Claras Allerleiweltsgedanken

Rote Sprüche, Losungen und Parolen

19 Kommentare

Passend zu dem größeren Herrn in meinem Fotoblog ist mir heute einfach mal nach Erinnerung. Erinnern an die vielen blöden Sprüche, mit denen wir (knapp 17 Millionen) in den Medien und auf der Straße in Form von Transparenten beeinflusst werden sollten. – Den Freundeskreis konnte man clean halten, das Arbeitsumfeld und den Weg zur Arbeit nicht.

Überholen ohne einzuholen.
(wie hatte sich das Ulbricht eigentlich gedacht?)

Meine Hand für mein Produkt
(es liefen wenig ein- oder keinhändige umher)

So, wie wir heute arbeiten, werden wir morgen leben
(nach dem Motto: Was du heute kannst besorgen, warum verschiebst du’s nicht auf morgen)

Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Leistungen.
(den Schwindel dieser Parole habe ich am eigenen Leib gespürt)

Für Frieden und Sozialismus – seid bereit!
(das war der Pioniergruß, dazu wurde die Hand flach und hochkant über den Kopf gehoben)

Arbeite mit! Plane mit! Regiere mit!
(man kann nciht jeden in seine Truppe holen, das wird nüscht!)

Jedermann an jedem Ort, jede Woche einmal Sport.
(vom Prinzip her richtig, aber nicht so im Imperativ)

Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs‘ noch Esel auf
(wer sich den ausgedacht hat, hatte entweder zu viel oder gar keinen …Humor!)

Sie waren schöner, aber nicht schön, die Kampf-Nelken der DDR

Jetzt werde ich mit dem Schwachsinn aufhören, denn all diese „schönen“ Sprüche haben dem Leben der DDR keinen Tag hinzugefügt – und das ist in gewissem Sinne auch gut so.

Doch da das jetzige Deutschland überwiegend nach den ehemaligen Bundesrepublik-Gesetzen funktioniert, hätte ich nichts dagegen gehabt, wenn die Rententeilung nach einer Scheidung auch übernommen worden wäre. Da hätte ich monatlich ein wenig mehr Geld zum …. verdaddeln, verjuxen, ausgeben.

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Passend zum Thema DDR ist, dass der durch sein „Bauchbindenmosaik  am Alexanderplatz“ bekannte Maler Walter Womacka gestorben ist. Sein Bild „Am Strand“ beschäftigte in Form von Aufsätzen ganze Schülergenerationen.

Ich möchte nicht wissen, was die anderen in ihren Aufsätzen so erstunken und erlogen haben – ich kann mich nur noch dunkel an den meinigen erinnern, der mit Wahrheitsfindung nicht allzu viel zu tun hatte.

Lustig sind auch andere Titel seiner Bilder: „Fischerfrühstück“, „Rübenhackerinnen“, „Rast bei der Ernte“. Er hat den Brunnen auf dem Alex gestaltet, entwarf Fenster für das Staatsratsgebäude und noch vieles mehr. Systemkonformer als er konnte man als Maler nicht sein – deswegen waren seine Auftragsbücher immer gefüllt und seine Anhänger blieben ihm auch nach der Wende noch treu.

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Und hier und hier gibt es Eier aus Ostproduktion, aber nicht von Womacka, sondern von Clara.

Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Hausfrauentipps und -tricks als auch Koch- und Backrezepte müsst ihr wo anders suchen.

19 Kommentare zu “Rote Sprüche, Losungen und Parolen

  1. Ich liebe dieses Bild! Es hing in dem Haus meines Großvaters im schlafzimmer. Ich habe als Kind immer wieder lange Zeit vor diesem Blld gesessen. Es schien genauso verloren wie mein Großvater ….

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    • Erst einmal einen wunderschönen Guten Abend und herzlich willkommen bei Claras Allerleiweltsgedanken. Ich staune und freue mich immer wieder, wenn ich Kommentare zu alten und ganz alten Beiträgen bekomme. – Dieses Womacka-Bild war in meiner Jugend wohl ziemlich frisch und neu gemalt – denn wir haben es in der Schule besprochen, ich musste einen Aufsatz schreiben. Ich finde schön, dass es bei dir Kindheitserinnerungen weckt.

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  2. Ich glaub, mir wird übel 😉
    Die gelungenste Plakatparole entdeckte ich in Potsdam kurz vorm Ende des Spuks: „Seht, was aus uns geworden ist!“ *prust*

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    • Britta, dadurch, dass ich den Spuk mehr oder weniger die ganzen 40 Jahre mitgemacht habe, ist da viel mehr Gewöhnung eingetreten. Spitze war das im Polnischunterricht. Ich hatte ja dort Verwandte, die ich in den Ferien besuchte. Ich konnte jedes Transparent anständig lesen, verstehen und überetzen, aber keine Semmeln einkaufen gehen (oder so ähnlich).
      „Gestern standen wir noch vor dem Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter“ durfte ja nicht auf Transparente geschrieben werden – das hätte ich am 4. Nov. bei dre Demo gern getragen.

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  3. Kann mir mal jemand mit einer Erklärung für „überholen ohne einzuholen“ helfen?
    Also mir kam da spontan der Trabbi in den Sinn: technisch überholt, holt nie eine andere Karre ein (?)
    GLG

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    • Danke, liebe Vallartina, wirklich danke – das ist die beste Erklärung bisher, die ich für diesen idiotischen Spruch höre. Ich habe ihn damals nicht kapiert, ich kapiere ihn heute nicht, aber er lautete wirklich so! Ehrenwort!

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  4. Manchmal habe ich schon ähnliches gedacht, nur dass der Sozialismus gegen was anderes ausgetauscht wurde. – Alles anders und alles doch irgendwie wieder gleich oder ähnlich!

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  5. Ich würde eher sagen, die hatten Zoff miteinander und jetzt kommt er vorsichtig angekrochen, um wieder um gutes Wetter zu bitten.
    Die Eier finde ich auch besser – zumal sie von mir sind!

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  6. also, die beiden letzten sprüche finde ich richtig gut 😉

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  7. Sehr interessant für mich als geborener „Altbundesländer“. Da ich sehr viele Kontakte hatte weiß ich, dass man im Freundeskreis sehr humorvoll damit umging. Und im Umfeld, ich hätte wohl auch „mit den Wölfen geheult“. Schließlich muss man ja leben.
    LG Ute

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    • Dieses Mitheulen war aber wirklich nur bis zum bestimmten Maße notwendig: Pionier- und FDJ-Organisation für Kinder/Jugendliche waren angebracht, um die Kinder nicht gleich zu Außenseitern zu machen, in der Gewerkschaft war auch fast jeder, aber das war kein großes Bekenntnis – Partei war absolut nicht nowendig, wenn man nicht in die Chefetage aufrücken wollte.
      Na, und die aufmüpfige Clara hatte nieeeeeeeee, aber auch nieeeeeeeeeee Halsschmerzen vom „Mitheulen mit den Wölfen“, sondern höchstens vom Dagegenbellen.

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  8. Soll ich jetzt lachen oder mich gruseln? Zu fast jedem der Sprüche könnte man so einiges sagen. Blöde Aufsätze zu irgendwelchen blöden Ausgangstexten oder Bildern mussten wir zwar auch schreiben, aber es war sicher nicht so gefährlich wie bei euch.

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    • Ingrid, ich schwöre, ich hatte die beste Deutschlehrerin aller Zeiten, bei der ich viel, viel offener sein konnte als bei anderen, trotzdem konnte sie meine über Jahre hinweg gehabte Eins nicht durch das Abitur retten, da dort noch so viele Beisitzer saßen und meine politischen Äußerungen zu dem Thomas-Mann-Thema nicht so toll fanden. – Und?????????????? Schreibe ich deswegen schlechtere Artikel hier, weil ich nur eine Zwei bekommen habe? Nein!!!!!!!!!! Beantworte ich jetzt einfach mal selbst, die Frage.

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  9. es gruselt mich, wenn ich nur an die ganzen parolen denke und an den sozialismus, den goethe angeblich vowegnahm *räusper*. das bild kenne ich auch, mußte aber nie einen aufsatz drüber schreiben. kann ich mich wohl glücklich schätzen.

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    • Frau Wortfeile, ich bin zur Schule gegangen, als dieses Bild hochaktuell war – es wurde 1962 auf den berühmt-berüchtigten Kunstausstellungen in Dresden ausgestellt. Die waren ja wirklich interessant, diese Ansammlungen von offener / weniger offenen oder kritisch eingestellten sozialistischen Kunst.

      Ich war in der 10. Klasse, als dieses Bild kam – und prompt wurde es Thema – und ich war gerade zum ersten Mal richtig verliebt und fand das Bild so unendlich dumm-verlogen, so dusselig-brav hätte ich mit „ihm“ nie dagesessen. Und jetzt mach das mal deiner Deutschlehrerin klar!

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  10. Vermutlich gibts auch noch treue Anhänger Martin Luthers:
    In der Woche zwier schadet weder ihm noch ihr …

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    • In manchen Ehen wäre ein Teil der Beteiligten vielleicht sogar froh, wenn dieser „Martin-Luther-Wochenplan“ wenigstens abgearbeitet werden würde und nicht die „Null-Bock-Philosophie“ siegt.

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