Claras Allerleiweltsgedanken

Behindert oder doch nur beeinträchtigt?

6 Kommentare

Wenn du morgens aufwachst und dir tut nichts weh, dann bist du tot!“

Diesen dummen Satz kennt ja wohl jeder. Tot bin ich nicht, über Schmerzen kann ich im allgemeinen auch nicht klagen – nur einen neuen Kopf möchte ich haben. Die Medizin hat Transplantationen wohl schon stückweise versucht – aber mir ist nichts bekannt, dass schon ganze Köpfe von dem einen Körper auf den anderen  gepflanzt wurden. Und wie ich mich und meine Mäkligkeit kenne – könnte ich mich im Ernstfall nicht entscheiden: Der eine wäre mir zu alt, der andere zu hässlich, der dritte zu männlich. Also muss ich wohl mit dem meinigen trotz aller Unvollkommenheiten leben.
Warum habe ich alle Einschränkungen nur am Kopf? Will mir da jemand etwas zu verstehen geben? Ich kann das Rätsel nicht lösen. – Wenn ich mich mit gleichaltrigen Frauen vergleiche, sehe ich ganz schön alt aus, auch wenn es nicht gleich auf den ersten Blick auffällt. Figur und Geist sind ok, doch was machen wir mit dem Rest?
Nase: Eine total verpfuschte Operation, die sogar zu einer Klage führte mit mittelprächtigem Erfolg. Der Arzt (bzw. seine Versicherung) musste nicht für die misslungene Operation zahlen, sondern nur für die fehlende Aufklärung über die Risiken. – Die zweite Op war eine korrigierende, die dritte eine nochmalige Totaloperation. Das jetzt niemand auf falsche Gedanken kommt – es ging nicht um Schönheit, sondern lediglich um Luft. Ich wollte einfach und allein den Mund zulassen können beim Luftholen, und das nicht nur im Ruhezustand, sondern auch in Bewegung. – So richtig hat es aber auch die große HNO-Koryphäe nicht hinbekommen. Wahrscheinlich waren ihm die 3.000,00 € zu wenig, die ich gezahlt habe. Er wollte 4.000,00 haben.
Augen:  Eine überflüssige (durch Fehldiagnose zustande gekommene) Kataraktoperation. Dann die notwendige Op, da auf der Netzhaut eine Membran lag. Es bestand die Gefahr der Verwachsung. Eine zu späte Entfernung hätte Blindheit auf einem Auge bedeutet. – Aber nicht das stört, sondern die ständig und immer brennenden Augen. Das Gefühl, im einen Auge drei Wimpern und im anderen zwei Sandkörner zu haben. Tropfen, Gel, Kompressen – es gibt kaum etwas, was ich nicht schon probiert hätte und es gibt kaum etwas, was dauerhaft hilft. – Wenn ich so überlege, dass eine Brille so um die 800,00 € kostet, habe ich in meinen Kopf schon mehr als einen Cadillac investiert.

„Blind sein trennt von den Dingen, doch taub sein trennt von den Menschen!“

Ohren: An diesen Spruch muss ich immer wieder denken, wenn ich mir den Zustand meines Innenohrs vorstelle. Ca. zwölf Hörstürze über 30 Jahre verteilt und zwei Mittelohrvereiterungen mit anschließendem hammerharten Tinnitus  im Jahre 2004 haben dazu geführt, dass ich rechts sehr wenig und links ein wenig mehr höre. Hörgeräte sind wohl am besten für die Hörgeräteakustiker und die Herstellerfirmen, denn sie verdienen daran. Sie verbessern das Hören in Situationen, in denen ich auch noch ohne etwas verstehen würde. Bei Musik, Lärm, Strassengeräuschen und ähnlichen akustischen Widrigkeiten sind sie eher störend, da sie auch diese ungewollten Geräusche verstärken. Ich bin öfters so genervt und gestresst, dass ich Feiern, Veranstaltungen u.ä. vorzeitig verlasse, weil ich denke, mir explodiert der Schädel.- Wenn ich überlege, dass ich dafür mehr als 5.000,00 € bezahlt habe, bin ich noch mehr gestresst.
Gehirn: Meine Vergesslichkeit grenzt schon manchmal an Demenz oder Alzheimer, aber es ist keines von beiden. Vielleicht will mich mein Gedächtnis auch nur schützen vor unangenehmen Erinnerungen. – Und die bipolare Erkrankung hat ihren Sitz im Gehirn, es fehlen chemische Botenstoffe, die bei mir mit einem Lithiumpräparat ausgeglichen werden.
Zähne: Wenigstens das ist doch ein „erfreulicher“ Absatz, denn Zahnschmerzen kann ich nicht mehr bekommen, nur noch Implantatschmerzen. Im Unterkiefer hat mich der Spaß, wieder feste Nahrung zu mir nehmen  und den Pürierstab aus der Liste meiner engsten Freunde aussortieren zu können, mehr als  6.000,00 € gekostet – alles Geld, was ich eigentlich für meine Altersvorsorge gedacht habe. Bei der zu erwartenden Mindestrente wird am Ende des Geldes immer noch viel zu viel Monat übrig sein. – Mit dem Millionär als Ehemann wird es nicht mehr klappen, also muss ich entweder auf Günter Jauch ausweichen oder eben nicht so lange leben.

Ja, was ist , bin ich jetzt behindert oder doch nur beeinträchtigt?“

Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

6 Kommentare zu “Behindert oder doch nur beeinträchtigt?

  1. interessante Ausführungen..
    entschuldige bitte meine Tippfehler, kommt leider öfter vor, bin a) in Gedanken schon meist 3 Wörter weiter und b) mit den AUgen immer halb beim Baby.
    aber wenn ich deine Geschichten so lese, fühl ich mich zum Teil wieder schäbig, weil ich so viel jammer, obwohl’s mir verhältnisweise gut geht.. muss eine Frage des Temperaments sein.. oder der Hormone.. oder Sypnapsen,,, weiß dor Deiwel…

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    • Anniefee, du musst dich in die falschen Geschichten von mir verbissen haben, denn ich meine, mir geht es überhaupt nicht schlecht, und wenn es doch mal so ist, dann ist meist nicht so schlimm, als dass ich daraus nicht noch einen Joke machen könnte.
      Ob du dich nun aufs Alter freust oder nicht – es kommt so oder so! Ich hätte es mir bisher viel schlimmer vorgestellt.
      Lieben Gruß von Clara

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  2. och.. mennö, ich wollte mich eigentlich aufs Altern freuen, aber offenbar birgt es doch zu viele Risiken 😦

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    • Hallo anniefee, wir kennen uns ja vom „Zahnarzt“ bei Teddy – du weißt: „Bei Risiken und Nebenwirkungen schauen sie bei Frau Clara oder lachen sie doch anderswo“. – Ach weißt du, ich kenne viele in meinem Umkreis, die würden liebend gern mit mir tauschen – allerdings kenne ich auch die anderen, die gut hören und gut beißen – aber nichts davon ist unbedingt reine Altersfrage. Meine 13! Hörstürze hatte ich alle noch während der Arbeitszeit – und die haben die wichtigsten Grundlagen zu dem Danach gelegt!
      Tja, wer nicht alt werden will, muss jung sterben. Es ist nur die Frage, wie lange definiert man „jung“ – es wird täglich etwas länger oder später!

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      • Oh, große Philosophin ! 🙂
        du hast natürlich recht. Hoffentlich kommt die Gelassenheit wirklich mit dme Alter, wie man (11 Jahre älterer) Mann immer sagt, wenn ich wieder zu besorgt bin …

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        • Philosophin weniger, altersweise auch nicht richtig – aber ein wenig schaue ich schon anders auf das Leben als mit 25. Ich weiß, dass ich mich als Kind immer geschämt habe, dass mein Vater bei meiner Geburt schon 40 war. Vielleicht hat er das „vorausgeahnt“ und ist deswegen mit 41 tödlich verunglückt. Ich habe immer, wenn ich nach dem Alter meiner Eltern gefragt wurde, sofort erwähnt, dass ich einen 12 Jahre älteren Halbbruder habe. – Und damals habe ich mir auch fest vorgenommen, nicht richtig „alt“ zu werden. Meine Mutter ist 95. Obwohl es ihr relativ gut geht in ihrem Pflegeheim, möchte ich nie und nimmer so leben. „Alter“ ist für mich schon ein nachdenkenswerter Begriff.
          Was sollen in bezug auf das Alter meine Enkel sagen. Da war der Vater einmal 68 und einmal 72 bei der Geburt – das ist für mich so ein Phänomen, dass seit diesem „Schwiegersohn“ das Verhältnis zu meiner Tochter noch stärker als schon vorher beeinflusst ist.

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