Claras Allerleiweltsgedanken


Mein (Tele-)Kommunikations-Tick

Wenn eine einzelne Person allein drei Festnetztelefone und zwei Handys hat, ist das doch schon ein wenig verrückt. Bis vor kurzem hatten die verschiedenen Festnetzapparate wenigstens noch einen Sinn: sie verteilten sich nämlich durch ISDN auf zwei verschiedene Nummern. Dadurch konnte ich unbesorgt stundenlang mit der unbekannten Nummer anrufen und die andere war immer frei, falls mich jemand erreichen wollte. Das wichtigste Wort im letzten Satz ist „falls“. Jetzt habe ich ISDN aus Kostengründen abgegeben. Ein Anklopfsignal gibt es auch nicht – also weiß ich nicht, wer mich vielleicht anrufen möchte und nicht kann, da ich das Telefon blockiere.
Ich wünsche mir so oft, dass ein Anruf blinken würde, wenn ich nach Hause komme – aber meist sind es nur Gewinnspielanrufe, Versicherungsvertreter oder sonstwie verkappte Dienstanrufe. Ein wirklich privater Anruf ist so selten – will denn wirklich kaum noch jemand was von mir wissen? Oder denken alle Leute, dass ich mich schon melden werde, wenn ich was will. Ich habe nämlich tatsächlich immer die schwächeren Nerven und rufe dann von mir aus an.
Die beiden Handys erkläre ich mit technischen Finessen – das eine dient nur als Organizer und ist praktisch mein klingelnder Kalender. Doch ich würde es schon ab und an mal gern zum Angerufen-Werden benutzen.

Manchmal denke ich, dass ich die Leute (Bekannte, Freunde …) mit meinen Problemen überfordere, zu viel von ihnen erwarte. Dennoch begreife ich es nicht, dass ich noch gerade mit jemandem telefoniert habe, dann eine Mail mit wichtigen Dingen hinschicke und darauf mehr als drei Wochen nichts mehr höre. Ich selbst traue mich dann auch nicht mehr anzurufen, weil so eine ganz zarte Andeutung kam, dass nun der Probleme genug gewälzt wären. Dann sollte man mir doch nicht vorher sagen, dass man mir helfen will.

Vielleicht sollte ich mal ernsthaft darüber nachdenken, warum die (Tele-)Kommunikation mit manchen Leuten gestört oder unterbrochen ist.


Sollte ich "X" beneiden oder nicht?

Wer ist „X“, der auch Y oder Z heißen könnte und auch weiblich sein könnte? Auf jeden Fall ist es eine Person, die plötzlich und unerwartet stirbt, quasi mitten aus dem Leben herausgerissen wird. – Zu Haus sind von diesem Tod Ehepartner oder Lebensgefährtin und Kinder betroffen und bis ins Mark erschüttert. Wie soll es jetzt weitergehen?

All das wäre in meiner Situation vollkommen anders. Ein Herzensgefährte ist nicht da, in dessen Leben es wie ein Blitz einschlagen würde. – Meine Mutter würde leiden, denn Mütter leiden immer, wenn ihre Kinder vor ihnen gehen. Würden meine Kinder „leiden“ – ich denke, nicht so richtig. Würden sie überhaupt weinen können – oder wären durch meinen Tod die Konflikte und Auseinandersetzungen zu Ende? Sicher wäre das Gefühl ein anderes, wenn ich nicht durch Krankheit tot umgefallen wäre, sondern der Tod selbst bestimmt eingetreten wäre.

Es gibt Tage wie heute, da kann ich „X“ eher beneiden. Ich bin mitten in der Nacht aufgewacht und hatte einen beiderseitigen Tinnitus, wie ich ihn noch nie gehabt habe. Alles rauschte, in meinen Ohren spielten sich wahre „Lüfterorgien“ ab, so hörte es sich an. – Zum Glück schlief ich wieder ein. Als ich am späten Vormittag aufwachte, war es noch schlimmer. Auf beiden Ohren waren die tiefen Frequenzen ausgefallen, so dass sich Männerstimmen wie die von Eunuchen anhörten. Eine Telefonverständigung war ausgeschlossen – ich verstand einfach nichts mehr. Das hatte ich jetzt schon zweimal innerhalb der letzten 13 Monate. Der Gedanke, auch noch mein gutes linkes Ohr zu „verlieren“ und dann ganz und gar von der Kommunikation abgenabelt zu sein, erscheint mir unerträglich. Jetzt ist sie teilweise durch psychische Ursachen gestört, dann wären es physische, die noch irreparabler sind. – Also ging ich sofort in die Notaufnahme des Klinikums. Die Ärztin war – wie mein Facharzt auch – der Meinung, dass es von einer Blockade der Halswirbelsäule kommt. Ich lief den ganzen Tag mit einem heißen Körnerkissen und einem elektrischen Heizkissen herum. – Offensichtlich hat es schon ein wenig geholfen – es hört sich schon wieder normaler an, auch meine eigene Stimme.
Dummerweise hatte ich am Nachmittag ein Kennenlerngespräch mit einer neuen Familie. Was mögen sich die drei Jungen (2, 4, 6) gedacht haben, als ich nie so richtig auf ihre Fragen einging. Ich hoffe, dass mich wenigstens die Eltern verstanden haben und der Kontakt dennoch zustande kommt.


Ein Kommentar

Nie richtig Kind – nie richtig erwachsen!

An was mag es wohl liegen, dass ich das Gefühl habe, immer noch nicht richtig erwachsen geworden zu sein? Liegt das an den fehlenden Kuscheltieren in meiner Kindheit, dass jetzt lauter Löwen, Hunde, Krokodile und Bären aus Plüsch in meiner Wohnung verteilt sind??? Oder hat meine manische Grundeinstellung im Leben auch etwas damit zu tun, dass sich mein Wohnzimmer, mein Bad – nein – alle meine Räume so sehr   von den Räumen anderer Erwachsener unterscheiden?

Aber nicht nur Plüschtiere sind meine Begleiter. In meinem Bad ist alles voller Fische, Seepferdchen, und Seesterne, Schlingpflanzen, Schildkröten, Muscheln, Seeigel und was es nicht noch alles an Meeresbewohnern gibt.

Wer sich schon keinen Urlaub auf Hawaii leisten kann, sollte sich  Meeresgefühle auf andere Weise verschaffen. – Damit ihr mir das auch glaubt, zeige ich euch jetzt ein paar Bilder. – Die Reaktionen der Besucher zeigen mir auch ohne Worte, ob sie zu den „Kindern“ oder zu den „Erwachsenen“ dieser Welt zählen.
Meine Kinder freuen sich immer wieder darüber, wenn dann auch noch Sterne am Himmel oder phosphoreszierende Delphine im Dunklen leuchten – aber nicht nur die Kinder freuen sich darüber, ich auch, sonst hätte ich es nicht gemacht.

Was kann frau denn noch so alles sammeln in ihrer Wohnung? Antiquitäten? Ist nicht mein Ding – alt werde ich von allein und zu teuer sind sie außerdem. – (Öl-)Gemälde – kann ich mir nur in der Form von Kunstdrucken leisten. Pompöse Bilder mit Goldrahmen sind auch nicht so mein Geschmack. Also blieben mir nur Fächer mit chinesischen Schriftzeichen und Rosen.
Vielleicht finde ich auf diese Weise jemand, der oder die mir sagen kann, was ich da so an meiner Wand zu stehen habe – ich hoffe nur gute Sachen!