Claras Allerleiweltsgedanken

Früh übt sich … RB

10 Kommentare

Diesen Wiederholungsartikel widme ich meinem wunderbaren Sohn. Da er hier nicht mitliest, weil er keine Zeit hat, kann ich ihn bis über den grünen Klee loben, ohne dass er eingebildet wird. 🙂

Seit einiger Zeit hat er sich mit einem Geschäft selbständig gemacht. Er und eine Angestellte produzieren hauptsächlich aus Biothane Leinen, Halsbänder, Geschirre für Hunde und Pferde. Er hat bei den Investitionen richtig geklotzt – dabei kommen ihm die als Kind und als Student gemachten Erfahrungen zu Gute. In einigen Tagen feiert er im großen Kreis offizielle Eröffnung seines Ladengeschäftes in Berlin-Friedrichshain.

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April 2010

… wer ein guter Finanzoptimierer werden will

Wie jeden Sommer bereitete die Clara-Familie ihren Urlaub vor, wieder war Bulgarien das Ziel (Der Mastika schmeckt dort so gut, *grins*). Sollen alle Sachen von vier Personen für sechs Wochen in einen Wartburg Kombi passen, muss über jedes Stück gründlich nachgedacht und eventuell auch demokratisch (autoritär) diskutiert werden, denn Dachgepäckträger oder Gepäckboxen hätten den schnellen Ritt von Hannibal gebremst. Zeltzeug, Campingmöbel, Kochausrüstung und ähnliches mussten neben Schwimmflossen, Sonnencreme und ähnlichen notwendigen Sachen verstaut werden. Für die Packkünste war Hannes zuständig – Theres half ihm dabei mit mathematischer Logistik. Offensichtlich war das für sie gelebte Geometrie.

Kurz vor der Abfahrt bat Clemens seine Finanziers um einen „Kredit“. Die geforderte Summe erschien für einen Zehnjährigen ungewöhnlich hoch. Das Bankkonsortium kannte jedoch sein besonderes feeling für Geld – also stimmte es der Sache zu und betrachtete es als „Frühkindliches Experiment im Umgang mit größeren Finanzmitteln“. Die Hausbank wäre durch den Verlust dieser Summe (ca. 100,00 Mark) nicht ernsthaft in den Ruin getrieben worden bzw. hätte sie notfalls auf die Spareinlagen des Klienten zurückgreifen können.

Die letzten Tage war zu beobachten, dass der Filius  eifrig in seinen Münzalben blätterte, Münzen entnahm und Listen aufstellte. Seit der ersten Auslandsreise sammelte er die Münzen aller Länder. Der Länder, die von Hannibal erobert werden durften, und auch die der anderen.

In jedem Ort, der zu einem kürzeren oder längeren Aufenthalt einlud, zog es Clemens eifrig an diese Kioske, die Sachen ausliegen hatten, die jedes DDR-Kinderherz höher schlagen ließen. Jedes Mal kam er mit einem relativ prall gefüllten Einkaufstütchen zurück. Das betrieb er wohl solange, bis der Kredit oder der Platz im Auto oder beides aufgebraucht waren. Nachfragen ignorierte er standhaft.

Auf dem Zeltplatz konnten die restlichen Familienmitglieder mit Staunen beobachten, wie das junge Finanzgenie die „Vermehrung seines Münzsammlungsreichtums“ in Angriff nahm. Zur Erklärung sei vornweg gesagt, dass Clemens ein viel jünger aussehender, goldbraun gebackener, strohblonder Junge war, der alljährlich in Ländern mit dunkelhaarigen Kindern auf der Liste „Entführungsgefährdet“ stand – vorausgesetzt, solch eine Liste hätte existiert. Er legte sich die komplette Sammlung von DDR-Münzen auf den Unterarm – denn er wollte ja tauschen, nicht betteln – und ging zu Zelt-Familien aus aller Herren Länder.

Wie er seine Sammelabsichten geäußert hat, kann hier nicht niedergeschrieben werden, denn er wollte keine Zeugen dabei haben. Wahrscheinlich hätten dabei Erziehungsautoritäten auch wirklich nur gestört. – Fakt ist, kurz nach seinem Auftauchen vor irgendeinem Zelt wurden befreundete Familien gleicher Nationalität lautstark zur Unterstützung herbeigerufen, bis alle Münzen gefunden waren. Besonders die Italiener legten einen besonderen Eifer an den Tag, dieses Kind glücklich zu machen.

Versteht irgendjemand, warum niemand sein DDR-Geld wollte?????? Und er alle Münzen immer und immer wieder zurück brachte???

Das wiederholte sich solange, bis er alle Posten seiner vorher erstellten Liste abgearbeitet hatte. – Im heimatlichen Berlin wurden dann Kataloge gewälzt, Münzen geputzt und Alben gefüllt, zum Glück aber keine Reichtümer angehäuft.

Drei Wochen etwa benötigte Clemens dafür, das Geld für die Rückzahlung des Kredits flüssig zu machen. An Klassenkameraden und Freunde verkaufte er die Sachen, die er auf der Reise in größerer Stückzahl gekauft hatte. Sein leichter Aufpreis hatte mit den üblichen Handelsspannen nichts zu tun und kann durchaus mit seinem Arbeitsaufwand begründet werden.

Ist es irgendwie verwunderlich, dass später das Studienfach BWL hoch im Kurs stand?

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Original: https://chh150845.wordpress.com/2010/04/18/fruh-ubt-sich/

Kommentare: april, paradalis, Sunny11178, Ute,

Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

10 Kommentare zu “Früh übt sich … RB

  1. Gut vorstellbar, dass du ein wenig mitstudiert hast! Bewunderte Weitsichts-Lehre=BWL – oder?
    Man beobachtet zeitlebens staunend, was bei Kindern und Enkeln so zutage tritt. Man fragt sich mitunter, woher das Kind das und das hat. Eine schlüssige Antwort ist nicht immer zu bekommen, doch auch „schwebende Verfahren“ sind was Tolles!?

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    • Danke, Sonja, für die herrliche Definition von BWL, die ich bisher immer nur schnöde unter „Betriebswirtschaftslehre“ kannte.
      Ich wäre nie so vermessen, anzunehmen, dass meine und auch andere Kinder alles nur von ihren Eltern oder Vorfahren ererbt haben – ich denke, einiges davon entwickeln sie auch absolut allein und vervollkommnen es zur Perfektion. Der Mann hat ja bestimmt eine Menge mathematischen Verstand vererbt, doch was die Tochter daraus gemacht hat, ging um viele, viele Einheiten darüber hinaus. – Mit der Musik erging es sicher ähnlich.
      Was ich meinen Kindern auf jeden Fall weitergeben wollte, ist achtsamer Umgang mit der Sprache – und das ist bei der einen besser, bei dem anderen „weniger besser“ gelungen.

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  2. Früh übt sich…liebe Grüße Leonie

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  3. Kaufmännische Talente äußern sich eben früh 😀

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    • Der Sohn hat auch schon ganz zeitig genäht – er hat sich seinen Konfirmationsanzug aus drei verschiedenfarbigen grauen Stoffen selbst genäht. – Ich hätte es nicht besser gekonnt.

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      • Ein vielseitiges Talent. Klar, gute Erziehung 🙂

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        • Heißt es denn nicht, Talente seien bestenfalls ererbt, nicht anerzogen.
          Meine Kinder müssen bei ihren Talenten jedoch mehr Vorfahren als nur die Eltern herangezogen haben – da müssen noch Großeltern großzügig abgegeben haben.

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          • Na ja, die Talente sind wohl ererbt, aber sie müssen doch auch gefördert werden. Schön, dass deine Kinder so viele davon haben !

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          • Liebe Myriade – du hast ja in deinem Beruf bestimmt auch Kontakt zu hochbegabten Kindern. Ich selbst bin keinesfalls dumm und so, aber auf keinen Fall hochbegabt. Und eines meiner Kinder war (und ist) nicht nur hochbegabt, sondern höchstbegabt – das stellt Eltern teilweise vor „Probleme“, die bestimmt nicht immer richtig gelöst oder angegangen wurden. – Die Folgen davon konnte man oder besser frau dann erfahren, als die Kinder keine Kinder mehr waren.

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