Claras Allerleiweltsgedanken

Arbeitslosigkeit – Belohnung oder Bestrafung???

Zu diesem Thema möchte ich die Einleitung zu einer Geschichte wiedergeben, die ich 2005 für die Eltern eines Wunschenkelkindes zu Weihnachten geschrieben habe:

Mit 58 arbeitslos“ Resignieren oder Leben ändern?

Arbeitslos!!! Ein schreckliches Wort in meinen Ohren, denn an Arbeit mangelt es ja wohl nicht, allerdings ist diese mehr ehrenamtlicher oder schlecht bezahlter Natur.
Arbeitssuchend!!! Eine vornehmere, vor allem aktiver klingende Umschreibung der Tatsache, dass der Arbeitsmarkt für solche „ältlichen Vorzimmerdamen“ wie mich keine Verwendung mehr hat. Mehr als 100 Bewerbungsbriefe brachten mir immer wieder in Erinnerung, dass ich gegen ein Heer von jüngeren, kürzer berockten und auch fachlich versierteren Sekretärinnen – die auch noch weniger aufmüpfig als ich sind – antrete und eigentlich nur verlieren konnte.
Erwerbslos!!! Da es immer noch nicht klappt, dass der Mensch allein von Luft und Liebe leben kann – die Sozialämter machen dennoch ähnliche Vorschläge – spielte dieser Faktor in meinen Überlegungen eine wichtige Rolle. Wie schön wäre es für mich, die persönlichen Präferenzen mit ein wenig finanzieller Belohnung dekorieren zu können.
Nachdem ich diese drei Worte immer und immer wieder fruchtlos in meinem Kopf gewälzt und meinem Herzen bewegt hatte, entschied ich mich für den ehrenamtlichen Weg. Die finanzielle Lage wird zwar dadurch nicht gebessert, aber wenigstens die moralische. Viele fallen ohne Aufgaben und Verpflichtungen in ein tiefes Loch, aus dem sie dann mühsam durch teure Medikamente wieder Stufe für Stufe ans Tageslicht geholt werden müssen. Mir wäre es ähnlich ergangen.
Zum Glück entschied ich mich dafür, mal das zu machen, woran ich Spaß und Freude hatte. Alte und Kranke, Obdachlose oder Gefangene, religiöse Gemeinschaften oder Kleintierzüchtervereine, Ökofreaktreffen oder politische Parteiarbeit kamen nicht in die engere Wahl. Büro- und Bibliothekstätigkeit hatte ich im Berufsleben satt erlebt. Ein Hund war lange Zeit im inneren Zwigespräch, aber er verlor das Rennen gegen Kinder.
Offensichtlich ist das bei Mutter und Tochter fließende Pädagogenblut  auch in meinen Adern vorhanden, denn ich entschied mich für die ach so niedlichen (und ach so wehrlosen) Kindergartenkinder. Direkt im Kindergarten beschäftigte ich mich mit Kindern, denen die deutsche Sprache aus irgendeinem Grund mehr Schwierigkeiten macht als ihren Altersgefährten. Auf spielerische Art versuchte ich, ihren Sprachschatz zu erweitern und ihre Fehler zu verbessern. Zuletzt waren es 20 Stunden pro Woche – fast eine Halbtagsstelle, deren Vergütung vielleicht mal im Himmel erfolgt, denn der KITA-Träger war die Caritas.
Aus Gesundheitsgründen (2 Mittelohrvereiterungen mit anschließendem Hörverlust und Tinnitus) machten der regelmäßigen Beschäftigung ein Ende. Mit Tränen in den Augen, vor allem aber im Herzen, nahm ich Abschied. Eltern und Kinder bedauerten es sehr, doch ich bedauerte es noch mehr.
Jetzt hatte der Tag wieder keinen richtigen Anfang und keine Struktur.

Meine Recherchen führten mich im März 2005 zum Berliner Großelterndienst. Ein gut aufgemachter Fleyer ließ mich Hoffnung schöpfen. Die vielen, vielen Ersatzomas und die nicht ganz so zahlreichen Ersatzopas – liebevoll auch Wunschoma und -opa genannt – werden nicht einfach ins kalte Wasser gestoßen und ihrem Schicksal überlassen. Monatlich gibt es ein Arbeitsfrühstück, bei dem jeder seine Probleme in der Runde vorbringen kann, um zu einer Lösung zu kommen. – In Weiterbildungsveranstaltungen kann man sich Rat und Hilfe holen, wie die kleinen Zappelphilipe oder Quasselstrippchen im Winter oder bei schlechtem Wetter beschäftigt werden können. Aber auch Tagesausflüge zum kennen lernen von Land und Leuten werden organisiert. – Für finanziell schlechter gestellte Omas/Opas gibt es eine Aufwandsentschädigung, die variabel ist und von der Finanzsituation der alleinerziehenden Mutter oder der Eltern abhängt. Minimal 0,00 € bis 4,00 € oder 5,00 €, nach der 6. Stunde 2,50 €.
Ich bin dort sehr glücklich und habe viele spannende Kinder mit ihren zum Teil noch spannenderen, aber teilweise auch anstrengenden Müttern erlebt. Aber auf jeden Fall ist es besser, als nur von Hartz IV zu leben und dumpf in den Tag hinein zu vegetieren.

Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

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