Claras Allerleiweltsgedanken

Ich sehe gern Musik – RB

17 Kommentare

Soll ich euch mal ein Geheimnis verraten? – Ja?  – Na gut, ich höre nicht so sonderlich gut, und offenbar war das vor 5 Jahren auch schon nicht anders, denn sonst wäre ich doch nieeeeeeeeee auf die Idee gekommen, einen Artikel so zu nennen. 🙂 Normaler Weise hören alle Leute Musik – nur Clara tanzt aus der Reihe und sieht sie! –  (Achtung, 1183 Wörter!)

Diese Geschichte ist für Juzicka, damit sie was Schönes zu lesen hat, wenn sie nach der Op aufwacht und Lust auf ihren Laptop verspürt, weil sie nicht gleich loslaufen darf. – Grüße zu dir – und jetzt hast du es hinter dir!

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März 2010

Clara geht mit kindlichen Augen ins Konzert

Das ” sehe” ist kein Schreibfehler. Ich meine damit keine Fernsehsendungen wie Musikantenstadl oder ähnliche. Ich meine wirkliche Konzerte, genauer gesagt, Sinfoniekonzerte, möglichst mit großer Besetzung.
Da meine Ohren nicht nur beim Verstehen, sondern auch bei Musik Probleme machen, verlasse ich mich beim Konzertbesuch viel auf meine Augen. Ich beobachtete:
Bevor ich die ganze -isten oder -istinnen-Parade wie Violin-, Bratsch-, Cell-, Bass-, Flöt-, Klarinett-, Horn-, Posaun- und Fagottisten usw. usf. aufzähle, werde ich bei der Geschichte beim Instrument bleiben, denn bei Tubisten, Oboisten und Paukisten  bin ich mir sprachtechnisch nicht so sicher.

Was bietet sich also einer Konzertbesucherin aus dem 1. Rang?
Die Geigen, Bratschen und Celli, gewissermaßen die kleinen Streicher,  sitzen alle kerzengerade auf ihren Stühlen, den Kopf schräg auf ihrem Instrument abgelegt, ihre Körper wiegen sich  im Takt der Musik.

Doch halt, da geigt doch einer gegen den Strich, nicht akustisch, sondern optisch. Ein Linkshänder mit einer Links-Geige, ein äußerst seltener und doch recht kurioser Anblick. Ein ganz klein wenig stört er das gemeinsame nach links oder rechts aller Bögen – aber eben nur ein ganz klein wenig.
Die Besitzer der Bässe hingegen machen mitunter einen schwächelnden Eindruck – sie lehnen sich gegen ihr Instrument, als müssten sie sich von der schweren Schlepperei ausruhen.
Die Holzbläser (Klarinette, Flöte, Fagott mit ihrem König, dem Kontrafagott) haben an ihren Notenständern eine Extraablage befestigt, auf denen liegen viele weiße Blättchen herum, an denen sie immer wieder mal lutschen, es befeuchten, dann gegen das schon nass-gesabberte austauschen – damit sind die Damen und Herren richtig beschäftigt. Zum Glück  hören sie trotzdem auf das, was ihnen der Dirigent auf diskrete Art und Weise zu verstehen gibt.
Um die (Wald)hörner und die Posaunen herum muss das Parkett  besonders wasserfest versiegelt worden sein, denn diese kleinen Ferkelchen spucken offensichtlich zu sehr in ihre Instrumente. Jedenfalls sah ich, wie sie immer mal Teile abschraubten, umdrehten und ausschütteten. Offensichtlich ist das vollkommen normal, denn alle machten es.

Die Trompeten feuchteten auch ein wenig, aber sie blieben ziemlich ruhig (außer akustisch), wechselten keine Mundstücke, keine Teile und kein Instrument.
Den Pauker – hä, ist der  Lehrer? Oder heißt er doch Paukist – bewunderte und bedauerte ich gleichermaßen. Ein richtiger Schlagzeuger ist er nicht, dazu fehlt ihm der ganze andere Kram – er begnügt sich mit drei großen Pauken. Ob sie ihn damit in die U-Bahn lassen? Braucht er extra einen LKW als Dienstauto? Hat er noch Freunde in  seiner Wohnumgebung?
Wenn er sich für die richtigen Schlegel entschieden hatte, haute er mächtig auf die Pauke – ja, ohne Übertreibung. Aber, als ob es ihm gleich unmittelbar darauf wieder leid täte, machte er den Nachklang seines Handelns gleich wieder zunichte, indem er die Hand auf das Fell legte. – Ob der Dirigent das so will? Schade! Der Klang war so schön, besonders von der größten, die er allerdings am meisten geschont hat. Wahrscheinlich war es die teuerste. Die hätte er meinetwegen gern länger nachklingen lassen – vielleichgt hätte das  dann die anderen irritiert.
Doch am meisten hat mir folgendes gefallen. Nach der Pause wurde Mr. Beethoven zu den Akten gelegt und ein neuer Komponist durfte zeigen, dass er ein schönes Stück geschrieben hat. Der Herr Pauker bekam Verstärkung – dachte ich. “Vielleicht wechseln die sich jetzt ab, oder der eine paukt auf den zwei Kleinen herum und der andere bekommt die Große zum bepauken.”
Doch nein, plötzlich steht dieser erwachsene Mann auf und hat dieses winzige Metalldreieck und ein Metallstöckchen in der Hand, eine Triangel. Das finde ich immer zu schön, wenn ein Musiker den halben Abend im Orchester rumsitzen muss, um ca. 6x auf das Triaangelchen schlagen zu dürfen. Ist so ein Musiker nicht wegen Mindereinsatz depressionsgefährdet? Wäre das nichts für ein Musiker-Kind, das sowieso auf seine Mama oder seinen Papa warten muss, bis die fertig sind?

Doch nun, Scherz beiseite – es war ein wunderschönes Konzert. Es war für mich auch deswegen so besonders, weil das Hartz IV-Einkommen in keiner Rubrik Konzertkarten o. ä. berücksichtigt. – Hier war das mal anders. Danke!

Als besonderes Instrument kommt jetzt noch das Klavier,  in diesem Fall natürlich ein Flügel, in die Geschichte spaziert. Zum Glück bin ich nicht in einem Pop-Konzert und der Flügel ist schwarz. Bei einem weißen kommen ja immer gleich Putzgedanken auf, denn die werden doch so schnell schmutzig. Ob sich die Herren Pianisten und Damen Pianistinnen auch immer schön davor die Hände waschen, damit die weißen Tasten nicht nah einiger Zeit aussehen wie ihre kleineren Geschwister?

Schade, dass die den Deckel hochgeklappt haben, denn so glänzend wie das Instrument ist, könnte ich glatt von oben sehen, ob meine Frisur auch sitzt. Schließlich schwebe ich fast über dem Flügel, weil ich mich immer so weit über die Brüstung beuge.

So, und jetzt bekommt der Pian-ist (siehe oben die ganze -istenparade) sein Zeichen. Anfangs wirkt er, als wenn er seine Strecke auf den Tasten vergessen hat. Lange überlegt er, welchen Weg er einschlagen soll und bewegt sich mehr oder weniger auf der Stelle. Dann trennen sich seine Hände – die eine marschiert nach links und die andere nach rechts, ich könnte natürlich auch sagen, die eine will tiefe und die andere Hand hohe Töne spielen und dann  hören. Aber das scheint den Händen nicht zu gefallen. Ganz schnell sind sie wieder beieinander und marschieren vereint in die gleiche Richtung. Erstaunlich, wie schnell der seine Finger bewegen kann – der macht bestimmt jeden Tag Finger-Yoga oder Finger-Gymnastik.

Das lasse ich mir so eine ganze Weile gefallen und lehne mich entspannt zurück. Doch halt, aus einem Augenwinkel heraus sehe ich, dass er sich jetzt verheddert hat. Hat er den falschen Befehl bekommen? Auf jeden Fall spielt er jetzt überkreuz – na, das geht ja mal schon gar nicht. Bis zu welchen Höhen und gleichzeitigen Tiefen will er denn da mit seinen Händen kommen, bevor er sich die Luftzufuhr absperrt?

Das scheint er – Gott sei Dank – zeitig genug mitzubekommen und auf einen deutlichen Wink des Herren mit dem Stock / Stöckchen pfeift er seine rechte Hand zur Raison und beordert sie wieder auf die ihr zustehenden Tasten.

Ganz schön schweißtreibend, solch ein langer Einsatz. Was die einen an Feuchtigkeit in ihren Instrumenten fabrizierten, das perlte auf seiner Stirn. Der etwas größere Junge neben ihm, der seine Noten auf ein leichtes Kopfnickzeichen umblätterte, hätte doch gleich noch als Schweißabwischer eingesetzt werden können. – Die sollten mich mal befragen, ich hätte da bestimmt noch ein paar Ideen.

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Original: https://chh150845.wordpress.com/2010/03/28/ich-sehe-gern-musik/

Kommentare:
anna-lena, april, freidenkerin, nql  beethoven,  podruga, sunny, wildgans, 

Gesa, gucke mal, ich habe hier schon das Kontrafagott erwähnt: „Fagott mit ihrem König, dem Kontrafagott“

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Autor: Clara HH

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

17 Kommentare zu “Ich sehe gern Musik – RB

  1. Ja, liebe Clara – 2010 hast Du es schon erwähnt…. bekommen in mein himmlisches Engelorchester habe ich es aber erst jetzt – und bereits zum 1. Advent, damit der Neuzugang mehr Zeit zum „üben“ hat…. sonst gab’s den Neuzugang immer an Nikolausi 🙂

    • Liebe Gesa, mein Blog war gar nicht mehr an deine Mailadresse gewöhnt – ich musste dich erst freischalten. Vielleicht merkt mein Blogwächter, dass das jetzt eine „verheiratete Mailadresse“ ist? 🙂 Ich sehe nämlich sonst keinen Unterschied.
      Ich staune ja, dass ich schon 2010 so musikinstrumentenbegabt war, wo ich doch heute noch nicht mal richtig weiß, was das für ein Instrument ist – es sei denn, ich lasse es mir von wiki erklären.- Da hatte ja dein Neuzugang wirklich Zeit zum fagotten üben. – Gab es dann zu Nikolaus etwas anderes?
      Heute war ich bei Lenny mit 2 Wienerwürsten. Ich konnte gar nicht so schnell gucken, wie er mir die halbe aus der Hand geklaut hat. Er spielt immer die Rolle des total Verhungerten.

  2. die sollten dich tatsächlich mal befragen 😛

    super geschrieben , hat spass gemacht zu lesen …. danke clara:)

  3. Wunderbar, wie lebendig Du Musik sehen kannst. Wie Deine Augen, Deine Wahrnehmung sich schärft, um den schwächeren Ohren zu helfen, die Musik zu genießen. Beethoven wurde taub. Er ist mein ganz großer Held…😊
    Er hat die Musik im Kopf gehört und gefühlt. Dann aufgeschrieben in Noten, die Du hörtest und im Herzen verstandest.

    Einen lieben Morgengruß
    von der Karfunkelfee

    • Liebe karfunkelfee, da freue ich mich ganz toll, dass du jetzt meine „Fährte“ wieder aufgenommen hast und einen Kommentar schreiben konntest – du warst ja hier schon seit langer Zeit nicht mehr präsent.
      Vielleicht ist das mein „Nikoläusinnengeschenk“ für mich, auch wenn dein Kommentar schon am 5. geschrieben wurde.
      Hier ist ständig irgend etwas, was meine Aktion oder Reaktion braucht, und das hat gar nichts mit Weihnachtshektik zu tun.
      Ein Beispiel davon kannst du morgen lesen – denn am Sonntag ist Reblog-Pause, da gibt es, wenn es was gibt, was Aktuelles.
      Einen fast schon mittäglichen Gruß mit einer heißen Tasse Kaffee schickt dir die Clara, die noch im Schlafanzug am Computer sitzt.

      • Ach, Du, es lag an der vermaledeiten Technik und dass ich alles an diesem Phone mache, das erschwert Fährtensuchen bei Reader-Kapriolen ungemein…
        Ich schaue regemäßig was Du so treibst und wir sind ja auch über FB miteinander verquickt, ich habe kurzerhand Deinen FB-Auftritt abonniert und kam so durchs Hintertürchen wieder zu Dir 😎

        Nun wünsche ich Dir noch einen schönen Sonntag, mir hat frische Luft und Bewegung gut getan.

  4. Liebe Clara,
    was für ein wunderbarer Beitrag:
    Es ist eine Freude, mit Dir die Musiker/innen zu sehen! 🙂
    Obwohl ich gut höre, macht es auch mir viel Spaß, die „Arbeitenden“ zu beobachten. Im Fernsehen wird es mir nur manchmal etwas zuviel mit den Naheinstellungen. Jedes Nasenhaar will ich nicht wirklich nachzählen!!! 😉
    Hoffentlich kannst Du bald mal wieder Musik „erleben“, vor Ort und mit all der Intensität, die ein solches, persönliches Ereignis bereichert.
    Liebe Grüße
    moni

    • Schau’n wir mal, liebe moni, was der „Akustiker-Weihnachtsmann auf die Beine stellt, vielleicht macht dann Musikhören pur wieder mehr Spaß.
      Doch anders herum, ehe ich mich von dem Kaufpreis der Hörgeräte erholt habe, kann das gesamte Wasser der Spee erneuert werden. – Im Fernsehen mit dem großen Bildschirme sind aber Konzerte auch nicht so schlecht. – Wir wollen ja nicht unbescheiden sein.

  5. Aufmerksamer Beobachterin entgeht fast nichts. Beim Konzert mit Anne-Sophie Mutter am letzten Sonntag gab es keinerlei Feuchtigkeiten. Das mit der vielen Spucke, es schüttelt mich.
    Ich werde aufgrund deines Artikels mein Klavier mal wieder freiräumen- wollte ich eh für den Enkel. Bald kommt wieder das grandiose Neujahrskonzert im Fiderallala-Fernsehen.
    Was war das letzte Konzert, in dem du warst?

    • Liebe Sonja, die Antwort auf deine letzte Frage habe ich bei Leonielöwin gegeben. – Jetzt kann ich auf die Mediathek von ArteConcert zurückgreifen, da habe ich vor kurzem nach Hinweis von meinem Freund Peter eine getanzte Interpretation der 9. Symphonie von Beethoven mit dem gesungenen Schlusschor von der Freude und dem Götterfunken gesehen und gehört – mit guten Kopfhörern war das eine Freude – und die Augen wurden von den Tänzern gefangen, die konnten nicht zum Orchester abschweifen, denn das war im Dunklen Hintergrund.
      Die Konzertpreise sind mir zu hoch, um dann (in original) so wenig Genuss dabei zu haben.

  6. Siehst Du heute immer noch Musik? Gehst Du noch ab und zu ins Konzert? Ich würde das auch gerne mal wieder machen. liebe Grüße und einen schönen Tag wünscht Leonie

    • An ein Konzert, zu dem ich richtig gegangen bin, kann ich mich nicht mehr erinnern. Halt, stimmt nicht, einige Zeit später gab es im Konzerthaus eine Generalprobe, zu der wir mit dem Großelterndienst gegangen sind.
      Am liebsten höre ich jedoch mit Kopfhörern im Fernseher Musik – denn über die Hörgeräte, die vorwiegend für Sprachverständnis eingestellt sind, ist das wirklich kein Vergnügen.
      Einen sonnigen Tag wünsche ich dir!

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