Claras Allerleiweltsgedanken

Wiederholungstäter-In

20 Kommentare

Neuauflage von diesem Post, nur anders, nur schlimmer und als Beweis, dass Frau nicht lernfähig ist.

Ich will mir eine Wohnung ansehen, zumindest erst einmal das Haus von außen und das Umfeld dazu. Alles gefällt mir erst mal gut, nur ich komme nicht an die Innenhofseite mit den Balkons heran, da alles hermetisch „abgeschirmt“ ist. Da die Tiefgarage offen ist, komme ich auf die unsagbar blöde Idee, mich von „hinten durch die kalte Küche“  in den Innenhof zu schleichen.

Gesagt – getan, gleich nebenbei die Stellplätze inspiziert und dann die richtige Ausgangstür gewählt. Zu spät merkte ich, dass die Tür von innen keine Klinke hat. An der nächsten Tür bin ich etwas klüger und klemme was dazwischen, was mir aber nichts nützt, da ALLE, aber wirklich ALLE anderen Türen, die sich mir dann zeigen, verschlossen sind. Viele sind Mieterkeller, eine Tür geht zum Hausmeisterbüro, der am Samstag Nachmittag natürlich auch nicht arbeitet, an den meisten steht nichts dran – und dann finde ich eine, an der steht handschriftlich „Treppenhaus“. Hier spätestens habe ich eine Türklinke erwartet, damit man z. B. mit vollen Taschen oder der Einkaufskiste vor dem Bauch ohne Schlüssel ins Treppenhaus kann.

Nach ca. 3 Minuten habe ich begriffen, dass ich wirklich und tatsächlich in der Falle sitze, zum Glück in einer mit Licht, sonst hätte ich durchgedreht. Ich merke, dass kein Handy funktioniert, noch nicht mal eine Notrufnummer. Die Polizei anzurufen würde dieses Mal also nicht funktionieren. – Mein Verstand sagt mir, dass schon irgendwann einmal jemand aus oder in die Garage will – aber meinem Kreislauf wird die Situation immer unangenehmer. Außerdem muss ich hochnotdringlich auf den Topp. Hätte es noch länger gedauert, ich hätte meine gute Kinderstube vergessen und meinen genetischen FingerPipiabdruck hinterlassen. Ich merke, dass ich NULL STRESSRESISTENZ habe. Ich sah mich schon „verdurstetverhungertverendet“ auf den Treppen sitzen – zu viel Phantasie ist auch nicht immer gut!!!

Also fange ich an, wie eine Irre an die Garagentür zu hämmern – doch ein Erfolg bleibt aus. Also wechsle ich die Tür. Wie bekloppt hämmere ich an die Tür, auf der Treppenhaus steht. Ich stelle fest, dass dieses Haus eine tolle Schallisolierung haben muss, denn auch jetzt passiert nichts. Der Panikpegel steigt, obwohl mir mein Verstand immer und immer wieder sagt, dass mir nichts passieren kann.

Doch als fast eine halbe Stunde vorbei ist, greife ich zum Äußersten. Ich trommle gegen die Tür und schreie ganz, ganz laut „HILFE, ich bin eingesperrt.“ – Kurze Zeit später kommt ein älterer Herr und fragt mich nur, warum ich so blass bin. Seine Frau hätte gehört, dass da jemand um Hilfe ruft. Dieser Frau würde ich glattweg einen Blumenstrauß schenken, wenn ich nochmals dort bin. – Nach diesen Minuten begriff ich, was Klaustrophobiker durchmachen, wenn sie Fahrstuhl fahren.

Gelacht habe ich anschließend in der Straßenbahn, in der ich mein Erlebnis „literarisch“ und „blogmäßig“ verarbeite. Der erste Satz auf Seite 299 in meinem aktuellen Buch lautet:

Ich musste fast fünf Minuten lang mit den Fäusten gegen die Tür trommeln, bis Henry endlich öffnete. …

Ich schloss das Buch und schaute in mein Smartphone, denn es war wieder empfangs- und sendebereit. Mir wurde eine neue Leserin angekündigt. Einer ihrer drei angepriesenen Artikel heißt: „PanikTierchen = Phobia vulgaris“ – und von da an habe ich mich der lange nicht gesehenen Umgebung jenseits der Straßenbahnfenster gewidmet. In einem schönen Café bei Eis und Kaffee und einem Telefonat mit Lucie verarbeitetelachte ich das Kellerkind.

Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

20 Kommentare zu “Wiederholungstäter-In

  1. Als ich eben bei dir lesen wollte, landete ich versehentlich bei Charming Quark- in meiner Blogroll eins obendrüber- es sprang mich das Meer an – hätte mich nun auch nicht mehr gewundert, wenn du plötzlich dort wärest……..

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  2. Bei uns sind von der Tiefgarage aus auch alle Türen nur mit Hausschlüsssel zu öffnen. Aber das Garagentor kann mittels eines Seilzuges von innen aufgemacht werden. Gab es dort so etwas nicht??? Clara, jetzt weißt du, dass du dir immer ein Hintertürchen offen lassen musst 🙂

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    • Ute, ich war aus der Tiefgarage schon eine Tür weiter und konnte nicht wieder zurück. Aus der Garage wäre ich vielleicht mit Schnurzug rausgekommen, aber manches Rolltor kann man auch nur mit dem Schlüssel öffnen. Aber ich hätte jedes ein- oder ausfahrende Auto gesehen und hätte nicht richtig abgeschnitten in der Falle gesessen.
      Ich Schussel habe schon so oft meine Tasche oder den Schlüssel im Auto vergessen. Wäre ich dann durch diese erste Tür durch, würde es mir wie der Forscherclara gehen, denn ich käme ja nicht ins Treppenhaus, um bei meiner Nachbarin den Ersatzschlüssel zu holen. – Mir würde diese Lösung nicht gefallen, gerade weil ich so schusselig bin.

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    • Daggi, das ist kein Wunder, dass dieser Kommentar erst einmal gesperrt war und ich musste ihn erst freischalten. Hätte ich mir die vielleicht irgendwann knapp werdende Atemluft auch noch mit Rauchgasbomben verknappen sollen???? Scherzkeks!

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  3. Unsere Handtaschen sind doch sonst so gut bestückt, neben Rettungsring und Wagenheber hättest du noch eine Brechstange deponieren müssen.
    Gut, dass du so ne starke Stimme hattest!

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    • Das stelle ich mir gerade lustig vor: Clara mit Brechstange, hihi, aber die Tür war ziemlich stabil und mit keinem Glaseinsatz, durch den ich hätte klettern können. Beschädigung von fremdem Eigentum – hätte teuer werden können.

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  4. Himmel, Clara, du kommst aber auch auf Ideen!
    Ich kann das durchaus nachfühlen, wie so ganz langsam Panik hochkriecht.
    Gruß von der Gudrun

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    • Gudrun, Gudrun, du krauchst in alten Fabrikgeländen herum – ist das nicht 10 Zähne schärfer und gefährlicher??? Ich dachte nur, alle Häuser sind nach dem Sicherheitsstandard ausgerüstet. – Nur das Beispiel: Ich Schussel habe meinen Rucksack oder meinen Schlüssel im Auto gelassen und merke das erst, wenn die erste Tür hinter mir zugefallen ist. Da muss ich doch eine Flucht- oder Ausgangsmöglichkeit haben – entweder zurück in die „offene“ Garage oder in das offene Treppenhaus.

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  5. nochmal gut gegangen, gut so 🙂

    ich verrate dir ein kleines Geheimnis, immer wenn ich irgendwo auf eine Toilette muss, schaue ich erst, ob ich notfalls oben drüber oder unten drunter weg kann, falls mal das Schloss versagt und nicht mehr aufgehen sollte … die spinnt eben manchmal, die Frau Blau …

    herzliche Grüsse und hab eine feine Woche
    Ulli

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    • Hallo Ulli, ich bin ein typisches DDR-Kind und dann noch die Exfrau eines Wohnungsbau-Planungsingenieurs. Man kam zwar aus dem Land kaum raus, aber solche Fallen hätte es im Wohnungsbau nicht geben dürfen. Natürlich muss die Tür zur Garage keine Klinke haben, denn da sollen nur Autobesitzer hinein. Aber ins Treppenhaus als Fluchtweg MUSS eine Klinke dran sein.
      Das mit der Fluchtmöglichkeit von der Toilette kann ich verstehen. In Berlin baut ja WALL viele schicke Toilettenhäuschen. Ich kenne Leute – was ich jetzt auch verstehen kann – die gehen nur zu zweit auf so eine Toilette – einer drin und einer draußen, der dann Hilfe rufen kann, wenn sich die Automatiktür nicht öffnet. Dabei könnte man aus diesen Toiletten evtl. noch selbst anrufen.
      Liebe Grüße zu dir!

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  6. Das nächste Mal, wenn du wieder auf Erkundungstour gehst, immer Notfallverpflegung dabei haben, falls es mal Stunden oder gar Tage dauern sollte, bist du gerettet wirst.

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    • Carlheinz … ich hätte noch nicht einmal dich anrufen können, damit du mir Nachschub bringst :-). Eine halbe Flasche Apfelsaft hatte ich bei mir – und der Mensch verdurstet ja sehr viel schneller als dass er verhungert. – Das tageslichtlose, fensterlose Eingeschlossensein – das war es wohl, was mir Probleme bereitet hat.
      Lieb von dir, dass du nicht auch Wochen und Monate ins Kalkül gezogen hast!!!! 🙂 – Mit Stunden liegst du richtig, denn am Samstag nachmittag sind alle Einkäufe erledigt. … ufffffffffff!
      Ohne mich wäre es für euch hier nicht so lustig, stümmmmmmmmmmts?

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      • Das stimmt, wir alle hätten dich alle vermisst, und ich hätte eine Suchaktion in Berlin nach dir gestartet und alle Häuser, Türme, Kirchen und alles andere auf den Kopf gestellt. Wir hätten dich garantiert rechtzeitig gefunden, bevor dir der Apfelsaft ausging.

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        • Carlheinz, da hätte ich aber an meinem Fläschchen nicht durch das große Loch nuckeln dürfen, sondern nur Milliliterweise. – Aber allein der Rettungsgedanke rührt mein Versteckspiel-Herz (war aber unbeabsichtigt!) und spornt mich zu neuen Erforschungszügen an.

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  7. Was machst Du für Sachen? Liebe Grüße an die befreite Berlinerin

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