Claras Allerleiweltsgedanken

Ein Kontakt im Bus …

17 Kommentare

war zwar kurz, aber nachhaltig

Als ich zum Doppelkopfturnier am Samstag Abend fuhr, ärgerte ich mich schon, dass ich nicht vorher in die Verkehrs-App geschaut hatte, denn dann wäre mir der Schienenersatzverkehr erspart geblieben.

Doch am Ende der Busfahrt freute ich mich, dass es so gekommen war.

Alles rannte von der S-Bahn zum Bus und ich kam erst, als er schon sehr voll war. Ich stand neben einem jungen Mann, der auf einem Einzelsitz am Fenster saß. Er schaute mich an und stand auf – was er sprach, konnte ich nicht verstehen, bedankte mich aber freundlich. Plötzlich zog er sein Smartphone und zeigte es mir. Ich sah sofort die vielen arabischen(?) Zeichen, aber dann war ein großes Feld in  deutscher Sprache. Inhaltlich war es in etwa so: „Der Islam gebietet dir Ehrfurcht vor dem Alter“. – Ich bedankte mich noch einmal.

Und dann merkte ich, wie sehr ihn meine Freundlichkeit erstaunt und erfreut hat. Obwohl er so gut wie kein Deutsch konnte, begriff ich, dass er Syrer ist und seine Frau mit zwei Kindern noch in Syrien lebt. Die ganze Busfahrt über sah ich Fotos von seinen Kindern und auch von seinem Bruder mit Familie, der in Schweden angekommen ist.

Was mag in solch einem Menschen vorgehen, der von heut auf morgen von allem getrennt ist, was ihm lieb und teuer ist. Wie vereinsamt muss sich jemand fühlen, dass er einer wildfremden Frau im Bus seine Familienfotos zeigt.

Auch wenn ich kaum bete, doch manchmal ist mir danach, zu sagen:

Danke, dass wir es hier gut haben – aber kannst du es nicht einrichten, dass nicht die halbe Weltbevölkerung in Krieg oder Hunger leben muss. Bisschen mehr Gerechtigkeit wäre doch nicht schlecht!

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Autor: Clara HH

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

17 Kommentare zu “Ein Kontakt im Bus …

  1. Ach, Clara, ich hab auch schon gebetet.
    Ein alter Mann spielte uns auf einem Musikinstrument aus seiner Heimat vor. Aus Dank, dass er hier sein darf. Schon als ich mit Kindern mit Wolle bastelte, hat er still zugesehen. Ich habe noch nie solch traurige, schmerzerfüllte Augen gesehen. Die vergesse ich nie wieder.

  2. Meinen Vormirkommentierenden schließe ich mich an!

    • Mir auszumalen, einen ganz kleinen Sohn und eine nicht viel ältere Tochter zu haben und befürchten zu müssen, was mit meiner Frau in der Heimat passieren kann – ich glaube, das kann jemanden schon fast an den Rand des Wahnsinns bringen.
      Aber es gibt Deutsche, die mokieren sich darüber, dass die Flüchtlinge teure I-Phones haben. Wie missgünstig kann man denn eigentlich sein???

      • Das ist nicht nur missguenstig, das ist elende dumm! So viele, viel zu viele Herdentiere, die nichts lesen ausser dieser B/zeitung!

        • Wenn alle Dummen Herdentiere wären, sollten sie sich wie die Lemminge benehmen und hinter einem „Führer“ ins Meer fallen – ich male mir gerade aus, wie es ohne solche Leute wäre.
          Leider denke ich, dass wir alle erstaunt wären, wer dann alles plötzlich nicht mehr da ist.

  3. Liebe Clara, ich stelle es mir ganz furchtbar vor, so etwas auf mich nehmen und meine Lieben zurücklassen zu müssen… Schlimm nur, dass es nicht bei allen so ist, und damit die, die wirklich Hilfe bräuchten und es gut meinen, in der Masse untergehen. Daher ist diese Begegnung umso schöner! Alles Liebe zu dir!

    • Liebe CfkS (wie findest du meine Neuschöpfung??? Sicher nicht gut), also, liebe Commemorate, es waren ja auch schwangere Frauen auf der Flucht. Wie unaushaltbar muss die Situation in ihrer Heimat gewesen sein, dass sie sich trotzdem auf dem Flucht begeben haben.
      Ich wünsche, dass Allah, Gott oder jegliches höhere Wesen, so es sie denn gibt, all den Hilfsbedürftigen wirklich Hilfe zukommen lässt – gern aus deutscher Hand, gern aus anderer Länder Hand – Hauptsache, es gibt Hilfe.
      Für dich eine gute Zeit!!!!!

      • Liebe Clara, für dich gerne auch weiter Sunny 🙂 Aber mit deiner Abkürzung kann ich auch gut leben 😉
        Ja, da hast du recht… Wenn ich mir überlege, ich wäre jetzt so unterwegs… Ich bin so froh, wenn ich abends meine Beine hochlegen kann, meine Kleinigkeiten habe, die mir Freude machen, einen Mann, auf den ich mich verlassen kann, genug Geld, dass wir das Zwerglein durchbringen… Nein, das ist eine Horrorvorstellung… Wir sollten so dankbar sein, dass es uns gut geht. Und helfen, wo es nötig ist… Drück dich!

        • Ich gleich nochmal – jetzt habe ich getestet, ob alte Verbindungen noch verbindend sind – sie sind es, auch wenn nur ein Maschinchen spricht, aber wenigstens wurde der Name gesagt und nicht nur die Nummer, so dass ich wusste, dass ich richtig gelandet war.
          Du hast so Recht – uns geht es sehr, sehr gut.

  4. Auch er wird eure Begegnung bestimmt in Erinnerung behalten. Du hast ihm gezeigt, dass es Menschen gibt, die Mitgefühl und Verständnis haben.
    Dir ein schönes Wochenende
    lieben Gruß Barbara

    • Dankeschön, liebe Barbara, für deine Worte. Einerseits finde ich es so selbstverständlich, was ich getan habe – doch in unserer angespannten Situation mit Flüchtlingen ist es vielleicht wirklich nicht ganz selbstverständlich. Ob ich mir von einem Deutschen die ganze Zeit Familienfotos angesehen hätte, wage ich anzuzweifeln – aber den hätte ich auch nach dem Grund fragen können, warum er mir, einer Fremden, diese Fotos zeigen will. Doch hier hätte ich ihn noch nicht mal gefragt, wenn wir uns hätten verständigen können. – Das Leben ist für diese Hier Angekommenen und zum Teil nicht Angenommenen sehr, sehr schwer – und nach Köln sicherlich für Männer noch schwieriger als für Frauen.
      Einen ganz lieben Gruß schicke ich dr!

  5. liebe clara – das habe ich auch schon oft gedacht – ich bin so froh, dass ich da, wo ich bin, leben darf. und zufälligerweise hat mein blog von sonntag die ähnliche thematik.
    nun wünsche ich dir ein gutes wochenende. und entwurtzelten menschen ähnlich wärmendende begegnungen, wie der syrer eine hatte, als er dir eine busfahrt lang seine fotoerinnerungen an seine liebsten zeigen durfte. barbara

    • Liebe Barbara, wenn er ein bisschen mehr Englisch gekonnt hätte und ich besser verstehen könnte, was bei Umgebungsgeräuschen gesagt wird, hätte ich mich gern mit ihm unterhalten. Ich weiß so gut wie nichts von ihm – nur dass er eine hübsche Frau in Syrien hat und zwei Kinder – ein Junge, der mit einem reichlichen Jahr kaum auf so eine gefährliche Flucht mitgenommen werden kann, ein Mädchen, das mit strahlenden, ca. 4jährigen Augen in seine Handykamera geschaut hat.
      Wenn ich manchmal diese idiotischen Bemerkungen lese: „Ja, die haben ja alle Geld, denn sie haben sogar ein I-Phone“, da könnte ich zuschlagen vor Wut. Dort auf diesem „Ding“ sind all ihre Erinnerungen gespeichert. Und ich danke für alle, die ihr Phone durch die Wasserfluten retten konnten.
      Ich bin so dankbar, dass ich 70 Jahre alt werden durfte, ohne so etwas Schreckliches erlebt zu haben.
      Ganz liebe Grüße von mir
      PS: Du bloggst also auch vor? Oder du weißt schon dein Thema für Sonntag.

      • ja, es kommt immer wieder vor, dass ich beim schreiben eine zweite geschichte «finde», die schreibe ich und lege sie auch mal auf die seite. meist publiziere ich am folgetag, damit ich noch ergänzungen, änderungen … vornehmen kann. lieber gruss. barbara

  6. Kriege , liebe Clara, werden ja leider von Menschen geführt und solange Egoismus, Habgier und Machthunger die Welt beherrschen wird sich daran auch nichts ändern zum Leidwesen derer die aus ihrer Heimat fliehen müssen und dafür noch abgestraft werden weil sie leben möchten …. es ist eine traurige Welt geworden … aber ich glaube dass dieser junge Mann ein gutes Gefühl mit heim genommen hat da er durch dich vermittelt bekam dass nicht alle Menschen ablehnend gegenüber Flüchtlingen sind.

    • Hallo wolfcat, ich habe mir gerade mal deine gesamte Profilbeschreibung durchgelesen – toll. Schön, wenn man auch als Rentnerin (manchmal ist das ein Segen, manchmal ein Fluch) noch zu Spontanentscheidungen neigt – das muss die Mit- und Umwelt schon verkraften können.
      Der Generation vor mir – der ging es auch so, sie wurden aus ihren angestammten Wohngebieten vertrieben. Meine Mutter hatte noch riesiges Glück. Sie wurde kurzzeitig nach Bayern evakuiert, wo ich auch geboren wurde, konnte dann aber in ihre intakte Wohnung zurück. Diese war ca. 70 qm groß. Wir lebten zu dritt – Mutter, großer Bruder, ich. Dazu wurde eine Flüchtlingsfrau mit einer Tochter eingewiesen. Sie schlief mit ihrer Tochter in einer kleinen unbeheizten Kammer in einem Bett. Trotzdem fand es meine Mutter gut, dass diese Frau da war, denn so konnte sie Abendunterricht an der Volkshochschule geben und das notwendige Geld für Miete und Leben verdienen.
      Und die Welt ist heute auf höherem Niveau ähnlich schlimm.
      Danke für deinen Kommentar! Liebe Grüße von Clara

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