Claras Allerleiweltsgedanken

Zwei Zeitungsmeldungen

22 Kommentare

Heute haben mich zwei Zeitungsmeldungen ins Nachdenken gebracht.

Beim Arztbesuch lagen nur bunte Zeitschriften aus. Die Meldung

Jetzt hat sich auch das zweite Kind des ehemaligen Schahs von Persien und seiner Frau das Leben genommen.

hat mich aufgerüttelt. Vor einigen Jahren war es die Tochter, die trotz allen Reichtums mit dem Leben und seinen Umständen nicht fertig geworen ist, jetzt hat sich der ca. 50jährige Sohn erschossen. Sie sind offensichtlich mit der Vertreibung des Vaters und seiner Familie aus Persien und mit der nie mehr möglichen Rückkehr in ihre Heimat nicht fertig geworden. Ihr Leben hat sich in den letzten Jahren in tiefer Depression abgespielt. – In Kriegszeiten haben viele solch ein Schicksal erleiden müssen. Einer unter vielen zu sein macht einem dieses Schicksal vielleicht erträglicher als es das für Schahkinder ist, die vorhr mehr als elitär gelebt haben und dann plötzlich so hart in der Wirklichkeit angekommen sind.

Doch die zweite Meldung erschüttert mich noch mehr

Mörder von Mirco ist ein Familienvater mit drei Kindern, der nur mächtig von seiner Arbeit gestresst war.

Seit wann ist Arbeitsfrust ein Grund für Kinderquälerei? Sind Choleriker berechtigt, Kinder zu misshandeln, weil sie ja so ein überschäumendes Temperament haben?

Ich möchte jetzt nicht um das junge Leben von Mirco trauern, ich möchte mir keine Gedanken über die Motive des absoluten Machtmissbrauchs des Mörders machen: Nein, meine Gedanken und mein wirklich tiefempfundenes Mitleid gehört seinen Kindern. Zwei von ihnen sind in der Pubertät, wohnen in einem kleineren Ort. Könnt ihr euch dieses Spießrutenlaufen für sie vorstellen als Kinder eines Kindesmörders? Wenn man sie nur bespuckt oder verhöhnt, ist das bestimmt noch harmlos. Die Deutschen haben schon immer ein wenig zu Lynchjustiz und Sippenhaft geneigt. Diese Kinder können nichts, aber auch gar nichts für ihren Vater – aber das wird ihnen nicht viel nützen. Ich würde dieser Familie einen Umzug, einen Namenswechsel  und einen Neuanfang an einer ganz weit entfernten Gegend wünschen. Doch wie lange würde es dauern, bis sie irgend ein sensationslüsterner Reporter der fragwürdigsten Zeitungen wieder aufgespürt hat und die Hetzjagd geht von vorn los. – Vielleicht muss man so etwas wirklich nur von der Zeit vergessen machen und nicht so unter die Haut gehen lassen, dass man dann später auch Depressionen bekommt und Suizid begeht.

Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

22 Kommentare zu “Zwei Zeitungsmeldungen

  1. Das ist für die Familie ganz sicher schlimm, aber sie wird bestimmt umziehen und irgendwann wächst Gras über die Sache. Aber die Kinder werden mit dem Wissen weiterleben müssen, dass ihr Vater ein anderes Kind getötet hat. Das wird sie traumatisieren. Aber mich macht auch die Tat selbst nachdenklich. Ich habe schon das Gefühl, dass wir uns immer mehr wie die Ratten unter Stress im zu engen Käfig verhalten. Und wenn sich an unserer Gesellschaft nicht bald etwas ändert, dann werden wir uns irgendwann auf die eine odere andere Weise alle irgendwie umbringen.
    LG – Elke

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    • Danke für diesen Kommentar. Genau so sehe ich das auch – an unserer Arbeitswelt, an unserem Zusammenleben sind so viele Sachen, die schief laufen, so dass das Durchdrehen von Leuten, die besonders schwache Nerven haben, immer mehr auftreten werden. – Sicher wird – zumindest nach außen – irgendwann Gras über die Sache wachsen. Doch wie wird es in den Seelen der Kinder in der Zukunft aussehen? Warum haben wir immer mehr Behandlungsfälle in den psychotherapeutischen Praxen? Weil viele mit irgendwas in ihrem Leben nicht klar kommen, sei es mit ihrer kindlichen Vergangenheit, in der sich etwas ereignet hat, was eine Kinder- /Jugendlichenseele nicht verarbeitet hat.
      Lieben Gruß von Clara

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  2. Sie ist „nur“ Mutter, die jetzt ihr zweites Kind zu Grabe tragen muss. Sie hat lediglich den Nachteil, dass es in allen Zeitunsmeldungen geschrieben steht – natürlich nur noch an weit hinten rangierender Stelle oder in der bunten Presse – aber das macht ihren Schmerz höchstens noch größer.
    Es kommt sicher auf die Stabilität eines menschlichen Charakters an, ob er solche gravierenden Erlebnisse in der Kindheit schadlos übersteht und gut verarbeitet oder ob die Grundlagen für eine dauerhafte Depression gelegt werden.
    Wie du sagst: „Es muss die Hölle sein“ … und beide Familien werden unschuldig in dieses Chaos der Gefühle und Folgen hineingezogen. Könnte ich aus Überzeugung beten, ich würde wirklich beide Familien in mein Gebet einbeziehen.

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  3. Gegenfrage: Wie kann ein eigener Vater seine eigene Tochter über Jahre hinweg sexuell missbrauchen? – Ich glaube, wir ahnen überhaupt nicht, zu welchen Riesenschweinereien die Menschen fähig sind, wovon nur ein Bruchteil an die Oberfläche kommt und damit bestraft werden kann.

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  4. Hm, warum jemand, dem es doch (wahrscheinlich) gut geht, Selbstmord begeht, seltsam. Aber ich will nicht darüber urteilen. Wer weiß, wie es in der Familie zuging.

    Dass jemand ein Kind missbraucht und umbringt, das ist unfassbar. Und ich habe gleich dasselbe wie du gedacht: was ist jtzt mit seinen eigenen Kindern. Deren Leben ist gleich mit zerstört. Die Ehefrau, komisch, dass sie nichts gemerkt hat. Kann sich ein Mensch denn so verstellen, dass man absolut gar nichts merkt? Der Mensch ist schon ein großes Rätsel 😦

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    • Liebe April, zum ausgeglichenen Leben gehört im Falle der Schah-Kinder (die ja jetzt schon lange erwachsen sind) eben mehr als materieller Wohlstand. Der Sohn leidet wohl seit Jahren unter Depressionen.
      Ich denke, der Täter wird schon anders als vor der Tat gewesen sein – doch das kann er auf zig andere Sachen geschoben haben, u.a. seinen Stress in der Firma. Und welche (Ehe-)Frau würde bei einem bisher unauffälligen Mann auf diesen grausamen Zusammenhang kommen? – Diese einmaligen oder erstmaligen absoluten Ausraster gab es wohl ja doch schon öfter, u.a. bei den Amokläufen. Aber auch der Student, der damals den Millionärssohn entführt und getötet hat, hat diese „Verwunderung“ hervorgerufen.
      Wenn Väter ihre eigenen Kinder aus Stress heraus schon fast misshandeln – wie viel niedriger ist dann die Schwelle bei fremden. Wenn so etwas ein absoluter Seltenheitsfall wäre, dürfte es keine misshandelten Babys / Kinder geben, keinen sexuellen Missbrauch durch Vater oder Verwandtschaft, wäre die Sendung von RTL mit der Supernanny überflüssig.
      Es liegt bestimmt mehr im argen, als wir harmlose Bloggerinnen hier ahnen (können / wollen)

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  5. Lucie, ich glaube, ich weiß jetzt, wie der Film mit M. Douglas heißt: „Der ganz normale Wahnsinn!“. Wir können in unseren Nachbarn, Arbeitskollegen und andere nicht hineinsehen, was in ihnen brodelt – auch nicht in den so vertrauten Ehepartner nicht, denn sonst hätten nicht immer ahnungslose Frauen bei den Verhandlungen (natürlich schon zuvor) über die Taten ihrer Männer (Stasi, Terrorismus, Raub oder Mord) gestaunt. – Ich finde es erstaunlich, wie man sie so verstellen kann und mit dieser Schuld weiterleben kann.
    Allerherzlichste Grüße zu dir von Clara

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  6. Du hast recht, Margot, in der Haut der Frau möchte ich jetzt nicht stecken. Da fällt mir gleich ein neuer Post ein.
    Liebe Grüße und ein schönes Rest-WE wünscht Dir Clara

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  7. Bigi, ich wollte mich mit meinem Post nicht zu dem Täter äußer, nicht zu der unsäglichen Grausamkeit der Tat, nicht zu der Fadenscheinigkeit der Begründung – nein, wie du es vollkommen richtig sagst: „Neben der OpferFamilie hat er seine eigene Familie zu MitOpfern gemacht. Und ich mag nicht beurteilen, was schlimmer ist.“ Genau das meine ich. Seine eigenen Kinder könnten irgendwann am Leben verzweifeln und ihm gewaltsam ein Ende setzen, weil sie mit der Vergangenheit nicht klarkommen.
    Bigi, du wolltest doch computerfrei machen an diesem WE, und telefonfrei! Dazu viel Glück!

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  8. jetzt hab ich doch die Wochenendgrüsse vergessen…

    Liebe Clara, hab ein schönes Wochenende!

    Liebe Grüsse ♥

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  9. einfach nur widerlich dieser … mir fehlen echt die Worte.
    Seine Familie durchlebt jetzt die Hölle die Mircos Familie seit September durchlebt… beide unschuldig !
    Und alles „nur“ weil einer „zusammen gefaltet“ wurde und Macht ausüben will?
    Für wie blöd halten die uns eigentlich?
    Der hat sich an dem kleinen Mirco vergriffen und dann ermordet!
    Wenn das kein Kinderschänder ist, wer dann?

    Die Schar-Kinder tot?
    Hab ich nichts von gelesen…

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    • Eine einzige Tatsache hat mich bei der Zeitungsmeldung stutzig gemacht: „Was hat ein Zehnjähriger jetzt im Winter gegen 22.00 Uhr auf der Straße zu suchen. Er hatte ein Handy, er hätte sich von seinen Eltern abholen lassen können. – Aber all das rechtfertigt nicht das, was vorgefallen ist, nur darum ging es mir nicht. In diesen Abgrund von Trauer kann keiner von uns mit hinabsteigen.
      coolPic, den Faktor „Machtausübung“ sollte man wirklich ernst nehmen. Der Mensch unterdrückt andere seinesgleichen offenbar gern – und wenn er feige wie dieser Täter ist, dann vrgreift er sich dafür an wehrlosen Kindern.
      Der Suizid von der (ältesten?) Schah-Tochter liegt schon ca. 4 Jahre zurück, aber der von dem Sohn war wohl jetzt erst Anfang Januar. Es muss für eine Mutter furchtbar sein, wenn sich zwei ihrer vier Kinder das Leben nehmen, weil sie damit nicht zurechtkommen.
      Auch dir ein schönes WE wünscht Clara

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      • jetzt hänge ich mich genau hier rein, denn genau dies, diese Uhrzeit, machte mich auch sehrsehr stuzig. Was hat ein Kind in diesem Alter zu dieser Stunde dazu noch mit dem Fahrrad unterwegs,egal ob Sommer oder Winter allein, draußen zu suchen. Tut mir leid, aber dafür habe ich kein Verständnis. Leider habe ich für alle krankgemachten mordenden, quälenden Menschen noch weniger Verständis. Unvorstellbar, wie man nach so einer Tat noch in sein Fahrzeug steigen kann, in seinem ZUHAUSE ankommt und dann monatelang Friede, Freude, Eierkuchen spielen kann, wobei täglich, ob in der Presse oder TV über eine mögliche Tat berichtet wird. Jetzt machen wir uns Gedanken über des Täters Familie und über die Familie des toten Jungen. Und was ist, wenn dieser Mensch seine Strafe abgesessen hat, dann geht der ganze Zirkus weiter. Polizisten werden rund um die Uhr beschäftigt, um jeden Schritt und Tritt der Familie und des Entlassenen zu beobachten, die Menschen in der Umgebung haben keine ruhige Minute mehr, sie haben Angst und die hätte ich auch! Denn mir kann keiner erzählen, dass so eine tickende Zeitbombe, wieder auf freiem Fuss, plötzlich aufhören kann zu ticken!
        LG und ein wunderschönes WE, liebe Clara

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        • Iris, du hast mit allem Recht. Ic denke langsam, wir würden ohne Medien, ohne Sensationspresse und ohne Horrormeldungen ruhiger leben. Früher ist bestimmt nicht viel weniger passiert, aber es wurde nicht so viel darüber berichtet, in der DDR schon gleich gar nicht – und mir hat nichts gefehlt.
          Ich gucke sehr oft schon keine Nachrichten mehr, weil ich es nicht mehr ertragen kann, die schlechten Nchrichten.
          Drück dich!

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          • Ganz ehrlich, über meine Disco-geh-fahrzeit darf ich gar nicht mehr nachdenken. Da wird mir echt noch nachträglich total übel. Mitten in der Nacht oft sogar ganz allein getrampt, zum Glück immer heil zu Hause angekommen. Bis mir dann mal ein Polizist sagte, du weißt gar nicht, was hier (im Osten) so alles passiert, du würdest nie wieder in ein fremdes Auto einsteigen! Hmmmm, lang ist`s her!
            Und heute ärgert es wirklich um so mehr, wenn zum X.-Mal ein
            Kinderschänder der auch noch zum Mörder wurde, (egal aus welchem Anlaß) krankgeredet und geschrieben wird, ärztlich behandelt, vielleicht geheilt und vielleicht noch als gefährlich eingestuft, irgendwann in die Freiheit entlassen wird ??? Tut mir echt leid, aber da kann doch was nicht stimmen an der 99,9%-igen psychisch-gestört-quote?!
            Gute-Nacht-Drücker an dich zurück liebe Clara!

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            • Iris, ich war ähnlich naiv beim Trampen, habe auch leicht gefährliche Situationen erlebt, kam Gott sei Dank immer mit heiler Haut (und heilem Hymen, sofern es noch heil gewesen ist) davon – vielleicht ist durch die Zeichen der Zeit bedingt tatsächlich die Quote der psychischen Krankheiten zu damals enorm angestiegen.
              Durch die stets und überal gepredigte „Freiheit“ fordern auch alle Perversen Freiheit für ihre abstrusen Gelüste. –
              Ich weiß nicht, wo es enden wird – zum Glück für mich habe ich meinen Lebenszenit schon um einige Jahre überschritten, so dass ich das nicht mehr „ewig“ und „undendlich“ anhören muss, was in unseren Medien berichtet wird.
              Guten-Tag-Drücker für dich!

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  10. 😦 Es ist einfach nur schlimm, mir geht so etwas sehr unter die Haut und ich kann es einfach nicht verstehen “ so wie vieles andere auch “
    Der Frau und den 3 Kindern wünsche ich viel Kraft um das alles durchzustehen!

    Ganz liebe Grüße und ein wunderschönes WE
    Alex

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    • Ich empfinde eben so. Wir werden wohl nie vollkommen in die menschliche Seele und ihre Abgründe blicken können und deswegen immer aufs neue überrascht und enttäuscht werden.
      Der gestrige Film bei Arte war diesbezüglich ein Beispiel. Eine junge Frau wurde bei einer Party durch ko-Tropfen außer Gefecht gesetzt und dann brutal vergewaltigt – und es musste einer aus dem engsten Freundeskreis gewesen sein. Die Suche nach dem Täter, der dann zufällig durch die immer noch auf der Kamera gespeicherten Bilder gefunden wurde, führte zu so viel Misstrauen und VErletzungen – aber sie wollte natürlich Klarheit haben.
      Liebe Grüße an dich und auf jeden Fall bis Montag!
      Clara

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  11. Die Familie ist vorläufig an unbekanntem Ort untergebracht. Ich kann nur für die Kinder und auch für die Mutter hoffen, dass sie gar nicht mehr in das alte Haus zurückkehren und so schnell wie möglich weit weg ziehen. Was den Kindern angetan wurde ist fürchterlich. Sie werden diesen Alptraum vermutlich ihr ganzes Leben lang nicht mehr los.

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    • Weißt du Ute, manchmal hasse ich Pressefreiheit und noch mehr die Paparazzi, die für den Judaslohn von 300 oder 3000 Silberlingen ihre Ehre und ihre Opfer verraten. Wer weiß denn, ob nicht irgend so ein „pfiffiger“ Reporter den Aufenthaltsort aufspürt – denn Spuren hinterlässt jeder irgendwie – und dann geht die Hetze wieder los.
      Wären die Kinder kleiner, könnte sie die Mutter gegen die Informationsflut in der Presse abschirmen – aber nicht mehr diese großen Kinder. – Auch ich wünsche ihnen alles Glück dieser Welt.

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