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Posts Tagged ‘Tod’

Stillgelegt

8. Mai 2013 15 Kommentare

In memoriam: Georg B. * 30. Sept. 1905  – von einer Minute zur anderen stillgelegt am 8. Mai 1946

Du konntest mit mir weder spielen noch wippen noch … noch … noch … Aber ich mit dir auch nicht. Vielleicht hätten wir uns leiden können, vielleicht aber auch nicht, da ich so das Gefühl habe, ich muss dir sehr ähnlich sein. Das ist zwar nur ein negativer Umkehrschluss, weil ich meiner Mutter außer im Gesicht so überhaupt nicht ähnlich bin. – Ich kann nicht um dich trauern, weil ich dich nicht kenne – aber ich bedaure es, ohne einen Vater und ohne männlichen Einfluss erzogen worden zu sein.

Und die Großen und Kleinen, die früher hier am Potsdamer Platz auf den Riesenwippen schaukeln konnten, müssen sich jetzt ein anderes Betätigungsfeld suchen. Vielleicht ist es aber auch nur die Winterruhe – vielleicht kann man bald wieder … wippen! Jetzt und hier sind alle Wippen fest mit dem Boden verbunden – keine Möglichkeit für Himmelsstürmereien.

0805 Stillgelegte Wippen

0805 Stillgelegte Wippen Collage

Papa, wenn ich mal komme, ich hoffe, du erinnerst dich dann noch an mich!!!

Und jetzt gebe ich dir noch ein leicht verwackeltes Kreuz vom Berliner Dom mit auf den Weg. Ich denke, mit deinen 108 Jahren wirst du das nicht mehr so krumm nehmen. Als Ausgleich habe ich im Fotoblog schönere Bilder vom Dom eingestellt. 0805 Berliner Dom Kreuz 55

ClarAnna in der Unterwelt, doch nicht im Hades – XI

2. September 2012 21 Kommentare

Der alte Elbtunnel in Hamburg an den Landungsbrücken hat mich schon seit eh und je begeistert – die ingenieurtechnische Leistung und auch mein Mut, mich unter so viel Wassermassen zu Fuß auf die andere Elbseite zu begeben.

Das Innenleben ist schon ein wenig historisch anmutend, aber er wurde ja auch schon 1911 eröffnet und ist somit ein stolzer Hundertjähriger.  Fußgänger und Radfahrer dürfen immer, Autos nur zu eingeschränkten Zeiten, wenn die Berufspendler schnell von einer Seite auf die andere müssen. – Wer näheres oder mehr wissen will, kann bei Wiki nachsehen.

Jetzt lade ich hier mal ohne große Kommentare meinerseits Fotos hoch, die ich auf dem Tierfriedhof in Timmaspe gemacht habe. Ich finde es durchaus gut und angemessen, dass es solche Einrichtungen gibt, denn nicht jeder hat einen Garten, in dem er (unerlaubt?) seinen großen Lieblingsbernhardiner bestatten kann. – Über den finanziellen Aufwand für manche Gräber steht es mir nicht zu, mich zu äußern.

Lediglich bei einem Grab kamen mir andere Gedanken. Ein tot aufgefundener, unbekannter Welpe bekam ein aufwändiges Grab von Gönnern gestiftet. Ich in meiner unnachahmlichen Rationalität hätte dieses Geld bei einem Tierheim für sinnvoller angesehen – doch ich habe ja weder für das eine noch für das andere unbedingt Geld übrig und deswegen auch keinen Hund. Hätte ich jedoch einen, bekäme er auch ein Grab, aber ein recht schlichtes.

Das ist es, das sehr gut gepflegte Grab für den unbekannten, tot aufgefundenen Welpen.

“Sag zum Abschied …”

20. September 2011 25 Kommentare

leise Servus …

Da ich keinen Abschiedsposttourismus initiieren möchte, nenne ich weder den Blog mit dem bewegenden Abschieds”brief” noch die Bloggerin, die uns mit traurigem Herzen daran teilhaben ließ.

Ich kannte sie nicht – aber ich kann sie ein ganz kleines Stück im Nachhinein verstehend begleiten. Sie hat ganz in der Nähe meiner geliebten Fischerinsel gewohnt. Deswegen lasse ich ihr jetzt von den beiden bekanntesten Kirchen der Innenstadt einen Gruß zukommen und die Türme der Marienkirche und vom Dom für sie leuchten.

Vielleicht ist es gut, dass ich sie zu ihren Blogzeiten nicht kannte oder gar persönlich näher kannte, denn sonst würde es mir noch mehr unter die Haut gehen als jetzt schon.

Nie werde ich dieses harte, für mich sehr verurteilend klingende Wort Selbst-Mord verstehen können. Ein Mord ist für mich immer etwas Ungesetzliches, was man einem anderen antut, und das noch mit Vorsatz. Diese frei gewählte Beendigung des Lebens ist für mich ein Freitod oder eben ein Suizid, über den kein Mensch, auch keine kirchliche Instanz, rechtend urteilen darf.

Christen sagen: “Gott hat uns das Leben geschenkt, er allein hat nur das Recht, es uns auch wieder zu nehmen.” – Leider bin ich da anderer Auffassung. Ich halte meine Eltern maßgeblich dafür verantwortlich, mir das Leben geschenkt zu haben – und über ein Ende möchte ich – unter Umständen – selbst bestimmen – nicht warten müssen, bis unter unwürdigen, vielleicht auch schmerzhaften Bedingungen quäntchenweise mein Leben erlischt.

Für mich ist jeder Suizid ein frei gewählter Abschied, weil eben der traurige Umstand eingetreten ist, dass der Tod schöner und besser erscheint als das Leben. Wenn wir alle als Freunde, Verwandtschaft, Bekanntschaft und Arbeitsumwelt nicht in der Lage sind, jemandem zu helfen, der Hilfesignale aussendet, dann sollen wir ihn im nachhinein auch in Frieden ruhen lassen. Hilfe und Unterstützung, Kontakt und Liebe kann es nur zu Lebzeiten geben – danach ist alles zu spät.

Man muss nicht immer psychisch krank sein, um es in diesem Leben nicht mehr zu schaffen. Wenn das, was man kann, immer weniger wird, und das, was man nicht mehr kann, immer mehr wird, der Kopf aber noch junge Ziele und Vorstellungen hat, wird die Diskrepanz zwischen Wollen und Können immer größer. Gut, wer dann seine enttäuschten Gefühle mit Partner/in, guten Freunden oder mit der Familie teilen kann.

Was, wenn Schmerzen den Bewegungsradius immer stärker einengen, bis jeder Schritt zur Qual wird. Was, wenn andere Behinderungen den Kontakt zu anderen so stark einschränken, bis innerhalb dieser Schranken nur noch eine Person steht.

Wenn diese Person einen Abschied dem Bleiben vorzieht, wer will den ersten Stein auf sie werfen? Wer wagte es dann zu sagen: “Nein, Suizid ist kein Weg, er ist nur ein Ausweg für Feiglinge”. Nicht jede/r kann immer nur mutig sein.

“Selbstbestimmt ” kann für mich auch bedeuten, die Nachricht vom Tod selbst zu verbreiten – denn wer kennt bei Alleinstehenden schon so genau den Freundes- und Bekanntenkreis. Hier in dieser einigermaßen homogenen Bloggergemeinschaft halte ich es durchaus für angebracht, sich auf diese Weise zu verabschieden. Wenn der Anlass nicht so traurig wäre, würde ich den Post als “lyrisch” bezeichnen.

Ich weiß, dass ich es eben so machen würde.

Ich finde es immer gut zu wissen, wo der Notausgang ist, durch den man schnell und sicher ins Freie huschen kann. Das Leben ist nicht immer so bunt, wie es hier auf dem Blog meist dargestellt wird. Mit solchen Worten will ich euch keineswegs erschrecken.

Ein letzter Gruß - denn ein Rettungsring hilft jetzt auch nichts mehr.

Liebe X., ich wünsche dir, dass deine Seele Ruhe und Frieden gefunden hat.

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Die Tränen eines Kindes sind wie Diamanten …

21. Mai 2011 22 Kommentare

die uns in die Seele schneiden.

Dass es Wut-, Bock- und Schautränen bei Kindern gibt, können alle Mütter und Omas sicherlich heftigst kopfnickend bestätigen. Und das sind Tränen, die nicht ritzen oder schneiden, sondern gegen die sich die Mütter manchmal eher zur Wehr setzen müssen.

Doch ich meine die, die aus richtigem Kummer und Schmerz fließen.

Welche Gedanken mögen in einer Kinderseele sein, die erfährt, dass ein Klassenkamerad mit 8 Jahren an Meningitis erkrankt ist und der inzwischen beerdigt wurde. Viele Schüler aus der Schule begleiteten seinen letzten Weg.

Welchen Trost gibt es den Eltern und allen anderen, die “diesen kleinen Engel” so schmerzlich vermissen, wenn sie auf ein Wiedersehen nach dem Tod vertröstet werden?

Sehr Gläubige können den Ausspruch “Alle, die ihr mühselig und beladen seid, werfet all euren Kummer auf mich ...” vielleicht wirklich wörtlich nehmen und finden im Glauben Trost.

Diese Bilder sind alle auf dem Südwestfriedhof Stahnsdorf entstanden - ganz dicht bei Berlin

Im Fotoblog habe ich noch ein Bild eingestellt, dass mir wegen des Licht- und Schattenspiels der Sonne und des Lebens so ungeheuer gut gefallen hat. Im Leben geht oder wächst auch manches verquer, so wie hier dieser Baum.

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Mit welchen Worten kann ich ein Kind trösten, das gerade erfahren hat, dass sein Vater schwer erkrankt ist? Wenn es dann auch noch der Papa ist, der getrennt wohnt und der sowieso nur seltener besucht werden kann. Und jetzt ist es noch seltener. – Zum Glück haben Kinder einen gewissen Schutzmechanismus um ihre Seele, der sie manches dann doch eher vergessen lässt.

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Mit diesem Text denke ich an April.

Für Loki Schmidt

23. Oktober 2010 17 Kommentare

In den Medien und auch auf einigen Blogs ist schon viel über diese bewundernswerte, eigenständige und in vieler Hinsicht ungewöhnliche Frau gesagt  und geschrieben worden.

Mein Tenor ist jedoch ein anderer als der der Trauer. Ich denke, alle – vor allem auch ihr wunderbarer und kluger Altbundeskanzler-Gatte – sollten dankbar und staunend die Tatsache beachten, dass sie beide trotz dieses Nikotinkonsums so alt geworden sind und dieses Alter bei völliger geistiger Klarheit genießen konnten. Andere sterben mit Mitte 50 am Lungenkrebs, obwohl sie nicht die Hälfte der Zigaretten geraucht haben.

Frau Schmidt bekannte in einem Interviev, dass sie mehr oder weniger mit 10 Jahren angefangen hat zu rauchen. Ich bewundere sie dafür, wie sie den Aufschriften auf allen Zigarettenschachteln zum Trotz über 90 Jahre alt werden konnte.

Weiterhin bewundere ich sie dafür, 68 Jahre lang verheiratet gewesen zu sein – mit ein und dem gleichen Mann. Diese ein Leben lang währende Liebe begann schon fast im Sandkasten (beide waren 10 Jahre jung) und hielt in guten und in schlechten Zeiten, auf dem Bonner politischen Parkett und im zivilen Leben, obwohl Helmut Schmidt ja bis heute kein richtiger Ruheständler ist. Die Ehe mit ihm stelle ich mir manchmal recht schwierig vor, weil er sicher ein norddeutscher Dickschädel sein kann, der keinen Jota von seiner Meinung abgeht. – Doch sie fand neben diesem starken Mann ihren eigenen Weg – und hat es auf diesem Natur-Wissenschaftlichen Weg bis zum Doktor h.c. und zur Professorin gebracht.

In einem Nachruf für sie gefielen mir einige Sachen besonders gut. Sie ruhte und rastete trotz ihres Alters nicht. Sie versuchte stets, nicht nur für sich selbst tätig zu sein, sondern auch für andere. Ihre Warnung an Ältere: “Nicht die Hände in den Schoß legen!” - also eine andere Auslegung des Sprichwortes “Wer rastet, der rostet!”

Ihre Einstellung zur politischen Erpressbarkeit des Staates fand ich außergewöhnlich bemerkenswert. Die Schleyer-Entführung und Ermordung 1977  fiel in die Amtszeit ihres Mannes. Beide versprachen sich bei einer eventuellen Entführung des anderen lieber den Tod des Entführten in Kauf zu nehmen als den Forderungen der Terroristen der RAF nachzugeben. – Über so viel Charakterstärke kann ich nur den Hut ziehen. – Zum Glück musste dieses sich gegenseitig gegebene Versprechen nie auf Wahrheitsgehalt getestet werden.

Durch Frisur, Kleidungsstil und wenig in der Öffentlichkeit gezeigte Gefühle hatte sie den Ruf, eine sehr herbe Frau zu sein. Die Erlebnisse in ihren frühen Ehezeiten, als der Sohn einjährig starb und der Mann an der Westfront war, formen zum Teil ein Leben für die ganzen nachfolgenden Jahre. Doch sie war eine Frau, die immer geradlinig ihren Weg ging und sich ein Leben lang treu geblieben ist.

Loki Schmidt, Sie werden nie ganz “tot  sein”, denn erst, wenn niemand mehr an Sie denkt, erst dann sind Sie endgültig gestorben. Und Sie haben genügend hinterlassen, um Erinnerungen zu setzen.
Danke für Ihr Hiersein! Ich bin so oft an Ihrem Sommerhaus vorbei gegangen, habe Sie aber leider nie getroffen!

PS. Viele werden es für herzlos halten, wenn ich sage, es berührt mich trauriger, wenn ich davon lese, dass Eltern schon seit Jahren um ihre 9jährige Tochter bangen. Diese hat eine genetisch vererbbare Krankheit, die den normalen Zellstoffwechsel stört. Bis ca. 2 Jahren war alles normal – jetzt ist das Kind ein Pflegefall rund um die Uhr, wird künstlich ernährt usw. usf. Alle Geschwister und die Eltern sind in diese Dauerpflege eingebunden und der Tod steht vor der Tür. 9 Jahre jung – Loki ist 10x so alt geworden. – Oder wenn ein Vater seinen Sohn betrauern muss, weil der mit den Problemen des Lebens nicht fertig geworden ist und im besten Alter gegangen ist. – Sie war ja immer herzerfrischend realistisch und hat kurze Zeit vor ihrem Tod zu ihrem Arzt gesagt: “Lassen sie mal in Ruhe meine Kerze runterbrennen!” Es gehört zum Leben, wenn wir mit über 90 davon gehen.

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Paradies à la Clara (18 und Schluss)

16. September 2010 40 Kommentare

Wer die Geschichte noch einmal oder überhaupt im ganzen lesen möchte, kann das über den nebenstehenden “Paradiesbutton” machen. Ich habe jetzt die Fotos in klein eingefügt, damit man schneller sieht, wie weit es schon bergab gegangen ist mit der Welt.

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Eva hatte sich anlässlich ihres 65. Geburtstages in “Clara” umbenannt, weil der Name besser zu ihr passt als “Eva”, die Mutter des Menschengechlechts. Mit zwei Kindern und zwei Enkeln wäre sie da zu unproduktiv gewesen.

Wenn also eines nahen oder fernen Tages – nichts Näheres ist bekannt – der Schöpfer (an den ich in meinem tiefsten Inneren trotz oder wegen meiner katholischen Erziehung glaube – zu mir sagt:

So Clara, jetzt hast du genug Unfug angestellt auf dieser Erde. Hier oben bei mir ist gerade die Stelle der Hofnärrin neu zu besetzen: Lockt dich dieses Angebot nicht?

werde ich ohne Zögern meine sieben Sachen packen, meine Fotodatei hoffentlich nicht vergessen und in die Kutsche steigen, die mich zu meinem “himmlischen Bräutigam” (mal sehen, wer sich hinter diesem Namen wirklich versteckt)  bringt *grins*

(In meiner Kindheit hatte ich garantiert einen Wunsch nie:

Klosterschwester oder Nonne,

denn die Sache mit dem versprochenen imaginären himmlischen Bräutigam erschien mir schon – im zarten Kindesalter und bar jeglicher sexueller Erfahrung – zu suspekt.

Gefallen hat es euch offensichtlich, das zeigen mehr die Zugriffszahlen als die Kommentaranzahl(en) – doch ich kann euch auch sagen:

Mir hat es ebenfalls Spaß gemacht, das Fabulieren und Spintisieren, das Mischen von Dichtung und Wahrheit, das Raussuchen geeigneter Fotos. Die “Bloggerfestgeschichte ” und die “Froschgeschichte über Familie Breitmaul” http://chh150845.wordpress.com/geschichten/ waren die ersten Versuche, etwas über mehrere Tage lang zu erzählen. Und jetzt habe ich fast einen Monat lang erzählt, schwadroniert und meinen Phantasien freien Lauf gelassen.

Mit dem Ausdenken habe ich Anfang August angefangen, weil ich bei meiner Feier als “literarisch-optisches Bonmot” keine “abgestandenen bekannten Konserven” vorlesen wollte, sondern eine Neu”schöpfung”.

Und deswegen ist das ganze unter der Kategorie Schöpfungsgeschichte abgelegt.

Und tschüss – es schmort ja schon eine neue  Idee im Hinterkopf für eine neue BILD-Geschichte, sogar für zwei.

Die Kurzgeschichte “Kommt ihr mit nach Jüterbog” erzähle ich euch  ab 24. Sept. und die lange fängt am 1. Oktober an.

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Und wenn sie nicht gestorben ist,
dann schreibt sie hier noch weiter!

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir am Ende der Geschichte einen Kommentar schreibt, ob es euch zu lang, zu kurz oder egal war. Allerdings denke ich, dass die letzteren eher nicht schreiben werden.

Kategorien:Clarageschichte, Schöpfungsgeschichte Schlagworte:

Gestern Nachmittag …

31. Mai 2010 33 Kommentare

habe ich euch alle, die Ihr mir so lieb geschrieben habt, mitgenommen – in Gedanken – aber dann habe ich euch irgendwann euch selbst überlassen, weil ich allein sein wollte.

Ich musste nämlich das hier hören:

(Noch nie seit Heikos Tod konnte ich es ohne Tränen in den Augen hören, aber jetzt diese Version mit den passenden Bildern dazu ist für mich einfach nur … ohne Worte)

Keiner von euch wird sauer sein, dass wir nicht zum langweiligen Teltowkanal gegangen sind, denn das wäre eh kein Segelrevier für Heiko gewesen  – sondern zum riesengroßen Flugplatz, der jetzt den Menschen gehört, ohne die Technik, das ist doch mal was.

Wahnsinn – es rollerte, radelte, skatete und menschelte, dass es eine wahre Freude war.

Der Himmel zeigte alles: meine Lieblingswolken, dräuende Finsternis, doch immer lugte irgendwo die Sonne dahinter hervor – zur Stimmung passend.

Als ich das hier sah, musste ich an Abschied, Vergänglichkeit denken:

Aber dann gab es auch das auf den wundervollen Naturwiesen:

Die farbigen Blumen zwischen den weißen – genau diese Farbe hatte meine Jacke, die ich anhatte. Und plötzlich kommen 4 junge türkische Mädchen auf dem Fahrrad und rufen mir zu: “Schöne Jacke!”

Hoffnung gab es auch, dass Leben immer weiter geht und neu entsteht:

Unter diesem Baum habe ich mich hingesetzt und geträumt – mit offenen Augen, wachem Herzen und klarem Verstand. – Nicht einen Tag von dieser Zeit möchte ich hergeben.

Mit einem “Rosinenbomber” kann ich euch nicht erfreuen. Das Flugzeug, was hier rumsteht, wurde von der Flughafenfeuerwehr zu Übungszwecken verwendet. Dementsprechend ramponiert sieht es aus.

Mit diesem Bild lässt sich das Verhältnis Ost:West gut zeigen. Der Osten ist klein und schon ganz weit weg, wohingegen der Westen mit seinem Flughafenturm auch nicht mehr das ist, was er mal war:

Damit man Gedanken in den Himmel schicken kann, braucht man Himmelsboten. Ich habe dafür Drachen und einen Mini-Paraglider genommen.

Und als ich den Flugplatz wieder verließ, musste als Abschied noch das hier kommen:

Zu Hause war alles dann wieder okay und ich machte mich daran, die Bilder zu bearbeiten, die ich dort gesehen habe. Und jetzt könnt ihr sie sehen.

Ich wünsche euch eine schöne Woche.

Und morgen beginnt hier das “Sommerfest in Bloggerland”

Eine sehr ungewöhnliche Methode, …

30. Mai 2010 60 Kommentare

einen Mann fürs Leben kennen zu lernen.

(Diese Geschichte schreibe ich für Heiko L. zu seinem 14. Todestag am 30. Mai 1996 und sie ist (leider) authentisch!)

Sommer 1993
Clara möchte ihr neues Herrenrad, das sie sich von dem Versicherungsgeld für das geklaute Rad gekauft hat, auf einer Fahrradtour von Münster zur holländischen Insel Texel und zurück erproben. Im Nachhinein wird diese Tour von allen Beteiligten nur noch die Chaos-Tour genannt werden.

Manchmal  nehme ich für mich das Sprichwort in Anspruch

Wo ich bin, da ist das Chaos, aber ich kann nicht überall sein

doch an dem jetzt kommenden Chaos bin ich nur zu einem Drittel beteiligt.

Gleich bei der Ankunft fällt ihr so ein “Typ” aus Hamburg auf – drahtig, nicht zu groß, lausbubenhaftes Lachen im Gesicht. Da ihr Herz schon immer schneller für die Nord- als für die Südländer geschlagen hat, lässt sie sich in die ersten Flaxereien mit ihm ein. Lange Zeit später, beim Auswerten der Fotos aller Teilnehmer, werden sie feststellen, dass Clara + HH (Hamburg-Heiko) vom ersten Tag an unzertrennlich sind, immer höchstens 1 m voneinander entfernt stehen, sitzen oder fahren.

Nach einem gemütlichen  Eröffnungsabend, den CH+HH natürlich auf der gleichen Eckbank verbrachten, ging es am nächsten Morgen voll guter Laune los.

Leider verließ uns diese erst einmal, da wir ca. 20 km nach dem Start einen Toten hatten. Ein 49jähriger Teilnehmer bekam einen Herzinfarkt und die schnellste medizinische Hilfe konnte nach mehreren Defibrillatorenanwendungen  nur noch seinen Tod feststellen. Seine Frau war auch in der Gruppe. Wir verabschiedeten uns von ihr und dachten noch die ganze Fahrt an diese beiden. – Für die Gruppe war es besser, dass dieser Tod am ersten Tag passiert ist, als wir uns noch nicht kannten. Nach 14 Tagen entsteht ein recht guter Zusammenhalt und die Sympathien sind mehr oder weniger stark.

HH nahm mich beruhigend in den Arm, als ich wohl als erste ahnte, dass dieser Mann nicht mehr von der Straße aufstehen wird. – Die nächsten Tage verliefen ruhig, ohne Zwischenfälle, mit viel Sport (Tichtennis, Dart) neben der Strampelei auf dem Rad und mit viel Neckereien. Das Sprichwort von dem Necken und Lieben fing langsam an, konkreter zu werden. Dennoch wahrten beide noch die Contenance.

Dann näherten wir uns einem kleinen Ort in Holland. Der Fahrradleiter meinte – für alle gut vernehmlich in einer Pause: “Clara, in den nächsten Ort fahren wir nur deinetwegen.” Ehre, wem Ehre gebührt, aber das fand Clara dann doch etwas übertrieben.  “Darf ich denn vielleicht erfahren, was mir diese ungeheure Ehre verschafft?” , ließ sie ihr fragendes Stimmchen ertönen. “Da gibt es eine riesengroße Trampolinanlage, die größte in ganz Holland.”

Ihr leicht gekrümmter Zeigefinger

(manchmal ist es auch der Ringfinger, wenn der Zeigefinger mit Zigarette halten beschäftigt war) tippte sofort reflexartig an die Stirn, begleitet von den Worten “Du spinnst doch wohl! Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich auf so ein Trampolin … …?” Und instinktiv hatte sie sofort gespürt, dass diese Worte im Grunde genommen eine Lüge waren. Wie lange hatte sie schon davon geträumt, schwerelos auf so einem Ding herumzuspringen, auf den Popo zu plumpsen – na eben so, wie es die Artisten im Zirkus machen. Lediglich ein kleiner Unterschied: Clara ist keine Artistin, sie ist auch kein Artistenkind.

Als die ganze Gruppe geschlossen protestierte, kam so ein Gefühl wie Stolz und Neugier in ihr hoch. Ein wenig ließ sie sich noch bitten, dann machte sie sich sprungfertig.

Das Unglück nahm damit seinen Lauf, dass sie gezwungen war, ihre Turnschuhe vor dem Trampolin abzustellen und die Sprungfedern nicht ordnungsgemäß abgedeckt waren.

Hoch – runter – grätschen – anhocken – drehen – plumpsen. Bis hier ging alles gut. Doch dann eine ungeschickte Bewegung und ein Fuß landete in den Sprungfedern. Ein stechender Schmerz durchfuhr den Fuß – doch wer A sagt, muss auch B sagen, das beifallspendende Publikum will ja unterhalten werden. Der nächste Schmerz lässt auch nicht lange auf sich warten. Ausgleichende Gerechtigkeit – dieses Mal ist es der andere Fuß.

Was jetzt kommt, wagt sie kaum zu schreiben, da es an Dummheit und grenzenlosen Leichtsinn grenzt. Aber unter den Zuschauern war ja dieser eine aus Hamburg, den sie unbedingt beeindrucken wollte!

Also einmal kurz Schwung geholt zum Salto rückwärts – und ein kollektiver Aufschrei in der Zuschauerkulisse. Clara hat es zwar geschafft, Schwung zu holen – doch abgebremst hat sie diesen Schwung mit ihrer Halswirbelsäule auf dem ziemlich harten Rand.

Als dann dieser besagte Hamburger sofort mit seiner wärmenden Vliesjacke zur Hand und jeden Abend mit Eiswürfeln für beide lädierten Füße am Tisch stand, war alles nur noch halb so schlimm.

Der gebrochene Mittelzeh am einen Fuß, der gestauchte am anderen veränderte zwar die benötigte Schuhgröße um 3 Nummern nach oben und verhinderte, dass Clara laufen konnte. Sie konnte sich nur noch auf dem Fahrrad fortbewegen – und da wäre ein bequemes Damenrad mit tiefem Einstieg sicherlich bequemer gewesen. Aber ansonsten verheilte alles von allein, denn ein Arztbesuch war erst in Berlin wieder möglich.

Die gestauchte Halswirbelsäule wurde jeden Abend im Etappenziel mit 10minütigem “Abkochen unter der Dusche” und einer Halskrause kuriert. Schön war, dass der Hamburger jetzt einen offiziellen Grund hatte, neben ihr zu fahren, denn irgendeiner musste ja nach rechts und links gucken können – Clara konnte nur stur geradeaus gucken und auf den Ausspruch warten: “Rechts ist frei”.

Am letzten Tag der Tour verunglückte noch ein Teilnehmer. Wir fuhren mit einer Draisine, die nicht vorschriftsmäßig gesichert war. Durch unglückliche Umstände fiel er vor dieses Schienenfahrzeug und wurde ziemlich stark verletzt.

Auf jeden Fall blieben Heikos Jacken- und Eisbeutelaktionen nicht ohne Folgen und wurden belohnt – jedenfalls fuhr Clara in der Zukunft 3 Jahre lang regelmäßig nach Hamburg oder bekam Besuch aus dieser schönen Stadt.

Leider machte 1996 eine tödlich verlaufende Krankheit der Liebe, der Fahrerei und den Zukunftsplänen ein Ende.

Zur Erinnerung an den heutigen Tag

Ein Gruß an HL habe ich, den ich fast jeden Tag vor Augen habe:

Wenn mich jemand fragt, warum ich mir nicht meine Initialen als Kennzeichen besorgt habe, erkläre ich: “Das heißt Hö…-Löwe”. Da das ganze Auto mit kleinen Löwen innen und außen verziert ist, stimmt das gewissermaßen sogar.

Der Mai scheint nicht der glücklichste Monat für Männer zu sein, die mich lieben.

Nachruf-Gruß an meinen unbekannten Papa

8. Mai 2010 27 Kommentare

Lieber Papa,

ich habe dich nie kennengelernt, denn an Zeiten vor meinem 1. Geburtstag kann ich mich nicht erinnern.

Als ich die Zeitung aufschlug und las, dass Deutschland am heutigen Tag vor 64 Jahren endgültig besiegt und der  Krieg beendet war, fielst du mir in diesem Zusammenhang ein. In der DDR hieß dieser Gedenktag übrigens “Tag der Befreiung“, von ganz Übereifrigen wurde noch hinzugesetzt: “… vom Hitlerfaschismus.” In heutigen Kalendern ist er nicht mehr benannt.

Doch für mich war es immer der Tag, an dem ich zu deinem Grab pilgern musste. Es war ein echter “Kampftag” für mich: Vormittags Absingen von Kampfliedern in der Schule, nachmittags die Wanderung zum Friedhof zu deinem Grab. – Tut mir leid, aber diese Besuche wurden mir von Jahr zu Jahr verhasster, da um dich so ein Wahnsinnskult gemacht wurde. Falls ich mein aufmüpfiges Wesen von dir geerbt haben sollte, dann weißt du ja, warum ich nach einigen Jahren heftigst und mit Erfolg protestierte:

Ich will nicht zu diesem fremden Mann auf den Friedhof!.

Ich kann dein unvorsichtiges Verhalten, dass zu deinem Unfall und sofortigem Tod geführt hat,  100% nachvollziehen, denn ich wäre ähnlich. Du hattest es eilig, auf der Straße fährt 1946 eh kein Auto – meinst du -, die Ausfahrt von deinem Arbeitsgelände ist abschüssig. Doch leider steht nicht – wie heute – unten ein großer Parabolspiegel, der dich die Straße einsehen lässt. Dann hättest du ihn sicher gesehen, den riesigen russischen LKW, dessen Fahrer keine Chance hatte, vor dir und deinem Fahrrad zu bremsen.

Zu deinem 60. Todestag habe ich dir an die Unfallstelle folgendes “Fähnchen” gestellt, denn dein Grab existiert schon lange nicht mehr. Heute bekommst du es zur Erinnerung hier eingestellt – dann sehen es auch deine Enkel, vielleicht auch Urenkel, deine Nichte und andere, die dich genau so wenig kennen wie ich.

Da ich es nicht anders kannte, als ohne Vater zu sein, habe ich dich nur selten vermisst. Stimmt nicht, ich wollte doch öfter einen Vati oder Papa haben wie die meisten anderen in meiner Klasse. – Besonders blöd fand ich, dass du den Krieg relativ unbeschadet überstanden hast und dich aus russischer Gefangenheit mit einem schlitzohrigen Trick (Papa, ich bin doch deine wahrhaftige Tochter!) nach Hause entlassen ließest – und dann packst du dich nach alledem unters Auto!!!!

Übel genommen habe ich dir immer, dass ich deswegen bis zu meinem 14. Jahr kein Fahrrad bekam. Meine Mutter glaubte wirklich, dass das genützt hat. Dabei tauschte ich jede Süßigkeit gegen eine “Runde Radfahren ums Karree”. Kinder mit eigenem Fahrrad lernten bald, dass sie bei mir ihren Süßigkeitenbedarf decken konnten.

Was konnten wir alles nicht miteinander erleben:

  • Ich habe nichts Schlimmes durch dich erlebt, aber auch nichts Schönes
  • Du hast mich nie geschlagen, aber ich wurde auch nie von deiner Hand gestreichelt
  • Aus deinem Mund kamen nie schimpfende Worte, aber du konntest mich auch nicht loben
  • Ich musste mich nie gegen über-väterliche Autorität wehren, aber wir konnten auch in keinen sportlich-fairen Wettstreit treten
  • Ich wurde nie von dir mit lauter Stimme zur Ordnung gerufen, aber an meinem Bett sang mir auch keine väterliche Stimme ein Nachtlied.

Wenn du schon in Lebzeiten nichts für mich tun konntest – durch die Rente, die deine damals  so junge Frau jetzt bekommt, konntest du mir sehr helfen. Weil es ein “russischer” LKW war, wurde es noch als Kriegsschaden betrachtet und die Unfallrente für deine Frau war höher als sonst üblich. – Für eine Hartz-IV-Empfängerin eine Sache, die nicht vom Tisch zu wischen ist.

So blöd es sich anhören mag, für deine Witwe war ein positiver Aspekt dabei: Sie konnte wieder zu den Sakramenten gehen.  Die katholische Kirche hatte sie exkommuniziert, weil sie einen geschiedenen Mann geheiratet hat. Damals war man offensichtlich noch sehr viel strenger als heute! Heute kann man viel mehr Unheil anrichten und wird weder exkommuniziert noch “disqualifiziert”.

Schade, dass wir uns nicht wirklich kennen – ich glaube, dass ich sehr viel von dir geerbt habe.

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Zeitungsmeldung

3. Mai 2010 11 Kommentare

(vor längerer Zeit):

42jähriger Mann tötet seine beiden kleinen Söhne und begeht danach Selbstmord. Die Ehefrau war vor einer Woche aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen.

Fragen:

  • Wieviel Wut, Enttäuschung, Jähzorn, Ausweglosigkeit muss sich in einem Menschen ansammeln, der zu solch einer Tat fähig ist
  • Was mag in der Frau vorgegangen sein, als sie von der Polizei benachrichtigt wurde?
  • Aus welchem Grund mag sie ihren Mann, vor allem aber ihre zwei kleinen Söhne allein gelassen haben?
  • Trifft sie eine (gerichtliche) Mitschuld, wenn sie leichtfertig die Familie verlassen hat?

Ich kann, und ich will es mir nicht vorstellen, wie man sich in solch einer Situation fühlt.

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Tot oder nicht tot –

28. April 2010 9 Kommentare

- das ist hier die Frage!

Ich will jetzt nicht die Shakespearsche Hamletfrage neu oder anders aufrollen oder gar beantworten, sondern nur mal locker erzählen, was einem alles so passieren kann mit diesen 3 Buchstaben, ob mit “d” oder “t” am Ende ist vollkommen gleich.

Ein Mann reiste im stattlichen Alter von 91 nach England . Seine 25 Jahre jüngere Frau und seine Tochter begleiteten ihn, da er an den Rollstuhl  gebunden war.

Plötzlich und unerwartet klopfte Gevatter Tod an und nahm ihn ohne Diskussion mit sich. – So weit, so klar. – Doch Witwe und Tochter wollten die Überführungskosten nach Berlin sparen, setzten ihn in seinen Rollstuhl und wollten allen misstrauischen Kontrolleuren am Flugplatz einreden, dass er schläft.

Vom Prinzip her hatten sie ja recht, sie hatten nur vergessen, “Für immer” zu sagen. – Könnte teurer werden als die legale Überführung, denn er war zu dem Zeitpunkt schon viele Stunden tot, wie eine Obduktion ergab.

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Anders ging es einem sich bei bester Gesundheit befindlichen 72jährigen aus der Gegend um Potsdam. Nichtsahnend geht seine Frau zum Briefkasten, öffnet ein persönlich an sie gerichtetes Schreiben der Polizei und erklärt ihrem Ehemann kreidebleich: “Ich bin Witwe, du bist tot.”

Was lehrt uns das: “Amtliche Schreiben immer nur sitzend öffnen, sonst kann es ungeahnte Kollateralschäden geben“.

Der Irrtum des Amtes brachte noch viel Ärger für den “Totgesagten” mit sich, denn die Rentenkasse wollte Geld zurück, der Führerschein war ungültig, die Krankenkassenkarte auch. – Ob das der Blumenstrauß von der Mitarbeiterin des Ordnungsamtes, die den Fehler verzapft hatte, wieder gutmachen konnte. wage ich anzuzweifeln?

Da bekomme ich doch lieber meine regelmäßigen Belobigungsschreiben vom Berliner Polizeipräsidenten wegen zügigen Fahrens – die schrecken mich zwar auch und kosten Geld, aber sie haben keinen “Herzinfarkt” zur Folge.

Sollte ich "X" beneiden oder nicht?

13. Dezember 2009 Hinterlasse einen Kommentar

Wer ist “X”, der auch Y oder Z heißen könnte und auch weiblich sein könnte? Auf jeden Fall ist es eine Person, die plötzlich und unerwartet stirbt, quasi mitten aus dem Leben herausgerissen wird. – Zu Haus sind von diesem Tod Ehepartner oder Lebensgefährtin und Kinder betroffen und bis ins Mark erschüttert. Wie soll es jetzt weitergehen?

All das wäre in meiner Situation vollkommen anders. Ein Herzensgefährte ist nicht da, in dessen Leben es wie ein Blitz einschlagen würde. – Meine Mutter würde leiden, denn Mütter leiden immer, wenn ihre Kinder vor ihnen gehen. Würden meine Kinder “leiden” – ich denke, nicht so richtig. Würden sie überhaupt weinen können – oder wären durch meinen Tod die Konflikte und Auseinandersetzungen zu Ende? Sicher wäre das Gefühl ein anderes, wenn ich nicht durch Krankheit tot umgefallen wäre, sondern der Tod selbst bestimmt eingetreten wäre.

Es gibt Tage wie heute, da kann ich “X” eher beneiden. Ich bin mitten in der Nacht aufgewacht und hatte einen beiderseitigen Tinnitus, wie ich ihn noch nie gehabt habe. Alles rauschte, in meinen Ohren spielten sich wahre “Lüfterorgien” ab, so hörte es sich an. – Zum Glück schlief ich wieder ein. Als ich am späten Vormittag aufwachte, war es noch schlimmer. Auf beiden Ohren waren die tiefen Frequenzen ausgefallen, so dass sich Männerstimmen wie die von Eunuchen anhörten. Eine Telefonverständigung war ausgeschlossen – ich verstand einfach nichts mehr. Das hatte ich jetzt schon zweimal innerhalb der letzten 13 Monate. Der Gedanke, auch noch mein gutes linkes Ohr zu “verlieren” und dann ganz und gar von der Kommunikation abgenabelt zu sein, erscheint mir unerträglich. Jetzt ist sie teilweise durch psychische Ursachen gestört, dann wären es physische, die noch irreparabler sind. – Also ging ich sofort in die Notaufnahme des Klinikums. Die Ärztin war – wie mein Facharzt auch – der Meinung, dass es von einer Blockade der Halswirbelsäule kommt. Ich lief den ganzen Tag mit einem heißen Körnerkissen und einem elektrischen Heizkissen herum. – Offensichtlich hat es schon ein wenig geholfen – es hört sich schon wieder normaler an, auch meine eigene Stimme.
Dummerweise hatte ich am Nachmittag ein Kennenlerngespräch mit einer neuen Familie. Was mögen sich die drei Jungen (2, 4, 6) gedacht haben, als ich nie so richtig auf ihre Fragen einging. Ich hoffe, dass mich wenigstens die Eltern verstanden haben und der Kontakt dennoch zustande kommt.

Pränataler Stress …

7. Dezember 2009 Hinterlasse einen Kommentar

und Stress im ersten Lebensjahr – eine Ursache für Depressionen?

Als vor ein paaar Wochen Robert Enke, ein Torwart der Nationalelf, seinem Leben auf gewaltsame Weise ein Ende setzte, waren die Medien voll von Artikeln und Berichten über psychische Erkrankungen. Muss erst eine “bekannte Leitfigur” vorangehen, bevor diese immer mehr um sich greifende Krankheit in das Licht der Öffentlichkeit rückt und die ihr gebührende Beachtung findet?

Welchem Stress war ich denn so in meiner vor- und nachgeburtlichen Phase ausgesetzt? Meine ca. 12 Hörstürze sprechen eine deutliche Sprache: Ich war und bin nicht stressresistent. Immer, wenn es für mich kritisch wurde, hat sich mein schwächstes Organ – das Ohr – ausgeklinkt und hat Alarm gefunkt: “Ohr an Großhirn, Ohr an Großhirn – Ärger abstellen und sofort zur Ruhe kommen!”
Irgendwas  muss dennoch bei dieser inter-organischen Absprache schief gelaufen sein, denn sonst hätte ich nicht 5.000,00 € meines sauer angesparten Geldes für Hörgeräte investieren müssen.
Und welcher Stress ist mir als Foetus und als Säugling zugefügt worden?
Pränatal bin ich von Niederschlesien nach Oberbayern umgezogen – Verkehrsverbindungen und Reisekomfort waren ja Ende des Krieges nicht gerade in lobenswertem Zustand – manchmal fielen statt Regentropfen auch Bombensplitter vom Himmel. Mein Vater versuchte an der Westfront, so ungeschoren wie möglich davonzukommen, denn schließlich wollte er die Frucht dieser jungen Ehe auch besichtigen.
Der nächste Stress für meine Mutter wird gewesen sein, als der Ehemann in russischer Gefangenschaft untertauchte. Offenbar hatten diese “Erholungslager” nicht den besten Ruf.
Aber auch hier war er pfiffig genug. Meiner Meinung nach hat er sich mit der Axt selbst eine Verletzung zugefügt, um dort weg zu können, aber diese Theorie kann ich nicht belegen. Ich denke immer: “Ich bin manchmal ein Schlitzohr und von meiner Mutter habe ich diese Eigenschaft nicht geerbt.”
Krieg überstanden, Gefangenschaft überstanden, einen russischen LKW nicht überstanden: Im Klartext – kurz nach Heimkehr legte er sich mit seinem Fahrrad mit einem Lastauto an und wollte ihm die Vorfahrt nehmen! Für unsere Kleinfamilie bedeutete das die überstürzte Reise in Gegenrichtung, um noch zur Beisetzung zurecht zu kommen.
Folge: Mutter die nächsten Jahre immer überarbeitet und fast immer mit feuchten Augen, Halbbruder nach fünf  Jahren total genervt in den Westen abgehauen und Klein-Himmelhoch musste zusehen, wie sie zu dem Glück ihrer frühen Jahre kam.

Lässt sich der Tod "manipulieren"?

7. Dezember 2009 Hinterlasse einen Kommentar

(Damit meine ich keine Art von Freitod, bei dem man ja Zeitpunkt und Art selbst bestimmen kann, sondern den vollkommen natürlichen, durch Krankheit oder Alter bedingten.)
So schmerzlich diese Erfahrung im Leben eines Menschen sein mag: mich hat sie reicher, reifer und erfahrener gemacht. Ich bin dankbar dafür, dass uns Zeit für Abschied und Trauer blieb, da der Krebs drei Monate brauchte, um den “Krebs” zu besiegen.
HL – mein Wolkensegler – ging dem Tod gefasst entgegen. Seine gesamte Familie wollte ihn im Krankenhaus unterbringen – er bat mich jedoch um meine Pflege zu Haus. Da wir ca. 300 km entfernt voneinander wohnten, nahm ich erst Jahresurlaub, dann ließ ich mich aus psychischen Gründen krankschreiben – aber die Ärztin genehmigte nur 3 Wochen, weil ich nur die Freundin, nicht die Frau war.
Fast jede Minute waren wir beieinander, trennten uns auch nachts nicht. Es war so natürlich wie das Zusammensein am Tage, obwohl es andere Schlafmöglichkeiten gegeben hätte. – Liebt man jedoch einen Menschen so innig, dann bekommt man auch die Kraft, dem Tod zu begegnen.

Unstimmigkeit gab es nur bei einer Frage: “Wo dem Tod begegnen:  in vertrauter Umgebung oder im Krankenhaus?” HL wollte nicht, dass ich ihn sterben sehe, da er denTod seines Vaters erlebt und nie verarbeitet hatte. Mir erschien es wie die Quadratur des Kreises, da wir – bis auf meine häufigen Zigaretten- und Kaffeepausen – ununterbrochen zusammen waren. Er entschloss sich, lediglich den letzten Schritt im Krankenhaus zu machen, zumal ein Freund dort Stationsarzt und ich mit keinerlei rechtlichen Befugnissen ausgestattet war.

An einem Donnerstag Morgen wussten wir beide, dass der Tag gekommen war. Ich benachrichtigte seine Mutter, seine Kinder und seine Frau, da ich allen die Chance geben wollte, ihn in den/der letzen Stunde/n zu begleiten und zu stärken. Doch keiner von allen kam.

Im Krankenhaus wurde schnell noch die Frage geklärt, ob mein Bett dicht neben das seinige oder im krankenhausüblichen Abstand stehen sollte – natürlich entschieden wir uns für die erste Variante. Der Arzt und Freund verabschiedete sich von ihm, da er bis Montag zu einem Kongress musste.

Und jetzt ging ich für ca. 3 Minuten auf den Flur, um mit dem Arzt über HLs Überlebenschance zu reden. Auch er war sich unsicher, ob der Tod heut, morgen oder erst in drei Tagen kommt.
Doch mein willensstarker Dickkopf hatte durchgesetzt, was er mir seit Wochen angeküdigt hatte. Zwei Schwestern waren mit ihm beschäftigt, um ihn zu betten. Ich kam ins Zimmer, schaute ihn an und schrie auf: “Er ist tot!”

Er war immer der Meinung, dass wir uns im Jenseits wieder sehen und hat sich deswegen auch nicht endgültig von mir verabschiedet.


Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft

7. Dezember 2009 Hinterlasse einen Kommentar

Wer immer einen Mühlstein am Hals hängen hat, muss sich nicht wundern, wenn er nicht schnell laufen kann!”

Haben wir nicht alle unser P äckchen zu tragen? Doch wenn uns diese Last hindert, den Kopf zu heben, die Gegenwart zu leben und in die Zukunft zu schauen, muss dieses Paket umgepackt werden nach dem Motto: “Die guten (Erinnerungen) ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen”. Leichter gesagt als getan – besonders zu Depressionen neigende Leute pflegen ihre negativen Erinnerungen – keinesfalls bewusst, sondern einfach aus einer pessimistischen Grundhaltung heraus.

Mein dickster Positiv-Negativ-Brocken ist mein Freund, der jetzt mehr als 13 Jahre tot ist. Manchmal ist es mir, als wäre es vergangenes Jahr gewesen – alles ist noch so gegenwärtig. Sicherlich habe ich nach und nach immer ein anderes Stück “losgelassen”, aber offensichtlich nicht genug. Vielleicht erfolgt durch den Tod auch eine “Verklärung”, die im echten Zusammensein schon längst einer Ernüchterung gewichen wäre.
Dieses Jahr bekam ich ein neues Auto. Als “Abschiedsgeschenk” wählte ich für das Autokennzeichen seine Initialen. Ich gab 10 mögliche Wunschziffernkombinationen an. Es rührte mich fast zu Tränen, als sein Todesjahr auf dem Nummernschild stand.

Aber es gibt noch so viele kleine Päckchen, die mich am Laufen, Lachen, Leben hindern, doch dazu später einmal mehr.

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