Claras Allerleiweltsgedanken

Balkonmärchen

22 Kommentare

Es war einmal ein mittelgroßer, knuffiger Westbalkon, der fast jeden Nachmittag im Glanz der Frühabendsonne erstrahlte. Dennoch schien er nicht glücklich und zufrieden zu sein. Immer, wenn die Bewohnerin sich blicken und sich erschöpft in den Balkonstuhl fallen ließ, hörte sie ein Flüstern. Vielleicht war es auch gar nicht so leise, vielleicht war einfach der Straßenlärm zu laut oder die Ohren zu verstopft.

Nach längerem, angestrengtem Zuhören verstand sie: „Hübsch mich bitte auf, ich seh schon so alt aus!“

Darauf antwortete die Balkonstuhl(be)sitzerin: „Und wer hübscht mich auf, ich bin viel oller als du – wir sind hier doch nicht ‚Bei wünsch dir was!'“

So ging das hin, so ging das her – und die im Sessel hatte die schwächeren Nerven, nachdem das passierte, wovon im letzten Artikel berichtet wurde. Da meinte sie auch plötzlich, dass der Fußbodenteppich wirklich schon alt ist. Als sie unter diesen Teppich schaute, bekam sie das grün rieselnd bestätigt. – Sie hatte das Gefühl, dass sich der Balkon für seinen nicht erhörten Wunsch rächte und deswegen den Staubsauger als zusätzliches Argument für seinen Wunsch kurz mal außer Betrieb gesetzt hatte.

Also wurde eine Fußbodenneubelegung beschlossen. Beschlossene Sachen soll frau nicht auf die lange Bank schieben, also wurde der erste absolut regenfreie Tag dafür vorgesehen.

Alles wurde ins Wohnzimmer geräumt und der dreckfeuchte Teppich zusammengerollt und entsorgt.  – Nach Wischen der Kanten waren dann alle zufrieden: Der Balkon, die Bewohnerin und der zukünftige Belag. Jetzt läuft die Aktion: 1,47 m x 4,31 m = 6,3357 qm neu belegen.

(Die jetzt folgenden Fotos sind nicht für den Berliner Fotowettbewerb gedacht, sondern lediglich zu Dokumentationszwecken angefertigt worden!!!!)

Danach wurde Leon aus dem Stall geholt, den Weg zu den BlauGelben kennt er fast schon von allein und dann ein Wagen beladen.

Ausgesucht hatte ich mir die grauen Kunststofffliesen auf dieser Seite. Braune Holzfliesen sind zwar schöner, aber auch viel pflegeintensiver und teurer – und das wollte ich nicht. Außerdem passen braune Holzfliesen nicht zu meinem Interieur. 🙂

2207 IKEA Bodenfliesen

Wenn Ikea ein Foto mit Ton eingestellt hätte, wäre meine Entscheidung vielleicht anders ausgefallen. Da der Untergrund eben doch nicht absolut plan ist, gibt es Gehgeräusche, wie ich nach Fertigstellung festgestellt habe. Ich sage mir: Es gibt Schlimmeres! – Und so fing ich an:

Die Fertigstellung musste leider verschoben werden, da die Fliesen nur mit einer Stichsäge mit Metallsägeblatt zugeschnitten werden konnten – und die sollte besser der Wohnungseigentümer handhaben.

Der brachte einige zu unterschreibende Dokumente, den fressgierigen Lenny und die Stichsäge an einem Sonntag vorbei. Wir wollten den Mitmietern den Lärm nicht zumuten. Also bekam ich eine Schnelleinweisung und durfte alles am Montag allein machen.

Mir erschien die Badewanne als der geeignetste Ort zum Sägen. Ein Brett über die Wanne gelegt, zwei Schraubzwingen hielten die Fliese und das Sägeblatt tanzte munter auf und ab. Vom Prinzip wich es selten von seiner vorgegebenen Route ab – aber kleinere Pannen passierten. Notfalls hätte ich zwei Fliesen zur Reserve gehabt, doch die wurden nicht gebraucht.

Die letzten Fliesen waren die schwierigsten, weil sie sich so schlecht einklicken ließen. Und dann musste ich eine ca. 4 cm breite „Füllung“ sägen, weil es mir mit solch einem großen Abstand nicht gefallen hätte.  Ohne Schraubzwingenbefestigungsmöglichkeit. – Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben.

Das Ergebnis gefällt mir sehrsehrsehr und die Plastiksägespäne waren auch schnell wegbeseitigt.

Von weiteren Aufhübschungsarbeiten berichte ich später mal.

 

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Autor: Clara HH

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

22 Kommentare zu “Balkonmärchen

  1. Vorher klinisch rein, nachher gemütlich sommerlich schön, sicher auch für Nacktfußbegehung!

    • Sonja, klinisch rein war er bestenfalls in dem kurzen Moment, als ich ihn gefegt und gewischt habe.
      Ich und nacktfußgehen – typische Städterfußsohlen – vollkommen verweichlicht, keine Hornhaut drauf. Aber Nacktschnecken dürften nicht durch die Ritzen fallen!
      Jetzt sind alle Bilder an der Wand – jetzt ist die Sache vollendet und beendet.

    • So ungefähr habe ich angefangen – jetzt bin ich einen Schritt weiter – entweder es passt oder es wird weggeworfen.
      Vor zwei Tagen passierte mir im Bad ähnliches. Ich wollte ein mir nicht gefallendes Fliesenbild überkleben und maß mit der Folie 10 cm zu wenig ab – ließ sich aber beheben.

  2. Toll, der Balkon gefällt mir echt gut! >Hast du super gemacht!
    Gute Erhohlung auf deinem schicken Balkon!

    Herzliche Grüße 🙂

    • Liebe Lucie, wenn mir dein Göttergatte oder du jetzt auch noch eine Idee liefern, wie ich den Straßenverkehr ausblenden kann, dann schlafe ich vor Begeisterung auf dem Balkon.
      Danke für dein Lob, du Liebe.

  3. Liebe Clara!
    Mit solch einem märchenhaften Renovierungsbericht ließe sich vermutlich der letzte Baumarktallergiker hinter der bröckelnden Fliese hervorlocken.
    Glückwunsch zum gelungenen Himmelhoch-Self-made-Project.
    Und die Badewanne ist für eine sommerliche Abkühlung hoffentlich wieder benutzbar! 🙂
    Liebe Grüße
    Mallybeau M.

    • Ist sie, liebe MM, heute wurde auch schon einmal abgekühlt mit Reinigungseffekt.
      Bei Ikea habe ich vor längerer Zeit mal für Fotos aus dem Haus mit meinem Wunschenkelkind viele, viele Futtergutscheine bekommen.
      Könnte ich doch wieder versuchen 🙂
      Danke und beste Grüße von CHH zu MM

      • Das ist ja mal was! So kommt man auch zu seinem Fressen. Das würde ich wieder versuchen. Wer weiß, vielleicht steht bald ein Fernsehteam vor der Tür und will eine neue Renovierungsdoku drehn … 🙂

        • Auf den anderen Fotos hat das Kind alle Herzen weich gestimmt – nur mit meinen Fliesenfotos wird sich Ikea nicht in Unkosten stürzen.
          Ich habe zwar schon mal in einem Film mitgespielt, aber der hatte die Probleme von Andersdenkenden in der DDR zum Inhalt.
          Renovierung war das auch in gewissem Maße.
          Und tschüss!

  4. Respekt – das hast du super hinbekommen. Ich würde bei so was leicht die Nerven verlieren.
    Lieber Gruß Barbara

    • Liebe Barbara, das Nerven verlieren war hier nicht angesagt, es klappte alles reibungslos. Aber, als ich Bilder an die Wand hängen wollte, da haben ich und meine Bohrmaschine fast durchgedreht.
      Ganz liebe hochsommerliche Grüße zu dir

  5. Ganz tief verneige ich mich vor dir. Nieeee im Leben hätte ich das selbst hinbekommen. Clara, du bist ein Genie. Sieht super aus.

    • Liebe Ute, ich überlege immer, ob der Sohn das handwerkliche Talent von mir geerbt hat oder ich von ihm. Grins in ganz ernsten Fällen macht er es, aber sonst sagt er immer: du schaffst das

  6. Der Balkon hatte Recht mit seiner Nörgelei, es hat sich gelohnt 🙂

  7. Hach, das ist doch ein schönes Balkonmärchen geworden. Ich glaube, da kann die Frau im Balkonstuhl einen feinen Sommer verbringen.
    Nächtliche Grüße von der Gudrun.

    • Hallo, liebe Gudrun, da du ja versprochen hast, deine Füße und den Rest des Körpers in diesem Sommer nach Berlin zu lenken, kannst du es ja bald 🙂 in natura bewundern. – Ich freue mich wirklich, weil es so viel besser aussieht als vorher.
      Warum ist mir nicht das Gen gegeben, endlich mal zufrieden zu sein? – In einem der nächsten Storys geht es weiter, weil ich noch Bilder an die Wände haben wollte – das war dann wirklich eine AKTION.
      Und als letztes überlege ich, ob ich mich auf den Balkon mit Ohropax setze – doch dann höre ich NICHTS anderes mehr.
      Meine senile Bettflucht wird immer ausgeprägter. Mein Hausarzt sagte mir gestern, dass ich dicht vor einer Diabetes bin – dann wären die Missempfindungen in Zehen und Händen zu erklären. – Das kostspielige Drama beim Orthopäden geht am Mittwoch in die zweite Runde – ich berichte am Ende.
      Ich gebe sonnige Grüße zurück. Ich will gleich zu Aldi, da gibt es diese Badewannensitze, einen davon kann ich sehr gut beim Duschen benutzen.
      Lieb grüßt die Clara

      • Wie sagte neulich mein Rheumatologe? „Die normalen Alterungserscheinungen bleiben, die kommen immer noch obenauf.“ Oh yaeh!
        Naja, liebe Clara, da müssen wir eben annehmen, was nun mal ist und ein bissel einen Ruhigen machen, z.B. mit hochgelegten Füßen auf dem Balkon. 🙂

        • Das Schlimme ist nur, liebe Gudrun, in Ruhe wird es keinesfalls besser. Im Bett tut mir fast mehr weh als beim Laufen.
          Zu deiner Berlinfahrt hast du gar nichts gesagt. Die Busse haben doch wirklich erträgliche Preise

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