Claras Allerleiweltsgedanken

Bundesbahn contra Postkutsche? Oder wie?

21 Kommentare

Wenn eine eine Reise tut, dann gibt’s was zu erzählen!

Alle Fahrten der letzten Zeit unternahm ich mit dem Auto – dafür bin ich für alle Widrigkeiten des Lebens mit 2 Navis, einem neuen ADAC-Atlas, zahlungskräftigen Kredit- und EC-Karten und einem gerüttelt Maß an Autotechnikkenntnissen ausgerüstet, um zu wissen, wann mein guter Leon von der Straße in die Werkstatt muss, um dort ein wenig helfende Hände auf sich einwirken zu lassen.

Doch wie sieht das alles aus, wenn Frau „plötzlich und unerwartet“ –  bedingt durch schlechte, winterliche Straßenverhältnisse und eine etwas plötzliche Einladung – auf diese langen Ungeheuer auf Rädern zurückgreifen muss, die sich schnellstens ihre Weg durch Schnee und Eis auf blitzblanken Schienen suchen? Um es ganz deutlich zu machen, ich spreche von der Deutschen Bahn, die keinerlei Kosten und Mühen gescheut hat, um ihre Fahrgäste schon allein bei der Fahrkartenbeschaffung, danach aber ebenfalls,  zu unterhalten und zu „amüsieren“.

Noch nie eine Fahrkarte online gekauft – die Schwierigkeiten fangen an, als ich eine preiswerte Variante suche, da es entweder eine passende Hinfahrt oder eine passende Rückfahrt gibt – doch irgendwann scheint das richtige gefunden zu sein. Eine Bahncard 25 ist beschafft, die Vorsicht mahnt dazu, auch noch Platzkarten zu lösen. Großes Entsetzen beim Ausdruck, als jeder Zug extra mit 2,50 € Platzkartengebühr bezahlt werden muss. – Bemerken, dass die Rückfahrt zwar preisgünstig, aber sehr unbequem ist durch zu häufiges Umsteigen und zu umständliches Fahren.

Abreisetag – Aufregung groß, dass die S-Bahn und die Regionalbahn wieder ihren Dienst zu unregelmäßig versehen, weil Schnee und Eis den Fuhrpark auf weniger als die Hälfte reduziert haben. Also eine Taxe für sehr, sehr zeitig bestellt, weil auch die Taxiunternehmen nicht garantieren wollten, dass sie sich aus den Schneebergen ausbuddeln können. – Für 12 km 23,00 € bezahlt, aber ausreichend zeitig am Bahnhof, so dass dort in einem geheizten Warteraum gefrühstückt werden konnte.

Als die Abfahrtszeit nahte, Zug auf elektronischer Anzeigetafel gesucht: nichts. Bescheid bekommen: Gleis 14 wegen Weichenstörung nicht benutzbar, alles fährt von 12. Dort aber auch keine Anzeige. Am Schalter erkundigt, ja, fährt von 12. Schweren Koffer hochgewuchtet. Kurz vor Zugabfahrt eine Durchsage, die ich nie verstehe, da sich alles in den Hörgeräten überschlägt. Zur Auskunft gerannt:

Zug steht auf Gleis 14 zur Abfahrt bereit.

Rolltreppen runter und rauf verstopft, da sich die halbe Bahnsteigbesetzung auf das andere Gleis wälzt. Mit röchelndem Hals das Koffermonstrum runter und rauf getragen und eine Minute vor Abfahrt des Zuges irgendwo eingestiegen. – Drin die Durchsage:

„Werte Reisende, alle Platzreservierungen haben keine Gültigkeit, da der Zug (ICE) ausgetauscht werden musste und leider nur ein minderwertigerer Ersatzzug zur Verfügung stand.“

Wegen der Kofferanstrengungen belle ich über eine Stunde lang wie ein Kettenhund. – Schwierig an dem eingewechselten Zug war nur, dass er für Reisende mit „Monsterkoffern“ nicht gedacht war. Ich baute mir an meinem Einzelsitz eine Burg, die nur bei Toilettengängen  gestürmt oder „eingerissen“ werden musste. – Im Laufe der 600 km sammeln wir ca. 50 Min. Verspätung auf, aber die nächsten Anschlusszüge sind alle schon im Nahbereich, so dass sie öfter fahren und ich mein Ziel mit einem leicht geänderten Ankunftsbahnhof erreiche, erwartet von zwei ungeduldigen Enkeln.

Auf der Rückfahrt waren die Malheure andere, in meinem Fall sogar für mich bessere.

Die Anfahrt bis Heidelberg problemlos – was sollte bei 20 Minuten S-Bahn auch passieren können. Doch dann geht es los. Es erfolgt wieder eine Durchsage, von der ich nur das Wort „Verspätung“ klar und deutlich verstehe und dann noch was von Ersatzzug nach Mannheim. Dann erfolgt die schon bekannte Bahnsteigflucht der Koffermenschen. – Da alle Geschenke bei den Enkeln geblieben sind, ist der Koffer nur noch schwer, nicht mehr sauschwer. Also zum Servicepoint gehastet. –

Der nun erfolgende Stempel „Zugbindung aufgehoben wegen 70minütiger Verspätung“ lässt mein Herz hüpfen. Ich darf mit dem nicht bezahlten ICE fahren, habe dafür zwar keine Platzkarte, dafür aber einen wunderschönen Platz. Was kann es mich da noch stören, dass der Zug in umgekehrter Wagenfolge einfährt und ich im Zug durch 3 Wagen der ersten Klasse und noch einige sehr besetzte Wagen dackeln muss, bis ich mich endlich niederlassen und die Fahrt bis Berlin genießen kann. – Den Vorsprung gegenüber meinem planmäßigen Zug verdaddelt auch dieser ICE wieder, denn wir kommen 60 Minuten zu spät an.

Ich glaube, so schnell will ich jetzt nicht wieder die Annehmlichkeiten und die Unannehmlichkeiten der Deutschen Bahn in Anspruch nehmen – das nächste Mal fahre ich wieder mit der unbequemeren Postkutsche Renault Twingo „Leon“.

Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

21 Kommentare zu “Bundesbahn contra Postkutsche? Oder wie?

  1. Und wie du es sagst – nieeeeeeeeeeeeeeee und nimmmmmmmmmmmmer wäre ich zu der Zeit Auto gefahren – da habe ich ja die Ruth bewundert – echtes kerniges Weib!
    Clara grüßt lieb und artig zurück!

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  2. Ganz ehrlich Clara, ich bewundere dich, Zugfahrkarte übers I-Net bestellt, Koffer gewuchtet, umgestiegen wie ein Weltmeister, richtigen Zug trotz Hauptbahnhof-Hörverständnis getroffen – und das Hin-und Zurück! Ich bin seit Ewigkeiten auch nicht mit dem Zug gefahren und selbst würd ich beim Fahrkartenkauf schauen – wie die Sau ins Uhrwerk! War zwar anstrengend für dich, aber ehrlich – du kannst ganz stolz auf dich sein!

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    • Frau Pilz, pausenlos habe ich mir jetzt mit deinem Kommentar auf die Schulter geklopft – leider hing der ganze Bildschirm dran und das tat mit der Zeit weh. – Das mit dem Fahrkarte und Bahnkarte besorgen über das Netz, war eine Herausforderung. Jetzt muss ich es nur bald wieder machen, sonst habe ich bis zum nächsten Mal alles wieder vergessen. – Wenn alles andere auch so hervorragend funktioniert hätte, ich würde mcih für den Vaterländischen Verdienstorden in Bronze mit Bammelband vorschlagen.
      Und tschüss, du Liebe!

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  3. weia… das hab ich im Laufe des Textes wohl irgendwie vergessen…
    unfassbar wie blond man sein kann…
    Ich bitte um Vergebung Frau Himmelhoch,
    sofern ich mich an Überschriften erinnere kommt dat nu nicht mehr vor… versprochen
    *fingerhinterrückenkreuze*

    Wasser reicht für die Herren (sind da auch Damen bei?) ,
    die sind genährt genug…
    ausserdem hat der Rhein etc. Hochwasser

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  4. Du hast mein aufrichtiges Beileid! 😎

    Ich selber fahre fast nie mit der Bahn. Eigentlich nur gelegentlich einmal von Dresden in die Sächsische Schweiz zum Wandern. Ansonsten lege ich große Strecken nur mit dem Auto zurück. Ich mache mich ungern von der Inkompetenz anderer abhängig 😎

    Liebe Grüße
    Falk

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    • Uff, Falk, da war ich aber erschrocken, als ich auf der Kommentarseite las: „Du hast mein aufrichtiges Beileid!“ Frage an mich: „Habe ich irgendwas verpasst?“
      Und dann sah ich, dass du Gott sei Dank nur das Bahndilemma meinst.
      Der Satz: „Ich mache mich nicht gern von der Inkompetenz anderer abhängig“ ist herrlich. – In welcher Ecke von Dresden wohnst du? Ich habe an der Carl-Gustav-Carus meine Ausbildung gemacht und dann am Weißen Hirsch im Wohnheim gewohnt und in Oberloschwitz gearbeitet. Es war eine sehr, sehr schöne Zeit. – Voriges Jahr war ich zum Klassentreffen in einem Restaurant direkt an der Elbe am Blauen Wunder, auf der Zschachwitzer(?, nicht Blasewitz) Seite und war wie immer von Dresden begeistert.
      Lieben Gruß von Clara

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  5. Ach Bärbel, es wurde doch endlich mal wieder Zeit, dass ich hier was schreibe – und da kam mir so ein Halb-Spaß-/Halb-Ernst-Geplänkel gerade recht. Um Weihnachten waren ja die Bahnkatastrophen weitaus schlimmer und dichter gesät – ich bin doch noch vollkommen glimpflich davongekommen.
    Der Koffer ist leer schon so schwer, denn ich habe ihn gerade in den Keller verfrachtet, denn ich kann ja gar nicht so viel mitgenommen haben *grins*. Ich war es nicht!!!!!!

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    • Ich wollte mit einem standesgemäßen Koffer vorrollen und habe mir deshalb einen von meinem Sohn geliehen. – Meine sind alle nur autotauglich. – Ich habe gerade auf der Waage festgestellt, dass er leer 6 kg wiegt.

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  6. Nun weißt Du ja, warum ich lieber in Berlin 2 x mein Autochen ausbuddle 😉

    Trotzdem schön, dass Du heil wieder da bist, wo Du hingehörst…

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    • J-ein, liebe Ruth, bei richtigem Schnee und Glatteis möchte ich auch um nichts in der Welt Auto fahren – am liebsten zu Haus bleiben und zu gar niemand fahren. Jetzt müssen nur noch die Folgeerscheinungen be- und verarbeitet werden und dann kann der 2011-Trott anfangen.
      Herzlichst für dich von Clara

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  7. „Anaconda“ – herrlich. Ich bin gerade dabei, sie vom Kopf her anzugehen.

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  8. Na, gestern hab‘ ich aber gehört, dass ungeheuer viele Menschen Regressansprüche angemeldet haben. Allerdings dauert das lange und bei dem Andrang wahrscheinlich seeeeehr lange bevor das bearbeitet ist.

    Wenn ich alle diese Geschichten lese und höre, kriege ich immer eine ganz große Wut auf Herrn M., den ehemaligen Bahnchef. Er hat die Bahn ‚kaputt gemacht‘. Ich kenne jemanden, der Fachzeitschriften liest und sich wahnsinnig drüber aufregt, was alles gemacht wurde, weil Herr M. an die Börse wollte: Strecken wurden stillgelegt, Personal abgebaut, Weichenheizungen ausgebaut (ja, die gab es!!) Und noch vieles mehr. :-(( Die Firma, wo er vorher war, hat er ruiniert und mit der Deutschen Bahn A.G. (SO heißt die) hätte er es fast auch geschafft.

    Wenn man die Möglichkeit hat, kann man auch an den Servicepoints buchen; die suchen einem meist die billigste und auch sonst günstigste Möglichkeit heraus.

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    • Ingrid, ich habe auch an Regress gedacht, aber die nicht gebrauchten Platzreservierungen für 7,50 € sind ja wohl hinfällig, wenn du dir am Ausgangsbahnhof einen Platz aussuchen kannst. Zurück im ICE konnte ich ja auch wunderbar sitzen und war schneller zu Haus, weil ich kostengünstig ICE fahren durfte.
      In Heidelberg hat sich Herr M.dorn auch so ein Pferd wie in Berlin vor dem Hauptbahnhof setzen lassen – der Kerl sitzt offensichtlich hoch zu Ross. – Nehmen die an den Servicepoints nicht diesen üblichen Schalteraufschlag?

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      • Herr M. sitzt nicht mehr auf dem DB-Ross; er macht jetzt eine andere Firma kaputt 😉

        Und stimmt, ja, die nehmen einen Aufschlag am Schalter.

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  9. Das klingt nach einer Weltreise, liebe Clara 🙂 „Fahr lieber mit der Bahn“ hat schon lange keine Gültigkeit mehr. Wenn du nicht wirklich ein Schnäppchen machst, dann zahlst du wesentlich mehr als mit der eigenen „Postkutsche“ und kommst bei den obligatorischen Verspätungen noch später an, als wenn du auf der Autobahn im Stau stehst. Die Internetbuchungen habe ich schon einige Male in Anspruch genommen. Das braucht zwar Zeit und vieeeel Geduld, aber wenn man rechtzeitig bucht gibt es doch so manches Schnäppchen. Hauptsache du hattest Spaß bei deinen Enkelkindern.

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    • Ute, immerhin war die Weltreise 650 km lang und mit dem Auto hätte ich auch nicht wirklich fahren wollen, das hätte die Strecke schon allein an Spritkosten gebraucht. – Beim nächsten online-Buchen stelle ich mich ja auch nicht mehr so blöd an, denn jetzt muss ich ja meine „Bahncard 25“ abfahren, also wieder buchen.
      Ich bin nur nicht so der Planungstyp, sondern fahre viel lieber spontan, und das widerspricht dem Schnäppchengedanken.
      Du kritische Fotoaugenfrau, hast du denn mal ein Auge auf die „Leucht- und Strahlartikel der geistigen und nichtgeistigen Art“ im Fotoblog (siehe festgetackerter Artikel am Beginn der Seite) geworfen? Utopia will „echtes und potentiell Leuchtendes verschiedenster Art“ von uns sehen.
      Das mit dem Spaß kann man so oder so sehen.
      Ich grüße dich, liebe Ute

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  10. Liebe podruga, meinst du, dass die mit dem Namenswechsel nicht nur einfach all ihre Probleme hinter sich lassen wollten? Du hast schon recht, dass du bei starkem Frost auf der Rollbahn festfrieren und auf der Autobahm im Vorderauto oder im Straßengraben landen kannst – aber nur bei der Bahn AG wirst du unter Umständen im Hochsommer im ICE zu Grillhähnchen verarbeitet – natürlich nur versuchsweise.
    Ich habe doch nichts gegen die Bahn, auch nicht gegen die S-Bahn, wenn sie fahren, wenigstens annähernd, wie sie sollten. – Ich bin so etwas von glücklich, dass ich nicht auf den Berufsverkehr im Dicht-an-dicht-Look angewiesen bin, aber versäumte Arzttermine oder anderes sind so lecker auch nicht, vor allem bei zugigen Bahnsteigen und planmäßigem 20-Minuten-Verkehr. – Aber der Berliner ist ja stoisch und erleidet auch das relativ klaglos.

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  11. Vivi, wie podruga es auch sagt: Bei schlechtem Wetter, was du in Deutschland fast mit „Winter“ übersetzen kannst, gibt es mit allen Verkehrsmitteln Probleme, aber die Bahn AG (gerade gelernt) hat eben auch im Sommer ihre hausgemachten Probleme, weil sie dann Reisende in ICEs zu Grillhähnchen verarbeiten will.

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  12. Margot, diese 29,– Tickets kann man wohl wirklich am besten bei LIDL oder sonstwo kaufen, dann gelten sie ja auch ohne Zugbindung. Doch ich will mich nicht mitten in der Nacht beim Discounter anstellen, um Fahrkarten zu kaufen, dort will ich wirklich Brot, Butter, Gemüse und auch mal Eier kaufen.
    Bei den Preisen der Bahn sind solche Unverschämtheiten, wie sie dir passiert sind, wirklich haarsträubend, bloß den Umständlichkeiten einer Rückzahlung setzt sich ja kaum ein Reisender aus, und das wissen die.
    Gute Nacht sagt Clara

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