Claras Allerleiweltsgedanken

Stillgelegt

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In memoriam: Georg B. * 30. Sept. 1905  – von einer Minute zur anderen stillgelegt am 8. Mai 1946

Du konntest mit mir weder spielen noch wippen noch … noch … noch … Aber ich mit dir auch nicht. Vielleicht hätten wir uns leiden können, vielleicht aber auch nicht, da ich so das Gefühl habe, ich muss dir sehr ähnlich sein. Das ist zwar nur ein negativer Umkehrschluss, weil ich meiner Mutter außer im Gesicht so überhaupt nicht ähnlich bin. – Ich kann nicht um dich trauern, weil ich dich nicht kenne – aber ich bedaure es, ohne einen Vater und ohne männlichen Einfluss erzogen worden zu sein.

Und die Großen und Kleinen, die früher hier am Potsdamer Platz auf den Riesenwippen schaukeln konnten, müssen sich jetzt ein anderes Betätigungsfeld suchen. Vielleicht ist es aber auch nur die Winterruhe – vielleicht kann man bald wieder … wippen! Jetzt und hier sind alle Wippen fest mit dem Boden verbunden – keine Möglichkeit für Himmelsstürmereien.

0805 Stillgelegte Wippen

0805 Stillgelegte Wippen Collage

Papa, wenn ich mal komme, ich hoffe, du erinnerst dich dann noch an mich!!!

Und jetzt gebe ich dir noch ein leicht verwackeltes Kreuz vom Berliner Dom mit auf den Weg. Ich denke, mit deinen 108 Jahren wirst du das nicht mehr so krumm nehmen. Als Ausgleich habe ich im Fotoblog schönere Bilder vom Dom eingestellt. 0805 Berliner Dom Kreuz 55

Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

17 Kommentare zu “Stillgelegt

  1. In Friedenszeiten hatte ich einen Vater, für den ich „nur ein Mädchen war“, der mich bei der Berufswahl maximal behindert hat und kein gutes Haar an mir ließ. Gut, dass sich meine Mutter von ihm getrennt hat, besser spät als nie. Um meinen Sohn hat er sich auch nicht geschert. Das hat er noch nie begriffen, sein Seelentröster wohl das Bier. Sonst ein friedlicher Mensch. Aber ganz weit weg von mir versinkt er jetzt in seiner eigenen Welt. Demenz. Also besser kurz einen Herzensvater als sowas. Natürlich kein Trost. Und so ein Pech, die Sache an sich, hatte ich bei dir ja schon gelesen. Liebe Grüße!

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    • Ich glaube, ein Vater, den man überhaupt nicht kennt, wird ein wenig auf den Thron gehoben – vielleicht wäre er dort nie gelandet, hätte er gelebt.
      Wie ich lese, hattest du also auch „keinen Vater“, nicht wirklich!
      Ich hoffe, dir geht es wieder besser!

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  2. Ich schätze mich glücklich, weder ein Scheidungskind noch eine Halbwaise zu sein. Meinen Vater hatte ich bis zum 46. Lebensjahr und meine Mutter habe ich zum Glück immer noch.
    Dein Artikel, liebe Clara, hat mich jedoch sehr nachdenklich gemacht und mir gezeigt, dass viele es eben nicht so gut haben.

    Ich wünsche dir einen angenehmen Feiertag,
    Anna-Lena

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    • Danke! – Ich bin gerade von Anna zurück. Da sie morgen keine Schule hat, durfte sie bis 21.00 Uhr Fernsehen – das wollte ich nicht so lange begleiten und bin nach Hause gefahren. – Zum Glück war nachmittags die Sonne gekommen und wir konnten wunderbar im Park an der Yorckstraße sein.

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  3. Ist schon eigenartig, ohne Vater auszuwachsen.
    Dass er so früh starb ist wirklich schade.
    Ich kann mir das ohne Vater nicht vorstellen, da ich immer einen hatte in Kindheit und Jugend sogar, bis ich 31 war…

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    • In meiner Generation war es eher etwas Besonderes, einen Vater zu HABEN, denn der Krieg hat ganz schön gewütet. – Mein Ex ist ohne Mutter und ohne Vater aufgewachsen.

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      • Au backe,
        Mein Vater hat in Rußland den Heimatschuß bekommen, in den linken Oberarm, er bückte sich gerade nach seinem Gewehr. Es war wohl auf sein Herz gerichtet gewesen. Dann gäbe es mich nicht.
        So konnte er seinen Beruf als Tischler nicht mehr ausüben und wir 3 Kinder wuchsen halt mit wenig Geld auf…
        Störte uns aber nicht, die Familie passte gut zusammen.

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        • Mein Vater war nach dem Krieg in russischer Gefangenschaft und kam dort auch durch eine schwere Verletzung raus. – Aber es hat eben nicht sollen sein, dass er ab Leben bleibt. Da hat es dann eben der russische LKW „geschafft“ – aber der Fahrer war total unschuldig, mein Vater hat grob fahrlässig gehandelt.

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  4. Traurig..ein Elternteil zu verlieren, sehr schade, dass du ja eigentlich nichts von deinem Vater gehabt hast.
    Meiner war wenigstens 41 als er verstorben ist…und ich 16.
    Schlimm..schlimm..

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  5. Liebe Clara,
    fühle Dich umarmt ♥
    ♥lichst moni

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  6. Heute nur eine herzliche Umarmung für dich

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    • Ich war ja in dieser Zeit als „Halbwaisenkind“ nicht selten. Andersherum hatten in meiner Klasse fast alle Väter, aber viel jüngere, als mein Vater gewesen ist. – Immer wieder finde ich es so ärgerlich, den Krieg zu überstehen, aus der Gefangenschaft heil rauszukommen und sich dann unter einen LKW zu „legen“

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  7. Leise Töne – darum nur ein leiser Gruß!

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    • Danke – ich bin mir selbst nicht richtig klar über meine Gefühle, denn ich kenne ihn ja überhaupt nicht. – Ich weiß nur, ich hätte nicht in der Haut meiner Mutter stecken wollen, als im Mai 46 irgendwann diese Unglücksmeldung bei ihr in Bayern eintraf.

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  8. Pingback: Das ist ein Papa-Dom, kein Papa-Mobile | Himmelhohes Fotogeflüstere