Claras Allerleiweltsgedanken


21 Kommentare

300 km westlicher …

… wäre aus ihm vielleicht ein Karl Lagerfeld geworden und Clara hätte, ebenfalls vielleicht, keine Sorgen mehr mit Hartz IV gehabt.

Es ist, wie es ist – die Designerkarriere hat er aus- oder besser nicht eingeschlagen –  aus ihm ist Clemens Himmelhoch geworden, vielleicht liebenswerter und unkomplizierter als der weißhaarige Exot, dafür jedoch unbemittelter und unbekannter – außer in diesem Blogumfeld vielleicht.

Und damit sich das ändert (grins), gibt’s mal wieder eine Geschichte, wie sie das Leben so schreibt, das Leben bei Himmelhochs eben.

Clara ist Anfang der 80er Jahre zu einer Hochzeit eingeladen. Wie alle Frauen jammert sie spontan los: „Ich hab’ nichts Vernünftiges anzuziehen!“ Mehrere Einkaufsbummel brachten kein befriedigendes Ergebnis. Also beschließt sie in den sauren Apfel zu beißen und sich ein Kleid selbst zu nähen. Stoff ist schnell besorgt, das dreiteilige Kleid an einem Wochenende genäht. Kleinigkeiten sind es, die sie an der Passform stören. Doch wie soll sie sich hinten am Rücken etwas abstecken?

Plötzlich kommt Clemens (11 Jahre) und hat den Mund voller Stecknadeln – wie ein Profi. Schnell steckt er alles wunschgerecht ab und bewundert seine Mama in dem schönen Kleid. Und plötzlich, ganz verschämt und unsicher: „Wenn ich mal heirate, dann nähe ich das Kleid für meine Frau selbst.“ Clara kann nur grinsen, lachen und sich freuen. Ca. 25 Jahre später hat sie ihren inzwischen Großen mal an die Story erinnert. Sie weiß bis heute nicht, ob ihm die Lust aufs Nähen oder die Lust aufs Heiraten eher vergangen ist, jedenfalls läuft er noch ungebunden rum.

Als Clemens kurz vor seiner Konfirmation stand, kam zu Haus  das Kleidungsthema auf, doch zum Glück nicht für den weiblichen Teil der Familie. Clara konnte auf das damals genähte Kleid zurückgreifen und Theres fand in ihrem Kleiderschrank was Passendes. Doch Clemens konnte ja schlecht in seinen geliebten, abgewetzten Turnschuhen mit dem dazu passenden Outfit vor die Gemeinde treten (seiner Meinung nach hätte er gekonnt).

Seine Körperhöhe wich von der seiner Mitkonfirmanden um ca. 15 cm ab, allerdings nach unten. Er sah aus wie der kleine Bruder von einem der anderen. Alle, vorrangig jedoch er,  waren der Auffassung, dass er in einem Anzug oder Sakko o.ä. unpassend gekleidet wäre. Da war guter Rat teuer.

Auch jetzt hatte der „kleine Lagerfeld“ die passende Idee. Stoff in 3 verschiedenen Grautönen war schnell besorgt, die Mama bestand auf einem Schnittmuster. Ohne meine Hilfe nähte er eine Hose, ein kurzärmliges Teil und eine Bundjacke. Dabei wurde mit Taschen, Reißverschlüssen und Farbkombinationen nicht gespart. Nicht, dass ich es nicht gekonnt hätte, aber ich hätte es so kompliziert nicht nähen wollen.

Diese Frisur kostete Zeit und Mühe, aber das Nähen erst recht

Schade, dass er danach doch ziemlich schnell gewachsen ist, die Kombination sah richtig gut aus. Die Haare wurden täglich gestärkt und gestylt – damit hat er wichtige Zentimeter zu seinen Mitschülern ausgeglichen.

Jetzt, mit 1,82 m, hat er solchen unfairen Wettbewerb nicht mehr nötig – prompt verzichtet er auf jeglichen Haarschmuck.

Advertisements


Hinterlasse einen Kommentar

Kluger Tucholsky

„Man kann eine Sache auch 35 Jahre lang falsch machen.“

Kurt Tucholsky
Habe ich danach  die Gelegenheit, sie 35 Jahre lang richtig zu machen?
Auf meinem Blog ist ein kleines,  lustiges Video als Lob des Wassers zu sehen. Ich denke, wir Menschen in den Industrieländern gehen mit Wasser um, als wären alle Ozeane reines Trinkwasser.
Und für alle Frauen, die sich bisher nicht getraut haben, richtig mit Schmackes einzuparken, ist da auch ein kleines Videobeispiel zu sehen. Gerade ladenneu sollte das Auto dafür allerdings nicht sein.


23 Kommentare

Ich sehe gern Musik

Clara geht mit kindlichen Augen ins Konzert

Das “ sehe“ ist kein Schreibfehler. Ich meine damit keine Fernsehsendungen wie Musikantenstadl oder ähnliche. Ich meine wirkliche Konzerte, genauer gesagt, Sinfoniekonzerte, möglichst mit großer Besetzung.
Da meine Ohren nicht nur beim Verstehen, sondern auch bei Musik Probleme machen, verlasse ich mich beim Konzertbesuch viel auf meine Augen. Ich beobachtete:
Bevor ich die ganze -isten oder -istinnen-Parade wie Violin-, Bratsch-, Cell-, Bass-, Flöt-, Klarinett-, Horn-, Posaun- und Fagottisten usw. usf. aufzähle, werde ich bei der Geschichte beim Instrument bleiben, denn bei Tubisten, Oboisten und Paukisten  bin ich mir sprachtechnisch nicht so sicher.

Was bietet sich also einer Konzertbesucherin aus dem 1. Rang?
Die Geigen, Bratschen und Celli, gewissermaßen die kleinen Streicher,  sitzen alle kerzengerade auf ihren Stühlen, den Kopf schräg auf ihrem Instrument abgelegt, ihre Körper wiegen sich  im Takt der Musik.

Doch halt, da geigt doch einer gegen den Strich, nicht akustisch, sondern optisch. Ein Linkshänder mit einer Links-Geige, ein äußerst seltener und doch recht kurioser Anblick. Ein ganz klein wenig stört er das gemeinsame nach links oder rechts aller Bögen – aber eben nur ein ganz klein wenig.
Die Besitzer der Bässe hingegen machen mitunter einen schwächelnden Eindruck – sie lehnen sich gegen ihr Instrument, als müssten sie sich von der schweren Schlepperei ausruhen.
Die Holzbläser (Klarinette, Flöte, Fagott mit ihrem König, dem Kontrafagott) haben an ihren Notenständern eine Extraablage befestigt, auf denen liegen viele weiße Blättchen herum, an denen sie immer wieder mal lutschen, es befeuchten, dann gegen das schon nass-gesabberte austauschen – damit sind die Damen und Herren richtig beschäftigt. Zum Glück  hören sie trotzdem auf das, was ihnen der Dirigent auf diskrete Art und Weise zu verstehen gibt.
Um die (Wald)hörner und die Posaunen herum muss das Parkett  besonders wasserfest versiegelt worden sein, denn diese kleinen Ferkelchen spucken offensichtlich zu sehr in ihre Instrumente. Jedenfalls sah ich, wie sie immer mal Teile abschraubten, umdrehten und ausschütteten. Offensichtlich ist das vollkommen normal, denn alle machten es.

Die Trompeten feuchteten auch ein wenig, aber sie blieben ziemlich ruhig (außer akustisch), wechselten keine Mundstücke, keine Teile und kein Instrument.
Den Pauker – hä, ist der  Lehrer? Oder heißt er doch Paukist – bewunderte und bedauerte ich gleichermaßen. Ein richtiger Schlagzeuger ist er nicht, dazu fehlt ihm der ganze andere Kram – er begnügt sich mit drei großen Pauken. Ob sie ihn damit in die U-Bahn lassen? Braucht er extra einen LKW als Dienstauto? Hat er noch Freunde in  seiner Wohnumgebung?
Wenn er sich für die richtigen Schlegel entschieden hatte, haute er mächtig auf die Pauke – ja, ohne Übertreibung. Aber, als ob es ihm gleich unmittelbar darauf wieder leid täte, machte er den Nachklang seines Handelns gleich wieder zunichte, indem er die Hand auf das Fell legte. – Ob der Dirigent das so will? Schade! Der Klang war so schön, besonders von der größten, die er allerdings am meisten geschont hat. Wahrscheinlich war es die teuerste. Die hätte er meinetwegen gern länger nachklingen lassen – vielleichgt hätte das  dann die anderen irritiert.
Doch am meisten hat mir folgendes gefallen. Nach der Pause wurde Mr. Beethoven zu den Akten gelegt und ein neuer Komponist durfte zeigen, dass er ein schönes Stück geschrieben hat. Der Herr Pauker bekam Verstärkung – dachte ich. „Vielleicht wechseln die sich jetzt ab, oder der eine paukt auf den zwei Kleinen herum und der andere bekommt die Große zum bepauken.“
Doch nein, plötzlich steht dieser erwachsene Mann auf und hat dieses winzige Metalldreieck und ein Metallstöckchen in der Hand, eine Triangel. Das finde ich immer zu schön, wenn ein Musiker den halben Abend im Orchester rumsitzen muss, um ca. 6x auf das Triaangelchen schlagen zu dürfen. Ist so ein Musiker nicht wegen Mindereinsatz depressionsgefährdet? Wäre das nichts für ein Musiker-Kind, das sowieso auf seine Mama oder seinen Papa warten muss, bis die fertig sind?

Doch nun, Scherz beiseite – es war ein wunderschönes Konzert. Es war für mich auch deswegen so besonders, weil das Hartz IV-Einkommen in keiner Rubrik Konzertkarten o. ä. berücksichtigt. – Hier war das mal anders. Danke!

Als besonderes Instrument kommt jetzt noch das Klavier,  in diesem Fall natürlich ein Flügel, in die Geschichte spaziert. Zum Glück bin ich nicht in einem Pop-Konzert und der Flügel ist schwarz. Bei einem weißen kommen ja immer gleich Putzgedanken auf, denn die werden doch so schnell schmutzig. Ob sich die Herren Pianisten und Damen Pianistinnen auch immer schön davor die Hände waschen, damit die weißen Tasten nicht nah einiger Zeit aussehen wie ihre kleineren Geschwister?

Schade, dass die den Deckel hochgeklappt haben, denn so glänzend wie das Instrument ist, könnte ich glatt von oben sehen, ob meine Frisur auch sitzt. Schließlich schwebe ich fast über dem Flügel, weil ich mich immer so weit über die Brüstung beuge.

So, und jetzt bekommt der Pian-ist (siehe oben die ganze -istenparade) sein Zeichen. Anfangs wirkt er, als wenn er seine Strecke auf den Tasten vergessen hat. Lange überlegt er, welchen Weg er einschlagen soll und bewegt sich mehr oder weniger auf der Stelle. Dann trennen sich seine Hände – die eine marschiert nach links und die andere nach rechts, ich könnte natürlich auch sagen, die eine will tiefe und die andere Hand hohe Töne spielen und dann  hören. Aber das scheint den Händen nicht zu gefallen. Ganz schnell sind sie wieder beieinander und marschieren vereint in die gleiche Richtung. Erstaunlich, wie schnell der seine Finger bewegen kann – der macht bestimmt jeden Tag Finger-Yoga oder Finger-Gymnastik.

Das lasse ich mir so eine ganze Weile gefallen und lehne mich entspannt zurück. Doch halt, aus einem Augenwinkel heraus sehe ich, dass er sich jetzt verheddert hat. Hat er den falschen Befehl bekommen? Auf jeden Fall spielt er jetzt überkreuz – na, das geht ja mal schon gar nicht. Bis zu welchen Höhen und gleichzeitigen Tiefen will er denn da mit seinen Händen kommen, bevor er sich die Luftzufuhr absperrt?

Das scheint er – Gott sei Dank – zeitig genug mitzubekommen und auf einen deutlichen Wink des Herren mit dem Stock / Stöckchen pfeift er seine rechte Hand zur Raison und beordert sie wieder auf die ihr zustehenden Tasten.

Ganz schön schweißtreibend, solch ein langer Einsatz. Was die einen an Feuchtigkeit in ihren Instrumenten fabrizierten, das perlte auf seiner Stirn. Der etwas größere Junge neben ihm, der seine Noten auf ein leichtes Kopfnickzeichen umblätterte, hätte doch gleich noch als Schweißwischer eingesetzt werden können. – Die sollten mich mal befragen, ich hätte da bestimmt noch ein paar Ideen.

Bei Frau Nachbarin gibt es noch ein Bild dazu.


17 Kommentare

Mülliges Berlin – mit oder trotz BSR

Auf der Zick-Zack-Jagd nach peppigen Mülleimeraufschriften keine Gefahren und Mühen gescheut – ohne Ampel durch den Verkehr gewuselt – trotz Brille Aufschrift auf anderer Seite nicht erkannt – Laufband vom Fitnessstudio, in das ich nicht gehe, gegen Straßenhoppertraining getauscht.

Ab und an orangefarbenes Kapuzenshirt mit Mülleimer verwechselt – vielleicht doch Optikerbesuch nötig? Bei versuchtem Einwurf meiner Papiere in die Kapuze oder bei gezückter Canon Power Shot grobe Kommentare bekommen. Tja, so sind se, die Berliner, immer unhöflich, mit schlagkräftigen Argumenten schnell bei der Hand und sofort schießen sie aus allen Rohren. Noch nich ma uff alte Leute nehm’se Rücksicht. – Ich wollte doch auch nur schießen, aber mit der Kamera.

Witz kann der Berliner sehr oft nicht lesen oder verstehen

Es gibt zwei wichtige Kategorien, der Straßenmüll zeigt  hier seine Schönheit  und  Hausmüll könnt ihr bei Verena bewundern. – Bei uns sieht es  eine Stunde nach der Reinigung nur wenig schlimmer aus als vorher. Merken Eltern das nicht, dass ihre Kinder alles im Hausflur entsorgen?

Nur Fotos vom Grillen im Tiergarten könnten das noch toppen!

Und das heutige Wetter können wir gleich mit in die Tonne treten – dort kann es bleiben, bis es schwarz wird.


6 Kommentare

Mit Marktlücken Geld verdienen

Clara kommt spät am Abend ziemlich geschafft von der Arbeit. Theres und Clemens kommen ihr zur Tür entgegengelaufen. Kaum sitzt sie, stürmen beide auf sie ein, um vom Tag zu erzählen. Als es allerhöchste Zeit fürs Bett ist, betteln sie – zum wiederholten Mal zu einer vollkommen ungeeigneten Tageszeit : „Mutti, erklärst du mir die Nähmaschine?“, fragt Clemens. Mit seinen 11 Jahren scheint er sich tatsächlich für dieses Ding zu interessieren.  Kurz darauf die Tochter bittend: „Wenn Clemens im Bett ist, zeigst du mir dann, wie das Stricken funktioniert, Mutti?“

Nix da, heute ist es dazu wirklich schon zu spät! Das können wir am Wochenende machen, da bleibt sicher Zeit dafür!“, erklärt Clara kategorisch.

Theres hat am Tag darauf ein Knäuel Wolle in der Hand, das sie im Schrank gefunden hat,  und erkundigt sich, ob sie das haben dürfte. Da Clara weder Stricken noch Häkeln,  auch nicht Sticken und Knüpfen als Hobby  hat, spricht nichts dagegen.

Als dann auch Clemens vorsichtig anfragt, ob er den blauen Stoff haben dürfte, der bei der Balkonkissennähaktion übrig geblieben ist, hätte sie zumindest leicht stutzig werden müssen.

Was ging wohl in den süßesten aller süßen Kinderköpfe so vor??? „Dir werden wir es zeigen, wenn du nie Zeit hast, immer so viel arbeiten musstwir brauchen dich und deine dämlichen Erklärungen gar nicht“, das dachte vielleicht der oder die eine. „Das kann doch wohl nicht so schwer sein, eine Gebrauchsanleitung zu verstehen! – Im Bastelbuch ist doch abgebildet, wie man die Nadeln halten muss und den Faden…“, das mag vielleicht das andere Kind leicht trotzig gedacht haben.

Noch vor dem spannenden „in-die-Geheimnisse-des-Strickens-und-Nähens-Einweisungs-Tag“ kommt Clara nach Haus. Ganz einträchtig sitzen die beiden Geschwister beieinander – Theres strickt, Clemens näht. Clara traut ihren Augen nicht, aber an den Stricknadeln hängt wirklich schon ein ganzes Stück Gestricktes. „Hat es dir die Mutter von Anja gezeigt?“, fragt sie mit einem ganz leichten Anflug von Zerknirschung in der Stimme. Da Clara so oft lange arbeiten muss, ist Theres oft bei ihrer Freundin und das erscheint ihr eine logische Erklärung zu sein.

Theres reicht ihr das Buch, das neben ihr liegt. Genau so gut hätte sie auch auf eine Mondraketenzeichnung weisen können: Schlingen, Schlaufen, Nadeln. „Was, danach hast du Stricken gelernt?“ Die Skepsis in ihrer Stimme ist nicht zu überhören. „Na, das war doch nun wirklich nicht schwer!“, meint Theres.

Dann wendet sich Clara dem Lütten zu, der an der Nähmaschine sitzt und näht, richtigen Zickzack-Stich. Nicht gerade Fußballfan, erinnert sich Clara dennoch schwach, diese weiß-schwarzen Rhomben auf blauem Grund schon einmal gesehen zu haben. Doch sie muss nicht lange grübeln, Clemens klärt sie auf: „Mutti guck mal, 3 HSV-Aufnäher habe ich schon fertig. Und bei der Menge des Stoffes kriege ich bestimmt noch zehn weitere fertig!“ Und, und, und…
Clara holt erst einmal tief Luft, erkundigt sich kurz nach technischen Fragen der Nähmaschinenbedienung. Sie kann keine Falschbedienung erkennen. Dann möchte sie wissen, wie viele seiner T-Shirts er denn mit solch einem Aufnäher versehen will. Dunkel schwant ihr, dass der Sohn damit nicht den ersten Preis im Politwettbewerb der Klasse gewinnen wird, denn Hamburg liegt ja im grauen Niemandsland, was es auf der Landkarte gar nicht gibt.

Irrtum, Söhnchen wird in der Masse untertauchen, er erledigt quasi eine Auftrags-Näharbeit. Alle Jungen seiner Klasse wollen das Abzeichen vom HSV tragen und sind auch noch bereit, dafür 5,00 Mark zu löhnen.

Clara will damit nicht sagen, dass der Sohn aus Sch… Geld machen kann, aber zumindest aus blauem Stoff.

Das Bild zur Geschichte gibt es, wie immer, hier:


13 Kommentare

Noch kein Ostergeschenk?

Dann schenken Sie doch ein Schlagloch!

Keine Angst, Anna-Lena , ich mache dir jetzt nicht ernsthaft Konkurrenz – obwohl, wer weiß, vielleicht entscheidet sich doch die eine oder andere für meine Vorschläge. Wer hat schon so ein kleines, süßes Osterloch?

Zu Ostern, dem heiligen Feste, wird man es beim Eiersuchen aus vielen Gärten hören, das „Schatz, du bist mein allerliebstes Schlagloch!“ oder auch „Danke für dieses entzückende Schlagloch!“ – wenn sich denn unser Oberbürgermeister entschließen kann, es ganz schnell der thüringischen Gemeinde Niederzimmern gleichzutun.

Die Berliner Zeitung (welche denn sonst, eine andere kann ich vom Format her gar nicht bewältigen) meldete, dass o. g. Gemeinde ihre Schlaglöcher im Internet mit Erfolg verkauft.  Obwohl sich im Normalfall Schlaglöcher ob ihrer destruktiven Eigenschaften keiner großen Beliebtheit erfreuen – scheint das mit einem virtuellen Loch anders zu sein. – Wer schon alles hat, den kann man nur noch mit einem Schlagloch glücklich machen – Steigerung Wirbelsturm oder Stern ist lediglich noch machbar. Doch letzteres ist nicht mal gerade für 50,00 € zu haben.Es soll wohl Schlaglochanfragen aus Moskau, Griechenland und China gegeben haben. Jedes Loch kann der Besitzer mit einem individuellen Spruch versehen.

Ist doch toll: Hollywood hat Sterne, Berlin hat Löcher – dann allerdings zugestopfte, wenn alle Berliner ihr eigenes Loch kauften!

Also lasst euch animieren:

Hier das völlig urbelassene Schlagloch!

Urbelassen, Typ 2

Die Geschenkvariante erfordert einen etwas tieferen Griff ins Portemonnee.

Bitte, bitte bestell mich!

Und jetzt kommen die Einschränkungen, weil unser lieber Wowi leider nicht alles zulässt:

Dabei ist die Seerosenvariante so romantisch!

Diese Variante können sie nur wählen, wenn Sie das Schlagloch auf eigenem Gebiet haben

Greifen Sie zu, bei mir sind noch ein paar herrliche Schlaglöcher im Angebot.Richtig preiswert!

Warum habe ich dieses Potential nur nicht erkannt,  als ich  folgenden Artikel veröffentlicht habe? Dumm sind Berliner Omas eigentlich nicht, aber eben doch nicht geschäftstüchtig genug.

Und am Ende wieder der Hinweis auf Frau Nachbarin!


16 Kommentare

Das stachlige Kind

Nicht Faschingserinnerungen sollen hier geweckt werden, sondern die Gedanken schweifen an das wunderschöne Schwarze Meer, welches mit seinen Temperaturen dem Körper schmeichelt und mit seinem Salzgehalt das Schwimmen erleichtert.

Mit Luftmatratze, Schwimmflossen, Taucherbrillen und Schnorchel beladen, macht sich unsere allseits bekannte  HCCT-Familie auf den Weg, um zu einer in einer Bucht gelegenen Insel zu schwimmen. Schuhe für den Landgang sind vorsorglich eingepackt. Alle schwimmen, auch der jüngste ist mit seinen 10 Jahren schon ein recht guter Schwimmer, das Gepäck darf auf der Luftmatratze schwimmen.

Auf der Insel  erfreuen sich alle an den wunderbaren Pflanzen, besonders die Kakteen haben es hier zu erstaunlicher Pracht und Schönheit gebracht. Die Brombeersträucher tragen hier besonders viele Früchte – nämlich die dunkelschwarzen, bulgarischen Beeren.  Die  Himbeersträucher lassen anhand der vielen vertrockneten Beeren ahnen, wie viele sie getragen haben. Der Weg zum Abernten ist dem normalen deutschen Tourist eben doch zu beschwerlich.

Da plötzlich ein scharrendes Geräusch, ein Schrei und dann ein ganz klägliches Geschrei, begleitet mit Wimmern.
Alle drehen sich um und rennen zu der Stelle, an der Theres abgerutscht ist und jetzt in einem riesengroßen Kaktus hängt.  Langsam klettert Hannes nach unten und hilft Theres aus dem Kaktus heraus und nach oben. Sie sieht aus wie mit Kaktusstacheln paniert. Alle sind damit beschäftigt, aus Theres die

Stachel für Stachel muss raus

Stacheln zu ziehen, sie zu trösten, die Wunden zu pusten und die ramponierte Haut  einzucremen, denn der Rückweg durch das Salzwasser steht noch bevor.
Und wie trösten alberne Mütter ihre Kinder mit albernen Sprüchen: „Bis zur Hochzeit ist alles wieder gut!“ Auch Clara hat sich solche blöden Sprüche vielleicht nicht verkniffen.
Aber Glück gehabt, es war tatsächlich wieder gut.

Diese Erinnerungen wurden geweckt, weil jetzt rundum bei tonari und  paradalis die wunderschönen Kakteen gezeigt werden, die man „Schwiegermutterstuhl“ nennt. – Wir wollten dem „unsrigen“ nicht den Namen „Tochterstuhl“ verleihen. –

Und hier zeige ich euch mal besetzte Stühle – die vier Schwiegermütter waren offensichtlich so böse, dass sie ihre Gesichter nicht zeigen wollen. – Was dann weiterhin mit ihnen geschah, könnt ihr euch dort ansehen.

Die vier Schwiegermütter beraten über ihre nächsten Taten

Clara hat selten besser gesessen!

Clara wurde von scriptum zu einem virtuellen Ausflug in die Herrenhäuser Gärten in Hannover eingeladen. Bei einem Päuschen bot sie mir virtuell dieses Plätzchen an. Da sie fotografiert, ist sie nicht mit auf dem Bild. – Wach auf, Clara, dein Stachelalbtraum ist zu Ende!


8 Kommentare

Berlin repariert nicht –

Berlin stellt Schilder auf.

Mein kleiner Leon würde über die Schlaglöcher nicht so dicke Kullertränen verlieren, wenn das Geld – statt auf die Straße geworfen – stattdessen in kulturelle, soziale und caritative Projekte oder besser: in meine Tasche – fließen würde. Der kleine, flotte Twingo bliebe ab sofort in der Garage und Clara nutzte freudenfroh die (kostenlosengünstigen) öffentlichen Verkehrsmittel.


26 Kommentare

Donnas Schreibrojekt – März 2010

Schrecksekunden

Ein Lächeln, zart wie die ersten Sonnenstrahlen des herannahenden Frühjahres, wagte sich langsam an die Oberfläche auf Claras Gesicht . In den Augen standen jedoch noch  eher Tränen als Lachreflexe. Sie hielt ihren Sohn Clemens, der gerade mal vor einem halben Jahr die Schultüte ausgepackt hatte, ganz fest in den Armen. Er schmiegte sich eng an seine Mama und tröstete sie immer und immer wieder: „Mama, mir ist doch nichts passiert. Bitte hör doch auf zu weinen, bitte.“ Dabei hätte doch eher Clemens Grund zum Weinen haben müssen, denn der Lütte hatte vor drei Minuten seine erste Tracht Prügel im Leben bekommen.

Im Mimiktheater des Gesichts seiner Mutter wechselten sich  „Tränen“ und der ganz vorsichtig hervorlugende „Sonnenstrahl“  miteinander ab. Doch sie war nicht die einzige im Raum, bei der die Gefühle wie ein Expressfahrstuhl zwischen „himmelhoch jauchzend“ und „zu Tode betrübt“ hin und her rasten. Alle hatten eine Ahnung davon, welcher Gefahr Clemens soeben entronnen war. Im wahrsten Sinne des Wortes hätte es einen Augenblick später zu spät sein können.

Als Clara sich ein wenig beruhigt hatte, schilderte sie den anderen im Zimmer, was sie in den letzten Minuten erlebt hatte. Die Runde war größer als die sonst übliche Familie, denn Claras Bruder mit Frau waren vor einer Stunde angekommen. Die Kinder hatten sich auf Onkel und Tante schon sehr gefreut, denn meist erfüllte sich dabei ein „West-Wunsch“, zumal jetzt auch noch Ostern vor der Tür stand.

Zur Feier des Tages bekam Clemens die Erlaubnis, allein und  frühzeitiger aus dem Hort  zu kommen.

Als die Zeit ran war, wurde Clara langsam unruhig, denn Clemens hätte schon längst zu Haus sein müssen. Er war im Rahmen eines 6 1/2jährigen zuverlässig und die Neugierde hätte ihn pünktlich nach Haus locken müssen. Er wollte doch als erster den Mercedes vom Onkel mit seinen Luchsaugen aus der 6. Etage entdecken.
„Hannes, weißt du, wo Clemens stecken könnte?“, wendete sie sich beunruhigt an ihren Mann, der aber ganz mit Kellnerpflichten beschäftigt war. Die Dortmunder freuten sich schon während der ganzen Autofahrt auf das gute Berliner Bier.
Als sie keine Antwort bekam, nahm sie kurzerhand den Wohnungsschlüssel und ging Clemens entgegen. Kaum war sie auf dem langen Etagenflur des Hochhauses, wollte ihr schier das Herz stehen bleiben. Am Ende des Flures befand sich ein Balkon, den die Architekten aus Feuerschutzgründen geplant hatten.
Dort sah sie Clemens. Da der kleine Kerl zu klein war, um bequem über die Brüstung gucken zu können, hatte er sich hochgedrückt und hing mit den Beinen frei in der Luft, mit den Armen heftig seinen Klassenkumpels winkend. Wie in einem „Unfallverhütungsbuch“ ratterten die Anweisungen in Claras Kopf: „Nicht erschrecken, nicht anrufen, um Gottes Willen nicht schimpfen, nur leise anschleichen!“ Sie musste also leise und unauffällig ca. 20 m bis zum Balkon zurücklegen. Ihr Herz klopfte schon fast außerhalb des Halses, die Angst, dass er vor ihren Augen … Nein, so durfte sie nicht denken.
Mit einem Satz war Clara bei ihm, riss ihn förmlich von der Balkonbrüstung runter, bis sie ihn sicher in den Armen hatte.
Auf dem Gang zur Wohnung gingen Clara die Nerven durch. Heulend, schimpfend und und und verdrosch sie ihn, drückte und küsste ihn immer wieder – und machte sich in diesem Moment überhaupt keine Gedanken über pädagogische Ratgeberbücher. Clemens hatte wohl im Nachhinein den Ernst der Lage begriffen. Er heulte nicht, er jammerte nicht – nein, er tröstete mit seinen knapp 7 Jahren „mannhaft“ seine Mutter. Sicher war er froh, als sie bei den anderen in Wohnung waren, denn da konzentrierte sich die Aufmerksamkeit nicht nur auf ihn. Er schummelte sich ganz schnell auf Tante Marlens Schoß und fragte nach seinem Ostergeschenk.
Die Antwort ging in dem allgemeinen Trubel unter, denn die wärmenden Sonnenstrahlen lockte alle zu einem vorösterlichen Spaziergang an das Ufer der Spree.

Mit diesem 100. Post  bedanke ich mich bei dem aufmerksamen Schutzengel, der an dem in der Geschichte beschriebenen Tag über Berlin-Mitte  Dienst hatte. Ihm oder ihr ist es zu verdanken, dass dieses lachende Schultütenkind jetzt als gestandenen Mann manchmal immer noch leichtsinnig und unvorsichtig durch das Leben lebt, fährt, düst.

Liebe Donna, bitte entschuldige, dass ich die Geschichte 11 Stunden vor der Zeit veröffentlicht habe, aber ich bin von 6.00 – 22.00 Uhr außer Haus. Aber vor allem danke an dich dafür, dass du uns alle so gut managst.