommen. Er überlegt kurz: „Untertauchen oder fangen lassen?“ Da ihm über den „Drachen“ nichts Gutes zu Ohren gekommen ist, will er doch lieber von hier weg.
Und da schreit Clara plötzlich zu den anderen beiden: „Ich hab’ ihn, er lag in der Puddingschüssel“. Sie hält ihren Federball ganz fest und lässt sich von der Frau wieder auf sicheren Boden setzen.
**************
Rotkäppchen 2010
Folgende Personen spielen in dem folgenden modernen Märchen mit, das auf keinen Fall als Aprilscherz zu werten ist :
“Rotkäppchen, kannst du gleich nachher mal bitte zu Graukäppchen fahren. Ich mache mir ernsthaft Sorgen. Großmutter geht weder ans Telefon noch an ihr Handy”, meint die Mutter zu ihrer gerade aus der Schule gekommenen Tochter. Seit Rotkäppchen das Gymnasium besucht, kommt sie immer erst ziemlich spät nach Haus.
“Hast du ihr eine SMS und eine Mail geschrieben?”, fragt Rotkäppchen leicht besorgt zurück. “Eine Mail schon, aber du weißt doch, wie ich das simsen hasse, dieses Rumstochern auf den kleinen Tasten.”
“Ich hab’ dir ein paar Sachen für Oma eingepackt, ein Stück von dem Kuchen von gestern und eine Flasche Wein. Geht das problemlos auf dein Fahrrad?” “Geht schon, ich packe alles in den Rucksack – der Kuchen sollte schon in ‘ner festen Schachtel sein, damit nichts matscht! Aber warum fährst du denn eigentlich nicht selbst?” – “Ich muss auf die Handwerker warten.”
Und mit diesen Worten sitzt Rotkäppchen schon auf dem Rad. Die Oma wohnt ein paar Kilometer weg. Trotz ihrer Sorge nimmt sie sich ein paar Minuten Zeit, um ein paar Feldblumen zu pflücken. Rotkäppchen weiß, wie sich Graukäppchen immer über einen Feld- und Wiesenstrauß freut.
Als sie da ist, klingelt und klopft sie wie wild, aber nichts rührt sich. Zum Glück kennt sie das Schlüsselversteck und gleich ist sie im Haus. “Graukäppchen, wo bist du?” – ruft sie ganz, ganz laut durch das Haus, da das Wohnzimmer leer ist. Allmählich bekommt sie richtig Angst und glaubt jetzt auch, dass Großmutter was passiert ist.
In diesem Moment schaut sie aus dem Fenster in den Garten und schreit vor lauter Schreck auf. Sie sieht nur die Beine und sie weiß sofort, dass Oma verunglückt ist. Hektisch sucht sie den Schlüssel für die Terrassentür. Da sie den nicht gleich findet, rennt sie um das Haus in den Garten.
Dort findet sie folgendes vor:
Sie kniet sich nieder, sieht die Verletzungen im Gesicht ihrer Oma, den Schmutz und lauscht, ob das Herz noch schlägt und ob Oma noch atmet. Gott sei Dank, das ist noch in Ordnung.
Auf Notfälle vorbereitet, ruft sie als erstes die 112 an und schickt dann ihrer Mutter eine MMS, damit die sich gleich ins Auto setzt und herkommt.
Der Notarztwagen kommt schnell, versorgt Graukäppchen notdürftig und packt sie sofort in den Krankenwagen. Zum Glück war alles nicht so schlimm, wie es im ersten Augenblick den Anschein hatte. Nach drei Tagen konnte Graukäppchen frisch, munter, sauber und gesund das Krankenhaus wieder verlassen.
… so ungeschminkt, so ungewaschen, vor allem aber so ohne Zähne, ohne ihre blauen Kontaktlinsen und ohne Perücke
************
Die Welt ist auch nur ein Dorf
Clara freute sich riesig auf den Besuch ihrer Freundin Jutta aus Hamburg. Als Jutta endlich da ist, sitzen beide in der gemütlichen Wohnküche bei einer Tasse Clarakaffee und einem Kännchen Juttatee. Nach kurzer Zeit bittet Jutta um das Telefon, weil sie sich übermorgen mit ihrem Cousin verabreden möchte.
Neugierig, oder besser natürlich wissbegierig, wie Clara schon immer war, fragt sie: “Wie heißt er denn, der Knabe?” Etwas irritiert über diese despektierliche Bezeichnung für ihren “ehrenwerten” Cousin antwortet sie: “Max Mütze”.
Noch irritierter jedoch guckt sie, als Clara fröhlich in die Küche trötet: “Den kenn’ ich.” Jutta verstand öfter mal Claras Späßchen nicht so richtig. Würde er “Rhinozeros” heißen, könnte sie Claras Ausruf verstehen, aber so wartete sie einfach noch ein wenig mit dem Wählen. Vielleicht hörte dieses vollkommen sinnlose Fragespiel gleich auf und entpuppte sich als typischer Clarawitz.
Doch jetzt ging Clara in die Offensive: “Hat dein Cousin drei Töchter?” Nach kurzer Überlegung nickte Jutta. “Wohnt er in einem Einfamilienhaus in Reinickendorf?” Langsam wurden Juttas Augen immer ungläubiger, sie ließ sogar ihren heißgeliebten Ostfriesentee kalt werden und bejahte nur stumm.
Natürlich bekam Clara mehr und mehr Oberwasser und spielte ihre letzte, alles entscheidende Frage wie den Kreuzbuben beim Skat aus: “Arbeitet er in der Blaustraße beim Evangelischen Konsistorium als Rechtsanwalt?” Hätte Jutta ein Gebiss getragen, es wäre ihr vielleicht rausgefallen, so weit sperrte sie den Mund auf. Bei der Straße musste sie passen, doch alles andere stimmte.
Am Anfang war es für Clara noch ein vergnügliches Spiel gewesen. Woher sie diese Selbstsicherheit beim Fragen nahm, wusste sie selbst nicht. Er hatte niemals von einer Cousine in Hamburg gesprochen, nur die anderen Fakten hatte er nach und nach bei den vielen Treffen in der Sauna ausgeplaudert.
Bis hierhin klärte Clara ihre Freundin auf. – Dass er aber nach jedem Saunagang näher rückte und am Ende am liebsten in ihrer Wohnung das Bett (stundenweise) mit ihr geteilt hätte, das behielt sie dann doch lieber für sich. Und da er nicht obdachlos war, lehnte sie dieses Ansinnen kategorisch ab.
(Die Kirche stand damals zwar noch nicht so im negativen Mittelpunkt, aber wie man sieht, gab es auch da schon schwarze Schafe.
****************















































































Liebe Clara,
es ist ein Genuss, deine Geschichten zu lesen. Mit deiner unglaublichen Fantasie und deinem Wortschatz solltest du ein Buch schreiben. Es würde reissenden Absatz finden. Ich freue mich auf meeeeehr….
Herzliche Grüsse aus dem südlichen Niedersachsen sendet dir Heide (die im Augenblick mit Früchteverwertung beschäftigt ist!).
Ich schreibe die nächste Folge mit dem Gedanken an dich und du widmest mir das nächste Glas Gelee oder Marmelade – das ist ein Tausch, wo wir beide was von hätten.
Das mit dem Buch haben schon manche gesagt – aber da ich für Eigenwerbung zum Verkauf ungeeignet bin, lasse ich das mal – vielleicht drucke ich mal was im Selbstverlag aus – da habe ich dann 2 Jahre lang Geschenke – muss mir dann nur gut aufschreiben, wer schon ein Exemplar hat.
Nicht, dass die dann mit meinen geistigen Ergüssen schnöde ihren Kamin befeuern!