Claras Allerleiweltsgedanken

Vor 20 Jahren war ich untröstlich

24 Kommentare

… denn da musste sich das Sternbild Krebs dem medizinischen Cancer geschlagen geben – und ich denke immer noch daran.

Gestern war es affenartig heiß hier. Ich wollte eigentlich per Rad ein kleines Stückchen weiter fahren, da ich es aber unerträglich heiß fand, ließ ich mich von einem Friedhof, der an der Strecke lag, einladen, um Pflanzen und Schatten zu genießen. Meine Marotte ist in solchen Fällen, ein Grab mit seinem Vornamen zu finden. – Hatte aber heute kein Glück.

Hier auf diesem Friedhof wurde eine etwas andere Art der anonymen Bestattung gewählt. Viele Sterbende ahnen, dass sie auf dem Friedhof wenig Besuch bekommen werden, wenn sie schon zu Lebzeiten kaum welchen hatten. Und deswegen (vielleicht auch ein wenig aus Kostengründen) nimmt diese Art der Bestattung immer mehr zu.

Hier ist eine große Wiese, in die die Urnen versenkt werden. Die Grasnarbe wächst sofort oder bald wieder zu, so dass nichts zu sehen ist. Aber auf einem großen Stein sind alle Verstorbenen eingemeißelt – mit vollständigem Namen und den Daten. – Ich kann euch nicht sagen, ob der Stein mit den Daten oder die Wiese eher voll wird – doch der Friedhof hat noch genügend Platz für neue Wiesen.

Dieses Grab war nur für die unbekannten Besucher anonym, die Verwandten werden es kennen. – Da ich ja schon meine Grabstelle kenne (unter einem Baum auf dem Waldfriedhof Stahnsdorf, wo auch meine Mutter liegt), muss ich mir um solche Dinge keine Gedanken mehr zu machen. Außerdem ist mir auch sehr egal, was nach meinem Tod passiert.

3005 EvFr Mutti-Grab

 

Und der folgende Grabstein hätte gut zu H. gepasst, denn er war ein ziemlicher Autonarr.

3005 EvFr Grabstein 50

Und plötzlich sah ich ein Stück weiter keine Wohntürme, sondern Grabstellentürme stehen. Ein Leben lang im Hochhaus zugebracht, wollen die Leute jetzt vielleicht auch auf diese Weise bestattet werden. – Vielleicht sichert zeitiges Kommen die gewünschte Etage? Ich weiß es nicht. – Ein wenig verschreckt hat es mich doch. Liegt es am Geld, liegt es am Platz auf den Friedhöfen oder macht sich darüber niemand mehr so richtig Gedanken.

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Autor: Clara HH

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

24 Kommentare zu “Vor 20 Jahren war ich untröstlich

  1. Traurig, das mit der nicht aktzeptierten Verbindung! Egal, wie lange es her ist.
    In der Pfalz irgendwo gibt es einen Friedhof, da werden die Urnen übereinander in Plastikabwasserrohre gedrückt. Noch würdeloser geht`s kaum. Das mit den Urnentürmen erinnert mich an den Soldatenfriedhof in Tunesien, wo ich meinen so jung getöteten Soldatenonkel fand, bzw. seinen Namen.
    Es gefällt mir, dass du das Thema Friedhöfe aufs Tapet bringst!

    • Sonja, es war vor allem deswegen so eigenartig, weil es zu seinen Lebzeiten so aussah, als wenn es mit seinen beiden Kindern alles okay wäre. – Doch kaum war er tot, da „spielten“ sie wilde Sau mit mir. Zum Glück war mein Sohn bei mir, der mich ein wenig unterstützen konnte. – Als ich nach einer Woche meine Sachen aus der Wohnung holen wollte, war das Schloss ausgetauscht.
      Das mit den Plastikrohren und den Urnen finden bestimmt irgendwelche hypermodernen Todesgegner gut – nur keine Pietät dem Tod.

  2. Eigentlich möchte ich gar kein Grab, oder ähnliches haben. Ich bin der Letzte der Familie hier. Es gibt also keinen, der mich besuchen würde. Da ist mir deine Idee, einfach auf einer Wiese zu verschwinden, richtig angenehm. In Holland gibt es so was schon.
    Gruß von der Gudrun.

    • Ich war heute ab 16.00 Uhr auf einem anderen Friedhof als gestern. H. ist vor 20 Jahren um 17.35 gestorben. Ich wollte ein Grab mit seinem Vornamen finden. Mindestens 500 oder mehr Grabsteine habe ich angesehen, nur sein Name war nicht dabei. Also habe ich einfach nur so auf der Bank gesessen.
      Ich kann wohl nicht anders als statistische Vergleiche zu machen. Der häufigste Männername war Gerhard und bei den Damen hatte Ursula die Nase vorn.
      Mein richtiger Name kam auch ab und an vor und auch die ganzen Abwandlungen von dem Namen, Clara trat nur mit K am Anfang auf, dafür gab es meinen Zweitnamen M. auch öfter. Bei vielen stellte ich fest, dass diese Frauen viel, viel jünger waren, als sie starben. Immer wieder bewegt mich die Frage, ob man wirklich ernsthaft was verpasst, wenn man jünger stirbt. Ich in meinem Alter zähle auf keinen Fall zu „jünger“
      Nach dem Friedhofsbesuch war ich im besten Eiscafé hier in der Gegend und habe mir (leise im Zwiegespräch mit ihm) einen leckeren Eisbecher und einen italienischen Kaffee gegönnt – das musste sein.
      Liebe Grüße von Clara

    • Ich werde die Baumbestattung im Grab meiner Mutter in Stahnsdorf wirklich noch einmal überdenken – die grüne Wiese von gestern hat mir besser gefallen. So ein Wand- oder Turmfach möchte ich nicht, denn da gibt es dann ja doch ein eindeutig identifizierbares Grab.
      Bei mir kommt – außer zur Beerdigung – auch sicher keiner Blumen pflanzen oder ähnliches.

  3. Solche Urnen-Hochhäuser habe ich auch noch nicht gesehen. So ein Spaziergang über einen Friedhof ist für mich immer sehr beruhigend. Ich selbst werde auf bzw.unter einer solchen Wiese enden. Ist doch auch schön und friedlich und kein Mensch muss sich um das Grab kümmern.

    • Vielleicht überlege ich mir das noch einmal mit der Grabstelle unter einem Baum auf dem Stahnsdorfer Friedhof. Meine Intention wäre auch mehr, auf einer Wiese zu „verschwinden“.
      Vor einiger Zeit habe ich ein Doppelgrab gesehen, dass an Schönheit kaum zu übertreffen ist, allerdings ist der Preis dafür auch kaum aufzubringen. Und das möchte ich nicht – denn ich wüsste nicht, wer es pflegen und besuchen würde. Ich bin auch eine lausige Grabbesucherin.

  4. Die Türme gib es hier auch nicht.
    Wenn ich Stress habe, zieht es mich auf den Friedhof. Es ist sooo beruhigend auf einer Bank zu sitzen und seinen Gedanken nach zugehen.

    Liebe Grüße Barbara

    • Liebe Barbara, vielleicht werde ich mir dieses Stressverarbeitungsprinzip zu eigen machen. Dieser Friedhof ist ca. 3 km von mir weg, mit dem Fahrrad ganz schnell zu erreichen. – Ich muss mal sehen, wo noch einer ist, da kann ich mich dann abwechselnd abreagieren. – Ich habe gerade gegoogelt, doch der eine hat täglich nur bis 16.00 Uhr geöffnet, Freitag nur bis 14.00 Uhr und am WE gar nicht. Das finde ich ganz eigenartig. Aber vielleicht haben alle einen Schlüssel, die dort ein Grab bezahlen.
      Liebe Grüße zu dir schickt Clara

  5. Oh Friedhöfe haben einen ganz eigenen Charme ich mochte sie schon als Kind. Aber diese Türme sind mir neu

    • Ich bin ja gespannt, ob noch jemand kommentiert, dass er diese Türme schon gesehen hat.
      Friedhöfe sind was beruhigendes, außer die Abteilung mit den Kindergräbern, da könnte ich fast heulen, wenn da solche „Winzlinge“ nicht gesund genug waren, um das Leben zu meistern.

  6. Sowas habe ich auch nich nie gesehen. Die Urnentürme gefallen mir aber gut.
    LG sk

    • Ich staune wirklich, dass ich mit diesen Urnentürmen eine Neuigkeit zeige. Es war ein ganz normaler evangelischer Friedhof, der nicht so aussah, als wäre er Vorreiter für irgend etwas. – Den Inschriften auf den Platten zu urteilen, stehen diese Türme nicht erst seit gestern, denn ich denke nicht, dass man irgendwelche Umbettungen vorgenommen hat.
      Lieben Gruß von mir

  7. liebe clara, das daran denken, selbst nach 20 jahren, kenne ich bestens – aus erzählungen und während langer zeit auch als mitbetroffene meiner früheren partnerin – wünsche dir umso herzlicher schöne befreite, leichte momente. und: die ruhe der friedhöfe liebe ich ungemein. lieber gruss barbara

    • Liebe Barbara, nach 20 Jahren ist es kein richtiger Schmerz mehr, eher ein liebevolles Zurückdenken. – Nach wie vor macht es mich wütend, dass der Krebs so wahllos zugreift – Kinder, Jugendliche, Männer und Frauen im besten Alter, alte Leute eher selten. 54 Jahre ist für mich kein Alter, um diese Welt zu verlassen. – Aber gegen Schicksal hilft kein Zetern und Klagen.
      Lieben Gruß zu dir

  8. Ich gehe auch gerne auf Friedhöfe, aber diese Urnenhochhäuser habe ich auch noch nie gesehen. Eigentlich gefallen mir die aber besser als die üblichen Urnenwände, man kann auch dazwischen herumgehen …

    • Die Urnenwände kenne ich von einem anderen Friedhof, die sind ja auch in mehreren Etagen. – Als ich jetzt gerade meinen Blog aufrief und die Fotos sah, hatte ich eine leichte Assoziation zu Telefonzellen.
      Wenn die Fächer bei der Beisetzung geöffnet sind und die Urne eingestellt wird, kann man bestimmt auch noch etwas Persönliches zur Erinnerung hineinlegen. Ich habe damals einen Pandabären aufs Grab gelegt, weil das der „Spitzname“ war. Da das Grab nicht in Berlin, sondern in HH ist, kam ich nicht so oft auf den Friedhof. Jedenfalls war der Bär beim nächsten Mal weg. Das kann verschiedene Ursachen haben. – Wenn er für ein Kind ist, dann habe ich nichts dagegen.
      Die Schrift und die Zeichen auf den Tafeln sind vollkommen unterschiedlich, nur die Größe ist gleich. – Dieses Röhrchen für Blumen ist auch individuell.

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