Zuerst möchte ich mich bei den Leserinnen bedanken, die mich wissen ließen, dass sie mich vermissen.
Als nächstes möchte ich mich bei den neuen Leserinnen und Lesern bedanken, die meinen Blog abonniert haben, obwohl hier schon lange nichts Neues mehr steht.
Bei den anderen möchte ich mich auch bedanken, denn immer wieder haben welche nachgesehen, ob hier nicht doch mal wieder was steht.
Bei meinen Blumengießern aus dem Haus möchte ich mich bedanken – nicht nur, dass alle Pflanzen noch leben, sondern dass ich so nett begrüßt wurde:
Als ich nach dem Urlaub über 500 Artikel im Feedreader hatte, hat es mich fast erschlagen – da konnte ich doch gar nicht selbst schreiben, da musste ich lesen, lesen, lesen – und ich bin noch nicht durch und immer wieder kommen neue dazu. Also nicht sauer sein, dass ich nicht kommentiere.
Und dann die vielen eigenen Bilder aus dem Urlaub, die bearbeitet werden wollten. Ca. 45 Collagen habe ich schon gefertigt – das kostet auch (ein wenig) Zeit.
Und jetzt ziehe ich mich mit einer Geschichte aus der Affaire, die uns bei der Weihnachtsfeier des Großelterndienstes vorgelesen wurde. Kurzzusammenfassung: Ausländer raus – aber reiner Ironiemodus
Es war einmal
drei Tage vor Weihnachten – spät abends. Über den Marktplatz der Stadt kamen ein paar Männer gezogen. Sie blieben an der Kirche stehen und sprühten auf die Mauer „Ausländer raus“ und „Deutschland den Deutschen“. Steine flogen in den türkischen Dönerladen gegenüber der Kirche. Dann zog die Horde weiter. Gespenstische Ruhe. Die Gardinen an den Bürgerhäusern waren ganz schnell wieder zugezogen. Niemand hatte etwas gesehen.
„So, jetzt reicht es uns aber! Wir gehen.“
„Wo denkst du hin? Was willst du da unten im Süden? Da ist es für uns viel zu gefährlich!“
„Lieber zu Hause sterben als in diesem Land, wo wir gehasst werden, stets und ständig Angst haben!“
„Wir tun jetzt was da an der Wand steht: Ausländer raus!“
Und tatsächlich – mitten in der Nacht kam Bewegung in die Stadt. Die Türen in den Geschäften sprangen auf. Zuerst kamen die Kakaopäckchen, die Schokoladen und Pralinen in ihren Weihnachtsverkleidungen. Sie machten sich auf in Richtung Elfenbeinküste und Ghana, wo sie zu Hause waren.
Dann der Kaffee, der Deutschen Lieblingsgetränk – säckeweise rollten sie nach Uganda, Kenia, Kolumbien und Guatemala, wo sie in der warmen Sonne herangereift waren.
Ananas und Bananen; ebenso die Trauben und Erdbeeren aus Südafrika; fast alle Weihnachtsleckereien brachen auf und machten sich auf den Weg in ihre Herkunftsländer: Pfeffernüsse, Spekulatius und Zimtsterne zerfielen in sich, weil die Gewürze in ihrem Inneren sich herauslösten und nach Indien zurückkehrten.
Der Verkehr brach zusammen. Lange Schlangen japanischer Autos, voll gestopft mit Optik und Unterhaltungselektronik krochen der aufgehenden Sonne entgegen. Am Himmel sah man die Weihnachtsgänse gen Polen ziehen; auf ihrer Bahn gefolgt von den feinen Seidenhemden und den herrlichen Teppichen des fernen Asiens.
Mit Krachen lösten sich die Tropenhölzer aus den Möbeln und schwirrten in das Amazonasbecken. Man musste sich höllisch vorsehen, um nicht auszurutschen, denn von überallher quoll Erdöl hervor; ihre Rinnsale bildeten Bäche und schwollen schließlich zu Strömen an, die in alle Himmelsrichtungen flossen.
Dass sich sehr viele Straßen auflösten, weil der ausländische Asphalt sich zurückzog, fiel kaum auf, denn die Autos waren schnell wertlos geworden. Sie lösten sich in ihre Einzelteile auf. Das Aluminium wanderte nach Jamaika, das Kupfer nach Chile und Westafrika; ein Drittel der Eisenteile nach Brasilien.
Der Naturkautschuk war zunächst verwirrt, denn seine Heimat Zaire hatte sich inzwischen einen neuen Namen gegeben und hieß jetzt Demokratische Republik Kongo.
Nach drei Tagen war der Spuk vorbei. Der Auszug war geschafft – gerade rechtzeitig zum Weihnachtsfest. Nichts Ausländisches gab es mehr in diesem Land. Doch Tannenbäume und Apfel und Nüsse waren noch reichlich vorhanden.
Mit Extragenehmigung durfte sogar noch „Stille Nacht“ gesungen werden; es kam immerhin aus Österreich.
Nur eines wollte nicht ins Bild passen: Maria und Josef mit ihrem Kind waren geblieben – ausgerechnet drei Juden! „Wir bleiben“, sagte Maria.
„Wenn auch wir gehen – wer soll ihnen den Weg zurück zeigen, zurück zur
Vernunft und zur Menschlichkeit?“
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Dem habe ich nichts hinzuzufügen