Claras Allerleiweltsgedanken

Dormicum : Propofol = 1:3

26 Kommentare

Keine Angst, ich berichte jetzt nicht von pharmaziegestützten Fußballmeisterschaften, sondern von „Schlaf“erfahrungen der besonderen Art.

Es gab in meinem Leben schon so einige Situationen, wo ich mich ins medikamentengestützte Traumland begeben musste. Das waren in früher Kindheit die Äthernarkose, die noch mit einer Maske auf Mund und Nase verabreicht wurde und wo die „Wettbewerbe“ gekämpft wurden, beim Zählen mindestens bis 13 zu kommen.

Später kamen dann die sogenannten Trachealnarkosen, die technisch ausgereift waren, aber am nächsten Tag Halsschmerzen und Heiserkeit hinterließen. Von denen will ich nicht reden.

Die rein örtlichen Betäubungen, bei denen der Geist zwar wach, aber durch grüne oder blaue Tücher abgeschaltet oder abgelenkt wurde, weil die Augen keine Nahrung bekamen – die meine ich auch nicht.

Ich meine die zwei noch gut erinnerlichen Schlafzeiten, hervorgerufen durch das sogenannte Dormicum – und die gestrige Schlafzeit, von der ich schon im ausführlichen Aufklärungsbogen erfuhr, dass sie durch Propofol hervorgerufen wird.

Es ist schon einige Jahre her, da musste oder sollte auch eine Koloskopie gemacht werden. Beim Besprechungstermin wurde DEFINITIV verlangt, dass ich von jemandem abgeholt werde. Der Termin wird auf einen zeitigen Freitagnachmittag gelegt. – Ich bekomme das Mittel verabreicht, es wird ohne jegliche Schmerzempfindung die Untersuchung gemacht, von der ich NICHTS, wirklich nichts spüre … … …

Ich erinnere mich, dass ich zu einem viel späteren Zeitpunkt zu dem Personal sage:

Wird es jetzt nicht langsam Zeit, dass sie mit der Behandlung beginnen, denn sie wollen doch sicherlich bald nach Haus?

Die Antwort des Personals fiel in etwa so aus:

Wir warten hier schon ungeduldig, dass sie endlich wach werden, denn es ist schon längst alles vorbei!

Bei mir keinerlei Erinnerungen an die letzten Stunden, auch nicht an die Zeit kurz vor Behandlungsbeginn. In Fachkreisen nennt man das eine „retrograde Amnesie“ – stark Betrunkene können diesen Filmriss auch anders hervorrufen.

Doch als „versehentlich“ am rechten Auge der graue Star operiert wurde, war es noch viel krasser. Versehentlich deswegen, weil eigentlich eine Membran auf der Netzhaut die Ursache der Sehstörung war, diese wurde dann anschließend in Vollnarkose im Klinikum entfernt und war nicht ganz so lecker.

Der graue Star bzw. der Tausch der Linse wird oder wurde damals auch nach Gabe eines Dormikums erledigt. Und wie stark diese retrograde Amnesie sein kann, dafür war ich das beste Beispiel.

Ich fuhr mit einer Freundin in die Augenarztpraxis. Den Heimweg sollte sie fahren, da mir das nicht möglich war.

Folgende Sachen machte ich NACH der Operation:

  1. Mit einer Schwester redend kam ich vom ersten Stockwerk nach unten
  2. Der Nachuntersuchungstermin wurde vereinbart.
  3. In der angrenzenden Apotheke holte ich das verordnete Verbandsmaterial
  4. Die Freundin und ich liefen zum ca. 400 m entfernten Parkplatz
  5. Sie bestieg den Fahrersitz, ich den Beifahrersitz – und wir unterhielten uns!!!!
  6. Sie parkte mein Auto in der Tiefgarage ein.

Und dort sagte ich den vollkommen ernst gemeinten (denkwürdigen?) Satz:

Warum fährst du denn jetzt schon, wir hatten doch vereinbart, dass du erst auf der Rückfahrt fährst, jetzt kann ich das doch noch machen.

Ihr Blick sagte mir, dass sie kurzzeitig an meiner Zurechnungsfähigkeit zweifelte. Ihr Kommentar:

Greif dir doch mal ans rechte Auge – es ist alles vorbei.

Und davon ist nichts übertrieben, ich reagierte wohl besonders empfänglich auf dieses Dormikum, bei anderen Patienten hat es nicht so lange gewirkt.

Und gestern war alles anders. Das Zeux, das ich vorher zweiliterweise schlucken musste, schmeckte zwar nach Orangen, war aber dennoch ekelhaft, erfüllte aber hervorragend seinen Zweck.

Ich hatte mir ein konfessionelles Krankenhaus ausgesucht, was – mit ein wenig mehr Papierkram – solche Untersuchungen auch ambulant ausführte und lobend erwähnt wurde. Gelacht habe ich, als ich für drei Schriftstücke ein Empfangsbekenntnis unterschreiben musste. – Mir wurde ein Bett und eine unförmige blaue Sporthose zugewiesen, die ich allerdings mit dem Schlitz nach vorn anzog (Ich verstand akustisch nicht alles, was die Schwester sagte und habe den „Schlitz-nach-hinten-Hinweis“ überhört. Als ich dann ins Behandlungszimmer gefahren wurde und überall LILA Schläuche sah, wusste ich, dass alles gut geht. Ich bekam über eine Nasensonde Sauerstoff, einen Überwachungssensor für die Herzfunktion an den Finger geklemmt und dann eine Kanüle gelegt. Eine Ärztin stellte sich vor – und das nächste, was ich weiß (wieder in dem Garderobenzimmer):

Frau H., alles ist vorbei, den kleinen Polypen lassen wir untersuchen und hier ist ihr Untersuchungsbefund.

Besser hätte es nicht sein können. Ob ich mir in den empfohlenen 3 – 5 Jahren solch ein Rendezvous tatsächlich noch einmal antue, weiß ich nicht.

 

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Autor: Clara HH

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

26 Kommentare zu “Dormicum : Propofol = 1:3

  1. Mein Arzt nervt und ich drücke mich seit Jahren erfolgreich. So wird es wahrscheinlich auch bleiben.
    Fein, dass alles gut ist, bei dir, liebe Clara.
    Gruß von der Gudrun

    • Liebes, falls dein Arzt Grund hat zum nerven, dann solltest du aber nicht länger den Kopf in den Sand stecken. Obwohl – im Entenlied heißt es ja: „Köpfchen in das Wasser, (Schwänzchen) Popo in die Höh‘. Und das wäre die ideale Ausgangsposition für eine Untersuchung 🙂 – Die Untersuchung ist nicht schlimm, aber sie kann Schlimmes verhindern.
      Lass dir Mut zusprechen von Clara

      • Ach , Clara, ich will nichts mehr wissen. So wie es ist, so ist es, so wie es kommt, kommt es. Und auch dann muss ich nicht alles mitmachen.
        Grund hat mein Arzt nur, dass es die Krankenkasse bezahlt, wenn er mich losschickt. Man muss ja mal ab und zu ja etwas machen. (Allzuoft sehe ich den nicht.)

    • Da muss ich Clara beipflichten – die Untersuchung ist völlig schmerzfrei, das einzig unangenehme ist die Trinkerei vorher.

      Wünsche ein schönes Wochenende
      Barbara

  2. Ich stelle es mir ziemlich beängstigend vor, wenn einem plötzlich ein paar Stunden „fehlen“ …

    • Alkohol-trinkende-Leute machen sich da wenig einen Kopf, denen fehlen oft und oft Stunden.
      Aber genau deswegen verwendet man ja jetzt Dormikum nur noch eingeschränkt und hat es durch Propofol ersetzt. Ich fand es auch viel besser, dass ich gleich und sofort wieder hellwach war.

  3. GottseiDank, liebe Clara,
    hast Du alles gut überstanden und auch Deinen Humor hast Du nicht verloren!
    Liebe Grüße
    moni

    • Wahrscheinlich hätte ich nicht so entspannt und so (gewollt) humorvoll darüber berichtet, wenn der Befund negativ bis sehr negativ gewesen wäre. Da hätte ich sicher längere Zeit gebraucht, damit umzugehen. Über die Form meiner Reaktion wäre ich mir noch nicht im klaren.
      Manchmal sage ich mir, dass ich mir erst dann Sorgen und ernsthafte Gedanken machen sollte, wenn es angebracht ist.
      Ganz liebe Grüße zu dir!

  4. Gut! Erstmal.
    Du schreibst über diese Mittel wie eine vom Fach.
    Ich kann mir vorstellen, dass die Erleichterung dich fast schwebend macht – oder?

    • Sonja, ich MUSSTE doch schweben – nichts im Magen, nichts im Darm und dann mit Luft aufgepumpt werden, damit das Endoskop besser um die Kurven kommt. Na ja, sie haben kein Helium genommen zum Aufpumpen …
      Mal im Ernst, natürlich war ich beruhigt.
      Diese Untersuchung würde ich sofort wieder durchstehen wollen, nur das Getränk davor ist verbesserungswürdig. Obwohl, ich will nicht meckern, Glaubersalz ist 3x scheußlicher, oder sogar 5x.

    • Sonja, ich habe noch mal nachgefragt: Helium zum Schweben gibt es nur für Privatpatienten 🙂

  5. Gut, dass du alles überstanden hast, liebe Clara.

    • Liebe Ute, wenn ich ehrlich bin, war nur das Trinken blöd – alles andere sofort wieder, vor allem die LILA Schläuche 🙂

      • Nee Clara, ich bewundere dich da. Nicht mal die Farbe der Schläuche könnte mich dazu bringen 🙂

        • Ute, das ist eine sehr teure Schlafstunde, die aber von der Kasse bezahlt wird. Und vorher gibt es eben keinen Schnaps zum Vergessen, sondern eine süßlich nach Orangen schmeckende Lösung, nach deren Einnahme du mit deiner Toilette auf du und du stehst – da sollte keine /keiner im Wege rumsitzen.

  6. Liebe Clara, ich wünsche Dir alles Gute für den Befund!! Diese kleinen Polypenscheißerchen – ich hatte mal so einen in der Galle und seither keine Galle mehr. Dass die mir trotzdem ab und an überläuft, halte ich für ein medizinisches Phänomen *kreisch*

    • Liebe helma, von meinem Darm möchte ich aber nicht ein einziges Stück opfern
      Und bei dieser Meinung bleibe ich auch

    • Du hast Recht – das ist wirklich ein medizinisches Phänomen, wenn dir die Galle überläuft, die nicht existiert. – Aber bei dir ist ja – zum Glück – einiges anders als bei anderen.

  7. Schön liebe Clara, dass Du alles gut überstanden hast.
    LbG Isi

  8. gut, dass du nichjt in trance schreiben musst.

    • Wer weiß, vielleicht wäre da eine weitaus spannendere Geschichte rausgekommen als diese hier 😉
      Ich finde es nach wie vor unglaublich, wie lange das damals nach der Augen-OP angehalten hat und dass ich mich an NICHTS davon erinnern konnte. – So könnte man Leute instrumentalisieren, Dinge zu tun, für die sie dann nicht verantwortlich gemacht werden könnten.

  9. Ich gehe heute zu diesem Rendezvous und möchte, wenn es irgendwie geht, die nächsten Jahre auch so Zeug nicht mehr trinken 🙂
    Gut, dass du es gut überstanden hast!

    • Liebe Ruth, beide Daumen drücke ich dir und einen eben so guten Befund wie bei mir wünsche ich dir.
      Bei meiner letzten Untersuchung vor ??? Jahren gab es Zeux zur Darmreinigung, das war richtig gut. Doch dieses Mal konnte ich auch nicht so richtig klagen, nur ein wenig.
      Jetzt hast du es sicher auch schon geschafft!
      Drück dich!

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