Claras Allerleiweltsgedanken

Himmelhochs brauchen 1973 ein Auto /Stöckchen

22 Kommentare

Hallo, meine liebe SPS, mein Stöckchen-Sammelbehälter läuft über, bei der Hitze geht ja auch nichts davon weg in den Kamin.

Deswegen muss ich was an dich zurückgeben zum Thema: „Das braucht doch kein Mensch!

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In meiner Schrankwand stehen 4 Modellautos: 3 schnucklige weiße für den Fall … siehe Gedanken über Luxus, aber dann natürlich in groß und nicht als Modell  – und ein hässliches, grauweißes Entlein. Und gerade an diesem hängt mein Herz besonders – wie in der Bibel die Geschichte  mit dem schwarzen Schaf schon erklärt.

Diese schicken Weißen braucht man schon nicht, höchstens für die Kinder, die  haben schon oft damit gespielt.

Doch warum ich den kleinen, hässlichen, grauweißen Trabant-Kombi immer noch hier stehen haben, versteht nur, wer Clara kennt – denn da hängt – welch ein Zufall – eine Geschichte dran, nicht  am Modell, sondern am Auto in echt. – Damals bin ich noch nicht auf die Idee gekommen, einen Sponsor für einen Audi zu suchen (heute aber auch nicht, Es gibt Autos, die ich mehr mag.)

Die Geschichte vom typischen DDR-Autokauf erzähle ich gleich, nachdem ich mir einen Kaffee geholt habe.

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Die Zeitrechnung zählt  1973 Jahre nach Christi Geburt  und 2 Jahre nach Clemens‘ Geburt. Theres Abstand zur Zeitenwende betrug 1968 Jahre, aber in dieser männlich dominierten Zeitenzählung hat ein Mädchen leider nur geringe Chance, die Kalenderzählung zu bestimmen und damit hier kundzutun, dass sie 5 Jahre jung ist.

Clara hat ein schreckliches Erlebnis mit ihrem Motorroller hinter sich, den sie sich kurz nach dem Abitur gekauft hat. Eines Tages rutschte sie auf einer Ölspur geradewegs auf die linke Fahrbahn und dort blieb ein riesiger LKW kurz vor dem Zusammenprall ca. einen Meter vor ihr stehen.

Echte Schrecksekunden brennen sich ins Gedächtnis ein, auch wenn sie 45 Jahre her sind. Fazit: Der Motorroller wurde sofort verkauft und jeglichem motorisierten Verkehrsmittel wurde abgeschworen. Lieber wollte sie den „Auto-Anteil“ ihres Führerscheins ein Leben lang ungenutzt lassen als noch einmal in eine solche Paniksituation zu kommen.

Aus diesem Grund hat sie sich nicht für ein Auto angemeldet. Jede Oma, jeder beidseitig Erblindete, fast jedes Schulkind war angemeldet, nur Clara versäumte es, mit 18 Jahren das Anmeldeformular auszufüllen. In der „Provinz“ wäre nach ca. 15 Jahren, in dem immer etwas privilegierteren Berlin nach ca. 10 Jahren das entsprechende Auto in Zwickau oder Eisenach vom Band gelaufen.

Hätte sie nur über einen Funken Geld- und Handelssinn verfügt, wäre aus dem Verkauf dieser Anmeldung kurz vor dem Fälligkeitsdatum viel Geld zu machen gewesen. Zu dumm oder zu ehrlich?!

Als bei einem innerfamiliären (Streit-)gespräch Hannes den Tatbestand äußerte, zwar über eine Anmeldung für ein Auto, aber nicht über eine Fahrerlaubnis=Führerschein  zu verfügen, blieb Clara dennoch bei ihrer motorlosen Meinung. Sein sofortiger Fahrschulbesuch wäre nicht möglich gewesen, weil auch dafür die Wartezeiten zwischen zwei bis fünf Jahre betrugen. Das hielt ihn davon ab – also wurde die Autoanmeldung 1972 fällig und keiner wollte (Clara) oder konnte (Hannes) es fahren. Das Auto wurde im Kollegenkreis weiterverkauft und deckte mit der „Verkaufsprämie“ etliche der gerade notwendig gewordenen Ausgaben.

Das jetzt herrschende autolose Klima wurde kühler bis frostig, da Hannes dem entschwundenen Auto über Gebühr nachtrauerte.
Irgendwann hatte er Clara weich“geredet“, so dass die sagte: „Ich besorge uns ein Auto“ (bisschen naiv war sie ja schon immer!)

Um ein vernünftiges gebrauchtes zu bekommen, mussten ca. 150 Mitbewerber ausgestochen werden. Mit Geld war dies in unserem Fall nicht möglich, also, wie dann? Der Preis eines 3-Jahres-Wagens pendelte so um den Anschaffungspreis herum.

Clara verschaffte sich eine Übersicht, studierte Chiffre-Annoncen auf der Suche nach einem Trabant-Kombi. Chiffre deswegen, weil kaum jemand Telefon hatte, Handys noch nicht erfunden waren. Kombi deswegen, weil sonst eine vierköpfige Familie mit Bambirad nicht unterzubringen wäre.

Und dann ging es ans Schreiben – mit der Hand – jeder Brief ein Unikat.

Eines Tages ein Anruf, wir sollten kommen und Geld mitbringen. Gemeinschaftliches Unterkiefer-Aushaken war angesagt.

Dort angekommen, fragte Clara vorsichtig: „Haben Sie denn nur wenige Zuschriften bekommen?“ Der Verkäufer griff hinter sich und holte drei dicke Stapel vor.

Ihr Staunen wandelte sich fast in Ehrfurcht, denn die Verkaufsverhandlungen waren perfekt abgeschlossen. „Und warum haben Sie sich gerade für uns entschieden?“ Seine Antwort: „Sie haben den lustigsten Brief geschrieben und außerdem ging mir ihre Autonot richtig ans Herz!“

Noch Fragen?

Damals fürs Schreiben ein Auto – und heute einen Kommentar! Qualitätssteigerung? Werteverfall? – Alles relativ – heute brauche ich kein Auto, gebrauchte stehen an jeder Ecke rum – heute freue ich mich mehr über (freundliche) Lesermeinungen .


Und hier könnt ihr das Auto der Himmelhochs sehen, na fast, und hier auch.

Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

22 Kommentare zu “Himmelhochs brauchen 1973 ein Auto /Stöckchen

  1. Mit einem ständigen Schmunzeln im Gesicht, ob es nun an den vielen Gemeinsamkeiten in der Erinnerungsschublade gelegen hat, mit Sicherheit, sitze ich nun hier und möchte somit einen Gegenbesuch abstatten Und wie ich so hineinlese, wird es wohl nicht bei diesem „EINEN“ bleiben.
    Zugegeben, ein bissel Wehmut steckt so in den alten „Ossizeiten“, heutzutage undenkbar, 12-15 Jahre auf eine „PAPPE“ zu warten und dazu noch einen horrenden Preis zu zahlen. Aber zugegeben, wenn „ER“ dann da war, der heißgeliebte Trabbifant, egal – wie erkauft, ergattert, vererbt oder unterderhandverschoben… stank er zwar gen Himmel, aber wir waren soooooo stolze Autobesitzer!

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    • Na Gott zum Gruß im nicht mehr DDR-Land des Blogs von Himmelhochs, liebe Frau Pilz! „Wie Ostler litten, können nur Ex-Ostler fühlen!“ – Eigentlich sollten wir uns ja über die Fotoblogs der Frau Herzlich beschnuppern, aber bei mir wird, wenn ich irgendwo kommentiere, immer dieses Blog als Adresse angezeigt.
      Und kannst du dir vorstellen, dass sie mir meinen letzten Trabant, der gerade 17 Monate jung war und schon richtig laufen gelernt hatte, Anfang 1990 geklaut haben? Es regnete in Strömen und jemand hat ihn garantiert als fahrbaren Regenschirm entführt – nur leider nicht zurückgebracht! – Und dass er stank, habe ich erst zu Westzeiten geglaubt, vorher habe ich mir heimlich an die Stirn gegriffen, wenn mein Westbruder motzte.

      Übrigens, alles was ich „Lustiges oder Bemerkenswertes“ über die DDR meinte, berichten zu müssen, habe ich in der DDR-Seite zusammengefasst. Da gibt es bestimmt viele Aha-Erlebnisse!

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      • Mit der „Beschnupperei“ hat es wohl nicht so richtig geklappt, Entschuldigung wenn ich doch einmal wieder zu schnell war, nach dem Motto „immer ran an die Buletten“, mit der Tür ins Haus gefallen bin! Es ist nun mal passiert und ich bin auch nicht traurig darüber, ihr etwa?

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        • Liebe Frau Pilz, so ganz verstehe ich diese Antwort nicht – wo bist du bei wem mit welcher Tür und vor allem in welches Haus gefallen? – Bei mir nicht, bei mir wurdest du offen und herzlich aufgenommen. – „Beschnuppern“ hatte ich im Zusammenhang mit den Fotoblogs geschrieben – jeglichen weiteren Zusammenhang kann ich leider nicht nachvollziehen. – Ich komme aber nach wie vor bei dir schnuppern.
          LG Clara

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  2. Dieser Auto Verkäufer ist mir total sympatisch.
    Auto für schönsten lustigsten Brief..das ist doch
    mal etwas besonders nettes.

    Toll geschrieben/beschrieben wie immer..

    Liebe Grüsse
    Elke

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    • Danke – langsam glaube ich auch, dass mir das Schreiben liegt, denn es fließt nur so aus Kopf und Feder, ääääh, Tasten, meine ich natürlich, aber da ich schneller denke als schreibe, mche ich so viele Tippfehler, die ich nachher mühsamst korrigiere.

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  3. Clara, Du kannst ganz wundervoll schreiben, da tu ich mich immer schwer mit, denn weil ich sehr oft im Büro bin, habe ich abends keine Lust mehr, Geschichten zu schreiben, dafür dann Fotos.
    Daß durch deine Geschichte ein Autochen kam, das ist etwas wunderbares.
    Manche Menschen habe einfach die Gabe, etwas schönes zu Papier zu bringen, dazu gehörst Du auch.
    Ääächz…so viel geschrieben, da werde ich nie fertig *lach*

    GLG Marianne 😉

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  4. liebe clara,

    mir ging die motorroller-geschichte auch unter die haut. aber ich bin damals einfach wieder aufgestiegen und weitergefahren. nur mit dem auto werde ich nicht warm.

    dann hast die rennpappe also quasi als literaturpreis zugesprochen bekommen :grin:. das grenzt an genialiät, meine liebe!!!

    wir hatten übrigens einen wartburg, weil eisenach näher an weimar liegt. den konnte man, genau wie den trabant, nach gehör schalten und ganz ohne drehzahlmesser….

    hab einen schönen tag!

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    • Der Wartburg bereicherte ab 1979 unseren Haushalt und die absolute Horrorgeschichte kannst du, so du willst, hier lesen: https://chh150845.wordpress.com/2010/02/22/eine-winterliche-crashtour/
      Handelt von Schnee und vor allem von Glatteis, gut gegen Hitze.
      Ach, hätte damals der LKW gewonnen, müsste keiner jetzt meinetwegen am Computer schwitzen.
      „Literaturpreis“ muss ich in diesem Zusammenhang für die weitere Ausschmückung dieser Geschichte übernehmen!
      Neu ist mir, dass Autos nach Nähe des Wohnortes zur Produktionsstätte vergeben wurden. (*grins*) Transportkapazitäten gespart, gut wie SERO.
      Bisher dachte ich immer es ging nach Geld oder Beziehung, nein, neben Eisenach musste man wohnen! Danke für Aufklärung, besser spät als nie!

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  5. Wie immer, sehr interssant geschrieben und toll, dass der Verkäufer des Autos es zu würdigen wusste, dass der Brief originell gechrieben war.

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    • Nach zwanzig Jahren Gebrauchtwagenerfahrungen in diesem Land würde ich die Story kaum glauben, wenn ich nicht wüsste, dass ich sie wirklich so erlebt habe.
      Ich glaube auch noch zu wissen, dass ich nicht endlos viele Briefe schreiben musste – er war eben ein echter „Literatur“schätzer, wie frau wortfeile es so treffend sagte!

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  6. Vierköpfige Familie mit Bambirad- eine tolle formulierung!

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    • Letzteres gehörte als drittes Kind dazu – ohne wäre Clemens kaum einen Schritt gelaufen, mit dagegen wollten wir bald nicht mehr hinter ihm herlaufen.

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  7. Pingback: Auto der Himmelhochs « Blog Archive « Claras unbestechliche Kamera

  8. Herrliche Geschichte! Ein Auto für den schönsten Brief! Wunderbar erzählt!
    Herzlichst!
    Margot

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    • Danke, Margot. … wenn man mal von den Tausenden von Mark absieht. Es heißt ja sonst: „Ein Königreich für ein Pferd“ – und hier „Eine Briefzensur *grins* für ein Auto“

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  9. Warum denn zurück geben, liebe CC? Wenn aus dieser Geschichte einige Geschehnisse kein Mensch braucht, dann weiß ich es nicht. Allein der Unfall hat mir eben kalte Schauer über den Rücken gepeitscht. Das ist zwar in Anbetracht der Wärme relativ angenehm gewesen, aber eben nur relativ!

    Viel Dramatisches schön erzählt. Es war interessant zu lesen. Danke fürs Teilhabenlassen!

    Daran, dass der lustigste Brief garantiert von Dir kam, habe ich nicht die geringsten Zweifel! ;o)

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    • Ach Tina, es war ja zum Glück nur ein Fast-Unfall. Ich glaube, meine Mutter hätte es nicht überlebt, wenn ich auch wie mein Vater mit dem Fahrrad bei einem Verkehrsunfall mit einem Lastwagen draufgegangen wäre. Sie ist ja fast Amok gelaufen, als ich mir den Motorroller gekauft habe. – Wie hießt das, Wild-Kraut vergeht nicht.
      Mit „nicht brauchen“ habe ich nur das Modellauto gemeint.

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      • Ich weiß noch was los war, als ich damals, als es um die Berufswahl ging, konkret überlegt habe, zur Polizei zu gehen. Ne, die Überlegung war schon abgeschlossen: Ich wollte!

        Meine Eltern haben mich (bewusst) nie manipuliert, sondern statt dessen immer durch gezielte Fragen bei der Entscheidungsfindung unterstützt. Letztendlich musste bzw. durfte ich aber selbst entscheiden, wo es lang gehen soll. Die Polizei-Idee machte sie allerdings nicht wirklich glücklich. Aber nach einigem Hinterfragen konnten sie davon ausgehen, dass ich gründlich darüber nachgedacht und mich wirklich gjut informiert hatte. Also ließen sie mich. Bzw. hätten mich gelassen.

        Als meine Granny davon Wind bekam, brach ein Orkan los. Das war die erste bewusst erlebte, aktive Bestechung meines Lebens! ;o) Sie hat mir fast alles geboten, wenn ich von dem Plan, zur Polizei zu gehen, Abstand nehme. Ich habe nichts davon in Anspruch genommen, bin allerdings dann doch nicht zur Polizei gegangen. Wenn ich sehe, womit sich Polizeibeamte heute im wahrsten Sinne des Wortes herum schlagen müssen, bin ich auch sehr froh darüber.

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