Claras Allerleiweltsgedanken

Verkehrte Welt?

6 Kommentare

Wäre es nicht so bitter ernst, es wäre zum totlachen.
Wie weit hat eine Erzieherin, eine Tagesmutter, eine Lehrerin, aber auch eine Oma bis zu einem gewissen Grad Verantwortung für die Erziehung der Kinder, die ihnen anvertraut sind? Ist Erziehung wirklich nur Sache der Eltern? Hat da niemand anderes auch nur ein Wort mitzureden, wenn er es gut mit dem Kind meint und sich verantwortlich fühlt? Ist es nur Sache der Mutter, wenn das Kind  fast nur mit Toastbrot und Bärchenwurst ernährt wird, wenn es oft zu wenig oder zu viel angezogen ist, wenn es mit 7 Jahren noch am Daumen nuckelt, ständig zu viele Süßigkeiten isst und u.a. deswegen jetzt schon sehr schlechte Zähne hat, wenn es zu viel fernsehen darf?  Um das Unglück voll zu machen, hat das besagte Kind zu Weihnachten einen Nintendo geschenkt bekommen, obwohl der große Bruder schon fernseh- und computersüchtig ist. Soll ich dann als Tagesmutter immer ruhig bleiben? Leider kann ich das nicht, das verbietet mir mein anerzogenes (?),  eingepflanztes(?) „Weltverbesserungs-Gen“.
Ich betreue ein Kind ca. 60 bis 70 Stunden im Monat, für das das Jugendamt die Kosten übernimmt, da die Mutter an drei Tagen in der Woche im Schichtdienst tätig ist, dabei aber zu wenig verdient.
Hätte ich mir einen fröhlichen Lenz gemacht und das Kind bei einer nicht altersgerechten Sendung lange Zeit vor dem Fernseher geparkt, um in der Zwischenzeit einen spannenden Krimi lesen zu können, hätte ich den mütterlichen Zorn und Frust verstanden.
Aber genau andersherum wird ein Schuh daraus. Beim vorletzten Abenddienst wollte das Kind plötzlich nicht mehr KIKA sehen, sondern SuperRTL, eine Stunde lang. Meiner Meinung ist die Sendung nicht nur schwachsinnig und mit Werbepausen durchsetzt, sondern von der Thematik her für 10 bis 14jährige gedacht. Also lehnte ich ab, schaltete wie eh und je KIKA ein, las ihr danach noch eine Geschichte vor und hatte ein friedlich einschlafendes Kind.
Doch das Kind beschwerte sich bei der Mutter, die darauf nichts anderes zu tun hatte, als mir aufzuschreiben, dass SuperRTL durchaus in Ordnung wäre, am Wochenende sogar 90 Minuten im Stück. Also setzte ich mich 60 Minuten daneben, um zu wissen, ob ich diese Sendung wirklich als „Schwachsinn“ beschimpfen darf. Untertrieben, wie der Sendername ist es „Superschwachsinn“, vielleicht nicht unbedingt schädlich für knapp 7jährige, aber vollkommen unangebracht.
Am Ende der Sendung klagte das Kind über Kopfschmerzen und konnte ewig nicht einschlafen. Viermal kam sie wieder raus, was sie sonst nie tut.
Also setzte ich mich hin und schrieb der Mutter eine Nachricht, dass ich bei meiner Ablehnung bleibe usw. usf. – Ihre Reaktion war dementsprechend heftig, es war dicht am Rande der Beschimpfung. Ich weiß momentan nicht so recht, wie ich mich beim nächsten Spätdienst verhalten werde.

Verkehrte Welt deshalb, weil ich immer denke, die Mütter sollten die strengeren sein und die Omas die, die den Kindern vieles durchgehen lassen. Aber ich habe sehr oft das Gefühl, dass das den jungen Müttern zu anstrengend ist, konsequent nein zu sagen und auch dabei zu bleiben.

Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

6 Kommentare zu “Verkehrte Welt?

  1. ick kann dir leider keinen verhaltensregeln mitgeben. alleinerziehende und auch paare sind oft überfordert, weil sie gerne selbst ihre ruhe haben möchten, beschäftigen sie sich nicht mit ihren kindern, sondern lassen sie „berieseln“. ich habe mal einen 7jährigen getroffen, der mir erzählte, daß er nachts wrestling guckt, wenn seine eltern nicht da sind oder heimlich. es ist schwer, das wieder auszubügeln. meistens sind das schon verfestigte gewohnheiten. und manche menschen hinterfragen ihren lebensstil einfach nicht.

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    • du, sagst du mir mal bitte – ist der Artikel wieder im Feed erschienen, weil ich ihn ein wenig bearbeitet habe. Ansonsten hatte ich ihn doch nur bei Gesa als „Antwort“ auf ihren Fernsehartikel eingestellt. – Aber sie hat schon recht. Wenn ich hier meinen neuen Bildschirm sehe, ist das wirklich mein Fernsehersatz – aber ich gestalte es wenigstens größtenteils selbst.
      Mir ging es in diesem Fall noch nicht einmal so sehr um die Dauer der Zeit, sondern bewusst um den Sender. Da das Kind wusste, dass ich SuperRTL für so schwachsinnig halte, dass ich mich da nicht dazu setze, sie das aber gern wollte, hat sie mit mir dann doch wieder KIKA geguckt – und wir waren beide glücklich.

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      • ja, der ist im feed erschienen (bei mir ist das ein abo von goo.gle).

        liebe clara, es ist nicht nur der sender! es ist die zeit, die vor der gedankenabstellmaschine fernseher verbracht wird.

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        • ja, du hast ja recht, aber es ist nicht mein Enkelkind – und selbst, wenn sie es wäre, könnte ich auch nichts machen, nur, wenn sie bei mir wäre, da gäbe es das nicht. – Aber das mit dem „Aufwärmen“ im Feed finde ich ja Sch…., da kann man ja kaum mal „unerkannt“ was an einem alten Artikel ändern. – Damals, bei dem Zeitungsartikel mit den beiden Jungen und mir dachte ich noch, es wäre Zufall, aber jetzt sehe ich, der „Wahnsinn hat Methode“.

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  2. Hallo, ich habe deinen Kommentar bei einem ganz aktuellen Post gesucht und erst bei genauerem Hingucken gefunden. – Du bist ja wohl Erzieherin, wie ich so mitbekommen habe – und da muss euch das ja des öfteren passieren. – Lehrer oder Erzieher zu sein in der heutigen Zeit, ist bestimmt nicht einfach.
    LG an dich von Clara

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  3. OH, Clara, du erlebst etwas, was wir das ‚Tyrannensyndrom‘ nennen. Kennst du die Bücher von M. Winterhoff? Alles unterstreiche ich zwar nicht, aber einiges schon und bei einigen lächelte ich zwar, fühlte aber auch tiefe Betroffenheit.

    Liebe grüße, Seelenbalsam

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