Claras Allerleiweltsgedanken

Clara kann auch lesen!

17 Kommentare

out of topic:

wer-mit-den-narren-spielt – ein Beitrag in meinem Fotoblog, wollte ich hier zumindest den Link setzen, zumal es dieser Artikel geschafft hat, für kurze Zeit in den Rankinglisten von WP zu sein – den Grund kann ich euch nicht sagen.

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… schreiben ja sowieso, und jetzt bekommt nicht gleich einen Schreck: Clara versucht sich an ihrer ersten Buchrezension.
Das Buch heißt

„Unter deutschen Betten“ von Justyna Polanska

Solche Rezensionen werden ja üblicherweise bei Amazon oder einem anderen Verkaufsunternehmen abgegeben, doch ich leiste mir diesen Luxus mal ganz allein für mich, für euch, in meinem Blog, für euch zum Lesen. – Ich hatte zu meinem Geburtstag 100,00 Eus als Gutscheine (Hugendubel) bekommen. Eines Tages begab ich mich in die Buchhandlung, um einiges von diesem Geld gegen Gedrucktes in Buchform zu tauschen. Es kamen ins Körbchen

  • ein Buch über Windows 7
  • ein Buch über Word 2010
  • ein Video mit Richard Gere – (mein Schwärmen für ihn kann man nur mit der Albernheit eines Teenagers vergleichen)
  • „Vergebung“ von Stieg Larsson (weil ich den Film nicht in allen Teilen sehen und akustisch so oft nicht verstehen konnte
  • und eben das oben bezeichnete Buch – was mit 200 g Gewicht eben so viel kostet wie der dicke Vergebungsroman, der bringt immerhin 500 g auf die Waage.

Also beschloss ich – nach einer Leseprobe: Das Buch muss gut sein. Der Untertitel lautet: „Eine polnische Putzfrau packt aus„. – Für Polen hatte ich – im Gegensatz zu vielen Deutschen – schon immer viele Sympathien – das liegt u.a. daran, dass ich als Kind oft dort war, meine deutschstämmigen Verwandten lange in Katowice lebten,  deren Kinder sich mit „echten“ Polen verheirateten, ich 4 Jahre in der Schule Polnischunterricht hatte und ich noch nie, ich betone, noch nie schlechte Erlebnisse in und mit Polen hatte – sondern immer nur unendlich viel Gastfreundschaft erleben durfte. – Ich bin eh kein Mensch, der irgendwelche Ausländerressentiments hat, wenn ich nicht gerade durch ihr Verhalten Nacht für Nacht durch überlauten Lärm vom Schlafen abgehalten werde.

Das Buch ist mit Charme, Witz, Ironie und Wärme geschrieben. Es gibt so viele Stellen, wo ich sage: „Gut beobachtet, das kann ich mir gut vorstellen.“ Aber es gibt auch genau so viele Stellen, wo ich mich schäme, dass deutsche „Arbeitgeber“ sich immer noch aufführen, als wären sie direkte Abkommen der im 3. Reich so gefürchteten Herrenmenschen. Sie beschäftigen schwarz für relativ wenig Geld eine billige Arbeitskraft aus Polen und sind dann oft noch der irrigen Meinung, dass es auch eine „willige“ sein müsste, die sich blöde Anmache oder verächtliche Sprüche gefallen lassen oder anhören  muss. Das Schimpfnamenrepertoire reicht von „Polacken*sau“ über „Ostblock*nutte“ bis hin zu „Wodka*fresse“. (Jetzt kann ich nur inständigst hoffen, dass ich nicht mit diesen widerwärtigen Begriffen gesucht werde, deswegen habe ich die Sternchen gesetzt.) Sie meint ganz richtig, dass man Ausländerfeindlichkeit in Deutschland(s beiden Teilen) eben nur als AusländerIn spüren kann.

Bei den Zeilen des Prologs kamen mir fast die Tränen, als sie beschrieb, wie sie einen lieben alten Herrn, der sich immer sehr auf ihren Besuch freute und sie immer danach zu Kaffee und Kuchen einlud, tot in seinem Bett vorfand. Der Geruch, der ihr beim Öffnen der Wohnungstür entgegen schlug, hatte sie ähnliches vermuten lassen.

Sie beschreibt, wie viele Studentinnen oder sogar schon Studierte sich in Deutschland ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, weil sie von umgerechnet 350,00 Eus nicht leben können.  Für einen Stundenlohnvon 10,00 €us  gehen Hartz-IV-EmpfängerInnen auch gern schwarz arbeiten – aber andere nicht.

In über 40 Kurzgeschichten trifft sie zielsicher die Stimmungen, die sie in deutschen Wohnzimmern, Küchen und Bädern vorfindet. Die vielen Versuche, sie verblümt oder unverblümt ins Schlafzimmer und ins Bett zu bekommen, sollten doch am besten die beteiligten Ehemänner beschreiben, die die Abwesenheit ihrer Gattin mal kurz für einen Ab- oder Umweg nutzen wollten. Dabei wird mit Lügen und Intrigen gearbeitet, denn Frauen wollen doch nichts anderes als genommen, betrogen und belogen werden. – Sieht das jemand anders?

Sie schreibt auch, dass der Begriff „Putzfrau“ von vielen negativ bewertet und „ausgesprochen“ wird – vielleicht hatte sich deswegen die DDR die Berufsbezeichnung „Raumpflegerin“ einfallen lassen.

Ich werde irgendwann noch einmal auf das Buch zu sprechen bekommen. Versteht mich bitte nicht falsch – ich würde es als ein Buch einschätzen, dass man lesen kann, wenn man es sich aus der Bibliothek ausgeliehen hat. – Kaufen würde ich es nur dann, wenn ich z.B. ihre wirklich guten Hausfrauenkniffe – u.a. zur Fleckentfernung – schwarz auf weiß im Regal zu stehen haben möchte.

 

Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Hausfrauentipps und -tricks als auch Koch- und Backrezepte müsst ihr wo anders suchen.

17 Kommentare zu “Clara kann auch lesen!

  1. Du nun wieder: „Bodenkosmetikerin“ – ich glaube, der Fußboden hat ihr in den meisten Wohnungen den wenigsten Ärger gemacht.
    Jetzt noch einen ganz lieben Gruß als Gutenachtgruß von
    Clara

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  2. Hallo Clärchen, bin man kurz da und will auch dir einen Gruß rüberwerfen. Fang auf!

    Ich habe eine Reportage zu der auspackenden Putzfrau gesehen und muss sagen, dass war schon harter Tobak, den sie da von sich gegeben hat. Allerdings ist alles belegt – und beweisbar von ihr und von daher absolut glaubwürdig. Ich glaube, dass Buch werde ich mir zulegen – allerdings nur ausleihen. Bei mir ist der Sparfuchs zu Hause und ich kann nicht mehr überall zuschlagen. Und außerdem brauche ich noch neue Schuhe. Ob die mir die Putzfrau dann wienern kommt?

    Danke für deine Mail. Ich glaube, dass ich besser mal durchrufen werde. Bis dahin, halt dich wacker und hier die Stellung. Gruß von der Synapse.

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    • Da ich mal gut im Volleyball, Tischtennis und Tennis war, habe ich recht gute Reflexe und habe deinen Gruß freudig gefangen.
      Gemachte Äußerungen sind ja schlecht beweisbar – oder hat sie mit verdecktem Mikrofon gearbeitet?
      Ich habe ihr vom Gefühl her geglaubt, da es nicht reißerisch oder verläumderisch rüber kam.
      Ab heute Nachmittag bis zum Donnerstag habe ich jeden Nachmittag Kinderdienst, da bin ich erst gen 22.30 Uhr zu Haus, falls du durchrufen willst.
      Das „halt dich wacker“ gilt ja wohl mehr für dich als für mich, für mich gilt mehr: „Ist der Ruf erst ruiniert, leb‘ ich gänzlich ungeniert!“
      Und tschüss sagt Clara

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  3. Lucie, das kann für Besuch (bei Langeweileattacken) zur Verfügung gestellt werden, du musst es dir also nicht kaufen. – Ich bin jetzt schon richtig toll augeschlafen, *grins*, war aber auch relativ zeitig (2.00 Uhr) schon im Bett!

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  4. Besser wäre es, wenn es mit diesem Titel ein Krimi wäre – der Liebhaber unterm Bett (Klischee) muss dort miterleben, wie seine Geliebte mit ihrem Mann … und jetzt schweigt Claras Pietät, denn du sollst es dir von mir direkt erzählen lassen!!

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  5. Kein absolutes Muss-Buch – aber ein interessantes „Kann-Buch!
    Einen Tag Sommerzeit geschafft!
    Ich mag diese Umstellungen nicht – entweder das eine oder das andere.
    LG von Clara

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  6. Ein Buch, welches auch mich ansprechen würde, da ich 1. viel und gerne lese und da die Polen eigentlich schon immer als, sagen wir mal so, minderwertig betrachtet wurden. Das war natürlich im ehemaligen „1000jährigen Reich“ besonders ausgeprägt.
    Sie waren ja auch sehr im Wege, da sie Deutschland durch den polnischen Korridor trennten, zu Ostpreussen.
    Leider war unsere Schulbildung zu den Zeiten etwas unterbemittelt, was diese Themen betraf, trotzdem habe ich so im Laufe der Jahre doch noch mal etwas dazu gelernt.
    Ausserdem wohnte ich ja nicht in Berlin, wo man bestimmt mehr mitbekommen hat.
    Nein, ich wohnte in einer ländlichen Umgebung, bis es mich dann Ende 1949 wieder in die niedersächsische Hauptstadt verschlug, 11 Jahre war ich damals alt, ein Landei,
    in einer zerbomten Stadt.
    Bei uns auf dem Land waren viele polnische Arbeiter, während des Krieges zwangsverpflichtet, als Kind dachte ich natürlich das sind Verbrecher, hörte ich doch nur, “ pass auf, die sind gefährlich“.
    So etwas prägt sich ein.
    Aber inzwischen habe ich natürlich viel gelesen, man sagt ja immer lesen bildet, aber das brauchte mir niemand zu sagen, denn lesen war schon als Kind meine Leidenschaft, hatte damals nur ein zerfleddertes Buch meines Bruders „Grimms Märchen“, der war 8 Jahre älter und hatte noch etwas den Genuss eines neuen Buches erlebt.
    Ich kam erst im Alter von 10 Jahren in diesen Genuss, den Titel weiss ich heute noch, „Ferien im Försterhaus“, ich habe es verschlungen. Es war ein abwaschbares „Schneiderbuch“. Und….. oh Wunder, ich bekam es von meiner Mutter.
    Liebe Clara, vielleicht findest Du, dass, das alles nicht zum Thema passt, aber für mich schon, denn durch Lesen hat sich in vielen Dingen zu Polen geändert, sie sind für jedenfalls keine minderwertige Menschen, sondern, genau so wie Du und Ich.
    Alles klar ?
    Liebe Sonntagsgrüsse
    Gerti

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    • Ja. liebe Gerti – alles klar und danke für deinen ausführlichen Kommentar. Es gibt ja kaum noch Antworten in meinem Blog von Leuten, die älter sind als ich.
      Ich beneide dich nicht darum, den Krieg in all seinen Abscheulichkeiten als Kind mitbekommen zu haben. Ich bin genau 3 Monate nach Kriegsende auf die Welt gekommen. Und wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann soll mein Leben auch kriegsfrei bleiben, bis zum letzten Atemzug.
      Einen lieben Sonntagabendgruß schickt dir Clara

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  7. Schmunzelnd gebe ich zu, daß ich die meisten Bücher sowieso erst aus der Bibliothek ausleihe und lese, ehe ich sie mir kaufe.

    Dnke für Deine Rezension

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    • Hallo, ein „Gott-zum-Gruß“ zum heiligen Sonntagabend auf diesem Blog! Das habe ich ja noch nie gemacht: erst ein Buch von der Bibliothek ausleihen, lesen und dann dennoch kaufen. Ein ungewöhnlicher Weg! Aber warum nicht, wenn es wirklich so außergewöhnlich gut ist!
      Gern geschehen die Rezension – eigentlich sollte sie hauptsächlich für die Verfasserin sein – eine kleine Abgeltung für viele Ungerechtigkeiten, die ihr im Laufe ihres Lebens widerfahren sind.

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  8. Von dem Buch habe ich auch schon gehört. Durch deine Vorstellung weiß ich jetzt Näheres darüber. Es ist bestimmt lesenswert.

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  9. Liebe Clara, auch ich habe „östliche Vorfahren“, danke für diesen Beitrag

    Lieben Wochenendgruß … Eva

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    • Eva – so östlich-polnisch sind ja meine Vorfahren gar nicht, denn zu dieser Zeit, als meine Eltern dort lebten, war es das deutsche Oberschlesien mit Städten wie Kattowitz, Beuthen, Hindenburg, Königshütte, Breslau (nicht Oberschl.), Gleiwitz und wie sie alle damals heißen, die heute Katowice, Bytom, Zabrze, Chorzów, Wroclaw, Gliwice heißen.
      Der Krieg hat viele Menschen entwurzelt und ihnen eine teilweise ungewollte Heimat gegeben.
      Wroclaw, Gliwice

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  10. Ich habe auch schon von diesem Buch gehört/gelesen … und ich finde es toll, dass du es hier so ausführlich vorstellst. Für gute Lesetipps bin ich immer zu haben.

    Ansonsten: was für eine garstige Welt! Aber es überrascht mich nicht wirklich.

    Dir einen schönen Sonntag, liebe Clara

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    • Es ist keine hochwertige Literatur – es ist das Leben beschrieben, wie es (leider oder manchmal zum Glück) leibt und lebt.
      Sie beschreibt sehr gut, wie sich eine Frau aus dem sehr konservativen, stark katholisch geprägten Polen zum Teil an die sehr lockeren deutschen Sitten gewöhnen musste – aber eben nur bis zu einem bestimmten Grad, sie blieb sich selber treu.
      Der Sonntag war traumhaft, denn ich bekam unerwarteten Besuch. Denke für die guten Wünsche, die gingen also prompt in Erfüllung.

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