Claras Allerleiweltsgedanken


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Bundesbahn contra Postkutsche? Oder wie?

Wenn eine eine Reise tut, dann gibt’s was zu erzählen!

Alle Fahrten der letzten Zeit unternahm ich mit dem Auto – dafür bin ich für alle Widrigkeiten des Lebens mit 2 Navis, einem neuen ADAC-Atlas, zahlungskräftigen Kredit- und EC-Karten und einem gerüttelt Maß an Autotechnikkenntnissen ausgerüstet, um zu wissen, wann mein guter Leon von der Straße in die Werkstatt muss, um dort ein wenig helfende Hände auf sich einwirken zu lassen.

Doch wie sieht das alles aus, wenn Frau „plötzlich und unerwartet“ –  bedingt durch schlechte, winterliche Straßenverhältnisse und eine etwas plötzliche Einladung – auf diese langen Ungeheuer auf Rädern zurückgreifen muss, die sich schnellstens ihre Weg durch Schnee und Eis auf blitzblanken Schienen suchen? Um es ganz deutlich zu machen, ich spreche von der Deutschen Bahn, die keinerlei Kosten und Mühen gescheut hat, um ihre Fahrgäste schon allein bei der Fahrkartenbeschaffung, danach aber ebenfalls,  zu unterhalten und zu „amüsieren“.

Noch nie eine Fahrkarte online gekauft – die Schwierigkeiten fangen an, als ich eine preiswerte Variante suche, da es entweder eine passende Hinfahrt oder eine passende Rückfahrt gibt – doch irgendwann scheint das richtige gefunden zu sein. Eine Bahncard 25 ist beschafft, die Vorsicht mahnt dazu, auch noch Platzkarten zu lösen. Großes Entsetzen beim Ausdruck, als jeder Zug extra mit 2,50 € Platzkartengebühr bezahlt werden muss. – Bemerken, dass die Rückfahrt zwar preisgünstig, aber sehr unbequem ist durch zu häufiges Umsteigen und zu umständliches Fahren.

Abreisetag – Aufregung groß, dass die S-Bahn und die Regionalbahn wieder ihren Dienst zu unregelmäßig versehen, weil Schnee und Eis den Fuhrpark auf weniger als die Hälfte reduziert haben. Also eine Taxe für sehr, sehr zeitig bestellt, weil auch die Taxiunternehmen nicht garantieren wollten, dass sie sich aus den Schneebergen ausbuddeln können. – Für 12 km 23,00 € bezahlt, aber ausreichend zeitig am Bahnhof, so dass dort in einem geheizten Warteraum gefrühstückt werden konnte.

Als die Abfahrtszeit nahte, Zug auf elektronischer Anzeigetafel gesucht: nichts. Bescheid bekommen: Gleis 14 wegen Weichenstörung nicht benutzbar, alles fährt von 12. Dort aber auch keine Anzeige. Am Schalter erkundigt, ja, fährt von 12. Schweren Koffer hochgewuchtet. Kurz vor Zugabfahrt eine Durchsage, die ich nie verstehe, da sich alles in den Hörgeräten überschlägt. Zur Auskunft gerannt:

Zug steht auf Gleis 14 zur Abfahrt bereit.

Rolltreppen runter und rauf verstopft, da sich die halbe Bahnsteigbesetzung auf das andere Gleis wälzt. Mit röchelndem Hals das Koffermonstrum runter und rauf getragen und eine Minute vor Abfahrt des Zuges irgendwo eingestiegen. – Drin die Durchsage:

„Werte Reisende, alle Platzreservierungen haben keine Gültigkeit, da der Zug (ICE) ausgetauscht werden musste und leider nur ein minderwertigerer Ersatzzug zur Verfügung stand.“

Wegen der Kofferanstrengungen belle ich über eine Stunde lang wie ein Kettenhund. – Schwierig an dem eingewechselten Zug war nur, dass er für Reisende mit „Monsterkoffern“ nicht gedacht war. Ich baute mir an meinem Einzelsitz eine Burg, die nur bei Toilettengängen  gestürmt oder „eingerissen“ werden musste. – Im Laufe der 600 km sammeln wir ca. 50 Min. Verspätung auf, aber die nächsten Anschlusszüge sind alle schon im Nahbereich, so dass sie öfter fahren und ich mein Ziel mit einem leicht geänderten Ankunftsbahnhof erreiche, erwartet von zwei ungeduldigen Enkeln.

Auf der Rückfahrt waren die Malheure andere, in meinem Fall sogar für mich bessere.

Die Anfahrt bis Heidelberg problemlos – was sollte bei 20 Minuten S-Bahn auch passieren können. Doch dann geht es los. Es erfolgt wieder eine Durchsage, von der ich nur das Wort „Verspätung“ klar und deutlich verstehe und dann noch was von Ersatzzug nach Mannheim. Dann erfolgt die schon bekannte Bahnsteigflucht der Koffermenschen. – Da alle Geschenke bei den Enkeln geblieben sind, ist der Koffer nur noch schwer, nicht mehr sauschwer. Also zum Servicepoint gehastet. –

Der nun erfolgende Stempel „Zugbindung aufgehoben wegen 70minütiger Verspätung“ lässt mein Herz hüpfen. Ich darf mit dem nicht bezahlten ICE fahren, habe dafür zwar keine Platzkarte, dafür aber einen wunderschönen Platz. Was kann es mich da noch stören, dass der Zug in umgekehrter Wagenfolge einfährt und ich im Zug durch 3 Wagen der ersten Klasse und noch einige sehr besetzte Wagen dackeln muss, bis ich mich endlich niederlassen und die Fahrt bis Berlin genießen kann. – Den Vorsprung gegenüber meinem planmäßigen Zug verdaddelt auch dieser ICE wieder, denn wir kommen 60 Minuten zu spät an.

Ich glaube, so schnell will ich jetzt nicht wieder die Annehmlichkeiten und die Unannehmlichkeiten der Deutschen Bahn in Anspruch nehmen – das nächste Mal fahre ich wieder mit der unbequemeren Postkutsche Renault Twingo „Leon“.