Claras Allerleiweltsgedanken

Der kleine Katzenfant ClaCho 1

9 Kommentare

ClaCho und seine Geschwister balgen sich, was das Zeug hält. Leider sind sie dabei nicht in ihrem gemütlichen Haus, sondern auf einer großen Wiese, die dicht an einen Abhang grenzt, den man schon fast als Abgrund bezeichnen könnte. Abwechselnd 2412 ClaChorufen Papa oder Mama zu ihnen herüber, dass sie vorsichtig sein sollen, damit sie nicht runterfallen. – Doch genau das ist es, was ClaCho reizt – er will nicht immer brav sein, nicht immer das machen, was ihm von Papa oder Mama aufgetragen wird. Heimlich, still und leise kriecht er aus dem Knäuel seiner Geschwister raus. Da die Dämmerung schon aufgezogen ist, fällt es gar nicht auf, dass er sich zu dem Abhang schleicht.

Und da erinnert er sich genau an das immer und immer wieder ausgesprochene Verbot: Nicht mit Anlauf den Abhang runterspringen! Und ohne viel zu überlegen, nimmt er einen riesigen Anlauf und springt … springt … fliegt …. fällt.

Während des schier endlosen Fallens kann er immer wieder nur denken: Huch, bis hierher ging‘ noch gut. Etwas flau ist ihm natürlich in der Katzenfant-Magengegend, doch seine Neugier siegt, Neugierde auf das, was kommen wird. Wenn die Erwachsenen etwas so vehement verbieten, dann kann da nur ein tolles Geheimnis dahinter stecken.

Und genau in diesem Moment gibt es einen heftigen Bums. Katzenfantenkinder überleben so etwas, und das nicht nur, weil sie sieben Leben haben, sondern, weil sie eben anders sind als Menschenkinder. ClaCho schüttelt sich ein wenig und staunt. Er will seinen Augen gar nicht trauen, was er alles gleich im ersten Augenblick wahrnimmt. Er begreift schlagartig, dass er bei den sogenannten Menschen gelandet ist, vor denen ihn seine Eltern immer gewarnt haben.

ClaCho hat im Vergleich zu den vielen Menschen, die ihn auf dem Platz umgaben, auf dem er gelandet war, einen deutlichen Nachteil: Er ist viel kleiner als alle, na eben so klein, wie eine Mischung aus Katze und Babyelefant klein ist, da konnte er nicht auf die Tische gucken. Außerdem musste er mächtig aufpassen, dass er in dem Gewühl nicht zerquetscht wird. Andererseits hatte er auch unglaublich viele Vorteile, die diesen einen Nachteil mehr als ausglichen. Aus einer Erzählung wusste er, dass ihn die Menschen weder sehen noch hören können – deswegen hatte auch keiner seine Landung bemerkt. Als Ausgleich für seine fehlende Körpergröße konnte er enorm in die Höhe springen und in der Weite nahm er es mit jedem Menschenkind seines Alters auf.

Er stand auf einem Platz, der viele, viele kleine Holzhäuser hatte – doch am Rand des Platzes standen zusätzlich riesengroße Häuser (für seine Größe hätten die kleinen Holzhäuser wirklich gereicht). Fast alle Fenster hatten Kerzen oder leuchtende Ketten hinter den Scheiben zu hängen, das fand er schön – schön aber nur dann, wenn sie nicht so ekelhaft flimmerten und in allen möglichen Farben leuchteten – das tat seinen empfindlichen Katzenfanten-Augen weh.

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ClaCho fragt sich, ob die Menschen hier alle schlecht sehen können, weil sie so unendlich viel Licht brauchen.

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Auf seinem Planeten war Licht etwas sehr Teures und sehr Seltenes, denn jeder, der Licht verbrauchte, musste dafür hart arbeiten. Doch hier  schmückten die Menschen mit riesenlangen Lichterketten auch außen ihre Häuser, obwohl da gar keiner saß und lesen wollte. Leuchtende Tiere mit einem Wagen hintendran gab es auch. Halt – ein Wagen ist das doch nicht, er hat ja keine Räder. Da ClaCho keinen Schnee kennt, kennt er natürlich auch keinen Schlitten und deswegen weiß er nicht, was das Reh da hinter sich her zieht.

Jetzt will er auf Erkundungstour gehen. In der Mitte des Platzes stand eine „Torte“ (Pyramide), die sich immer drehte, auch diese mit Lichtern oder besser Kerzen bestückt.

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Figuren waren darauf festgeklebt – und die rannten wie die Wahnsinnigen – nicht um die Wette, da keiner den anderen überholen konnte. Da ClaCho nicht nur springen, sondern natürlich auch rennen konnte, war er fast geneigt, mitzurennen – doch immer nur im Kreis ohne Start und Ziel – das erschien ihm widersinnig. Er kletterte auf den unteren Tortenring und sah da ein Baby in einem Holzbett liegen. Das interessierte ihn nicht so sehr – zu Hause hatte er genug kleine Geschwister – aber mit dem Ochsen und dem Esel und den Schafen in der anderen Etage wollte er spielen – doch die standen nur rum bzw. rannten natürlich wie alle im Kreis. Er denkt so bei sich: „Hoffentlich spuckt das Baby nicht alles wieder aus, was es getrunken hat.“

Auf diesem Platz riecht es ganz lecker nach vielen, vielen verschiedenen Versuchungen, die ClaCho zu Haus nicht immer bekommt. Er versteht zwar die Menschensprache nicht richtig, doch viele Sachen kann er sich trotzdem erklären. Die Leute halten Tassen in ihren Händen, aus denen es dampft und nach etwas riecht, was zu Haus nur der Katzenfantenpapa trinken darf. Hier trinken es fast alle – halt – die Tassen für die Kinder werden aus einem anderen Topf gefüllt. – ClaCho springt elegant auf den Tisch hoch – und in einem unbeobachteten Augenblick trinkt er aus der Tasse, die nach dem Papagetränk riecht. Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiih, das schmeckt ja eklig.

Plötzlich sieht er alles etwas verschwommen 2612 Weihn 2013 67und muss ganz laut vor sich hin lachen. Mama sagt dann immer zu Papa: „Geh du erst mal deinen Rausch ausschlafen!“ Am liebsten hätte er es gleich ausgespuckt, aber er hatte ja eine gute Kinderstube. Er wundert sich überhaupt nicht, warum die Leute immer lauter und lustiger wurden, je öfter sie sich ihre Tasse füllen ließen.

Plötzlich entdeckt er eine noch viel größere Verlockung auf dem Tisch – braun gegrillt und knusprig. Inzwischen hat er so einen Hunger, dass er beschließt, jetzt und gleich auf Beutezug zu gehen. Er greift das heiße, lange Ding und springt vom Tisch. Er kann gerade noch bemerken, wie der eigentliche (Bratwurst-)Eigentümer die Wurst verzweifelt unterm Tisch sucht, wo sie natürlich nicht ist. ClaCho beißt rein und ist begeistert. Nur die weiße, pappige Scheibe, die neben der heißen Ware lag, schmeckt ihm gar nicht. Aber da kommt schon Abhilfe. Auf einem kleinen Teich schwimmen Enten, denen wirft er die Brocken von dieser Scheibe hin.

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********* und morgen geht es weiter.

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Autor: Clara HH

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

9 Kommentare zu “Der kleine Katzenfant ClaCho 1

  1. Donnerwetter, du hast eine schöne Geschichte erfunden. Nicht nur für Kinder 😉 , du solltes ein Buch schreiben, liebe Clara.
    Ich wünsche dir eine gute Heimreise

  2. Vielleicht auch bisschen angeregt durch Bilderbücher, bzw. Kinderbücher?
    Vielleicht bist Du zum Vorlesen ausersehen- oder wollen die Enkel das nicht mehr?
    Hab`s gut!

  3. Sehr schön geschrieben, liebe Clara. Deine Geschichte beinhaltet auch einiges an Wahrheiten 🙂

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