Claras Allerleiweltsgedanken

2036 – Just married

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Endlich mal Ruhe – endlich mal keine Probleme, fast schon langweilig. Die Einschulung von Benno war ein willkommener Anlass, alle mal wieder im Haus zu versammeln. Der kleine Kerl hatte seine schwere OP bestens verkraftet und wuchs und gedieh in bester und frischester Luft, im Haus und im Garten. Er war ja um ein Jahr älter als seine Mitschüler. Da er schon viel bei Feli mitbekommen hatte, meinte die Lehrerin nach 3 Monaten, dass er viel zu klug für diese Klasse sei, ob die Eltern ihn nicht ein Jahr überspringen lassen wollen.

Papa und Mama sprachen mit ihm und erwarteten eigentlich Widerspruch, denn er war in Bezug auf Hausaufgaben ein kleines Faultier – NUR DAS NÖTIGSTE – das war seine Devise. Wie erstaunt waren sie jedoch, als er voller Begeisterung zustimmte. Es machte ihm angeblich gar nichts aus, dass er einiges nebenbei aufholen muss, wenn er nicht die rote Laterne sein wollte. – Er zog den „Lernstress“ dem „Langeweilestress“ vor, denn in der 1. Klasse hatte er sich wirklich nur gelangweilt und deswegen zu viel geschwatzt.

Gesagt – getan – und bald gehörte er auch in der zweiten Klasse zu den Pfiffigsten, die manchmal die Lehrer mit ihren spitzfindigen Fragen zur Weißglut brachten. Doch ich denke, das war mehr deren Problem als seins, denn schlauer als die Schüler sollten die Lehrer schon sein.

Für ein Wochenende kündigten sich Felix und Constantin an. Fast wie im Spaß meinte einer der Erwachsenen in der Runde: „Die sind ja auch schon wie ein altes Ehepaar, die müssen sich doch jetzt etwa so 7 Jahre kennen. Hoffentlich gibt es da nicht auch nach 7 Jahren Krach.“

Der Gedanke war noch nicht zu Ende diskutiert, da hupte draußen ein wunderschönes silbernes Auto, ganz neu. Und Benno entdeckt es als erster.

Obwohl er kein Englisch kann, kräht er die Aufschrift mit deutscher Aussprache, was natürlich einen Heiterkeitserfolg hervorruft „Just married!“ Die beiden haben sich getraut, genau nach 7 Jahren, die sie sich nun kennen und lieben. Da kann der Himmel nicht nur voller Herzen, sondern auch voller Geigen hängen. Sie waren nicht nur ein schönes Paar, sie waren auch ein sehr musikalisches Paar, denn Constantin war ein hervorragender Pianist, der sich in allen Genres der Musik auskannte.

1104 2036 Just married Geigen

 

Bei den Dominis stand neuerdings ein Klavier, da beide Kinder Lust zum Lernen hatten. Conny setzte sich nach kurzer Zeit an den Flügel, schmetterte erst den Hochzeitsmarsch und dann zogen alle ins Restaurant, wo Plätze vorbestellt waren.

Dass die alten Dominis auch mitgenommen wurden, war für Felix Selbstverständlichkeit und Herzenssache, denn in diesen beiden sah er mehr als nur Pflegeeltern. Sie waren es, die ihm vor 20 Jahren ein sorgenfreies Leben ermöglich hatten, aber das wissen wir ja alle noch genau. Auch Conny hatten sie herzlich in ihre „Elternliebe“ mit eingeschlossen.

Als Benno dann am Tisch im Restaurant laut und unbekümmert fragte: „Wer von euch beiden hat denn nun das weiße Kleid angezogen und den Schleier getragen?“, gab es allgemeine Heiterkeit, auch an den Nachbartischen. Natürlich hatten die beiden Fotos in der Tasche von ihrer Eheschließung (das blöde Wort Verpartnerung war inzwischen aus dem Sprachgebrauch gestrichen und homosexuelle Ehepaare hatten die gleichen Rechte wie andere) und zeigten sie rum. Benno war etwas enttäuscht, dass beide einen Anzug trugen und prompt kam auch: „Da kann man ja gar nicht sehen, wer die Frau ist und wer der Mann.“ Felix erklärte ganz kurz, dass sie doch beide Männer seien und auch Männer blieben, aber er doch wenigstens einen weißen Anzug getragen hat, ob das Benno nicht ein wenig aussöhnen würde. „Na gut, dann bin ich eben mit dem weißen Anzug zufrieden“, meinte der Lütte ganz generös.

Sogar die Kirchen waren inzwischen tolerant geworden, aber sie wollten dennoch nicht kirchlich heiraten. Felix hatte es damals einigen Angestellten der Kirche sehr verübelt, dass sie ihm in seiner Not nicht geholfen haben. Aus diesem Grund war er auch ausgetreten, denn seiner Meinung nach ist die wahre „caritas = Nächstenliebe“ die Hauptaufgabe der katholischen Kirche.

Constantin beschloss, sich seinen Patenjungen bei Gelegenheit mal einzuladen und ihm paar Sachen zu erzählen, wie das so bei einer Mann + Mann = Beziehung ist. Felicitas wusste es inzwischen oder ahnte es vielleicht – aber sie wollte es nicht so genau wissen. Sie war da viel zurückhaltender als ihr Bruder.

Heute war offenbar der Tag der Offenbarungen. Ganz nebenbei ließ Felix fallen, dass inzwischen beide Elternteile von ihm tot sind. Sein Vater hatte nach der Entlassung aus der Haftanstalt so stark zu trinken angefangen, dass das seine Leber nicht lange mitgemacht hat. – Seine Mutter hatte immer und immer wieder eine Versöhnung mit ihrem Sohn angestrebt, aber es war bei einem sehr unterkühlten Verhältnis geblieben.

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Im Fotoblog gibt es die entsprechenden Sitz- und Liegemöglichkeiten für das Paar und die Gäste.

„Jetzt komm ich noch zweimal und dann komm ich nimmermehr! “ sagt Anno Domini.

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Autor: Clara HH

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

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