Claras Allerleiweltsgedanken

Allein beim Zusehen wird mir flau in der Magengrube

32 Kommentare

Ich überlege, was die Leser jetzt denken könnten, was ich damit meine.

Viele in meiner Umgebung bedauern mich und all die anderen, die davon betroffen sind – ich habe den Spieß umgedreht und eine Erfahrung daraus gemacht, die ich sicher so schnell nicht wieder machen werde.

Der dritte April fing für mich folgendermaßen an. 9.00 Uhr, Telefonklingeln, mein Nachbar an der Strippe: „Clara, zieh dir was an, die Bauarbeiter sind bald vor deinem Schlafzimmerfenster!!!“ Vollkommen verschlafen tapste ich auf den Balkon und stellte fest, dass ich noch mindestens 4 Etagen Zeit habe. Da ich aber nun schon mal wach war, stürzte ich mich in die Fotosession.

Ja genau, ich meine die Fassadensanierung. Bevor die Arbeiten anfangen können, muss das Gerüst gebaut werden. Und darauf beziehe ich die Überschrift. Das ist ein Beruf, den ich nie und nimmer ausüben könnte, nicht nur wegen der Armkraft und der vielen, vielen Stufen, die sie täglich steigen müssen – nein hauptsächlich wegen der Schwindelfreiheit. Ich dachte, ich hätte meine Höhenkrankheit überwunden, aber wenn ich hier die Männer beim Aufbauen erlebe, wie sie auf schwankenden Brettern OHNE Sicherheitsplanken oder Rohre stehen und arbeiten, da kribbelt es doch gewaltig in der Magengrube. Vor einer Minute (am 3.4. früh geschrieben) rief ich einem der Gerüstbauer zu „Wenn ich ihnen zusehe, dann wird mir schlecht!“ – und deswegen habe ich das Fenster schnell wieder geschlossen. – Da waren sie noch zwei Etagen unter mir – doch dieser Zustand war am Nachmittag beendet – da war auch meine, die oberste Etage, eingerüstet.

Das ist der Giebel vom Nachbarhaus, der nur aus diesen asbestverseuchten Platten besteht.

Mit einem grünen Kleckerlätzchen davor sieht es doch noch viel „schöner“ aus. Der Container schluckt den Abfall. Das hier ist unser Nachbarhaus.

Hoffentlich hält sich jeder Nichtsnutz daran, wenn er diesem Schild begegnet. Denn sonst könnte ich plötzlich des nachts unwillkommenen Besuch bekommen.

Unsere schönen Rasenflächen werden leiden – da haben danach unsere wunderbaren Hausmeister wieder viel Gärtnerarbeit zu leisten.

Als ich diese Arbeiter so ohne Absperrung auf den Brettern stehen sah, fiel mir ein, wie sich bei mir ausgewirkt hat, dass ich höhenkrank und nicht schwindelfrei war.

So sieht es aus, wenn das Material für das Gerüst per Menschenkette weitergegeben wird. Das geht sehr viel schneller als mit dem Aufzug, der in den oberen Etagen eingesetzt wird. Man braucht nicht so viele Arbeitskräfte dafür.

Die „Burschen“ werden von jemandem ganz schön angetrieben, vielleicht ist es der Chef oder  der Eigentümer der Firma. An diesem Fototag fingen sie um 7.00 Uhr an  und 18.30 turnte noch immer einer vor meinem Fenster und konnte mir auf den Computerbildschirm sehen. Ob es die gleichen waren, die früh angefangen haben, weiß ich allerdings nicht. – Diese Treppenläufe sind bestimmt sehr schwer – so sahen die Männer jedenfalls aus.

Um diese Platten geht es, die müssen ab. – Wenn ich die Gerüstbauer so schindern sehe, haben sie einen ganz schön harten Job. Von denen muss keiner ins Fitnessstudio.

Während die einen noch Gerüst aufbauen, fangen schon die anderen in ihren Ganzkörperkondomen an, die Platten abzureißen. Irgendwie braucht man als Mieter da ganz schön Vertrauen, dass die alles richtig machen.

Und so sieht es aus, wenn sie bei mir oben angekommen sind – aber noch nicht ganz, es geht noch höher. Und das konnte ich dann hautnah erleben.

Der Gerüstmensch hatte gerade so die oberste Etage des Gerüsts fertig, da fingen schon die ersten drei Kondommenschen an, die Platten abzureißen. MannMannMann, das ist richtig laut. Aber wenn dann alles fertig ist, sieht es bestimmt schnuckelig aus.

So, und nun stellt euch vor, ihr geht ins Wohnzimmer, es ist schon ziemlich dunkel und Tagesschauzeit. Und plötzlich läuft ein Kopf an eurem Balkon lang —- gewöhnungsbedürftig.Doch als er dann noch das Gerüst in der Hauswand verankerte – dafür einen ca. 30 cm langen Bohrer in der Wand versenkte, da sind mir bald die Ohren abgefallen.

Vielleicht muss ich heute Nacht wirklich die Jalousien im Schlafzimmer nutzen.

 

 

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Autor: Clara HH

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

32 Kommentare zu “Allein beim Zusehen wird mir flau in der Magengrube

  1. Wie sagt man doch so schön: Am Arsch hängt der Hammer! Das letzte Bild beweist es 😜😳😄

  2. Liebe Clara,
    ich hätte diese Fotos nicht machen können. Da schlägt meine Höhen-Panik schon beim Ansehen Deiner Bilder voll zu.
    Ich drücke Dir die Daumen, dass die schwindelfreie Männergesellschaft (zumindest in Deiner Etage) recht zügig fertig wird.
    Lieben Gruß
    moni

    • Hallo moni, wenn ich selbst auf festem Grund stehe, dann kann ich alle „Wackelkandidaten“ fotografieren – nur passieren dürfte nichts.
      Es würde nicht viel nützen, wenn die bei mir fertig sind – man hört den Krach von überall. Und das Gerüst kann erst abgebaut werden, wenn sie mit dem ganzen Haus fertig sind. – Kommt Zeit, kommt Rat.
      Liebe Grüße zu dir

  3. Wieder so eine Andiristeinereporterinverlorengegangen-Reportage!
    Am besten gefällt mir das unterste Foto, und zwar dieser Kontrast zwischen den am Hintern baumelnden Werkzeuge und dem Apfelbäumchen ganz im Vordergrund!

    • Du siehst, ich habe ähnlich empfunden, deswegen hat es diese Sonderstellung am Ende der Bildergalerie bekommen. – Das mit der Reporterin freut mich sehr – Journalistin war ein Berufswunsch von mir, den ich mir aber wegen meiner „unpassenden“ Einstellung zu dem Arbeiter-und-Bauern-Staat abschminken musste.

  4. Wenn man bedenkt, wie lange man schon weiß, dass Asbest Krebs verursacht, hätten die sich aber wirklich etwas mehr beeilen können !

    • JEIN – kann ich da sagen. Für unsere 6 Häuser, die längst nicht alle mit Ethernitplatten versehen sind, kostet das 300.000 – das muss erst mal durch die Instandhaltungsvorlagen angespart werden.
      Wenn die Platten unverletzt sind, sondern sie auch keine krebserregenden Fasern ab, denn sie sind oberflächenversiegelt. Nur jetzt, wenn sie zerstört werden, fliegen die Fasern rum – deswegen immer die Fenster zu. Und die Bauarbeiten tragen Schutzkleidung.
      Es wird alles gut – und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht am Ende.

  5. Also bei mir ist die Miete nach der Renovierung gestiegen. Aber Mieterhöhung nach 8 Jahren, da kann man nicht meckern. Dafür gabs von Balkon zu Gerüst während der Arbeiten nette Gespräche 🙂

    • Liebe Ute, zur Miete und Nichtmiete habe ich bei Daggi ganz ausführlich geschrieben – hier zahlen nur sehr wenige Leute Miete. Und da das hier untere Wohnlage ist (Lärm, Industrie und so), ist die Nettokaltmiete ziemlich niedrig, so dass die Eigentümer, wenn sie ihre Wohnung vermieten, sich sehr wohl an den Mietspiegel halten müssen.
      Mal sehen, wie lange der ganze Spaß dauern wird.

  6. Liebe Clara!

    Na, wenn das mal kein ausführlicher Arbeitsbericht ist. Da kann der oberste Boss genau nachlesen, ob seine Männer auch wirklich tüchtig gearbeitet haben.
    Wenn Du das Schild nicht geknipst hättest, hätte ich gleich geschrieben, dass Du aufpassen musst, dass des nachts kein Fremder vor Deinem Fenster steht und bei Dir einbrechen will. Zu dumm, dass Du ausgerechnet jetzt wieder besser hörst. Die Typen hätten auch eine Weile vorher kommen können. Dann wäre es wenigstens etwas leiser gewesen.
    Ich bin nun nur gespannt, ob noch ein Arbeiter in Dein nettes Bäumchen auf dem Balkon fällt oder nicht 🙂
    Vielleicht wird für die optische und akustische Belästigung dafür Euer Garten im Nachhinein besonders schön hergerichtet.
    Dann hoffe ich mal, dass alles gut und schnell von statten geht und Du bald wieder freie Sicht auf die „tolle“ Industrielandschaft hast 🙂

    Liebe Grüße von der gerüstfreien Alm
    Mallybeau

    • Hallo, Frau Mauswohn, es ist so lieb von Ihnen, dass Sie sich um meinen Ausblick auf die Industrielandschaft grämen 🙂
      Du glaubst es nicht, die haben die Bretter so angebracht, dass ich vom Arbeitsplatz aus bequem durchgucken kann. Und das bisschen grüne Folie, die jetzt zusätzlich hängt, macht den Ausblick nur frühlingshafter.
      Ich stelle bei mir fest, es ist zwar belastend, aber andersherum ist es auch spannend, denn allzu oft erlebt man ja so etwas nicht – vor allem nicht in der 8. Etage. Da habe ich ja noch Glück, dass ich nicht mehr in der Fischerinsel in der 16. Etage wohne, da wäre ich dreimal täglich ohnmächtig umgefallen, wenn ich die draußen hätte laufen sehen.
      Nein, nein, nein – die sollen mit ihrem Popo weg von meinem Mandarinenbäumchen bleiben. Beim Aufbau haben die schon einige Male mit Brettern gegen das Fenster gestoßen – aber es ist alles heil geblieben. Und ich hoffe, das bleibt so.
      Ganz liebe Grüße für dich von Clara

      • Stimmt, es ist vielleicht wirklich mal ganz spannend, in so luftigen Höhen eine Abwechslung zu haben. Hauptsache Du erlebst keinen Live-Absturz mit. Wie lange sind denn die Herren noch zu Gange und erfreuen Dich mit Ihren breiten Kreuzen? 🙂

        • Ich weiß nicht, ob jemand über die Dauer genaue Auskunft geben kann. Im Moment (bis gestern) arbeiten drei Firmen parallel. Die Gerüstbauer hatten noch Restarbeiten, die Schadstoffmenschen arbeiten nach einem nicht erkennbaren Plan und die Maler beginnen schon, die grüne Farbe von unseren Balkons zu ziehen.
          Jetzt sind alle Gerüste relativ sicher, da wird hoffentlich nichts passieren.

  7. Hallo. Bin zurück aus eine Reise in meiner alter Heimat Frankfurt/M wo wir 12 Jahren gewohnt hatten und ich habe von der neuesten Entwicklung mit den Bauarbeiten bei Dir erfahren. Da steht Dir aber vieles bevor und für eine gewisse Zeit. Bei meinem Sohn sind Sie auch bei Sanierung/Renovierung der Wohnungen dabei und es wird so teuer, dass er bestimmt sich eine neue Wohnung suchen muss. Es wird von 200 € mehr gesprochen. Ich hoffe, es hält sich bei euch in Grenzen ! wünschen Die viele Geduld um die Unannehmlichkeiten zu ertragen. Viele grüße

    • Hallo, da kann ich ja eine „Neue“ begrüßen – schön, dass du wieder da bist. – Zu der nicht erfolgenden Mieterhöhung habe ich mich bei dem anderen Kommentar von Daggi Dinkelschnitte ausführlich ausgelassen.
      Die sind richtig schnell hier und arbeiten auch mit sehr vielen Leuten – ich denke, Gerüst und Einkleidung werden sich hoffentlich in Grenzen halten und im richtigen Sommer wieder weg sein.
      Im Endeffekt interessieren mich die Bauarbeiten nur für meinen Balkon. Heute kommt mein Sohn und macht die Steckdose und den Schalter und die Leitung für die Jalousie ab. Die Jalousie selbst werden wir nicht abbauen – das können die Bauarbeiter gegen einen Extraobulus machen.
      Wenn richtige Modernisierungen gemacht werden, dann kann es auf die Miete umgeschlagen werden.
      Jetzt bist du schon sooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooo lange weg aus Berlin und wir haben uns immer noch nicht wieder gesehen.
      Ganz liebe Grüße kommen von mir

  8. Und das soll alles keine Auswirkung auf die Miete haben…. hihi…. ich bleibe dran.

    • Liebe Daggi, noch einmal betone ich, dass das hier Eigentumswohnungen sind. 80 % der insgesamt 370 Wohnungen werden wohl auch von Eigentümern bewohnt.
      Wenn einer seine Wohnung vermietet, muss er sich an den Mietspiegel halten bei der Nettokaltmiete, sonst kann er Ärger bekommen. – Die anfallenden Betriebskosten für Heizung, Wasser, Hausmeister, Abfall und so werden im Hausgeld nach qm-Größe dr Wohnung festgelegt, nicht nach Personenzahl in der Wohnung. Die kann der Eigentümer dann auf den Mieter umlegen und in gewissem Umfang auch die Instandhaltungsumlage. Und genau von diesem angesammelten Geld werden jetzt die 300.000 Euro bezahlt. Interessanter Weise haben sie diese dämlichen Ethernitplatten nur an 3 Häusern angebracht – oder die anderen sind schon alle saniert, bevor ich hierher zog.
      Vielleicht wirkt es sich auf Verkaufspreise der Wohnungen aus, wenn alles neu und saniert ist, doch von einer unmittelbaren Mieterhöhung gehe ich auf keinen Fall aus.
      Die Wohnungen sind in drei Komplexe aufgeteilt, jeder mit 123 Wohnungen in jeweils 6 Häusern. Ich wohne leider im höchsten mit 24 Wohnungen – bei mir sind unten die Fahrradständer IMMER belegt.

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