Claras Allerleiweltsgedanken

Pränataler Stress …

und Stress im ersten Lebensjahr – eine Ursache für Depressionen?

Als vor ein paaar Wochen Robert Enke, ein Torwart der Nationalelf, seinem Leben auf gewaltsame Weise ein Ende setzte, waren die Medien voll von Artikeln und Berichten über psychische Erkrankungen. Muss erst eine „bekannte Leitfigur“ vorangehen, bevor diese immer mehr um sich greifende Krankheit in das Licht der Öffentlichkeit rückt und die ihr gebührende Beachtung findet?

Welchem Stress war ich denn so in meiner vor- und nachgeburtlichen Phase ausgesetzt? Meine ca. 12 Hörstürze sprechen eine deutliche Sprache: Ich war und bin nicht stressresistent. Immer, wenn es für mich kritisch wurde, hat sich mein schwächstes Organ – das Ohr – ausgeklinkt und hat Alarm gefunkt: „Ohr an Großhirn, Ohr an Großhirn – Ärger abstellen und sofort zur Ruhe kommen!“
Irgendwas  muss dennoch bei dieser inter-organischen Absprache schief gelaufen sein, denn sonst hätte ich nicht 5.000,00 € meines sauer angesparten Geldes für Hörgeräte investieren müssen.
Und welcher Stress ist mir als Foetus und als Säugling zugefügt worden?
Pränatal bin ich von Niederschlesien nach Oberbayern umgezogen – Verkehrsverbindungen und Reisekomfort waren ja Ende des Krieges nicht gerade in lobenswertem Zustand – manchmal fielen statt Regentropfen auch Bombensplitter vom Himmel. Mein Vater versuchte an der Westfront, so ungeschoren wie möglich davonzukommen, denn schließlich wollte er die Frucht dieser jungen Ehe auch besichtigen.
Der nächste Stress für meine Mutter wird gewesen sein, als der Ehemann in russischer Gefangenschaft untertauchte. Offenbar hatten diese „Erholungslager“ nicht den besten Ruf.
Aber auch hier war er pfiffig genug. Meiner Meinung nach hat er sich mit der Axt selbst eine Verletzung zugefügt, um dort weg zu können, aber diese Theorie kann ich nicht belegen. Ich denke immer: „Ich bin manchmal ein Schlitzohr und von meiner Mutter habe ich diese Eigenschaft nicht geerbt.“
Krieg überstanden, Gefangenschaft überstanden, einen russischen LKW nicht überstanden: Im Klartext – kurz nach Heimkehr legte er sich mit seinem Fahrrad mit einem Lastauto an und wollte ihm die Vorfahrt nehmen! Für unsere Kleinfamilie bedeutete das die überstürzte Reise in Gegenrichtung, um noch zur Beisetzung zurecht zu kommen.
Folge: Mutter die nächsten Jahre immer überarbeitet und fast immer mit feuchten Augen, Halbbruder nach fünf  Jahren total genervt in den Westen abgehauen und Klein-Himmelhoch musste zusehen, wie sie zu dem Glück ihrer frühen Jahre kam.

Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

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