Claras Allerleiweltsgedanken

Wohnen oder leben???

17 Kommentare

Anlass für diesen Artikel war der Post einer Blogfreundin, die in der Bayernmetropole eine Wohnung sucht. Eine Nadel im Heuhaufen findet man offenbar schneller als eine bezahlbare Wohnung. – Und dann Berichte im Fernsehen, in denen gesagt wird, wie viel Tausende von Sozialwohnungen fehlen. Die Leute haben oder finden keine Arbeit, sollen aber die teuren Wohnungsmieten zahlen können.

Oder besser: Wohnen UND leben!

Anfang 2000 begab ich mich auf Wohnungssuche, da ich den Arbeitsweg verkürzen und Mutter und Tochter (ich) eine eigene Wohnung zukommen lassen wollte. Es war nicht sehr schwierig und es fanden sich auf einer Straße dicht beieinander zwei Wohnungen. Für meine war ein WBS erforderlich, was bei meinem relativ niedrigen Einkommen keine Hürde war. Dennoch war die Wohnung mit ca. 800 DM für mich bezahlbar und wunderbar groß, 64 qm, fast etwas zu groß, aber nur zwei Zimmer. Nach Bezahlen der Nebenkosten wie Strom, Telefon, Fahrkarte und Versicherung blieb immer noch Geld zum leben. Unter leben verstehe ich so etwas wie Kultur, Reisen, mal essen gehen, mal Kleidung kaufen, mal ein Haushaltsgerät erneuern, auch noch etwas Geld für das Auto übrig haben.

So lange die soziale Bindung bestand, wurde die Miete nicht erhöht, nur in Euro gewandelt. Doch ich war inzwischen arbeitslos geworden und das früher übliche Arbeitslosengeld mit nachfolgender Arbeitslosenhilfe wurde in den Einheitsbetrag von Hartz IV umgewandelt. Und da wurde es plötzlich eng, denn das Haus wurde verkauft und der neue Eigentümer erhöhte mit schöner Regelmäßigkeit in den erlaubten Fristen die erlaubten Prozentzahlen  der Kaltmiete. Da konnte ich bei den Betriebskosten noch so sehr geizen und sparen, es wurde unbezahlbar. Immer und immer wieder versuchte ich, eine kleinere Wohnung zu finden – doch diese ließen sich zwar finden, waren aber vom Prinzip eben so teuer wie die meinige, so dass ein Umzug Nonsens gewesen wäre.

Im letzten Jahr, als ich auszog, betrug die Warmmiete ca. 630,00 €, die Rente lag bei knapp 900,00 €. Mehr als 2/3 seines Einkommens allein für die Miete ohne Gas, Strom und die oben aufgezählten Kosten – das konnte nur mit Hilfe der Unterstützung durch meine Mutter noch gewuppt werden, denn sie hatte eine traumhaft gute Mehrfachrente.

Bevor ich hier einzog, erkundigte ich mich bei Wohnungsbaugenossenschaften in Ostberlin nach einer Wohnung mit Fahrstuhl – so ca. 50 qm groß oder klein. Der Mensch sagte mir wortwörtlich ins Gesicht:

Wir können sie leider nicht aufnehmen, dafür ist ihre Rente zu gering, sie würden bei uns bestenfalls eine Einzimmerwohnung beziehen können.

Ich denke, alle Rentner oder alle Beschäftigten mit einem niedrigen Einkommen werden wohl weiterhin auf den Luxus des Lebens (Kultur, Reisen und anderes) verzichten müssen, wenn sie halbwegs anständig wohnen wollen. Und dabei habe ich ein ganzes Leben lang gearbeitet – nur in den interessanten Jahren, die die Rente aufgebessert hätten, war ich arbeitslos.

Wenn ihr mich fragt, mir ist gutes Wohnen wichtiger als teurer Urlaub oder so.

***********

Bitte nicht ein Wort des Mitleids oder Bedauerns, darum geht es mir nicht. Ich bin mit meinem Leben zufrieden. Außerdem bekomme ich ab und an finanzielle Unterstützung.

 

 

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Autor: Clara HH

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

17 Kommentare zu “Wohnen oder leben???

    • Wenn ich dich nicht hätte, würden mir solche haarsträubenden Sachen entgehen. – Ist der Vorstand auch schon AfD-unterwandert. Ich glaube langsam auch schon an Gespenster.

  1. Noch eine Lese-Ratte, die gern daheim bleibt, sich manchmal so richtig dort verkriecht, weil sie es so liebt!
    Das mit der Jordanien-Reise ist ewig mutig!

  2. Da immer mehr Menschen preiswerte Wohnungen suchen (müssen), werden in Zukunft auch hier die Preise weiter steigen und die Suche nach bezahlbarem Wohnraum wird irgendwann fast hoffnungslos werden, außer man geht (fast menschenunwürdige) Kompromisse ein.

    • Ich glaube, der Staat hat gar nicht so viel Geld, wie nötig wäre, um so viele Sozialwohnungen zu bauen. Ich hoffe, dass ich nicht noch einmal umziehen muss – freiwillig wäre es anders.

  3. Meine Rente ist zwar höher. Aber trotzdem hoffe ich, dass meine Vermieterin ein Einsehen hat und die Miete in den nächsten Jahren nicht erhöht. Sicher kann ich keine großen Sprünge mehr machen aber „leben“ kann ich noch ganz gut. Reisen ist bei mir auch nicht mehr drin. Das war einmal 🙂

    • Liebe Ute, wenn man einen privaten Vermieter hat, dann ist man immer sehr stark auf dessen Gunst angewiesen, denn sie können ja wohl aller 3 Jahre um 20 % die Kaltmiete erhöhen, wenn sie noch nicht den ortsüblichen Tarif erreicht haben. – Und das hat mein Vermieter in der alten Wohnung schamlos ausgenutzt. Es wurde fast nichts mehr gemacht – z. B. hat in der Tiefgarage 3 Jahre keine Grundreinigung stattgefunden. Es gab Stellen, da klebte der Dreck nur so.
      Ute, wir machen es uns zu Hause gemütlich, wir müssen nicht verreisen – sagt die, die für dieses Jahr eine Jordanienreise gebucht hat.

  4. Meine eigenen 4 Wände sind mein Reich – das ist mir Gold wert.
    Urlaub? Kommt auch irgendwann mal wieder. Das seh ich auch wie du. Man kann nicht alles haben.
    Liebe Sonntagsgrüße von mir.

    • Liebe Nixe, du brauchst doch nur nach M. zu fahren – und da hast du alles, was einen wundervollen Urlaub ausmacht. Oder etwa nicht???
      Lasse es dir weiterhin gut gehen!

  5. Schwierig ein Like unter diese Tatsache zu setzen. Hier ist es auch so-bezahlbarer Wohnraum ist praktisch nicht vorhanden…..

    • Wenn ich mich richtig erinnere – wohnst du auch in Schleswig-Holstein in der größten Stadt davon. – Eine der schlimmsten Sachen für mich wäre, obdachlos zu sein, da könnte ich für nichts mehr garantieren. – Doch ich glaube, dass mir dieses Schicksal für die restlichen Jahre erspart wird.
      Lass die grüßen, du Lese“ratte“ (wie kommt es eigentlich zu dieser absurden Bezeichnung???)

  6. Leider zutreffend wahr. Selbst hier in der Nordprovinz bekommt man keine 1,5 Zimmer Wohnung mehr unter 500 € wegen der sogenannten Nebenkosten. Eine 3 Zimmerwohnung kostet locker über 1000 !
    Dennoch lockt der Norden damit, attraktiv zu sein. Wir haben mal knapp 400.00o Einwohner und eine Arbeitslosenquote ähnlich wie in Berlin.

    Wollen wir tauschen? Ja, mit denen, die so unrecht tuen und vielzuviel Geld verplempern…
    aber NEIN, ich fühle mich verbunden, die genauso wie Klara und viele andere an ihrem Kietz oder wie man bei uns sagt – an ihrer Heimat – hängen.

    • Hallo Birgit, schön, wieder mal von dir zu lesen. Ich kleines „Vergesserli“ muss aber zugeben, dass ich erst mal weder mit deinem Namen noch mit deiner Mail richtig was anfangen konnte. Ich rief meine Freundin an, die nahe bei Kiel wohnt, und fragte, ob ich dich über sie kenne. – Und dann habe ich bei älteren Kommentaren gesucht und dann fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren.
      Ich bin ja ein ausgesprochener Nord-Fan, aber jetzt bin ich erst einmal Fan von meiner Wohnung, deswegen tausche ich mit nichts und niemand.
      Ich könnte mir vieles in Berlin schöner vorstellen – aber Frau will ja nicht unverschämt sein.
      Ganz liebe Grüße aus dem südlichen Randberlin von Clara

      • Ich bin öfters in Berlin Spandau, Mitte oder Prenzlauer Berg, deshalb kenne ich ein wenig die Situation bei Dir vor Ort.
        Wenn Dich mal wieder das näher gelegene Fenweh lockt, und es Dich in den heimischen Norden zieht, kontaktiere mich gerne. Ein Gästezimmer ist für Dich nach Terminabsprache bereit.
        Oder Norddeutsch: Einladung steht!!!

        • Oh, liebe Birgit, du erwischt mich so was von auf dem Schlauch – ich kann dich immer noch nicht richtig einordnen, dennoch finde ich deine Einladung traumhaft schön. Mit „heimisch“ meinst du deinen Norden, denn ich komme ja ursprünglich aus Görlitz – bin nur 3 Jahre lang (vor langer Zeit) sehr oft nach Hamburg gefahren und liebe den Norden sehr – deswegen bin ich in den SÜDEN von Berlin gezogen 😉 🙂
          Am besten, du besuchst erst einmal mich, wenn du in Berlin bist – und dann mache ich gern einen Abstecher zu dir, wenn ich nach Hamburg zu einer Freundin und nach Kiel zu der anderen fahre.

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