Claras Allerleiweltsgedanken

Ruhe sanft und schlafe gut …

11 Kommentare

… und gib deinen Angehörigen Kraft, ohne dich zu leben

Natürlich hätte ich Lucie lieber besucht, als sie noch am Leben war. Doch das ist bei solch einer schweren Krankheit ein fast unmögliches Ding. Die Patientin weiß nie im Voraus, wie es ihr morgen gehen wird, ob die Schmerzen stärker werden, ob die Übelkeit ein Dasein ohne Erbrechen zulässt. Und deswegen haben wir davon Abstand genommen.

Ich habe längere Zeit gezögert, ob ich zur Beisetzung fahren soll oder nicht. Ich versuchte immer und immer wieder, Lucies Mann zu erreichen. Doch niemand nahm ab. Tochter und Sohn konnte ich über das Telefonbuch nicht finden.

Busfahrt hin und zurück waren schon gebucht, auch ein Hotel hatte ich mir schon reservieren lassen.

Mittwoch (22.02.) früh 8 Uhr vom  ZOB (Zentraler Omnibusbahnhof Berlin) abgefahren. Die 7 Stunden Busfahrt nach Duisburg gingen schnell vorüber.

Ich erfuhr von Lucies Mann, dass sie nicht auf einem Friedhof beigesetzt wird, sondern in einem sogenannten Kolumbarium. Diese Urnenwand mit vielen Fächern ist hier in diesem Fall nicht auf einem Friedhof stehend, sondern ein Extragebäude. Kleine Beigaben können vor das Fach gestellt werden, und so schmückt ein wunderschönes Bild von Lucie mit ihrer Enkeltochter und natürlich ein Leuchtturm ihr Fach.

Doch ich greife voraus. In dem kapellenähnlichen Raum waren ca. 50 Stühle – und alle waren besetzt und einige Leute mussten stehen.  Die (natürlich) blaue Urne stand auf einem Podest und ein großes Foto von ihr brachten allen Trauergästen in Erinnerung, wie sie aussah, bevor sie krank wurde.

Die Wand hinter der Urne ist mit vergoldeten Ginkgoblättern verziert mir gefiel das sehr.

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Das Foto von ihrem Foto ist nicht toll, aber ich wollte mich auch nicht vordrängen.

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Nach einer Rede griff der Bestatter die Urne und brachte sie in das Nachbargebäude, wo das für sie ausgesuchte Urnenfach wartete. Der Platz reichte nur für die Angehörigen, alle anderen gingen nachher an dem jetzt verschlossenen Fach vorüber.

Danach waren in einem großen Raum mehrere Tische gedeckt und ich hoffe, dass alle die Gelegenheit ergriffen haben, sich Szenen aus ihrer Erinnerung mit Lucie zu erzählen.

Lucie, was war das für ein Zeichen, dass am Tag deiner Beisetzung so ein schreckliches Wetter war, es hat kleine Schusterjungen geregnet. Oder soll ich sagen: Der Himmel hat auch um dich geweint?

Tschüss!

 

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Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

11 Kommentare zu “Ruhe sanft und schlafe gut …

  1. Liebe Clara,

    Du hast gute Worte gefunden, es war eine liebe Freundin.
    Das ist beim Lesen zu spüren.
    Es ist wirklich ein sehr schönes Foto von Lucie.

    Herzlichen Drücker aus Bielefeld✨

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    • Genau dieses Foto war auch auf der Todesanzeige drauf, liebe Fee, besser drin, denn oben drauf war ein großer Leuchtturm. Weiß der Himmel, warum sie so sehr von Leuchttürmen schwärmte – aber es gibt viel weniger schöne Sachen, von denen frau oder man schwärmen könnte.
      Hast du auf der Hinfahrt (Mittwoch gegen Mittag) Schluckauf gehabt. Durch eine Kaffeetasse habe ich ganz stark an dich gedacht. Aber die Tasse war nicht so schön.
      Danke für den Drücker – ich habe Krautsalat in meinem Kopf. Mal sehen, was bei der Arztbesprechung rauskommt – sicher nichts oder nicht viel, aber es wird zusehends schlimmer. Aber das jetzt nicht hier.
      Tschüss sage ich

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  2. Sehr traurig und berührend – und dass du diesen weiten Weg auf dich genommen hast, sagt mir, wie sehr du sie mochtest!

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    • Genau so ist es, du siehst das vollkommen richtig. Da ich vor Jahren nicht nach Hannover fahren durfte, wäre mir um nichts in der Welt in den Kopf gekommen, zu ihr nicht zu fahren. Da ich ihren Mann und ihre Kinder auch ein wenig kannte, war das nicht so schwer.
      Die äußeren Umstände hin und rück und dort waren zwar nicht mit super zu bezeichnen, doch davon erzähle ich später. Hier wollte ich nicht meckern.

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  3. Was sind denn das für Gesellschaftsmodelle (hier: nahe der Börse, dem Dax und Wall Street), die Leute stehen lassen, denen keine Stühle bieten, Leuten, die den ganzen Tag nur stehen oder rumrennen müssen? Mein Schriftführer steht für diesen orthopädischen Terror nicht zu Verfügung, da kann sterben wer lustig ist!
    Das sind kalkulierte Modelle. In Ghana.. Liberia oder raundäbaut darf man sich im finalen Lieblingszustand beerdigen lassen. Als Angler, Jäger oder auch mit dem Stück der Theke, an der man vom Hocker fiel… alles kommt mit in die Grube. Tja, Lucie, die nächsten Generationen werden „entsorgt“… in der Schäuble- EU, Zivilisationen werden da hoffentlich anders agíeren als DEUropa.

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  4. Berührend, liebe Clara. Und deshalb gehe ich jetzt wieder ganz leise und in Erinnerung an Lucie.

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    • Ähnlich mache ich es auch, liebe Gudrun- ich „schleiche“ hier durch die Wohnung, habe gestern die Todesanzeigekarte mit einem großen Leuchtturm drauf hingestellt und werde noch einen plastischen Leuchtturm aus ihrer Sammlung daneben stellen.
      Ich fand es so schön, dass keine Karte mit schwarzem Rand kam, sondern eine Leuchtturmkarte mit einem Foto von ihr. Und der Text war sehr berührend.

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  5. Traurig, möge sie in Frieden ruhen ….

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    • Das einzige, was hoffentlich alle tröstet, dass es die letzten Wochen kein Leben mehr war, was man wirklich leben kann und will.
      Dennoch hat sie wohl bis zum Fast-Ende gehofft, dass ihr noch ein wenig Zeit bleibt.

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      • Ja, das hofft wohl jeder, außer es ist alles so unerträglich geworden, dass man selbst den Tod als Erlösung erwartet. Gut , dass wir alle nicht wissen, was uns erwartet……

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