Claras Allerleiweltsgedanken


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„Hasch“ mich – ich bin der Wahnsinn!

Durch den Beitrag „Blauer Dunst“ wurde ich an eine zwar freiwillige, dennoch  sehr unangenehme  „Jugendsünde“ im zarten Alter von 51 erinnert.

Der Kalender zeigt September 1996. Clara nimmt an einer Fahrradtour mit lauter Jungvolk teil. Sie will und muss sich nach dem Tod ihres Liebsten im Mai erholen, auf andere Gedanken kommen und sich mit dem Fahrrad beweisen. Im bergigen Frankreich boten sich ihr besonders zu letzterem genügend Gelegenheiten. Viel jüngere Mitfahrer und wesentlich bessere Fahrräder bedeuteten Kampf und Selbstüberwindung vom ersten bis zum letzten Tourenkilometer – und diese Zahl war vierstellig.

Bar jeglicher Drogenerfahrung – wer verkaufte schon gegen Ostgeld Wunderdrogen? –  wundert und fragt sie sich, was da zwei junge Männer immer von einem schwarzen Stück raspeln, in ihrem Tabak verstecken und dann eindrehen. Warum diese Joints  nach vorn offener werden und nicht gleichmäßig rund wie Zigaretten sind, weiß sie bis heute noch nicht. Auf jeden Fall werden diese Tüten im Kreis herumgereicht und nach kurzer Zeit kichern alle; nicht nur die beiden jungen Männer bekommen größere Pupillen – bei allen wird der Blick ein wenig irritiert und irritierend.

Am Ende der Tour wollen alle eine „Hasch-Party“ feiern. Offensichtlich hatten sich die beiden zum Ziel gesetzt, mich an ihren pupillenvergrößernden Erfahrungen teilhaben zu lassen. – Da ich nicht rauchte, gab es im erweiterten Angebot  Hasch-Kekse und heißen Hasch-Kakao. Ich ließ mich überreden, trank einen, aß einen. Alle versicherten mir die Ungefährlichkeit dieser Substanz, nur jeder vergaß zu erwähnen, dass Hasch die allgemeine Grundstimmung verstärkt, in der sich der „Konsument“ momentan befindet. Kann diese Stimmung ca. 3 Monate nach dem Tod eines geliebten Menschen gut sein? Eher nein! Und so kam es auch. – Als ich bemerkte, wie eine Mitradlerin – wie ich auch Hasch-Neuling – aus dem Kichern gar nicht mehr rauskam, bedurfte es keiner großen Überredungskünste mehr, um mich zum Zweitkeks und zum Zweitkakao zu überreden – ich wollte auch mal wieder unbeschwert gackern, lachen, froh sein. – Und dabei sieht diese Pflanze so unschuldig und harmlos aus:

Kurz nach dem Genuss spielt das Gleichgewichtsorgan von Clara verrückt. Mit absolut klarem Kopf und unverknoteter Zunge kann sie zwar bestens diskutieren und debattieren, doch nicht „jonglieren“ – mit anderen Worten, sie könnte nicht auf einem Strich laufen. Noch viel weniger, sie kann gar nicht mehr laufen – so glaubt sie es jedenfalls. Den notwendigen Gang zur Toilette legt sie mit ausgebreiteten Armen zurück – immer in Bereitschaft, sich beim Stolpern oder Straucheln rechts oder links abzufangen.

Als sie dann weit nach Mitternacht endlich den Gang ins Bett wagt, geht der Hexentanz erst richtig los. Das Bett „verändert“ ständig seine Lage, fährt mit ihr Kettenkarussell, das Kopfende ist mal hoch oben und mal tief unten. Ständig tauchen irgendwelche Gestalten auf – na eben Halluzinationen vom feinsten.

Eklig wird es erst, als sie die anderen Truppenmitglieder vor der Tür reihern hört. Einerseits ist es ihr ein Trost, dass die anderen dieses Teufelszeug auch nicht vertragen, andererseits wird ihr von den K…geräuschen so übel, dass sie auch nach draußen gestürmt wäre, hätte das Bett nicht so gewogt und geschwankt.

Auch der strengste Drogengott hat mal mit jedem kleinen Sünderlein ein Einsehen – irgendwann deckte der Schlaf den Mantel über den Haschischrausch und die -berauschte.

Ein Blick vor, neben und hinter die Türen, an denen Clara nächtens die „Opfernden“ hörte und deren Handlungen bildlich vor sich sah, ergab: Nichts, absolut nichts. Alle hatten hervorragend geschlummert, keiner hatte seine Cannabisprodukte auf den Boden gespuckt und Clara war um eine Erfahrung reicher:

„Das brauchst du nie mehr wieder!“