Claras Allerleiweltsgedanken

Im Dreisprung von Nord nach Süd (1/28) Hennigsdorf

23 Kommentare

Hennigsdorf (Ehemals DDR)

ist eine kleine Stadt (25 Td. EW) im Nordwesten von Berlin, die schon zu Brandenburg gehört. Zu DDR-Zeiten war das Stahl- und Walzwerk Hennigsdorf der größte Arbeitgeber in der Region, aber wegen der gebauten Lokomotiven war der Ort auch bekannt.

Nach 37-jähriger Unterbrechung wurde am 15. Dezember 1998 der erste S-Bahnzug auch wieder am Bahnhof Hennigsdorf begrüßt.

1993 wurde eine Denkmalsanlage zu Ehren der 5000 Arbeiter, die am 17. Juni 1953 demonstrierend über Berlin-Spandau nach Ost-Berlin zogen, auf dem ehemaligen Dorfanger eingeweiht.

In den letzten Jahren war Hennigsdorf Drehort für Videos von Rosenstolz („Sternraketen“), Fettes Brot („An Tagen wie diesen“) und den Ärzten („Junge“). Zudem wurden in Hennigsdorf Aufnahmen zu einer Tatort-Folge und im alten Stahlwerkklubhaus Folgen der Fernsehserie Praxis Bülowbogen gedreht.

(Diese vorangesetzten Texte in grau sind einfach von Wiki abgekupfert und enthalten allgemeingültige Informationen)

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Kurz hinter der Stadtgrenze und damit kurz hinter der ehemaligen Staatsgrenze ist Hennigsdorf . Ortsteile davon waren zu Mauerzeiten nur mit Passierschein zu betreten. Schon von der S-Bahn aus erkennt das geübte Ost-Auge, dass es hier auf bekanntem Terrain ist – doch das wirkt nicht unsympathisch. Die bundesweit typischen Neubauten und Ladenketten, die nach 1990 kamen,  können über diesen Eindruck schlecht hinwegtäuschen.

Am Bahnhofsvorplatz und in der Stadt mehrere Mahnmale – für die Opfer des Faschismus, für die des 17. Juni, für Kommunisten, für Kapp-Putsch-Teilnehmer – keines davon beschmiert oder zerstört.

Ein historischer Stadtkern mit einer wirklich schönen Fußgängerzone und ein Stadthafen, den die Havel bildet, lassen richtig beschauliche Momente aufkommen. Ein bezahlter Sprayer gibt in der Fußgängerzone  einem hässlichen Trafohäuschen ein neues Kunst-Gesicht, und das ist vielfältig, gelungen und farbig. (Die Slideshow kann man anhalten, vorwärts und rückwärts laufen lassen, wenn man in den unteren Bildrand mit der Maus hineingeht.)

Die typischen WBS-7o-Wohnblöcke (5 Etagen ohne Fahrstuhl) wurden alle durch einen angebauten Fahrstuhlschacht qualitativ aufgebessert. Schöne Spielplätze davor machen Lust auf Wohnen.

Das neue Rathaus krankt ein wenig an Bedeutungslosigkeit, aber das alte im neogotischen Stil ist dafür um so schöner. Ein kleines Museum darin und lauschige Fenster ließen den Fotoapparat vor Begeisterung schnurren .

Mir fällt angenehm auf, die Stadt ist „schrillionenmal“ sauberer als Berlin, die Kippen liegen wirklich im und nicht vor dem Mülleimer, Kehrmaschinen machen noch das, wozu sie gebaut wurden.

Ist Hennigsdorf die Stadt der Alten? Weil beschaulich und langsam? Selten so viele Rollatoren mit dahinter schiebenden Frauen gesehen.

Link zum Foto – das ist ein Fensterflügel der Eingangstür zum Projekthaus „Spinnennetz“ – dort kümmern sich engagierte Leute um verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche.

An dem erhaltenen Grenzturm mit inliegender Ausstellung erschreckte mich der Grenzer besonders, als ich die steilen Stufen nach oben geklettert war. Bequem hatten es die Jungens während ihres Dienstes nicht, wenn ich mir die originale spartanische Ausstattung so anschaue!

Dieser Ausflug mit dem Berlin-Brandenburg-Ticket ins Brandenburgische hat mir gefallen.

Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

23 Kommentare zu “Im Dreisprung von Nord nach Süd (1/28) Hennigsdorf

  1. Wenn ihr euer Arbeitszimmer fertig habt, wird euch ein großes Stolzgefühl überspülen (nicht wegspülen) und mit dem neuen wirst du dich sehr schnell anfreunden.
    Gesa, wenn du noch nicht gelesen hast, kannst du das hier in der richtigen Reihenfolge machen.

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  2. Ich kenne mich leider in diesem Teil Deutschlands absolut nicht aus, umso mehr habe ich mit Interesse Deinen Artikel gelesen und es macht immer wieder Freude Deinem Schreibfluss zu folgen. Auch fotografisch bestens dokumentiert. saludos

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    • Hallo, sayrueart, danke für lobende Worte. Es wäre ja auch zuuuuuu verwunderlich, wenn du dich in diesem Teil Deutschlands auskennen würdest, wo ich es ja kaum tue – obwohl ich fast nebenan wohne. – Wie lange hast du denn überhaupt in Deutschland gelebt?
      Übrigens, da ich dich dort entdeckt habe – eine Johanna von paperblog hat mich angeschrieben und meint, dass sie dort mein Blog zeigen will. Du hast ja schon mächtig gepunktet – aber deine Fotos sind ja auch einzigartig.

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  3. Da lese ich Deinen Artikel über eine kleine Stadt und werde nebenbei erinnert, mal wieder meine CD’s zu ordnen: „Rosenstolz“ hatte ich schon fast vergessen – gut dass Du sie erwähnt hast!

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  4. Sehr interessanter Artikel und informative und anschauliche Diashow. So lerne ich vieles kennen, was ich mir sonst nicht zu Gemüte führen würde.
    Gute Idee. Danke Dir!

    Herzlich und ein schönes WE
    Bina

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  5. an alle: Ich freue mich unheimlich, dass meine S-Bahn-Idee von euch so gut angenommen wird. So etwas motiviert ja Frau Clara ungemein, sie wird sich jetzt gleich die Berichte für die nächsten Tage noch einmal anschauen, um euch zu erfreuen.

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  6. schön! kenne von dem Ort nur den Bahnhof vom umsteigen. das verspricht ja ein interesssantes Projekt zu werden. bin gespannt auf „bonnies Ranch“ (Karl-Bonhoeffer…) und alle Stationen in meiner Nähe. Wollankstraße zum Beispiel. Ein fest für jeden Fotografen und Kolumnisten. Liebe grüße!

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    • podruga, liebe Grüße erst einmal zurück, ich habe über ein Jahr lang auf der Oranienburger gearbeitet, so dass ich den leicht verballhornten Namen der Station gut kenne. – Dort habe ich nur im Klinikgelände fotografiert.
      Für die Wollank war das festgelegte Zeitlimit zu kurz, um noch als Kolumnistin aufzutreten – aber viele Stationen haben Lust gemacht, noch ein zweites Mal hinzufahren – im wahrsten Sinne des Wortes war ich dort vorher noch nieeeeeeeeeee gewesen. – Ich habe an einigen Stellen auf der Tour an dich gedacht.

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  7. Das ist ja schon mal ein Superbericht. Vielleicht sollte ich so was mal von den Kölner Stadtteilen machen. Allerdings wäre das eher ein Projekt für den nächsten Sommer. Es hat mir jedenfalls ganz doll gefallen, Informationen zu bekommen, deine persönlichen Eindrücke zu lesen und vor allem die Fotos zu gucken. Ich bin gespannt auf weiteres; dazu muss der Ort nicht ’schön‘ sein, sondern interessant.

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    • Liebe Ingrid, bei manchen Ausstiegen fiel mir zwar weder richtig „schön“ noch richtig „interessant“ ein, aber insgesamt war ich doch froh, die Bilder schon im August gemacht zu haben, sonst wäre manches zu trostlos.

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  8. Ein netter und gemütlicher Ort und so nahe am großen Berlin. Schön und interessant für mich Süddeutsche. Danke Clara.
    LG Ute

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    • Wenn ich von etwas begeistert schreibe, liebe Ute, dann ist das immer echt – ich war so freudig überrascht, was aus diesem „Ostort“ geworden war – allerdings muss ich gestehen, dass ich ihn vor Mauerzeiten kaum bis gar nicht kannte – aber frau kannte ja tausende andere und alle waren ähnlich. Es waren ja hier nicht die tollen historischen Bauwerke, die begeisterten, sondern die lebenswerten Kleinigkeiten.

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  9. nie ohne meine can.on war bis vor kurzem auch mein credo, seit sie futsch ist (das scheint ein serienfehler zu sein), nicht mehr. ich liebäugele mit einer anderen marke. aber dafür heißt es erst mal wieder gesund werden und sparen…

    nun zu deinem ausflug. ich will bei hennigsdorf immer noch ein n mehr einfügen und einen vornamen draus machen :roll:. bist du dann noch weiter dort geblieben, oder hast du dich tatsächlich an die 3 minuten gehalten? es sieht dort doch sehr einladend aus. mir scheint, berlin mag das schmuddelimage. es schreckt auch kaum jemanden mit umzugplänen davon ab, sich umzuentscheiden. das kulturelle erlebnisgroßaufgebot scheint für schmutz blind zu machen.

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    • Hallo, meine liebe wf, ich habe das von deiner Kamera ja schon bei dir gelesen. Wenn du mit solch einem Modell wie meiner hier zufrieden wärest, dann wäre ja der Sparfaktor nicht so schlimm, die hat vor 2 Jahren wohl 138,– gekostet und bessere sind jetzt schon für weniger zu bekommen. Aber du möchtest ja was ordentliches mit Wechselobjektiven haben. – Das, was du beschriebst, habe ich 2x mit einer Sony erlebt – exzellente Fotos, exzellente Aufnahmegeschwindigkeit für schnelle Kinder u bewegte Tiere – aber bei der Andeutung einer Feuchtigkeit – defekt. Erste Reparatur widerwillig von seiten der Firma auf Garantie – beim zweiten Auftreten lieber Neukauf.
      Mit dem „n“ geht mir auch so, aber ich habe mich extra auf dem Bahnhofsschild vergewissert. – Fotobedingungen: 3 mal 3 Minuten, und in dieser Zeit sind die gezeigten alle „entstehungsmöglich“, lediglich beim Brunnen müsste ich rennen – aber ich muss gestehen, ich habe mich insgesamt viele Stunden dort aufgehalten und hatte meine eigenen Regeln noch nicht so intus. – Berlin ist m.M. nach auch eine Altersfrage – junge Leute stört der Dreck weniger und die Erlebnniswelt zieht mehr, im Alter möchte man es ruhiger und sauberer.

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      • keine wechselobjektive, nur manuell einstellbar. das machen die kleinen nicht, da muß man in die kompaktklasse gehen. wobei eine reparatur vermutlich noch billiger ist als ein neukauf, zwar nicht viel, aber ein paar euronen schon. geht aber grad nicht. und mit der leihgabe traue ich mir das noch nicht zu. sie muß sowieso bald zu ihrem besitzer zurückkehren.

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        • Abr ich kann doch bei meiner auch Belichtung und Blende manuell einstellen – da ich aber ein Fotografenidiot bin, habe ich das noch nie gemacht. Vielleicht habe ich schon eine „Kompaktklasse“, ohne dass ich es weiß. „Kompakt“ ist sie ganz schön, sowohl von der Dicke als auch vom Gewicht.

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        • liebe clara,

          auch das ist im moment nicht drin. jedes eurönchen muß gewendet werden. das bringen krankheit und dummheit mit sich.

          soweit dürfte das jetzt glasklar sein…

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  10. Marianne, es gibt ein Buch, das heißt: „Nicht ohne meine Tochter“. Für mich muss es heißen: „Nie ohne meine Cannon“, telefonieren ist klar und ich freue mich, dass dir die Fotos gefallen. Mir gefällt das Foto vom Fenster im Alten Rathaus sehr. – Aber die vom Bildschirm sind nicht von mir.

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  11. Mir hat Hennigsdorf fast noch am besten gefallen von allen Stationen – deswegen ist es schade, dass es gleich am Anfang ist, man soll sich ja langsam steigern!

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