Claras Allerleiweltsgedanken


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Handwerk hat goldenen Boden …

… und manchmal auch goldene Preise!

Damit ich beim Ein- und Umräumen in Übung bleibe, habe ich beschlossen, meine Küchenspüle zu wechseln bzw. wechseln zu lassen. Sie gefällt mir weder von der angegriffenen Oberfläche noch von der dunkelbraunen Farbe her. Im Moment ist mir in diesem unserem Land zu viel braun.

Durch „Zufall“ kam ein Installateur ins Haus. Obwohl es vorher nicht abgesprochen war, griff ich die Gelegenheit beim Schopfe und trug mein Anliegen vor. Über Farbe und Material hatte ich mich schon schlau gemacht. Es sollte eine helle Granitspüle sein, damit ich später, wenn ich tatterig geworden bin, auch Töpfe oder Deckel hineinfallen lassen kann, ohne dass größerer Schaden entsteht und heiße Töpfe will ich auch schadlos abstellen können. Im Baumarkt hatte ich geeignete Objekte entdeckt, die in der Preislage von 165,00 bis 195,00 € lagen, also nicht unbedingt aus der Portokasse zu bezahlen sind.

Der Handwerksmeister stellte sich beim Aufmaß des Ausschnitts in der Arbeitsplatte nicht geschickter als ich an. Dann zog er ab und recherchierte bei seinem Großhändler B*är und O*llenroth nach einer Granitspüle aus dem Sortiment von B*lanco.

Als er mit dem Preis herausrückte, konnte ich nur sagen: „Ich wollte keine Spüle mit einem goldenen Boden!“

Er wollte sage und schreibe 469,00 € PLUS Mehrwertsteuer, also rund 560,00 € allein für die Spüle – und dazu dann noch 226,00 € Arbeitslohn als Festpreis = gesamt 784,00 €. Da konnte ich nur schlicht und ergreifend nein sagen. – Irritiert hatte mich sofort, dass er mir eine Kopie aus dem Katalog von B&O  vorlegte, auf der die Preise aber nicht gedruckt, sondern handschriftlich eingesetzt waren. – Inzwischen habe ich mit einem Trick den Kaufpreis ermittelt, den er bei dem Großhändler bezahlt hat. Somit hat er versucht, bei mir über 300,00 € Gewinn zu machen. Das wäre fast ein Grund, ihn bei der Handwerkskammer anzuzeigen.

Ich recherchierte im Netz und fand genau diese Spüle für 258,00 € und für 265,00 €. Als ich ihm anbot, dass ich die Spüle kaufe und er sie nur einbaut, hat er gemeint, dann solle ich sie mir auch von einem anderen einbauen lassen. – Nur gut, denn sein Arbeitslohn war eben so überzogen wie der Spülenpreis. – Wenn alles fertig ist, trinke ich den Champagner lieber als dass ich ihn als Spülenfarbe habe.

 

2302 Spüle

 

Wenn ihr es nicht weitersagt, verrate ich euch, dass ich mir im Baumarkt eine Granitspüle für 165,00 € geholt habe, das fand ich teuer genug. Außerdem ist sie viel formschöner als diese hier. – Ich fragte bei H*ornbach nach der oben angeführten B*lanco-Spüle und die freundliche Verkäuferin schaute nach – dort kostet sie sogar nur 248,00 €, preiswerter als das billigste Onlineangebot. – Ich habe nichts dagegen, dass ein Handwerker verdienen will – doch das soll er bitte mit seiner Arbeitsleistung und mit fairen Materialpreisen machen.

Ich fragte wegen des Arbeitslohns bei einem anderen Installateurbetrieb – die wollten sich auf den Endpreis als Arbeitslohn nicht festlegen, meinten jedoch, eine Arbeitsstunde kostet 42,00 € (Endpreis, nicht zuzüglich Märchensteuer) + 19,00 € Anfahrtskosten. Das würde bedeuten, „mein“ Installateur plante ca. 5 Stunden Arbeitszeit, um eine Spüle zu wechseln – mehr oder weniger 1:1, da der Ausschnitt schon da ist und lediglich ein paar Schrauben gelöst und neue befestigt werden müssen und nur der neue Ablauftrabs angebracht werden muss. Die Mischbatterie muss nicht angefasst werden – die ist oberhalb der Spüle an der Wand. Durch das Wort „Festpreis“ könnte er das Geld auch einfordern, wenn er nach einer halben Stunde fertig ist.

Die neue Spüle ist da und ich zeige euch zwei Collagen von der alten und der neuen.

2902 Alte Spüle

2902 Neue Spüle

HALTEN VIELE HANDWERKER ÄLTERE DAMEN FÜR STEINREICH ODER EINFACH NUR FÜR STRUNZDUMM???

 

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Ein Chef kommt zu Ehren

Dass ich einen Sohn habe, ist bekannt. Dass dieser eine Minimanufaktur hat, die Dinge produziert, die Hunde und auch Pferde brauchen, ist vielleicht schon weniger bekannt. Und dass dieses Geschäft recht gut läuft und dass nach knapp 2 Jahren die alten Geschäftsräume zu klein wurden, erzähle ich euch jetzt. Dass aber nicht mein Sohn, sondern sein Hund Lenny der eigentliche Chef der Firma ist, ist seit langem Brauch.

Am letzten Wochenende hat der Firmenumzug in größere Räume in Weißensee stattgefunden. Und damit jetzt wirklich alle Angestellten und Kunden wissen, wer der Chef ist, war Anja vom Blog „Sehhund …“ so lieb, und hat mir ein Bild von Lenny, dem Chef, gemalt. Ich habe ihr einfach mehrere Fotos gemailt und sie hat sich eins davon ausgesucht.

Ich zeige euch mal, was daraus geworden ist, bevor ich es zu meinem Sohn gebracht habe, damit es dort aufgehängt werden kann.

Anja, noch einmal ganz, ganz lieben Dank , dass du den kleinen Rabauken so liebevoll gemalt hast.

Der zweibeinige Chef war sehr überrascht und auch erfreut, obwohl er diese Gefühlsäußerungen sehr viel zurückhaltender als seine Mutter äußert. Aber er schaute sich gleich und sofort nach einem Platz um, wo das Bild aufgehängt werden kann.


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MEIN Regen ist …

… ungeheuer vielSEITIG und sehr ausdauernd

Ich bin nicht der Typ, der oft über das Wetter klagt, weil es zu heiß, zu kalt, zu stürmisch, zu trocken, zu nass oder zu „wettrig“ ist, aber das seit Tagen vorherrschende Phänomen ist mir einen eigenen Artikel wert.

Zum Verstehen notwendige Vorgeschichte:

  • Aus dem Küchen- und auch aus dem Badezimmerfenster könnte ich das NORDkap sehen, wenn nicht in nächster Nähe mir eine Häuserreihe den Blick bis dahin versperren würde 🙂
  • Aus einem einzelnen Wohnzimmerfenster könnte ich nachts die Sterne am südlichen Firmament strahlen sehen, wenn denn in Berlin außer der Leuchtreklame noch etwas anderes strahlen würde – zumindest keine Sterne
  • Vom Balkon aus und eben so aus meinem Zimmer und Ola aus ihrem Zimmer – aus allen diesen Fenstern könn(t)en wir der Sonne im WESTEN beim Untergehen zusehen, wenn es denn Sonne gäbe, die untergeht. Sie scheint sich das gesamte politische Drama in Deutschland nicht ansehen zu wollen und hat sich zurückgezogen.

Normaler Weise findet Wetter in einer Himmelsrichtung statt, man oder frau kennen die kalten Ostwinde, die stürmischen Westwinde oder die heißen Saharawinde, die natürlich aus dem Süden kommen.

Doch MEIN REGEN tropft seit Tagen aus ALLEN Himmelsrichtungen, was ich damit beweisen kann oder könnte, dass ALLE Fensterscheiben von oben bis unten voller Regentropfen sind. Nach so einer langen Regenzeit kann der Regen nicht mehr „sauer“ sein, nur die Leute könnten sauer werden – aber die sind ja langmütig – mit dem Wetter haben sie mehr Geduld als mit den Politikern, die NICHTS oder zumindest nicht viel Gescheites auf die Beine bringen.

Sollte ich mal Fenster putzen wollen, muss ich das sicher nur von innen machen, denn die äußeren müssten blitzblank sein, da Regen ja keine Kalkablagerungen enthält.

Und weil ich Regen so schön finde, wenn er von der Natur dringend gebraucht wird, gibt es jetzt noch eine Regencollage.


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Wohnen oder leben???

Anlass für diesen Artikel war der Post einer Blogfreundin, die in der Bayernmetropole eine Wohnung sucht. Eine Nadel im Heuhaufen findet man offenbar schneller als eine bezahlbare Wohnung. – Und dann Berichte im Fernsehen, in denen gesagt wird, wie viel Tausende von Sozialwohnungen fehlen. Die Leute haben oder finden keine Arbeit, sollen aber die teuren Wohnungsmieten zahlen können.

Oder besser: Wohnen UND leben!

Anfang 2000 begab ich mich auf Wohnungssuche, da ich den Arbeitsweg verkürzen und Mutter und Tochter (ich) eine eigene Wohnung zukommen lassen wollte. Es war nicht sehr schwierig und es fanden sich auf einer Straße dicht beieinander zwei Wohnungen. Für meine war ein WBS erforderlich, was bei meinem relativ niedrigen Einkommen keine Hürde war. Dennoch war die Wohnung mit ca. 800 DM für mich bezahlbar und wunderbar groß, 64 qm, fast etwas zu groß, aber nur zwei Zimmer. Nach Bezahlen der Nebenkosten wie Strom, Telefon, Fahrkarte und Versicherung blieb immer noch Geld zum leben. Unter leben verstehe ich so etwas wie Kultur, Reisen, mal essen gehen, mal Kleidung kaufen, mal ein Haushaltsgerät erneuern, auch noch etwas Geld für das Auto übrig haben.

So lange die soziale Bindung bestand, wurde die Miete nicht erhöht, nur in Euro gewandelt. Doch ich war inzwischen arbeitslos geworden und das früher übliche Arbeitslosengeld mit nachfolgender Arbeitslosenhilfe wurde in den Einheitsbetrag von Hartz IV umgewandelt. Und da wurde es plötzlich eng, denn das Haus wurde verkauft und der neue Eigentümer erhöhte mit schöner Regelmäßigkeit in den erlaubten Fristen die erlaubten Prozentzahlen  der Kaltmiete. Da konnte ich bei den Betriebskosten noch so sehr geizen und sparen, es wurde unbezahlbar. Immer und immer wieder versuchte ich, eine kleinere Wohnung zu finden – doch diese ließen sich zwar finden, waren aber vom Prinzip eben so teuer wie die meinige, so dass ein Umzug Nonsens gewesen wäre.

Im letzten Jahr, als ich auszog, betrug die Warmmiete ca. 630,00 €, die Rente lag bei knapp 900,00 €. Mehr als 2/3 seines Einkommens allein für die Miete ohne Gas, Strom und die oben aufgezählten Kosten – das konnte nur mit Hilfe der Unterstützung durch meine Mutter noch gewuppt werden, denn sie hatte eine traumhaft gute Mehrfachrente.

Bevor ich hier einzog, erkundigte ich mich bei Wohnungsbaugenossenschaften in Ostberlin nach einer Wohnung mit Fahrstuhl – so ca. 50 qm groß oder klein. Der Mensch sagte mir wortwörtlich ins Gesicht:

Wir können sie leider nicht aufnehmen, dafür ist ihre Rente zu gering, sie würden bei uns bestenfalls eine Einzimmerwohnung beziehen können.

Ich denke, alle Rentner oder alle Beschäftigten mit einem niedrigen Einkommen werden wohl weiterhin auf den Luxus des Lebens (Kultur, Reisen und anderes) verzichten müssen, wenn sie halbwegs anständig wohnen wollen. Und dabei habe ich ein ganzes Leben lang gearbeitet – nur in den interessanten Jahren, die die Rente aufgebessert hätten, war ich arbeitslos.

Wenn ihr mich fragt, mir ist gutes Wohnen wichtiger als teurer Urlaub oder so.

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Bitte nicht ein Wort des Mitleids oder Bedauerns, darum geht es mir nicht. Ich bin mit meinem Leben zufrieden. Außerdem bekomme ich ab und an finanzielle Unterstützung.

 

 


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Richtig oder falsch entschieden?

Vor einigen Tagen (9.2.) hatte ich einen Termin bei einem neuen Hausarzt – auf diesen hatte ich über 6 Wochen warten müssen. Und ich muss sagen: „Ich HÄTTE gehabt, denn ich Trottel habe die zwei im Handy eingestellten Wecksignale überhört. Wie müde und verschlafen muss frau denn sein, dass ihr das passiert? Oder ist das einfach ein Zeichen für die Qualität meines Bettes, was mich auch nach 7 Stunden Schlaf noch nicht freigeben will???

Es war kurz vor dem Termin und ich meldete mich telefonisch, dass ich leider etwas später komme, weil ich verschlafen habe. Und das war nach Aussage der Sprechstundenkraft nicht möglich – das ließe sich nicht einrichten. Ich hatte angenommen, dass die ein oder zwei nächsten Patienten hätten vorgezogen werden können.

Der neue Termin, den sie mir vorschlug,  war mit großem Glück Anfang März – eigentlich seien sie mit der Terminvergabe schon im April. Ich suche einen HAUSARZT, keinen exzellenten Spezialisten. Bei meinem bisherigen Hausarzt gab es innerhalb einer Woche einen Termin. – Vielleicht muss ich meine Wahl noch einmal überdenken?

Clipart

Clipart


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„Wut“ – eine Geschichte von Iris Boden

… und zwar aus ihrem neuen Buch „Schau in den Spiegel, wenn du dich traust

Ich bringe sie deswegen, weil sie auch mit der in den letzten Beiträgen diskutierten „Platte“ zu tun hat. Ich denke, der Ruf von Plattenbauten ist z.T. deswegen so schlecht, weil durch die niedrigeren Mieten viel sozial schwache Bewohner hinziehen, die leider oft auch einen Hang zur Kriminalität haben. Aber lest selbst. – Und wenn euch die Geschichte gefällt, das Buch kann man kaufen!!!

Doch zuvor will ich euch noch eine Photocollage zeigen, die ich in einem Vorort von Berlin aufgenommen habe. Die Grundstücksbreite ist gleich der Häuserbreite und die beträgt genau 5,00 m. Ich denke, wenn man Grundstücke so dicht auf- und nebeneinander baut, kann der soziale Friede auch schnell gestört werden. Ich möchte um nichts in der Welt in solch einem Haus wohnen, deswegen stehen mir gleich und sofort die Haare zu Berge.

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Im Wedding, ein nördlicher Bezirk im alten Westberlin, gab und gibt es viel Konfliktstoff. Auf den Straßen trifft man viele Afrikaner, vielleicht haben sie deswegen ihre eigene Straße bekommen 🙂 – Eine Hausverwaltung preist ihre „bunten“ Wohnungen an, doch der Quadratmeterpreis liegt so ca. bei 12,00 qm warm – da kann man wirklich und wahrhaftig nicht mehr von günstig sprechen.

Ich denke, es wird immer schwerer, eine günstige und dennoch gute Wohnung zu bekommen.

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Doch jetzt endlich zu der Erzählung „Wut“ von Iris Boden.

1702 Wut IB 5

Es sind bestimmt nicht wenige Kinder, die Gewalt erfahren und die Gewalt weitergeben.


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Ich komm‘ von der Platte nicht los

Bevor ich den Beitrag hier veröffentlichen wollte, habe ich mich einen weiteren Nachmittag auf Straßenbahnkreuzfahrt durch den ehemaligen Osten von Berlin begeben. Alle Stadtteile, wie da sind: Ahrensfelde, Hohenschönhausen, Hellersdorf und Marzahn wurden aus den Straßenbahnscheiben beäugt. Wenn ich mich in die Seele eines Westlers hineindenke, kann ich mir vorstellen, dass der ob so einer Stein“wüste“ entsetzt ist. Die DDR hatte in etwa drei Typen von Wohnungbauhöhen. Kurz nach dem Krieg waren die Neubauten noch 3-4 geschossig, doch das änderte sich – Bauland war knapp und teuer. Man fing mit 5-Geschossern an (ohne Fahrstuhl natürlich), die dann mit einer Sondergenehmigung auf 6 Etagen ausgeweitet wurden. Die jungen Mütter, die ihr Kind und die Einkaufstaschen tragen mussten, konnten sich das Geld für das Fitnessstudio sparen. – Dann kamen die 10-Geschosser, die fast alle als 11-Geschosser gebaut wurden. (Entschuldigt die laxe Ausdrucksweise, aber mein Ex arbeitete im Wohnungsbaukombinat und da wurden die Häuser so genannt.) – Dort in diesen Stadtteilen gab es überdurchschnittlich viele richtige Hochhäuser, die mindestens 20 Etagen hatten.

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Ich bin mir nicht im klaren, was ich eigentlich beabsichtige: Will ich den in der DDR üblichen Plattenwohnungsbau verteidigen oder will ich zeigen, dass im anderen Teil Deutschlands auch nicht viel anders gebaut wurde, weil die Platte eine der kostengünstigsten Bauweisen für den Massenwohnungsbau ist? Wie oft hat Besuch aus dem Westen unsere riesigen Stadtteile Marzahn, Hellersdorf, Ahrensfelde und Hohenschönhausen belächelt, denn sie bestanden – bis auf winzige Altbaureste – ausschließlich aus Plattenbauten. Ich denke, die Leute, die vorher in einer versifften Altbauwohnung gewohnt hatten, waren froh und glücklich über eine bezahlbare Wohnung, die hell, trocken, Heizung und Warmwasser und zu 80 % auch einen Balkon hatte.

Hier in Berlin-West, wo ich seit 2000 wohne, gibt es ebenfalls mehr als genug Plattenbauten. Vielleicht waren sie fassadenmäßig nicht so grau und unscheinbar wie die DDR-Bauten, aber die DDR hatte finanziell eben auch das „kürzere Hemd“ an.

Wenn ich ehrlich bin, verstehe ich bis heute nicht richtig, warum die „Platte“ so einen schlechten Ruf hat. Erinnert euch an die Fotos vom Hochhaus in Marienfelde: da standen die 10geschossigen Bauten auch dicht bei dicht. In Großstädten, wo das Bauland Gold wert ist, muss in die Höhe gebaut werden. Wir sind mit unseren Hausetagen immer noch sehr bescheiden – andere Länder, u.a. die Amis, bewegen sich in Werten von 60 Etagen aufwärts.

Der Brandschutz wurde z.B. in solchen Häusern, in denen ich jetzt wohne, ziemlich vernachlässigt. An den Fahrstühlen hängt:

Bei mir ist im Treppenhaus eine Klappe in der Decke, die ich mit einem Haken an einem langen Stock öffnen könnte, um bei Brandgefahr aufs Dach zu flüchten. – Als ich irgendwann in der zweiten Etage wohnte, wollte mir ein Freund dicke Handschuhe und ein mit vielen Knoten versehenes langes Seil beschaffen, damit ich mich im Ernstfall aus dem Fenster abseilen kann. Wenn man so etwas nicht öfters trainiert, dann fällt man wohl wie ein nasser Sack von dem Seil ab. Ich hätte dann lieber auf die Feuerwehr gewartet.

Jetzt bleibt mir als Fluchtort nur mein eigener Balkon. Die Feuerleitern der Rettungsfahrzeuge sind nicht so lang und ins Sprungtuch über die Balkonbrüstung möchte ich auch nicht unbedingt springen. Da haben es die richtigen Hochhäuser besser – da ist das Treppenhaus separat und extra brandschutzgesichert. Die Treppenhausloggien an zwei unterschiedlichen Seiten des Hauses müssen alle Bewohner einer Etage aufnehmen können.

Jetzt will ich einfach noch ein paar farbige Fassaden aus Ostberlin zeigen, wie ich sie auf einer Straßenbahnfahrt durch die Stadt aufgenommen habe.

An einem Giebel konnte ich täuschend echt gemalte Balkons entdecken. Erinnert ihr euch noch an die Häuser in Hellersdorf?

1502 Bln Hellersdorf 20

Aber es gab noch viele andere bunte Häuser oder besser: farbige. Dadurch, dass der Osten früher so grau war, fühlten sich viele Hauseigentümer – in diesen Fällen immer große Hausverwaltungen – bemüßigt, ihre Wohnblocks aufzuhübschen. Viele liefen im Schönheitswettbewerb ihren Kumpeln im Westen davon. Doch auch dort hat man in den kritischen Wohngebieten (leider wohnten im Westen in der Platte meist nur sozial Schwache, so dass es dort häufig zu Konflikten kam) viel getan, um diese Wohnviertel aufzuwerten. (Die schwarzen Rahmen sind die S-Bahnfenster, doch ich wollte nicht überall aussteigen.)

1502 Bunte Fassaden Ost 09

Und dann fuhr ich an ganz vielen Schafen vorbei – genau gegenüber vom Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge. Und gleich und sofort an Gudrun gedacht.

1502 Schafe in Berlin 12

Manche Wohnblocks sind weniger farbig, aber fast alle saniert und in ordentlichem Zustand. Die Mieten sind immer noch bezahlbarer als in meiner Gegend – darüber schreibe ich auch noch.

Wenn ich – wie so oft – einen Obdachlosen sehe, bin ich so glücklich, dass ich eine schöne warme Wohnung habe. Ich fände es undankbar, darüber zu zetern, dass sie nicht in einem Einfamilienhaus ist.

Als ich mit der Straßenbahn unterwegs war, kam ich an der Windmühle in Marzahn vorbei – ein Überbleibsel der ehemaligen dörflichen Umgebung. Mich hat vielmehr dieser Fahrgast irritiert. Lag es an seiner Armut, lag es an etwas anderem? Aber Leute ohne Zähne wirken im Gesicht recht eingefallen. So möchte ich nicht rumlaufen müssen. – Immer wieder musste ich heimlich hinschauen, wie er krampfhaft bemüht war, den Mund zusammen zu kneifen.

1502 Windmühle Mann 06


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Wenn das Vergessen stärker wird als das Erinnern

Heute breche ich mal mit meiner Tradition, an einem 13. immer nur von guten Sachen zu erzählen.

Seit meiner Schulzeit – konkret seit der 1. Klasse – habe ich eine Freundin. Im Juni 2010 beantwortete ich mal ein Stöckchen und schrieb folgendes über sie (es ging um Sachen, die wir das erste Mal gemacht haben)

Zum ersten Mal einen Spickzettel geschrieben (1952)

  • Clara ist in der ersten Klasse; das erste Diktat, bestehend aus 5 Wörtern, wird vorbereitet (und, das …)
  • Freundin Bärbel und sie beschließen, einen Spickzettel zu schreiben, obwohl sie alle Wörter auswendig und richtig schreiben können
  • Claras Zettel bleibt unbenutzt unter der Bank, Barbara wird erwischt und verpetzt ihre Mittäterin

Fazit: Spickerkarriere vorzeitig wegen Nichteignung abgebrochen

Unser Kontakt ist nicht sehr eng, aber er ist auch nicht abgebrochen, als sie in der 5. Klasse mit ihrer Mutter „in den Westen abhaut“ und später lange Jahre in Nigeria wohnt, weil sie einen nigerianischen Arzt geheiratet hat. Irgendwie haben wir uns immer wieder gefunden – und nach der Wende natürlich um so besser. Ich fuhr ja drei Jahre lang fast jedes Wochenende nach Hamburg – und dort hat sie eine wunderschöne Wohnung. Oft besuchte ich sie mit ihren beiden hübschen Söhnen. Den jüngeren von beiden habe ich euch damals in dem Artikel mit den Hörnern vorgestellt. Bis vor kurzem lebte auch ihre Mutter noch, die sich gut an unsere Freundschaft in Kindertagen erinnern konnte.

Schon seit längerer Zeit hatten wir, ihre Freundinnen, festgestellt, dass die Demenz immer stärker bei ihr wird.

Unser letztes Telefonat verlief in etwa so: (sie hatte mir auf dem AB zum Geburtstag gratuliert)

C: Barbara, willst du mich schon wieder ein Jahr älter machen? Ich habe doch jetzt gar nicht Geburtstag.

B: Doch, ich habe doch deinen Namen in der Küche auf einem Kalender gelesen. (Da sie immer anonyme Kosebezeichnungen wie Spätzchen oder so verwendet, fragte ich sie, welcher Name denn dort gestanden hat. Und ich musste leider feststellen, dass es nicht meiner war und sie meinen auch nicht wusste – und dann ging das Gespräch weiter)
Du mus
st mich unbedingt mal in Hamburg besuchen kommen, denn du kennst ja meine schöne Wohnung noch gar nicht.

C: Barbara, du wohnst doch schon lange Jahre dort und ich war doch schon so oft bei dir.

B: Da kann ich mich gar nicht erinnern. Bist du mit einem Partner bei mir gewesen oder allein?

*********

Und so ähnlich ging es weiter. Es ist erschütternd, was diese Krankheit aus einem Menschen machen kann. Es ist, als wenn die Erinnerungen wie diese Drachen in die Luft steigen.

1302 Alster Skulptur Drachenkinder

 

 


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Ein paar Sätze (Familien-)Geschichte

Noch immer bin ich in Marienfelde. Die Wohnungsbaugesellschaft hat das Wohngebiet in „Mariengrün“ umbenannt – und der Name ist nicht nur Schall und Rauch. Kunst – wie diese drei Kugeln, die auch im Fotoblog zu sehen sind – und begrünte Flächen sind geschaffen worden. Bei den Kugeln ist so etwas wie eine kleine Bühne aufgebaut.

1102 Marienfelde Hochhaus Balkonausblick 91

Auf dieser Bühne sind Fotowände von Bewohnern dieses Kiezes. Ich hatte den Eindruck, sie meinten es mit ihrer Freude ehrlich.

1102 Marienfelde Hochhaus Bilderwand 92

Als ich meinen „Nachbarschaftshunger“ gestillt hatte, setzte ich mich in den Bus – und stieg genau dort um, wo meine Mutter 5 Jahre im Seniorenheim gelebt hat. Sie war nämlich die erste Marienfelderin in unserer Familie, nicht ich. Der kleinere blau-gelbe Bau ist das Heim, übrigens auch ein Plattenbau.

1102 Hildburghauser Altenheim 93

Irgendwie hatte ich noch keine Lust, nach Hause zu fahren. Ich wusste, dass das Notaufnahmelager Marienfelde ganz in der Nähe ist. Fast alle aus der DDR geflohenen Bürger kamen in dieses Lager, um untersucht, befragt und weitergeleitet zu werden. Fotografieren war nicht gestattet, doch schon bei Fb hatte ich meine Gedanken darüber ausgedrückt. Ich schrieb:

Gestern habe ich mir die Gedenkstätte „Aufnahmelager Marienfelde“ angesehen. Da kamen alle aus der DDR in den Westen geflohenen Menschen hin.
Das Aufnahme- und Überprüfungsprocedere war sicher auch nicht das reine Zuckerschlecken, auch die Unterbringung zu sechst in einem Zimmer – aber gegen das, was die jetzigen Flüchtlinge erleben müssen, war das reines „Zuckerschlecken.“
Ich komme selbst aus der DDR und kenne auch unendlich viele, die vor der Grenzöffnung gegangen sind. Bei den wenigsten spielten politische Verfolgung eine Rolle – bei fast allen waren es wirtschaftliche Gründe – sie wollten im reicheren Land selber reich werden.
Bei den Asylbewerbern, die jetzt überall um Aufnahme bitten, sind die sogenannten „Wirtschaftsflüchtlinge“ die allerkleinste Gruppe – die meisten wollen ihr nacktes Leben retten.

 


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Farbe an Fassaden …

können ein echter Hingucker sein!

Ich habe ja vorgestern versprochen, dass ich noch ein wenig mehr von dem Wohngebiet „Mariengrün“ berichte. Die Wohnungsbaugenossenschaft, die diese Häuser besitzt und betreibt, hat wohl vor einiger Zeit festgestellt, dass alles etwas abgewohnt und runtergekommen war, so dass die richtige Lust am Wohnen abhanden gekommen war.

Meiner Meinung nach haben kluge Köpfe nicht nur ein Farbkonzept entworfen, sondern mehr – ein wirkliches Wohnkonzept mit Kunst und Grün und Spielflächen, so dass sich Familien mit Kindern wohlfühlen können. Mich jedenfalls haben sie begeistert, doch ich habe ja bereits eine Wohnung gefunden, in der ich gut und gern „alt werden“ (hahaha!!!) kann.

Auf dem Weg zum Hochhaus leuchtete mir orange und gelb ins Auge – kräftig und vor allem sauber, nicht besprayt. Das Weiß der dahinter stehenden Häuser konnte man wirklich als weiß bezeichnen, nicht als angegraut. (Dieses Haus trägt mein Geburtsjahr als Hausnummer) Wer weiß, wofür diese weiße runde Dose auf dem beigefarbenen Streifen ist. Ich weiß es nicht.

0902 Farbe im Wohnungsbau 76

Nur die Hauseingänge und dann die Sockel der Häuser wurden so farbig aufgepeppt.Die Eingänge bekamen ein Regendach spendiert, so dass Frau trocken ihren Schlüssel im verkramten Rucksack suchen kann 🙂

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Überall standen Bänke, die nicht beschädigt, nicht beschmiert waren – einzig die Temperaturen luden nicht zum Sitzen ein. – Und hier ist meine Hausnummer – nur in der falschen Straße. Und auch hier diese mir unbekannte weiße Dose.

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Und dann bin ich im Hochhaus verschwunden. Ja, es ist ein Steinmeer, dieses Häusermeer – doch Berlin hat nicht so viel Fläche und nicht alle Berliner haben so viel Geld, dass sie sich ein Einfamilienhaus leisten können – da kann nur der kommunale Wohnungsbau Abhilfe schaffen. Wenn die Wohnungen gepflegt sind und noch halbwegs bezahlbar sind – ich denke, mehr kann man nicht verlangen. Mit der Bezahlbarkeit fängt es aber an zu hapern, besonders für allein lebende Mindestrentner wird es eng.

Ich habe durch die Eigentumswohnung und den Sohn als Eigentümer eine gute Alternative gefunden, denn meine Rente gäbe eigentlich nur eine Einzimmerwohnung her.

Als ich meinen Blick vom 25. Stock schweifen ließ, kam ich 3 Sekunden lang in Zweifel, ob ich nicht doch im falschen Haus wohne – den für wen als für CLARA könnte dieser lila Wohnblock gestrichen worden sein? 😉 – Die drei Schornsteine am Horizont sind die Kraftwerksschornsteine, die bis September vor meinem Balkon rauchten.

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Und hier sieht man die lila Treppenhäuser noch deutlicher – und man sieht natürlich auch, wie viele Häuser und wie viele Wohnungen das sind. Leute aus Kleinstädten schlagen vielleicht vor Entsetzen die Hände über dem Kopf zusammen. Ich habe von 1985 bis 2015 in kleineren Häusern gewohnt – sie hatten nur 4 Etagen und auch nur 3 oder 4 Mietparteien auf der Etage – doch wesentlich anders als diese waren sie dennoch nicht. – Ich denke, die Parkplätze für so viele Autos machen den Mietern die meisten Probleme.

0902 Farbe im Wohnungsbau 82

So, jetzt lasse ich euch mit diesen Wohneindrücken allein – aber ich komme wieder!