Claras Allerleiweltsgedanken

Die Geschichte eines Strumpflochs

34 Kommentare

Einen Tag nach dem Winterende – positiv gesagt:  zu Frühlingsbeginn – schreibe ich euch noch eine Wintergeschichte.

(Wundert euch nicht, diese Geschichte schreibe ich absichtlich in der 3. Person, also in der Clara-Form, denn die echte Person, die hinter Clara steckt, wäre nie und nimmer so blöd, diese Aktion auszuführen zu dokumentieren!)

Wie alle wissen, war dieser Winter kalt und schneereich. Das hatte zur Folge, dass Clara, unsere (unrühmliche) Heldin dieser Geschichte, öfters kältere Füße hatte als es ihr gut tat. Mit dem Kauf von wollig-wohlig-warmen Kniestrümpfen – gleich im Dreierpack in braun-beige-Elfenbein-Farben sortiert – wollte sie diesem Zustand abhelfen. Gesagt, getan, gewärmt – die Füße.

Doch nicht allzu lange – zumindest nicht Wärme für alle Teile des Fußes. Wahrscheinlich hatte sie nicht bedacht, dass diese edlen Strümpfe weniger Kunstfasern als sonst, dafür mehr Naturfasern enthalten. Letztere sind jedoch dem Angriff von Claras großem Zeh und dem immer ein wenig keck hervorragenden Zehnnagel schlechter gewachsen als ihre Kunstfaserschwestern. Das nachträgliche Kürzen des Nagels half nichts – die Löcher waren gebohrt – gleich in zwei Paar dieser edlen Strümpfe.

Lange Zeit lagen sie und fristeten ihr Dasein zwischen Schublade oder Mülleimer.

Doch dann erinnerte sich Clara daran, wie ihre Altvordere (und auch sie selbst in längst vergangenen DDR-Zeiten) oft am Abend saß – in der einen Hand den kaputten Strumpf, der über einen hölzernen Stopfpilz (dieses Wort kennt das Wörterbuch gar nicht mehr) gezogen war, in der anderen Hand die Nadel mit dem farblich passenden Stopfgarn – die dazu passende Brille auf der Nase. Nach kurzer Zeit war der Stopfsockenberg der Kinder, des Mannes und der eigene abgearbeitet und alle Zehen blieben wieder für einige Zeit brav im Strümpfchen.

„Warum sollte das heute nicht auch möglich sein?“ – schoss es ihr plötzlich und unerwartet durch den Kopf.

Und damit fing das Malheur an. Stopfpilz – wo ist dieses halbrunde, hölzerne Teil nur abgeblieben? „Habe ich das nicht schon vor langer Zeit entsorgt,“ – denkt sie, „weil ich nie eine fanatische (Strümpfe-)Stopferin war?“ Die Suche wurde nach 2 Minuten ohne Ergebnis abgebrochen. Doch: „Dumm kann man sein, oder vergesslich, aber frau muss sich zu helfen wissen!“ Ein gläsernes Milchkännchen mit kugelrundem Bauch sollte den fehlende Stopfpilz ersetzen. – Jetzt wurden die Hausfrauen-Vorratsbehälter nach passendem Stopfgarn durchsucht. Die benötigten Farben waren entweder auch entsorgt oder bei Mama im Heim deponiert – also blieb nur die Wahl einer abweichenden oder einer Lieblingsfarbe, um das „Kunstwerk“ entsprechend farblich hervorzuheben. – „Das ist moderne Clarakunst, die hier entstehen wird“, denkt sie mit einem breiten Grinsen im Gesicht.- Wundert es jemanden, dass ihre Wahl auf ein zartes Lila fiel?

Als dann auch noch eine Nadel gefunden war, stärker noch, das Loch der Nadel mit dem Faden gefüllt war, konnte es losgehen.

Damit ihr alle nicht denkt, Clara oder ich erzählen euch Hausfrauenmärchen, bringe ich hier zum Beweis das corpus delicti. Ich verspreche euch, ich nehme weder Grinsen noch Lachen übel – komme aber auch nicht gegen Geld und gute Worte eure Strümpfe mit Kunstwerken verzieren.

Das soll eine einmalige Aktion bleiben.




Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

34 Kommentare zu “Die Geschichte eines Strumpflochs

  1. Die Absicht war gut, das Ergebnis, nun ja………., ich konnte es mal besser, will aber nicht sagen, dass ich es heute noch genauso gut hinbekommen würde, finde nur, es ist noch etwas weitmaschig, da kommt der grosse Onkel bald wieder zum Vorschein.

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    • Du hast natürlich vollkommen Recht, liebe Gerti – und die ganze Aktion ist nichts weiter als ein Joke – und beim nächsten Durchbruch des großen Zehs kommen sie unweigerlich in den Abfall – da waren sie eben nicht Clara-tauglich.

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  2. Liebe Clara,
    jetzt fiel mir doch gleich wieder ein, wie ich meine Freundin anno dunnemals immer bestochen habe, dass sie mir meine teuren Strumpfhosen wieder „zurechthäkelt“. Mit einer winzigen Häkelnadel und einer Arschruhe ging sie zu Werke. Mir war so etwas nicht vergönnt, weil ich viel zu „fitzig“ und zappelig war. Überhaupt war ich damals nicht gerade sehr geschickt, was solche Arbeiten anbelangte. Was hat meine mutter da ständig gewettert.

    Herzliche Grüße an dich aus dem Spinnstübchen

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    • Gudrun, nie und nimmer hätte ich solche „Häkeleien“ selbst vollbracht. Es war so eine besondere Nadel, die eine bewegliche Klappe dran hatte.
      Ich kann nicht sagen, dass ich diese Zeit mit Strumpfhosenknappheit sonderlich vermisse.
      Was für ein schöner Gruß: „… aus dem Spinnstübchen“. Ich kenne ja nur deine Zeichnungen und die letzteren Beiträge – du hast nicht wirklich was mit Schafen und spinnen und Wolle zu tun? Den du willst doch nach Leipzig ziehen – betreibst du „Innenstadt-Schafzucht?“

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  3. *schelmischgrins* Ach… das sieht doch gar nicht so übel aus. 😉

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    • Du Schelm – wäre es nicht von einem dicken, blickdichten Schuh verhüllt – dieses „Kunstwerk“ würde nie und nimmer das Licht des Tages erblicken.
      Martina, auch eine Vorsitzende muss aufrichtig sein!!!!! *grins von einem Ohr zum anderen!*

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      • 😀 Liebe Martina,
        um nun ganz und gar aufrichtig zu sein, muss ich mein S-Tierchen dieses Mal zum allerersten Mal wohl wirklich zu spät „abgeben“. Mein WordPress-Account schreit immer wieder „Ooops!“ und das macht mich schon seit einiger Zeit verrückt. Dabei hätte ich So ein Süßes S-Tierchen für dich… 😦 Ich reiche morgen nach und verschwinde nun in mein warmes Bettchen. 🙂 Alles Liebe, deine Martina

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        • ok… jetzt merke ich einfach, dass ich wirklich hinüber bin… ich schreibe an mich selbst… clara… ich bin total kaputt und ich gehe jetzt wirklich in’s Bett. Es ist an der Zeit. (bevorichnochganzverrücktwerde)

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        • Das ist vollkommen ok, liebe Martina – auch ich kann kaum richtig etwas aufrufen, nicht die Kommentarseite und ich kann auch deinen Kommentar nicht verändern und aus der Selbstanrede eine Clara-Anrede machen.
          Wenn sich die Situation nicht bessert mit WP, kann ich überhaupt nicht richtig morgen arbeiten. – Auch nicht so schlimm.

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  4. Waaaaaaaaaaaaaaaas? Du hast dich auch früher schon geweigert? – Und da hat dich dein Mann geehelicht? Das ist doch sehr verwunderlich, hmhmhmhm! Ich sehe, mein Stopfloch kann doch echt mit meinem Schlagloch konkurrieren:
    https://chh150845.wordpress.com/2010/03/25/noch-kein-ostergeschenk/
    Diese Geschichte über Schlaglöcher habe ich vor fast genau einem Jahr gechrieben.

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  5. Übung macht den Meister, liebe Clara. Hin und wieder stopfe ich auch. Und anstelle des Stopfpilzes oder -Ei’s dient dann schon mal ein hölzernes „Schoppedeckelche“. So verkehrt finde ich das gar nicht, wenn man sich auf einige alte Tugenden besinnt.
    Lieben Gruß
    Elke

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    • Ach Elke, ich hatte eigentlich für mich beschlossen, nicht für die Strumpfstopfmeisterschaften zu trainieren. – Nun überlegt Frau Preußendeutsch, was denn bitte schön ein hölzernes Schoppedeckelche ist. Ein Untersetzer?
      Auch ich bin dafür, die alten Tugenden nicht ganz zu vergessen.

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  6. Weg ist mein Kommentaranfang, weil ich die falsche Taste gedrückt hatte.
    Wenn ich die aus ganz feiner Babywolle gestrickte Hose von dir auch als Schlafanzug tragen dürfte, wäre ich verhandlungsbereit *grins*

    Die Stelle, wo die Laufmaschen aufgefangen und angehalten wurden auf den teuren Weststrumpfhosen, sah man aber leider immer so genau. Erinnerungen, wie sie sich Leute aus dem 17-Millionen-Volk untereinander wie einen Spielball zuwerfen können.

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    • Bei uns hieß das „repassieren“

      Ich ließ das aber nie machen, war zu teuer.

      Wir behalfen uns mit Nagellack, dann lief die Masche nicht weiter …

      Wow, da kommen wieder mal Erinnerungen …

      Ah ja, meine Oma stopfte bis in ihre 70er für eine Bäckerei die Mehlsäcke …

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      • Sie lief zwar nicht weiter, aber sie war deswegen trotzdem deutlichst zu sehen.
        da es bei uns keine Strumpfhosen zu kaufen gab, war die billige Arbeitskraft die bessere Lösung. Viele Frauen konnten das auch selbst.

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  7. So, Clara, das hast Du jetzt davon, jetzt hast Du’s geschafft!
    Hier zeig ich Dir meins:
    http://felicitylebensspirale.wordpress.com/?p=1829
    Zeigst Du mir Deins?

    Bitte zeigt mir alle Eures! 😉

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  8. Ach Vivi, der Post war schon ein wenig „fishing for compliments“ – aber ganz im Ernst, eine gute „Stopfstelle“ sähe besser aus, aber darum ging es mir nicht. Auch hier stand (wie oft) im Vordergrund: ich wollte euch zum Lächeln bringen! – Aber ich finde es sehr gut, dass nicht immer alles wegen eines kleinen Lochs gleich weggeworfen wird – vernünftiger Umgang mir Ressourcen, das wollen wir doch immer alle. Du machst es!

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  9. Dein vorletzter Satz hat die Kommentarfunktion hier plötzlich und abrupt abbrechen lassen – denn von da an war ich nur noch mit „Geldbeschaffung für Japan“ beschäftigt.
    Lustig fand ich deine Bemerkung: „Versuch macht … warme Zehen!“ Du hast wirklich ins Schwarze getroffen mit lila Farbe!

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  10. Elke, der „Veröffentlichungsgedanke“ kam mir erst im Laufe der Zeit. Hätte ich ihn von Anfang an gehabt, hätte ich formvollendeter gestopft, wirklich wie ein echter Avantgardist, Expressionist oder Impressionist oder alles zusammen.
    Als Kind haben Oma und Mutter diese „künstlerische“ Tätigkeit ausgeübt, ich praktizierte es erst als Familienmensch.
    Lieben Gruß an dich von Clara

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  11. Sehr kunstvoll hast du gestopft, liebe Clara. Farblich unbedingt passend.
    Ich glaube, mit diesem Artikel hast du uns alle daran erinnert, dass wir mal stopfen konnten 🙂 Auch ich habe gerade mein Stopfei gefunden. Mal sehen, vielleicht versuche ich es auch mal wieder.

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    • Finde ich das süß, dass ihr jetzt alle nach euren (Stopf-)Eiern sucht – es ist doch noch gar nicht Ostern. – Stimmt, ein Ei kenne ich für diesen Zweck auch, aber ich hatte nur Pilze.

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  12. DAS ist aber nun wirklich ein Kunstwerk, hihi. Gewebtes Lila in gewirktem Grau. Sehr hübsch! Moment, ich guck mal gerade was … Jaha, gefunden; ich habe noch einen Stopfpilz, obwohl ich nicht weiß, wann ich ihn das letzte Mal benutzt habe. Und meine Mutter hat ein dickes grünes Stopfei.

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    • Lieb(st)e April, machte (Konjunktiv) ich Strümpfe stopfen jetzt zu meiner Lebensaufgabe, bäte (Konjunktiv) ich dich händeringend um deinen Stopfpilz oder -ei *grins*
      Eine leichte Farbkorrektur. Es muss heißen: „Gewebtes Lila in gewirktem hellbraun oder beige“.

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  13. Marianne, mein letzter gestopfter Strumpf liegt bestimmt Jahrzehnte zurück – aber die waren mir einfach zu schade und es trug sich so unangenehm mit Loch – nicht wegen der Hausfrauenehre!

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  14. grins,
    du kannst es ja tatsächlich noch .
    Das deine neue Lieblingsfarbe kunstvoll verwendet wurde,
    wundert mich kein bisschen…
    Beige ist ja zum Glück eine neutrale Farbe,
    wobei dein „Flieder“ sich ja mindestens so anpassungsfähig verhält.

    Wenn du jetzt noch den zweiten Strumpf an ähnlicher Stelle so stopfst, meint sogar der Strumpffachmann, das muss so 😉

    Herzliche Grüsse und eine gute Nacht ♥

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    • Wissen Sie, junge Frau, versch… kann ich mich allein von wegen „meint sogar der Strumpffachmann, das muss so sein“.
      Das soll eine einmalige Aktion bleiben, eben so eine „Kunstaktion“ wie sie uns viele Künstler immer mal so vorgemacht haben. – Lila, der letzte Versuch, die Clara-Trend-Farbe (es gäbe schlimmeres).
      Der zweite Strumpf ist lochlos, da ich immer den gleichen Strumpf auf den gleichen Fuß ziehe und nur ein Zeh bohrt.

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  15. clara, eindeutig, du kannst es noch 😉
    das zarte lila paßt super – fast ton-in-ton (oder sind die farben verfälscht)

    hihi, was hab ich gern strümpfe gestopft! das glaubte mir keiner, daß ich das gern tat!
    ich glaub, ich liebte es, das loch „schön“ zu verschließen!

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    • Gelernt ist gelernt – vielleicht ist das wie Fahrradfahren, das verlernt man ja angeblich auch nicht. Die Farben sind nicht verfälscht – es ist ein farbgetreues (Kunst-)werk. – Ist „gern Strümpfe zu stopfen“ eine von den Kassen anerkannte Krankheit? Wenn ja, dann weiß ich genau, dass ich die noch nieeeeeeeeeeeeeeee hatte!

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