Claras Allerleiweltsgedanken

Im Dreisprung von Nord nach Süd (15/28) Friedrichsstraße

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Hier als erstes die Folge der Bilder des Denkmals, das gleich am Ausgang steht. Mich hat es sehr berührt, obwohl ich diese Zeit und das, was das Denkmal meint – zum Glück nicht miterleben musste.

Dieses letzte Foto, was ja einige für das ergreifendste dieses Denkmals halten, habe ich ausgetauscht gegen eine von Skryptoria bearbeitete Fassung. Sie ist ja Colour-Key Expertin und hat das farblich betont gelassen, worauf es ankommt. – Danke, liebe Tina. Der Link zu dem Artikel ist vielleicht nicht der glücklichste, aber das erscheint mir hier unwichtig.

Nun muss ich gestehen, dass ich jetzt ein wenig schummle. Beide Bildserien hätte ich nicht in der Zeit geschafft, weil ich einmal nach links und einmal nach rechts gehen musste (hätte Frau einen besseren Orientierungssinn, würde sie das mit Süd-Nord oder Ost-West ausdrücken, also sucht euch das richtige aus.

Zuerst gehe ich zu dem interessanteren Objekt – der Weidendamer Brücke. Tonari hatte einmal erwähnt, dass dort junge Paare Schlösser an dem Adler anbringen, um die Festigkeit ihrer geschlossenen Ehe zu dokumentieren.

Beim ersten Mal konnte ich das bestätigen – alles voller Schlösser. Eine Zeit lang später – der größte Teil der Schlösser ist entfernt.

Das erzählte ich meinem Enkel. Nach kürzester Zeit sein Kommentar:

Da haben die ja die Ehe gebrochen!

Wen ich in die andere Richtung gehe, komme ich an die Kreuzung Friedrichstraße / Unter den Linden. Dort ist das große Autohaus von VW. Ich will für die keine Reklame machen, aber was die an Ausstellungen zeigen, ist meist sehenswert bis sehr sehenswert – so gut wie immer kostenlos. Viele Jahre wurde im Untergeschoss auch ein Weihnachtsmarkt aufgebaut, der für Alt und Jung ein tolles Programm bot. Schade, es gibt ihn nicht mehr. Das war einer der wenigen Weihnachtsmärkte, wo man nicht frieren musste.

Und jetzt die letzte Collage von tollen Autos – Bugatti und ??? Nicht, dass ich solch en Auto haben möchte, sie sehen einfach nur toll aus, schon so ein Motorblock ist eine wahre Sahne! Jetzt wird mich kaum eine Frau verstehen können!


Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

27 Kommentare zu “Im Dreisprung von Nord nach Süd (15/28) Friedrichsstraße

  1. Dieser Teil unserer Geschichte ist schlichtweg erschütternd. Bleibt nur zu hoffen, dass dergleichen niemals wieder geschieht…
    Ob ich damals jemanden bei mir verborgen hätte? Ich tendiere zum Ja!, als alte und unangepasste Quer- und Freidenkerin traue ich mir dergleichen durchaus zu…
    Auch mich kann ein schöner Motorblock durchaus entzücken, meine Liebe! 🙂
    Herzlichst!

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    • Die Frage habe ich mir auch schon sehr oft gestellt. Ich denke auch, dass ich Schutz gewährt hätte und die Menschlichkeit über das gestellt hätte, was andere für sich rein subjektiv als „Recht“ definierten.

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    • Über die „Einigkeit der Sinne“ kann ich mich nur freuen, sowohl in der Einschätzung unserer umrühmlichen Vergangenheit als auch Motorblock-bezogen. Zu dem Denkmal schreibe ich im heutigen Post noch ganz schnell einen Kommentar, weil ich etwas sehr Unschönes erlebt habe.

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  2. Dein Enkel ist ein kluger Kopf bzw sehr logisches Denken..*lächel
    Ich wollte mir die Schlösser mal anschaun, einfach weil es so etwas
    hier nicht giebt.Aber das hat sich inzwischen erledigt.

    Diese „neuen“ Sculpturen sind sehr sehr berührend. Der Koffer hat mich am allermeisten berührt.Und das jüdische Museum hoffe ich mir diesmal anschaun zu können. Bisher hat es nicht geklappt.

    Liebe Grüsse
    Elke

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    • Elke, das Jüdische Museum ist in meinen Augen ein absolutes Muss, wenn man mehr als zwei Tage Zeit hat in Berlin. Ich habe dort eine Führung von Architekturstudenten erlebt, als es noch absolut leer war. Wahnsinn, wie der Herr Libeskind (oder Liebeskind ), der Architekt dieses Hauses, die Verfolgung der Juden in Berlin in Stein gewandelt hat. – Schlösser kommen immer wieder dazu. Wenn du nciht gerade einen Tag nach der städtischen Razzia hinkommst, siehst du wieder welche.
      Mein Enkel geht wirklich absolut nach seiner Mutter.
      Lieben Gruß von Clara

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  3. Das Denkmal war im Frühjahr noch nicht da, als ich in Berlin war. Also wirklich ziemlich neu. Das Kommentar deines Enkels ist nicht schlecht. Vielleicht sollten alle die Paare, die die Ehe gebrochen haben, ihre Schlösser wieder entfernen. Hui das gäbe ein ständiges Hin und Her 🙂
    LG Ute

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    • Jetzt glaube ich es, dass es neu dort aufgestellt ist. Der Standort ist passendunpassend zugleich. Irgendwie kommt es nicht richtig zur Geltung, andersherum ist es bei seinem Namen in der Nähe eines Bahnhofs gut untergebracht.
      Bei der Schlossknackung waren ja ausnahmsweise nicht die Ehepaare die Verursacher, sondern die Stadt, die diese Brücke frei von Schlössern halten wollte.
      LG von Clara

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  4. Liebe Clara, deine Berichte sind ganz wunderbar. Man fühlt sich mittendrin.

    Herzlich
    Anna-Lena

    Auch liebe Grüße vom GöGa :-).

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    • DAnke, Anna-Lena! Mittendrinner als jetzt geht auch schon nicht mehr, blad fährt die S-Bahn wieder raus und in die äußeren Bezirke. – Weiterhin stolze Renovierungserfolge!

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  5. ist das bahnhof friedrichstraße? diese Plastiken kenne ich gar nicht.
    und drei minuten reichen dort niemals nie. der tränenpalast fehlt mir. Das BE. du musst nochmal von Süd nach Nord fahren 😉

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    • Also, dann scheint sie ja wirklich neu zu sein, denn Lucie hatte auch schon nachgefragt. Sie steht dort auf der Seite, wo man zur SPARDA-Bank rausgeht, also über die Seite Richtung Friedrichsstraße zur Innenstadt UdL zu. Sie ist dann nicht zu übersehen, da sie ca. 3 m lang ist. – An den Tränenpalast habe ich ziemlich üble persönliche Erinnerungen – außerdem ist er schon so oft „vermarktet“ worden – den habe ich irgendwie offensichtlich im Unterbewusstsein ausgelassen. – Ich hatte ja auch bisher 3.3 Minuten angesetzt, also fast 10, aber ich lese gerade in meinem eigenen Text, dass auch da das Unterbewusstsein 15 Minuten draus gemacht hat. – Na ja, vielleicht verstehbar und verzeihlich. – Podruga, ab wann fuhr denn diese Linie früher wieder auf westlichem Gebiet. Erst aab Yorckstraße oder war Anhalter auch schon ein Westbahnhof.

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      • ich meine, dass es der anhalter bahnhof gewesen sein müsste. bzw. schon friedrichstraße, oder? die westberliner konnten doch von der friedrichstraße aus s- und u-bahn fahren. oder s-bahn nur oben? keine ahnung…

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        • Nein, diese Linie fuhr Friedrichsstr. unterirdisch und war für uns gar nicht zugängig. Ich bin doch ein Trottel. Diese Linie fuhr so gut wie gar nicht für den Ostmenschen, denn bis zur jetzt vorletzten Station im Süden ist alles ehemals westliches Gebiet. Das kurze Oststück von Nordbahnhof bis Friedrichstraße durften wir nicht einsteigen, wir wussten kaum von dieser Linie.

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  6. Ah! Jetzt habe ich das Kofferbild entdeckt. Ich habe es Dir bearbeitet und per Email zugeschickt. Wenn Du magst, kannst Du es gern verwenden, liebe CC.

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  7. CC, unsere Nord-Süd-Verbindung funktioniert wohl ganz gut. Die Schlösser habe ich auch fotografiert und den Judenstern auf einem Grabstein auf dem Jüdischen Friedhof in Heidelberg.
    Jetzt haben wir Regen hier unten, und ich fühle mich wie aus dem Wasser gezogen.
    Herzliche Grüße nach Norden!

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  8. Ein eindeutiges Denkmal, über das es keine Diskussion geben kann. Sehr beklemmend der geöffnet Koffer mit den Puppenteilen. –

    Ich finde, Schlösser gehören nicht an eine solche Brücke. Bei unserer Hohenzollernbrücke ist es nur ein hässliches Eisenbahngitter und da sind die ganzen Schlösser eher eine Verschönerung. Es müssen inzwischen wohl Tausende sein …

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    • April, was zeigt uns das mit den Schlössern: … die Heiratswilligen hören nimmer auf, denn die Scheidungsanwälte wollen ja auch Geld verdienen. – Meine Schlussfolgerung über die Platzierung der Schlösser und den Geschmack der Platzierenden behalte ich lieber für mich, um nicht noch mehr als …. verrufen zu sein.

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  9. das auto oben links ist ein bent.ley, steht sogar auf dem nummernschild, sonst hätte ich es dir nicht verraten können ;-). ich finde die frage, was wäre, wenn ich damals gelebt hätte müßig, weil niemand die zeit zurückdrehen kann und niemand in der situation war. lieber wäre es mir, die leute würden heute nicht so duckmäuserisch sein. wir haben hier heute in leipzig vier genehmigte nazidemos!!!!! wo werde ich wohl sein?

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    • LIebe WF, das mit den vier Naziaufmärschen habe ich gestern in der Zeitung gelesen und mir hat es fast den Unterkiefer ausgehakt. Hier sind gerade 6° C – ich wünsche ihnenn, dass sie sich allesamt den A… abfrieren sollen, damit es wenigstens diese angemeldeten ca. 700 weniger davon gibt. – Als ihr vor 20 Jahren mit anderen Demos Schlagzeilen gemacht habt, habe ich das ausgesprochen lieber gelesen. Ich sage ja, D. verkommt zur Demokratur und das politische Leben wird immer unerträglicher. – Na das mit dem „was wäre … wenn“ qüält mich nicht 24 Stunden am Tag, aber so ab und zu hatte ich diesen Gedanken eben schon mal, den ich mit Lucie andiskutiert habe. – Das mit den 3 Fragezeichen muss ich „damals“ als ich den Post schrieb, sicher etwas allgemeiner, mehr oder weniger globaler, gemeint haben, denn die Buchstaben „Bentley“ kann ich wohl lesen. –

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  10. Ich hätte auf jeden Fall jemanden versteckt, wenn ich in der Zeit gelebt hätte! Da brauch ich gar nicht lange überlegen! Mit den Wölfen hab ich noch nie zusammen geheult!!! Du hast Recht, die Steelen sind unpersönlich, als ich im vorigen Jahr dort durch gegangen bin, hatte ich trotzdem ein ziemlich beklemmendes Gefühl! *uff*

    Was nehmen wir den für einen Schlummertrunk? Einen leckeren Rotwein oder lieber eine heißen Tee? Hier ist es heute so nass und ungemütlich, da war ich nur kurz vor der Tür!

    Ich wünsch dir eine gute Nacht und ein fröhliches Wochenende!

    Ganz liebe Grüße
    Lucie 🙂

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    • Mit dem Verstecken – meinst du nicht, dass die Angst um das eigene Leben oder die eigenen Kinder größer gewesen wäre als die Liebe zu einem Juden? – Die Hinrichtungen von Widerstandskämpfern wurden ja mehr als deutlich dokumentiert.
      Leider kannst du mich mit Rot- oder Weißwein jagen, den musst du dann alleine trinken, ich bevorzuge ein Radler, hier Alsterwassser oder einen heißen Tee – das Wetter wäre mehr nach letzterem.
      Das Wetter sieht ja gut aus für heute und morgen mal wieder ein wenig raus!
      Guts Nächtle!

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      • Sicher wäre meine Angst um mein Leben und das meiner Familie groß gewesen! ABER hat nicht jeder Menschen ein Recht auf Leben? Nur weil die Nase, Haarfarbe, Lebensweise oder Herkunft nicht stimmt, dürfen die Menschen nicht geächtet und minder bewertet werden! Leider gibt es das ja auch heute noch zur Genüge in der ganzen Welt!!!

        Lg Lucie 🙂

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  11. Die Weidendammer Brücke habe ich auch schon auf meiner Festplatte!
    Das DENKMAL steht aber noch nicht lange dort an der Friedrichstr. oder?!!
    Diese Fotos berühren mich auch sehr, genau wie die Steelen hinterm Adlon! *seufz*

    Lg Lucie 🙂

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    • Lucie, du hast entdeckt, dass es pünktlich 00.05 bei Clara was Neues gibt – und da du auch Spätschläfer bist, kommst du mich nächtens besuchen. – Wollen wir einen Schlummertrunk nehmen?
      Du, ich war über das Denkmal auch erstaunt. Da ich dort nie rausgehe, weiß ich nicht ob ich es bisher übersah oder ob es wirklich relativ neu ist.
      Ich finde es sehr, sehr gut gemacht in der Gesamtheit und komme immer wieder ins Grübeln, wie ich in dieser Zeit reagiert hätte. Mut, jemand zu verstecken? Widerstand geleistet? Mitgeheult mit den Wölfen? Etwa sogar begeistert gewesen von dem GröFaZ? Zu letzter Frage sage ich bedingungslos nein, denn auch die Nichtskönner aus der DDR waren mir u.a. wegen ihrer komischen Sprache schon so verhasst. Und Hitler hatte auch keine sympathische Stimme. – Bei mir läuft unheimlich viel Sympathie und Antipathie über die Stimme.
      Bei „Stelen hinterm Adlon“ habe ich kurz gestutzt, dann wusste ich, was du meinst. Komisch, die berühren mich wenig, die sind mir zu unpersönlich. Aber das jüdische Museum ist einfach unverzichtbar, wenn man sich für diesen Teil unserer Geschichte interessiert.

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