Claras Allerleiweltsgedanken


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Früh übt sich, …

wer ein guter Finanzoptimierer werden will

(Da ich den Protagonisten meiner ersten zwei Donna-schreibt-Geschichten gestern nicht in der Puddingschüssel landen lassen wollte – bekommt er den heutigen Post gewidmet)

Wie jeden Sommer bereitete die Clara-Familie ihren Urlaub vor, wieder war Bulgarien das Ziel (Der Mastika schmeckt dort so gut, *grins*). Sollen alle Sachen von vier Personen für sechs Wochen in einen Wartburg Kombi passen, muss über jedes Stück gründlich nachgedacht und eventuell auch demokratisch (autoritär) diskutiert werden, denn Dachgepäckträger oder Gepäckboxen hätten den schnellen Ritt von Hannibal gebremst. Zeltzeug, Campingmöbel, Kochausrüstung und ähnliches mussten neben Schwimmflossen, Sonnencreme und ähnlichen notwendigen Sachen verstaut werden. Für die Packkünste war Hannes zuständig – Theres half ihm dabei mit mathematischer Logistik. Offensichtlich war das für sie gelebte Geometrie.

Kurz vor der Abfahrt bat Clemens seine Finanziers um einen „Kredit“. Die geforderte Summe erschien für einen Zehnjährigen ungewöhnlich hoch. Das Bankkonsortium kannte jedoch sein besonderes feeling für Geld – also stimmte es der Sache zu und betrachtete es als „Frühkindliches Experiment im Umgang mit größeren Finanzmitteln“. Die Hausbank wäre durch den Verlust dieser Summe (ca. 100,00 Mark) nicht ernsthaft in den Ruin getrieben worden bzw. hätte sie notfalls auf die Spareinlagen des Klienten zurückgreifen können.

Die letzten Tage war zu beobachten, dass der Filius  eifrig in seinen Münzalben blätterte, Münzen entnahm und Listen aufstellte. Seit der ersten Auslandsreise sammelte er die Münzen aller Länder. Der Länder, die von Hannibal erobert werden durften, und auch die der anderen.

In jedem Ort, der zu einem kürzeren oder längeren Aufenthalt einlud, zog es Clemens eifrig an diese Kioske, die Sachen ausliegen hatten, die jedes DDR-Kinderherz höher schlagen ließen. Jedes Mal kam er mit einem relativ prall gefüllten Einkaufstütchen zurück. Das betrieb er wohl solange, bis der Kredit oder der Platz im Auto oder beides aufgebraucht waren. Nachfragen ignorierte er standhaft.

Auf dem Zeltplatz konnten die restlichen Familienmitglieder mit Staunen beobachten, wie das junge Finanzgenie die „Vermehrung seines Münzsammlungsreichtums“ in Angriff nahm. Zur Erklärung sei vornweg gesagt, dass Clemens ein viel jünger aussehender, goldbraun gebackener, strohblonder Junge war, der alljährlich in Ländern mit dunkelhaarigen Kindern auf der Liste „Entführungsgefährdet“ stand – vorausgesetzt, solch eine Liste hätte existiert. Er legte sich die komplette Sammlung von DDR-Münzen auf den Unterarm – denn er wollte ja tauschen, nicht betteln – und ging zu Zelt-Familien aus aller Herren Länder.

Wie er seine Sammelabsichten geäußert hat, kann hier nicht niedergeschrieben werden, denn er wollte keine Zeugen dabei haben. Wahrscheinlich hätten dabei Erziehungsautoritäten auch wirklich nur gestört. – Fakt ist, kurz nach seinem Auftauchen vor irgendeinem Zelt wurden befreundete Familien gleicher Nationalität lautstark zur Unterstützung herbeigerufen, bis alle Münzen gefunden waren. Besonders die Italiener legten einen besonderen Eifer an den Tag, dieses Kind glücklich zu machen.

Versteht irgendjemand, warum niemand sein DDR-Geld wollte?????? Und er alle Münzen immer und immer wieder zurückbrachte???

Das wiederholte sich solange, bis er alle Posten seiner vorher erstellten Liste abgearbeitet hatte. – Im heimatlichen Berlin wurden dann Kataloge gewälzt, Münzen geputzt und Alben gefüllt, zum Glück aber keine Reichtümer angehäuft.

Drei Wochen etwa benötigte Clemens dafür, das Geld für die Rückzahlung des Kredits flüssig zu machen. An Klassenkameraden und Freunde verkaufte er die Sachen, die er auf der Reise in größerer Stückzahl gekauft hatte. Sein leichter Aufpreis hatte mit den üblichen Handelsspannen nichts zu tun und kann durchaus mit seinem Arbeitsaufwand begründet werden.

Ist es irgendwie verwunderlich, dass später das Studienfach BWL hoch im Kurs stand?


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Donnas Schreibprojekt – April 2010

Viel Zeit blieb nicht mehr. Schon in wenigen Stunden

würde diese unsympathische Frau sicher nach Haus kommen und ihn – wie sie das schon öfter getan hatte – erbarmungslos rauswerfen. Einfach so, auf die Straße, auf den Hof, auf das harte Pflaster – wie es ihr gerade beliebte. Dabei gefiel ihm sein jetziges Quartier ausnehmend gut. Es war zwar äußerst ungewöhnlich, aber anheimelnd, warm und vor allem weich.

Wenn er so seine Lage betrachtete, war sie mehr als misslich. Aus eigener Kraft würde er sich da nie und nimmer befreien können – dazu lag sein „Gefängnis“ viel zu hoch.  Er war zu unsportlich, um die hohen Wände, die ihn umgaben, zu übersteigen. Obwohl er eine Heidenangst vor dem „Drachen“ hatte, der das ganze Terrain um ihn herum bewachte, ergab er sich seinem Schicksal. Und bis dahin ließ er es sich gut gehen und futterte in sich hinein, was hineinpasste.

Geräusche und Bewegungen ließen ihn plötzlich auf Hilfe hoffen! Da unten, ca. zwei bis gefühlte drei Meter unter ihm – als Winzling kann man so schlecht Entfernungen schätzen – gab es doch diese beiden schrecklichen Mädchen. Schrecklich z. B. deswegen, weil diese ihn in seine missliche Situation gebracht hatten und schrecklich vor allem deshalb, weil sie ihn vorher regelmäßig geschlagen hatten.

Er erinnert sich: „Ständig diese leichten, doch sehr lästigen Schläge auf den Kopf, immer und immer wieder. Vor allem ist dieser  gleichmäßige Rhythmus so nervtötend, manchmal zählten sie auch noch laut und penetrant die Schläge.“

Er denkt daran, wie er immer und immer wieder  mit ziemlicher Wucht in die Ecke geschleudert wurde. Zum Glück konnte er dort ein wenig liegen bleiben und sich von den Schlägen erholen. Doch meist kam gleich wieder so eine lästige Kinderhand und griff mit Gekreisch nach ihm – einfach furchtbar! Und dann ging es sofort weiter mit diesem  „plop, plop, plop“.

Jetzt vernimmt er in seinem „Gefängnis“  plötzlich Stille —– Ruhe, dann enttäuschte Kinderstimmen, Fragen, ängstliches Rufen .

Nun kommt eine Frauenstimme dazu, doch er hört im Moment nicht so richtig gut. Ist diese weiche,  gelbe Masse in seiner Umgebung daran schuld? Verstopft sie ihm die Ohren?

Die Frau sagt zu einem der beiden Mädchen, das wohl Clara heißt: „Komm, wir machen jetzt Räuberleiter. Du kletterst auf meine Hände und dann versuche ich, dich so hoch wie möglich zu stemmen. Aber halt dich immer gut an der Hauswand fest, damit du nicht fällst. Und wenn du dich ganz lang machst, dann kannst du bestimmt das Fensterbrett erreichen!“

Der kleine Kerl hört noch  paar ängstliche Ausrufe – und plötzlich sieht er eine kleine Hand auf sich zukommen. Er überlegt kurz:  „Untertauchen oder fangen lassen?“ Da ihm über den „Drachen“ nichts Gutes zu Ohren gekommen ist, will er doch lieber von hier weg.

Und da schreit Clara plötzlich zu den anderen beiden: „Ich hab‘ ihn, er lag in der Puddingschüssel“. Sie hält ihren Federball ganz fest und lässt sich von der Frau wieder auf sicheren Boden setzen.

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Da viele Leute auch früher schon keine Kinderfreunde waren, gab es Zeter und Mordio von „Frau Schrulle“ – das war der allgemeine Spitzname -, aber Claramutter hat ihr entweder einen neuen Pudding gekocht oder alle Zutaten vor die Tür gestellt.


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Ost-West-Erfahrung

Zu dem Artikel von tonari und dem Kommentar von chinomso habe ich eine Ergänzung zu machen.

Es ist Mitte der 90er Jahre. Gleich nach der Vereinigung fing ich in einer westdeutschen Unternehmensgruppe an zu arbeiten. Alle meine bisher er-lernten oder er-studierten Berufe konnte ich dort für meine Tätigkeit in der Öffentlichkeitsarbeit nutzen. Unsere Gruppe war im Haus und in allen Niederlassungen bekannt wie ein bunter Hund.

Irgendwann ergab sich an der Rezeption ein Gespräch über Ost und West. Ich: „Hier in dieser Firma habe ich ja  den Reigen der Arbeitskräfte aus dem Osten  angeführt, ich war die erste nach dem Mauerfall!“ Daraufhin erst einmal ein kurzer Moment betretenes Schweigen. Dann fängt die Rezeptionsdame an, schallend zu lachen: „Sie, Frau Himmelhoch! Das ist der beste Witz, den ich je gehört habe. Sie doch nicht, jede andere, aber doch nicht Sie. Dazu sind Sie viel zu pfiffig!“ (oder ähnlich)

Meine Halsschlagader schwoll auf das Doppelte – mindestens. Ich wusste, dass der Personalchef mich im Jan. 1991 mit geschmatzten Händen eingestellt hat, weil er so viel Gehalt sparen konnte im Vergleich zu den anderen Damen auf ähnlichen „Plätzen“, aber  mit schlechterer Ausbildung. Und jetzt bekam ich hier indirekt bestätigt, dass man mir meinen „Ost-Stempel“ noch nicht einmal glaubte.

Ich überlegte lange nach einer passenden Antwort. Ob passend oder nicht, jedenfalls „würgte“ ich dann hervor: „Wie, die aus dem Osten schielen alle und haben einen Buckel, damit man sie auch gleich erkennt? Und blöd sind sie auch! Oder wie meinten Sie soeben Ihre Bemerkung?“ – Es war ihr sehr peinlich, der Rezeptionsdame.

Gleich nach meiner Einstellung – ich muss sagen, ich hatte einen phantastischen Chef – habe ich diesem jungen, promovierten Philosophen seinen „Ostzahn“ gründlich und ohne Betäubung gezogen.

Er zu mir: „Frau Himmelhoch, wenn alle so wären wie Sie, könnte ich mich mit den Leuten aus dem Osten anfreunden!“

Meine Gegenfrage: „Wie viele kennen Sie denn wirklich aus dem Osten, dass Sie meinen, sich eine solche repräsentative Aussage erlauben zu dürfen?“

Er nahm nicht übel, ich nahm nicht übel – und wir arbeiteten  wunderbar zusammen. Ich habe bei ihm bestimmt viel Ost-Sympathie wachsen lassen. Leute aus dem Osten mussten immer improvisieren, da sie nicht auf das vielfältige Angebot in den Geschäften zurückgreifen konnten. Das übt und macht erfinderisch.

Nach 6 Jahren verließ er leider die Firma und ich bekam einen Gruppenleiter, der war dümmer als die Polizei erlaubt. Wer mich kennt, weiß durch diese Aussage, welche Konflikte damit an meinem Arbeitshimmel aufzogen.


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Bloggen ist …

wie Rundbriefe schreiben, die jeder lesen darf, nicht aber lesen muss und die –  je nach Absender – nur ganz wenige  wirklich interessieren, weil das Angebot an Rundbriefen das zeitliche Leselimit eines jeden überschreitet.


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ADHS?

Vor kurzem besuchte ich eine Weiterbildung für Wunschgroßmütter. Ausführlich informierte uns eine Ärztin über Ursachen, Symptome usw. dieser weit verbreiteten Krankheit („Zappelphilipp“) (mehr als 5 %, mit hoher Dunkelziffer bei ADS-Kindern, da es ohne Hyperaktivität weniger auffällt = „Traumsuse“).
Mir kommt sehr stark die Ahnung, dass man in den 50er Jahren  nichts   von diesem Krankheitsbild wusste, da waren nur Keuchhusten, Masern, Mumps, Röteln …. an der Tagesordnung.

Kindern mit ADHS fällt es in der Schule schwer, sich an vorgegebene Regeln zu halten. Konzentration und stillsitzen ist fast unmöglich für sie. Sie reden häufig dazwischen und spielen oft den Klassenclown.
In der Freizeit sind sie oft isoliert bis zur sozialen Ausgrenzung, weil andere Kinder nicht mit ihnen spielen wollen. Durch ihre motorische Unruhe und die impulsiven Handlungen neigen sie zu waghalsigen Aktionen und haben häufiger Unfälle.
In der Familie bringen sie die Umwelt of tbis zur Weißglut. Sie verlieren dauernd etwas, leiden an extremer Vergesslichkeit, neigen zu impulsivem Reden und Handeln in dafür unpassenden Momenten. Starke Stimmungsschwankungen bis hin zur Aggressivität machen es anderen Familienmitgliedern nicht unbedingt leichter, diese Kinder zu lieben.
Als Symptome sind Hyperaktivität, Unaufmerksamkeit und Impulsivität die besonderen Merkmale der Krankheit.

Kinder mit ADHS verfügen dennoch über viele positive und liebenswerte Eigenschaften, Potentiale und Fähigkeiten.

  • Sie haben in der Regel ein ausgeprägtes Unrechtsbewusstsein
  • Sie sind oft sehr hilfsbereit
  • Sie sind häufig kreativ
  • Sie verfügen über ein großes Maß an Spontanität
  • Sie sind in vielen Fällen musikalisch talentiert.

Wenn ich mich selbst diagnostizieren müsste, würde ich sagen: Ja, vollkommen eindeutig!
So vieles, was in dieser  Broschüre noch so geschrieben steht, trifft auf mich zu, nur bin ich jetzt kein Kind mehr.

Die Ursache der Erkrankung  liegt in den Genen, es liegt kein Erziehungsfehler vor, Jungen sind sehr viel häufiger betroffen als Mädchen. Es ist eine Funktionsstörung im Gehirn. Durch das Ungleichgewicht an Botenstoffen kommt es zu einer permanenten Reizüberflutung.  Die Umgebung kann Anlagen verstärken oder abschwächen, Frühgeburten haben ein höheres Risiko, daran zu erkranken.
Meist gibt es weitere psychische Störungen als  Begleiterkrankungen bei ADHS. Aggressive Verhaltenstendenzen, Angststörungen, Phobien, Depressionen und Tic-Störungen gehören zu den häufigsten.
In ausgeprägten Fällen kann diese Krankheit nur mit Medikamenten behandelt werden, begleitet jedoch mit anderen Therapien.

Wenn ich jetzt überlege, dass ich zwei direkte und zwei indirekte Nachkommen habe, wäre es eventuell möglich, dass sich diese Erkrankung auch weitervererbt hat.