Claras Allerleiweltsgedanken

Vertrauensfrage (Arzt)

29 Kommentare

Alles, was mit Tod zusammenhängt, ist traurig und teuer (ich hoffe dennoch, dass nicht aus diesem Grund von den teuren Toten gesprochen wird) – also gewissermaßen die drei „T“. Damit ein Toter in Deutschland und vielleicht auch anderswo erst einmal auf dem Standesamt als Toter anerkannt wird, braucht er einen Totenschein, der nicht nur von einem Arzt ausgestellt werden muss, sondern sogar von zwei verschiedenen zu unterschiedlichen Zeiten. Einer macht das gleich, der andere kurz vor der „Kremierung“, wie der Akt der Einäscherung genannt wird.

So weit, so gut. Der vom Heim angeforderte Notarzt kam nach ca. 2 Stunden, fand eine vollständige Krankenakte und eine 98,5 jährige Verstorbene vor. Nach ca. 15 Minuten saß er wieder in seinem Einsatzfahrzeug.

Die Summe von ca. 130,00 € wurde mir von Herrn Dipl.Med. M. aus Teltow in einem Schreiben mitgeteilt, das keinerlei Aufschlüsselung enthielt und nicht wirklich den Eindruck einer Rechnung hinterließ. Warum ich das Geld dennoch überwies, kann ich nicht sagen.

Doch dann fing der Zweifel an zu nagen und ich erkundigte mich bei verschiedenen sachkundigen Quellen, u.a. bei dem Betreiber des Bestatterweblogs. Die Kernaussage: „Jede Rechnung über 50,00 € ist verdächtig“. Also rief ich in der Praxis an und hörte den Wortschwall einer vollkommen empörten Arztgattin, die von der Lauterkeit  ihres Gatten in abrechnungstechnischen Fragen restlos überzeugt schien.

Per Fax forderte ich eine aufgeschlüsselte Rechnung an und erwähnte meine Bedenken, die ich in Erkundung gebracht hatte.

Ich bekam eine neue zugeschickt – natürlich mit dem gleichen Endpreis, aber mit 4 Zuschlägen für Dringlichkeit,  Nacht, Wochenende und immens hohen Fahrtkosten – so groß ist ganz Teltow kaum, wie es diese Entfernung vermuten ließ. Die Ursprungsleistung  hatte er mit dem höchsten Faktor von 3,5 berechnet, was auch schon recht fragwürdig ist.

Ich schaute in der GOÄ = Gebührenordnung für Ärzte nach und stellte fest, dass er die (unberechtigten) Zuschläge auch noch so angepasst hatte, dass sie zu seiner Endsumme passten, aber nicht zur GOÄ. Jetzt war ich erst richtig wütend, weil ich jetzt wusste, dass ich betrogen worden war.

Die Ärztekammer Brandenburg und der UPD = Unabhängige Patientenberatung Deutschlands in Potsdam waren hilfreiche Ansprechpartner. – Ich schrieb einen neuen Brief, der nicht mehr soooooooo freundlich wie der erste ausfiel und – siehe da – vor ein paar Tagen hatte ich 51,33 € auf meinem Konto. An dem 3,5fachen Wert und den 25,00 € Fahrtkosten werde ich jetzt nicht mehr rütteln, weil der „Stundenlohn“ für meine aufgewendete Zeit jetzt schon so niedrig ist, dass ich es nur als „Hobbyrecherche“ betrachten kann..

Und das war mal wieder eine vertrauensbildende Maßnahme zu einem unserer Ärzte.

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Autor: Clara HH

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

29 Kommentare zu “Vertrauensfrage (Arzt)

  1. Also erst mal, hast Du gut gemacht liebe Clara, aber was da manchmal per Notruf in der Nacht kommt ist schon wert genauestens beobachtet zu werden. Habe da auch schon tolle Geschichten erlebt und war froh, das mein Mann da keinen schlimmeren Schaden genommen hatte.
    Der war damals auch aus Teltow. Da werde ich also auch zukünftig sehr gut aufpassen.

    • Entschuldige jetzt meinen „Sarkasmus“ – aber da hat ja meine Mutter Glück gehabt, dass er bei ihr nichts mehr verderben konnte.
      Ich will aber gar nicht seine Kompetenz als Arzt anzweifeln – er kann sogar ein sehr guter Arzt sein, nur eben etwas zu geschäftstüchtig. Ich habe schon überlegt, ob du ihn kennst, er hat einen Allerleiweltsnamen und heißt entweder Müller oder Meyer oder Lehmann oder Schulze oder so. Offenbar kennst du ihn nicht, sonst hättest du anders reagiert. – Im Notdienst sollen ja auch Zahnärzte oder Frauenärzte unterwegs sein – immer mit der Begründung, die haben alle eine medizinische Grundausbildung.

  2. Liebe Clara,
    was für eine Überraschung, ein neues Design!!! Ich bin begeistert!
    Fast hätte ich vergessen, warum ich hier bin. 😉
    Ich finde es Klasse, dass du dich gewehrt hast und noch besser, dass es sich gelohnt hat. Denn in diesem Fall ist wirklich jeder Cent Gold wert.
    Einen guten Wochenbeginn und liebe Grüße
    moni

    • Danke moni, für sowohl als auch. – Ich wollte schon fast aufgeben bei dem Arzt, denn das zieht sich ja jetzt schon einige Wochen hin. Hätte er auf meinen letzten Brief nicht reagiert, wäre alles zur Ärztekammer in Cottbus gegangen. Aber die hatten mir schon erklärt, dass das „Einklagen“ des Geldes auf zivilrechtlichem Wege meine Sache wäre. – Na gut, er hat vorher kapituliert.
      Mit dem Thema muss ich noch ein wenig spielen – jetzt ist ja alles auf rot-grün abgestimmt. Wenn ich mir ein eigenes Foto oben reinstelle, dann wird Hintergrund und Linkfarbe darauf abgestimmt. -Wie Franka schon sagt, hier ist alles klar und schöne große Gravatarfotos, auch die Schrift ist für mich gut lesbar, ohne dass ich zoomen muss.

  3. Da warst du aber ganz schön hartnäckig. Wahrscheinlich rechnen diese Typen damit, dass die Angehörigen in dieser Situation anderes im Kopf haben und dass die meisten auch resignieren, wenn sie so etwas verfolgen sollen. Sehr gut aber, dass dieser Typ mal gemerkt hat, dass sich nicht jeder alles gefallen lässt. Ehrlich gesagt, ich habe ‚damals‘ auch nicht darauf geachtet. Schlimm, dass mit solchen Situationen auch noch Schindluder getrieben wird.

    Aber mein erster Gedanke hier war natürlich ein anderer: WOW, eine neues Design! Es sieht sehr edel und schlicht aus. Diese Twenty-xx Serie ist richtig gut. Ich hab‘ immer noch (oder wieder) dieses 2010.
    LG 🙂

    • Danke, dass ihr zwei beiden (du und moni) das gleich so messerscharf erkannt habt. Es kam von Null auf Gleich über mich, der Wunsch nach einem neuen Design. Und zwar hat es mich immer geärgert, dass ich am Ende des Beitrages erst wieder nach oben musste, um die Kommentare zu öffnen. Jetzt kann ich von beiden Enden öffnen.
      Du kennst mich ja – so ein verschnörkeltes Design wäre nichts für mich, aber das gefiel mir gut. Ich hatte bei Paleica das Thema „Zoren“ gesehen, aber das wirkt nur schön, wenn man es kauft und anpasst – sonst stimmt die Schrift nicht und anderes auch nicht. Hier bei diesen Klassikern kann man sich ja einiges zurechtbasteln. – Eigene Headerfotos muss ich noch basteln.
      Ich glaube, wenn die Frau beim ersten Telefonat vernünftig gewesen wäre, hätte ich nichts mehr weiter gemacht – aber so hat die mich auf die Palme gebracht mit ihrem arroganten Tonfall.
      Wenn sich eine Angehörige wehrt, die anderen aber alle stillhalten, ist doch der Nebenverdienst ganz nett. Obwohl, so viel Totenscheine wird er auch nicht ausstellen müssen.

  4. Da wirds mir schlecht, wirklich. Geschäfte mit dem Tod auf dem Rücken der Angehörigen – ich muss kotzen ob der Dreistigkeit des Tuns und aber auch der Entrüstung der Arztgattin, der vielleicht dadurch eine Sitzung bei der Nagelmodellage durch die Lappen gegangen ist.
    Baaah, solche Menschen sind widerwärtig.
    Richtig wäre es gewesen, wenn sie gesagt hätte: „Oh je, haben wir eventuell doch einen Fehler gemacht? Wir prüfen das und melden uns wieder bei Ihnen“ – und das hätten sie dann mit einer fetten Entschuldigung wieder gutmachen können.
    Was ist es nur, das den Charakter der Menschen so verdirbt?

    • Mist, jetzt hatte ich schon eine lange Antwort geschrieben – und dann plötzlich alles weg. – Vielleicht glaubt die Frau wirklich an die Lauterkeit ihres Gatten – und jetzt hängt der Haussegen schief, weil ich diese in Frage gestellt habe. – Vielleicht war sie auch nur wütend, dass er in dieser Nacht Dienst hatte und ihr weder die Füße noch das Herz wärmen konnte – oder so???
      Wer noch den Titel „Diplommediziner“ trägt, muss auf jeden Fall über 50 Jahre sein – und da ist der Charakter normalerweise schon lange ausgebildet, vielleicht war er schon immer nicht der beste.
      Auch jetzt hat er keinen Brief mit einer neuen Rechnung geschickt, sondern einfach und laplidar nur überwiesen.
      Offenbar ist er im Heim bei niemand Hausarzt, obwohl seine Praxis nur 2 km entfernt ist. Vielleicht bringen Hausbesuche bei alten Leuten nicht den gewünschten Salär ein.
      Deine Entrüstung ist berechtigt – da es sich bei mir schon über fast zwei Monate hinstreckt, bin ich schon ruhiger geworden.

  5. Das habe ich vor Jahren mal mit meinem damaligen Zahnarzt durchgezogen. Die Rechnung war dann zum Schluss sage und schreibe über 300 Euro niedriger. Hast du gut gemacht.

  6. Das hast Du gut gemacht! Meine Mutter ist nach dem Tod ihrer Mutter aus der ev.Kirche ausgetreten, weil sie nach jahrelangen Spenden und Kirchensteuerzahlungen für das Kirchenglockengeläut per Knopfdruck fast 100,-DM bezahlen sollte!!!

    • Die kath. Kirche resp. der Pfarrer haben alles kostenlos gemacht – nur die bestellte Organistin mussten wir bezahlen, was ja auch richtig ist. Aber deine Mutter kann ich verstehen. –

      Ich habe alle Gäste vorher angeschrieben, dass wir auf dem Baumgrab keinen Blumenschmuck oder Kränze oder Blumenkissen wollen, sondern die Leute das Geld lieber im Umschlag dem Pfarrer geben sollen. – Nicht zur Verbesserung seines Taschengeldstatus, sondern als Russlandhilfe, weil er sich sehr, sehr stark dafür engagiert.
      Wäre es damals schon nach dem Taifun gewesen, hätte ich es dafür genommen.

  7. Um den Tod herum tun Angehörige meist alles- unhinterfragt – und das wissen diese Leute!

    • Genau so hat es mir der Bestatter auch gesagt. – Sehr oft geht diese Rechnung in der großen Bestatterrechnung unter, weil die Arztrechnung vom Bestatter beglichen wird und der nicht reklamieren kann, darf oder wird.

  8. Und was sagt uns das wieder: immer misstrauisch sein und dass du beharrlich um dein Recht kämpfen musst. Die Mehrheit sind eh Mitläufer und Abnicker.
    Liebe Grüße

    • (Ich habe die Korrektur ausgeführt und den Anhangskommentar gelöscht)
      Eine gewisse Aufmerksamkeit bei Rechnungen finde ich inzwischen wirklich nötig, dazu ist die „Moral“ der Leute schon zu sehr den Bach runtergegangen oder einige können von ihrem ehrlich verdienten Geld wirklich nicht mehr leben, also versuchen sie es mit Unehrlichkeit. – Aber ein Ehepaar, die beide Ärzte sind, werden wohl kaum um ihren Lebensstandard bangen müssen. – Irgendwie finde ich so einen „Dauerkampfbereitszustand“ auch anstrengend, denn es geht ja nicht immer nur um Geld.

  9. Wenigstens hat Dir Deine Recherche, Arbeit und die Schreiberei ein wenig Geld zurückgebracht. Schade, dass es manchmal nur so geht. liebe Grüße und eine schöne Woche wünscht Dir Leonie

    • Danke, liebe Leonie. Am Anfang wollte ich einfach nur das überzahlte Geld zurück – doch als es sich hinzog und da noch eine Recherche nötig war und dort noch ein genauer Blick in die GOÄ erforderlich war, wog das Geld nicht mehr den Zeitaufwand auf – da war es nur noch „ich bin im Recht – vielleicht helfe ich mit meinem Artikel auch anderen“
      Für dich eine Woche, in der du wieder Aufgaben abhaken kannst, die jetzt noch unerledigt sind. Wünsche ich dir!

  10. Ein wahrer Arzt des Vertrauens … Tztztz

    • Einzige Korrektur: Er kam mit dem Notarztwagen und war nicht der Hausarzt meiner Mutter, der ihn (vielleicht) gekannt hätte. – Doch die Entwicklung vom heftigen mündlichen Protest der Gattin über seinen Brief bis hin zur Überweisung fand ich schon bezeichnend.

  11. Wirkt aber billiger, als wenn am Wochenende ein TV Kasten stirbt. Oder die Tür falschseitig sich schließt. Daher kommt das auch–> mit der Tür ringen–> Thüringen. Obwohl der Nordhäuser ja…tatsächlich ein in Thüringen hergestellter reiner Kornbrand ist/ war.
    Und wenn Herr DM erst € hieße….
    Und überhaupt, ist der Doc nicht Kassenarzt? Oder war seltsamerweise eine Privatpatientin zu beäugen..dann wäre das aber zu billig?

    • Du hast mit (fast) allem Recht und eben auch nicht, besonders schön war das mit der „falschseitig schließenden Tür“ 🙂 ausgedrückt.
      Die sonst so willige Kasse (in ihrem Fall) und auch alle anderen zahlen nach dem letzten Schnaufer nichts mehr, keinen Schein und keine anderen Dienstleistungen – dennoch ist es keine Privatleistung, sondern wird von der Gebührenordnung geregelt.
      Hätte er mehr verdienen wollen, hätte er Schlüsseldienst werden sollen, denn dieses Argument habe ich auch schon von anderen gehört. Beim defekten TV zahlst du „Luxus“steuer, denn du könntest ja auch bis Montag warten. – Beim Schlüsseldienst zahlst du „Notsituations“steuer, denn du willst ja nicht bis Mo im Treppenhaus schlafen. Aber eine „Schicksalssteuer“ wie beim Tod gibt es noch nicht – aber es gibt eben auch nicht frei erfundene Zuschläge, die ein Arzt einfach so aufrechnen kann.
      DM = Diplommediziner, die eingesparte Promotion in der DDR.

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