Claras Allerleiweltsgedanken

Lässt sich der Tod "manipulieren"?

(Damit meine ich keine Art von Freitod, bei dem man ja Zeitpunkt und Art selbst bestimmen kann, sondern den vollkommen natürlichen, durch Krankheit oder Alter bedingten.)
So schmerzlich diese Erfahrung im Leben eines Menschen sein mag: mich hat sie reicher, reifer und erfahrener gemacht. Ich bin dankbar dafür, dass uns Zeit für Abschied und Trauer blieb, da der Krebs drei Monate brauchte, um den „Krebs“ zu besiegen.
HL – mein Wolkensegler – ging dem Tod gefasst entgegen. Seine gesamte Familie wollte ihn im Krankenhaus unterbringen – er bat mich jedoch um meine Pflege zu Haus. Da wir ca. 300 km entfernt voneinander wohnten, nahm ich erst Jahresurlaub, dann ließ ich mich aus psychischen Gründen krankschreiben – aber die Ärztin genehmigte nur 3 Wochen, weil ich nur die Freundin, nicht die Frau war.
Fast jede Minute waren wir beieinander, trennten uns auch nachts nicht. Es war so natürlich wie das Zusammensein am Tage, obwohl es andere Schlafmöglichkeiten gegeben hätte. – Liebt man jedoch einen Menschen so innig, dann bekommt man auch die Kraft, dem Tod zu begegnen.

Unstimmigkeit gab es nur bei einer Frage: „Wo dem Tod begegnen:  in vertrauter Umgebung oder im Krankenhaus?“ HL wollte nicht, dass ich ihn sterben sehe, da er denTod seines Vaters erlebt und nie verarbeitet hatte. Mir erschien es wie die Quadratur des Kreises, da wir – bis auf meine häufigen Zigaretten- und Kaffeepausen – ununterbrochen zusammen waren. Er entschloss sich, lediglich den letzten Schritt im Krankenhaus zu machen, zumal ein Freund dort Stationsarzt und ich mit keinerlei rechtlichen Befugnissen ausgestattet war.

An einem Donnerstag Morgen wussten wir beide, dass der Tag gekommen war. Ich benachrichtigte seine Mutter, seine Kinder und seine Frau, da ich allen die Chance geben wollte, ihn in den/der letzen Stunde/n zu begleiten und zu stärken. Doch keiner von allen kam.

Im Krankenhaus wurde schnell noch die Frage geklärt, ob mein Bett dicht neben das seinige oder im krankenhausüblichen Abstand stehen sollte – natürlich entschieden wir uns für die erste Variante. Der Arzt und Freund verabschiedete sich von ihm, da er bis Montag zu einem Kongress musste.

Und jetzt ging ich für ca. 3 Minuten auf den Flur, um mit dem Arzt über HLs Überlebenschance zu reden. Auch er war sich unsicher, ob der Tod heut, morgen oder erst in drei Tagen kommt.
Doch mein willensstarker Dickkopf hatte durchgesetzt, was er mir seit Wochen angeküdigt hatte. Zwei Schwestern waren mit ihm beschäftigt, um ihn zu betten. Ich kam ins Zimmer, schaute ihn an und schrie auf: „Er ist tot!“

Er war immer der Meinung, dass wir uns im Jenseits wieder sehen und hat sich deswegen auch nicht endgültig von mir verabschiedet.


Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

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