Claras Allerleiweltsgedanken

Bepfandet?

27 Kommentare

Von einem treuen Leser bekam ich dieses wunderbare Foto zugeschickt, dass mich sprachlich und inhaltlich zum Lächeln und Grübeln brachte.

Natürlich habe ich mich über das Wort „bepfandet“ amüsiert – ist es eine gegendtypische Wortwahl oder hat hier der Wirt / die Wirtin des Hauses ihrer Sprachkreativität seinen/ihren Lauf gelassen?

Und jetzt mal wieder die typische Clara-Provokation: Sind wir Menschen eigentlich auch „bepfandet“ oder nicht? Was bekommen unsere Hinterbliebenen „zurück“, wenn sie uns „zurück“ geben an den „Ort“, von dem wir kommen?

Gute Erinnerungen? Verlustschmerz? Liebevolle Gedanken? Erleichterung? Ein „Endlich-Gefühl“?

Meine Theorie:

  1. Vermissen dich drei Leute wirklich ernsthaft und denken mit besten Gefühlen an dich, dann hast du gut gelebt
  2. Vermissen dich dreißig Leute wirklich ernsthaft und denken mit besten Gefühlen an dich, dann warst du ausgesprochen beliebt
  3. Vermissen dich dreihundert Leute wirklich ernsthaft und denken mit besten Gefühlen an dich, dann hast du im Leben vieles richtig gemacht, es vielleicht nur nicht immer bemerkt – oder du warst Leiter eines großen Sozialprojektes in Afrika, was den Menschen sehr geholfen hat
  4. Vermissen dich dreitausend Leute wirklich ernsthaft und denken mit besten Gefühlen an dich, dann bist du eventuell so tragisch umgekommen wie J.F.K. oder du hast gelebt wie Mahatma Gandhi, Nelson Mandela und Mutter Theresa in einer Person

Ich will den Spieß jetzt aber auch mal umdrehen, denn manche Menschen werden nach ihrem Tod nur von ganz wenigen vermisst – der größere Teil der Menschheit ist jedoch froh, dass Schluss ist.

  • Freuen sich drei Leute über dein Ableben, dann könntest du zu viel Geld zu Lebzeiten auf deinem Konto angehäuft haben, ohne deinen (bedürftigen) Nachfahren zeitig genug etwas abgegeben zu haben
  • Freuen sich dreißig Leute über dein Ableben, dann könntest du einmal im Leben richtig Sch… Mist gebaut haben mit schwerwiegenden Folgen – und das wird dir bis an dein Grab nachgetragen
  • Freuen sich dreihundert Leute und mehr über dein (politisches) Ableben, dann muss dieses Sterben nicht unbedingt physischer Art sein – es reicht einfach, wenn du ein/e unbeliebte/r Politiker/in gewesen bist
  • Freuen sich dreitausend Leute und noch viel mehr über dein Ableben, dann könntest du Diktator in verschiedensten Epochen gewesen sein oder Adolf persönlich geheißen haben

Und hier im Fotoblog seht ihr eine, der es wahnsinnig Leid täte, wenn ich plötzlich nicht mehr Dummfug mit ihr machen würde.

Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Hausfrauentipps und -tricks als auch Koch- und Backrezepte müsst ihr wo anders suchen.

27 Kommentare zu “Bepfandet?

  1. so ein tolles Wort wie UNKAPUTTBAR..
    LG vom katerchen

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    • Wie wahnsinnig schade *grins*, dass es mir nicht eingefallen ist. Nur dieses hier gibt es offensichtlich wirklich, deines haben ja wohl Jugendliche erfunden.
      LG von Clara

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  2. Die Assoziation „verpfandet“ und die Gedanken von Hinterbliebenen ist schon sehr interessant, Clarita! Amüsant ist Deine Aufrechnung allemal – ich habe bis heute nie über dieses Thema nachgedacht.

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  3. Lucie, vielleicht sollte man für die Nachkommen, Nachfahren oder sonstigen Betroffenen immer jahreszeitgemäß etwas unter das Kopfkissen legen – zu dem einen Pflichteuro dazu (siehe Kommentar an Ute) – momentan Ostereier, oder Pfingstöchslein, Weihnachtsengelein oder ähnliches. Aber nicht auf dem Kopfkissen schlafen, das saut rum und gibt Schokoladeflecken!

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  4. Freut mich wirklich, Moni, dass es dir auch so einen Spaß macht, die Wörter der deutschen Sprache mal ein wenig auf ungewöhnliche Weise zu verwenden.
    Lieben Gruß von Clara

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  5. Bärbel, jetzt hoffst du wohl auf Widerspruch, der dir genehm (mit den drei Leuten meine ich)
    Aber wie mir glaubhaft versichert wird, ist es ja gar keine Neuschöpfung, schon gleich gar nicht die meinige. – Ich habe das zugeschickte Foto nur „ausgeschlachtet“ und verarbeitet.

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  6. Gesa, das Problem löst sich doch einfach damit, dass der Wert so tophässliches Geschirr und Besteck verwendet, was keiner zu Haus in seiner Küche haben will. – Das Foto stammt ja aus südlichen Gefilden – vielleicht sind dort die Leute so kreuzkatholisch und ehrlich bis auf die Haut, dass er sich um die Rückgabe keine Gedanken machen muss. – Insgesamt verstehe ich das Foto nicht richtig. Sind die Essenspreise so wahnsinnig hoch, dass alle hoffen, bei Geschirrrückgabe noch Geld zurück zu bekommen? – Ansonsten merke ich doch, ob ich Pfand bezahlt habe oder nicht. – Bei Pfand wird wenigstens der Tisch von den Gästen abgeräumt und die Nachfolger können sich schneller an einen leeren Tisch setzen.

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  7. „Rechtlich kann der Begriff „bepfanden“ oder „Pfandflasche“ verwirren, da es kein Pfandrecht an der Flasche begründet, sondern es wird nur ein Rückgaberecht gegen Vergütung des als Pfand gezahlten Betrages eingeräumt, was der Bundesgerichtshof als „leiheähnliche Gebrauchsüberlassung bezeichnet.“ (Quelle: Wiki*pedia)
    Aha, so ist das also. Jetzt weiss ich das.
    LG von Rosie

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  8. Solche Worterfindungen finde ich immer sehr anregend, denn wenn ich mal so etwas finde, habe ich den ganzen Tag was zu lachen.
    Deine Gedanken zum „menschlichen Pfand“ find ich herrlich, und tatsächlich versucht man, sich selber einzuordnen. Bloß gut, dass ich das „Danach“ nicht mehr erlebe. 😀
    Ich gebe mir aber trotzdem Mühe, nicht ganz schlecht zu sein.
    (Übrigens lese ich gerade eine Abhandlung über Massenpsychose. Das kann einen schon Angst machen.)

    Liebe Grüße an dich

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    • Gudrun, dieses Wort habe ja nicht ich erfunden – aber vielleicht gelingt mir das auch mal. Ich habe nur was für die ge-funden, was ich dir soeben per Mail geschickt habe.
      Leute mit Nahtoderlebnissen berichten doch aber, dass man zum Teil noch kurz nach dem klinischen Tod alles mitbekommt. –
      Massenpsychose muss ja wohl im dritten Reich hervorragend funktioniert haben – und auch heute würde es klappen, wenn es gut gemacht ist.
      Grüße aus Berlins Süden an dich von Clara

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  9. Gut geschrieben, liebe Clara.
    Bei mir würden wahrscheinlich 3 Leute weinen, weil sie mich vermissen, aber auch weil nichts zum Erben da ist. Das geht manchmal Hand in Hand 🙂

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    • Vielleicht trauern bei mir auch welche – wäre ja schön. Ich will ja nicht boshaft sein, aber je jünger man abtritt, desto mehr Leute trauern – es werden im Laufe der Jahre immer weniger, da sich einfach das Umfeld auf natürliche Weise ausdünnt.
      Und die, die trauern, wollen dann unterm Kopfkissen vielleicht 2,50 € vorfinden – und wenn dann dort nur 1,00 € liegt, schlägt die Trauer vielleicht in Enttäuschung oder anderes um.
      Schade, dass ich das dann nicht mehr von oben oder unten beobachten kann.

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      • Wer weiß, vielleicht können wir dann doch noch beobachten 🙂 Es ist noch keiner zurückgekommen und hat darüber erzählt.

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        • Ute, es gibt doch genügend glaubhafte Berichte über sogenannte Nahtod-Erlebnisse – Leute, die klinisch tot waren und durch Elektroschock und Beatmung wieder reanimiert wurden. – Man kann nur nicht mehr zurück, wenn man schon zu weit den Weg ins HimmelHöllenParadies zurückgelegt hat.

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  10. Ich meine, wer bei dir schön länger liest, erkennt die gut versteckte Ironie und Satire in diesem Post.
    Clara, sei dir sicher, für mich würdest du nix zurück bekommen. Man würde wohl eher noch singen: „Wolln mer ner fru sei, dass mer se lus sei“ – ohne Pfandsiegel oder Deckel….

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    • Da muss ich dir mit gleicher Münze zurückzahlen: Das stimmt nie und nimmer, dass die Nachfahren diesen Text singen. – Wenn du es „geschickt“ eingefädelt hast, dann singen sie auf deiner Bestattungsfeier – aber nicht aus Freude dass du weg bist, sondern aus Erinnerung, weil du so eine „Ulknudel“ gewesen bist und aus Freude darüber, dass sie so lange mit dir zusammen sein durften.
      Schreibst du jetzt mit oder ohne „Verhüterli“? – Wie alle dir rieten, übertreib’s nicht, sonst hast du viel länger Beschwerden. – Hör auf „Mama“!

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      • Ach Clara, mal tief aufzeufz. Erst vorgestern habe ich einen Test gemacht, wie lange ich angeblich noch leben würde. Irgendwo bei Bonafila war der. Und weißt du, was dabei untern Strich raus kam? Ich werde angeblich meine Rente nicht mehr erleben. Und irgendwo habe ich jetzt gelesen, dass, je jünger man ist, mehr Leute um einen heulen. Na dann ihr Bloggerwesen – die nächste deutsche Flutwelle kommt. Aus Sachsen. Und bevor jetzt wieder alle aufschreien, weil ich so was schreibe – es ist Sarkassmus und Ironie pur, denn ich denke gar nicht daran, den Löffel abzugeben. Außerdem muss ich erst noch feiern und das kann bei dem Vorrat lange dauern…

        Gehabt euch wohl, all ihr hübschen Wesen.

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        • Ausnahmsweise mal ein bisschen ernst: Ich finde es sehr, sehr gut, dass wir meistens nicht wissen, wann unsere Letzte Stunde kommt.
          Doch du hast hoffentlich wirklich noch lange Zeit damit.
          Dass mit der Rente kann auch bedeuten, dass es zu deiner Zeit keine Rente mehr gibt – also kannst du sie auch nicht erreichen. Einverstanden mit dieser Deutung?

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  11. Dunkel ist mir deiner Frage Sinn – auf was sich das „sicher“ alles beziehen könnte.
    Gute Nacht für dich von Clara

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  12. Freuen sich drei Leute über das Ableben eines sehr guten Freundes, dann könnte es sein, daß sie sich damit auch über das Ende des Leidens / der Schmerzen freuen …

    Es ist nicht alles schwarz oder weiß …

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    • Emil, dieser Text ist auch ein wenig ironisch-satirisch zu sehen und nicht als psychologisch absolut wertvoll einzustufen. – Natürlich gibt es auch richtig ernste Deutungsmöglichkeiten, aber die habe ich hier nicht aufführen wollen, nicht mit diesem Bild in Verbindung.
      Und glaube mir, ich wollte niemandem zu nahe treten, der gerade einen Verlust erlitten hat.Das, was du andeutest, habe ich 1996 erlebt.

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      • Oh – dann bin ich wohl etwas über’s Ziel hinausgeschossen.

        Aber Bepfandung ist ein typisches deutsches Bürokratiewort aus dem Bundestag, seinen Kommissionen und seiner Lobby Beispiel: aus dem BMU) … Wollt ich noch anmerken.

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        • Emil, für mich gilt: Besser hinausschießen als stumm und unbeteiligt bleiben, also kein Problem meinerseits.
          Ich hatte das Wort noch nie vorher gehört und grinste über das Wirtshausschild.

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