Claras Allerleiweltsgedanken

(Fast) Vom Prinzen wachgeküsst …

22 Kommentare

Tagelang zog ich im Schlafzimmer am Abend die Jalousien nach unten, damit ich früh keine (lustige) Überraschung erlebe, da mein Bett unmittelbar unter dem Fenster steht.

Doch tagelang passierte kaum etwas auf der Baustelle – oder es waren alles Hintergrundarbeiten, die Laie Clara nicht so genau erkennen konnte.

Doch dann …. noch ein paar Absätze Geduld. Ich will euch erst mal zeigen, was so in der Zwischenzeit passiert ist. Am fensterlosen Giebel waren ja die Ethernitplatten an Aluschienen befestigt. Die sollen ja einen gewissen Rückkaufwert haben und wurden deswegen ganz schnell in den verschließbaren Container geworfen. – Jetzt haben sie unten alles mit Folie abgeklebt und beginnen damit, ca. 10 cm dicke Dämmplatten aufzubringen. – Wie diese dann oberflächenversiegelt werden, weiß ich noch nicht.

Die nächste Überraschung für mich waren die grün gestrichenen Balkonwände. An einem hatte sich die Farbe gelöst, doch alle anderen sahen tipptopp aus – doch der Schein trügte. Die Farbe war auf eine Gitterfolie aufgebracht, die jetzt in Fetzen von der Fassade gerissen wurde.

Und dann leistete ich mir wieder einen dicken Bock der Nicht-Beobachtungs-Gabe. Vollkommen aufgeregt alarmierte ich meinen Nachbarn und meinte, dass sie einige Balkons abgerissen haben. Ich spekulierte, ob die Befestigungsplatten locker gewesen sind oder oder oder.

Als er dann mit mir vor der Fassade stand, meinte er lässig: Mehr als drei Balkons gibt es pro Etage mit drei Wohnungen nicht, hier an dieser Stelle waren nie Balkons. – Mist aber auch, er hatte natürlich Recht.

Meine eigene Balkonsicht auf Gerüst und so ist folgende: Wegen eines solchen Schlitzes (zwischen den weißen Pfeilen) musste mein Mann in der Fischerinsel im 16. Stock alles abdecken, sonst wäre ich nicht auf den Balkon gegangen. – Aber das Gerüst ist ja VOR meinem Balkon, da muss ich zum Glück nicht drauf.

Diesen Blick durch den schmalen Spalt zwischen Gerüst und Fassade direkt bis unten finde ich spannend – nur zwei Blumenkästen beeinträchtigen den direkten Weg nach unten.

Das hier dagegen sieht richtig entspannt aus.

Jetzt, wo sie in meiner unmittelbaren Nähe arbeiten, sehe ich, was das für eine Schinderei ist. Am Giebel dicht bei mir (90 °) wollen die obersten Platten einfach nicht ab. Ein junger Mann schindert und schindert und bekommt nur Stücke ab. Und das schlimmste: er arbeitet ohne Mundschutz. Aber ich kann ihm ja kaum mütterlich raten, doch besser die Maske aufzusetzen.

Hoffentlich kommt der Hammer nicht in meine Scheibe, dazu sind 8° Außentemperatur einfach zu kalt, um ein Fenster für lange Zeit auszuhängen.

Wenn die ganze Fassade solche Schwierigkeiten macht, wurde der Umfang der Arbeiten vielleicht falsch eingeschätzt und de Summe wird erhöht. Ich würde mich nicht wundern.

Ein anderer steht hier schon Ewigkeiten und zieht an einem dicken Seil – Sinn und Zweck sind mir unbekannt.

Und dann gibt es mindestens 5 Hammer, die um mich herum auf die Fassade einkloppen. Anheimelnd ist anders.

Und schon bin ich bei der Überschrift mit dem wach küssen und den Prinzen. Ich wurde heute gegen 8.00 Uhr durch Baustellengeräusche wach. Diese hielt ich nicht für etagenspezifisch und schlief einfach weiter. Doch als plötzlich ein Kopf gegen meine Fensterscheibe klopfte, war ich sofort hellwach:

Die meisten Fotos habe ich vom Wohnzimmer aus gemacht – da konnte ich mich hinter meinem dicken Sessel verstecken. Eine Freundin meinte: „Gönn doch den Bengels mal was Schönes und tanz nackig im lila Schal“ – vor 25 Jahren hätte ich eventuell darüber nachgedacht, doch inzwischen habe ich eine andere Auffassung von schön und weniger schön.

**************

Ich blieb den ganzen Tag zu Haus, um eventuell die Sache mit der 4-m-Markise zu regeln. Plötzlich sprangen 4 Männer auf meinen Balkon. Sofort ging ich raus und fragte, was mit der Markise wird, die fein säuberlich eingepackt war. Keiner, wirklich kein einziger sprach oder verstand ein Wort deutsch. Jetzt wundert mich der billige Preis nicht – der Bauunternehmer arbeitet nur mit rumänischen Schadstoffentsorgern. Irgendwie habe ich ein komisches Gefühl in der Magengrube. Dieses habe ich ein wenig mit 3 Tassen Kaffee für die Arbeiter zu beruhigen versucht. Keiner kann dafür, in welchem Teil der Welt er geboren wird.

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Autor: Clara HH

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

22 Kommentare zu “(Fast) Vom Prinzen wachgeküsst …

  1. Ich finde das Klasse, dass du Kaffee gekocht hast. Das würde garantiert nicht jeder so machen.
    Liebe Clara, ich wünsche dir, dass dein Zuhause, was dir ja eh schon so sehr gefällt, noch schöner wird.
    Österliche Grüße von der Gudrun.

    • Danke für dein es Bemerken. Am Donnerstag war eine ähnliche Situation. Es war kalt und es war sehr windig. Einer war auf meinem Balkon und hat mit dem Trennschleifer viele, viele dicke Schrauben durchtrennt – ein markerschütternder Krach. Ich fragte ihn, warum er keine Ohrschützer trägt. Er meinte, er hätte Stöpsel in den Ohren. Hoffentlich, sonst ist er und die anderen in ein paar Jahren schwerhöriger als ich. – Dann brachte ich ihm eine Tasse Kaffee raus. Kurze Zeit später kam ein zweiter und trank aus seiner Tasse. Ich sofort raus, „dudu“ gemacht und ihm eine eigene Tasse gebracht. Als Osterzugabe gab es noch ein Schüsselchen Kekse – da blieben wirklich nur Minikrümel übrig.
      Jetzt ist auch das Fenster an der anderen Wand im WZ eingerüstet, dafür sind die Folien wieder ab. – Es geht vorwärts.
      Dir wünsche ich auch eine schöne Zeit.
      Herzlich Clara

  2. Wieder eine feine Reportage in Bild-Text-Manier. Das Foto vom Spalt in die Tiefe- eindeutig das beste dieser Reihe- jedenfalls für mich!
    Das mit dem lila Schal und entsprechendem Getanze ist auch eine klasse Vorstellung!
    Den rumänischen wäre vielleicht gar nichts dazu eingefallen, oder sie hätten sehr laut geklopft oder geklatscht, wer weiß.

  3. ein ganz anderes Thema – Du hast mal in der Fischerinsel gewohnt? Wann denn? Welches Haus? Meine ImmerNochBusenfreundin schon aus Schulzeiten wohnte in der 1 (oder 2?), ich selbst 10 Jahre lang in der Inselstraße (1988-1998). Vielleicht sind wir uns damals mal über den Weg gelaufen? Klein ist doch die Welt;-)

    Ich habe solche Ausbeutung übrigens bei meinen Umzugshelfern erlebt. Das war ganz gruselig: der Antreiber war ein Türke, der gutes Deutsch sprach, aber ziemlich schmierig wirkte. Die eigentlichen Umzugshelfer waren meiner Einschätzung nach Rumänen, die wahrscheinlich so wenig Geld für die Arbeit bekamen, dass ich ihnen ihren geringen Einsatz bei der Arbeit absolut nicht verübeln konnte. Ich konnte das langsame Kistenschaukeln nicht lange ertragen und habe selbst mit angepackt und war schneller als die Herren, die ziemlich gequält waren (und niemals eine Schulung zu rückenschonendem Arbeiten erhalten hatten!). Leider war es mir nicht gelungen, den Rumänen selbst ein Trinkgeld zuzustecken. Ich gab das dem Vorarbeiter, fürchte aber, er hat seinen Kollegen (die er übrigens sooo herablassend behandelt hatte) nicht den ihnen zugedachten Teil abgegeben.

    • Hallihallo, die Welt ist klein – zumindest die Berliner Welt.
      Die Fischerinsel war meine erste Berlin-Wohnung (unsere ist besser). Mit zwei kleinen Kindern zogen wir 1971 in die Fischerinsel 6 in eine Zweizimmerwohnung mit 49 qm in der 6. Etage. – Als uns die im Laufe der Jahre wirklich zu klein wurde, haben wir uns mit einem ganz üblen Trick und per Tausch in der Nr. 5 eine Vierzimmerwohnung beschafft. Wenn du auf meinem Blog „Fischerinsel“ eingibst, kannst du viele Artikel entdecken – denke ich jedenfalls.
      Dann haben wir uns scheiden lassen und ich bin 1985 in den Friedrichshain an die „Prachtstraße“ gezogen, ehemalige Stalinallee. Von dort ging der 17. Juni aus. Von daher werden wir uns kaum begegnet sein, weil ich ja schon weg war.
      Wie immer, wohne ich 15 Jahre in einer Wohnung. Von dort ging es „in den Westen“ nach Lichterfelde und jetzt bin ich in Tempelhof-Marienfelde. Jetzt will ich nur noch in ein „Gartengundstück“ etwas unter der Erde ziehen – das Pflegeheim möchte ich nach Möglichkeit auslassen.
      Das mit den Umzugsleuten habe ich auch mal ähnlich erlebt – die Besitzer solcher Firmen wissen schon, wie sie zu Geld kommen.
      Ich finde es ganz, ganz toll, dass du diesen Kommentar geschrieben hast.
      GAnz liebe Grüße schickt dir Clara

  4. Druck doch aus: „Salariul minim?“ und hänge es ans Fenster.

  5. Clara, mir ging es genau umgekehrt. Als ich damals einen Bauarbeiter ansprach bin ich darüber erschrocken, dass er mir auf „schwäbisch“ antwortete 🙂 Damit rechnet man schon gar nicht mehr.

  6. Liebe Clara!
    Und wieder ein brillanter Abenteuerbericht aus Deiner Feder bzw. Tastatur. Ich hoffe sehr, dass die Bauarbeiten nicht so lange dauern wie beim Berliner Flughafen oder stuttgart 21. Dann würden wir von Dir nur noch derlei Beiträge erhalten. Auch wenn ich mich natürlich sehr über Deine Geschichten amüsiere, würde ich Dir doch eine ruhige erholsame Wohnung mit heller Aussicht wünschen.
    Die Schmetterlinge machen sich an den Fenstern trotz grüner Plane sehr gut, auch hast Du ja Deine sonstige Wohnungseinrichtung wunderbar auf dieses Außenchaos abgestimmt. Soll heißen, innen hui außen …
    Ich wünsche Dir trotz Lärm und Gerüst ein schönes Osterwochenende und sende ganz liebe Grüße von der Alm
    Mallybeau 🙂

    • Hallihallu, liebe Mallybeau (damit sich die Begrüßungszeile besser reimt, musste ich eine kleine Änderung vornehmen.
      Es tut mir so gut, wie du Anteil nimmst – aber ich glaube nicht, dass ich den Sommeranfang mit den Arbeitern auf meinem Balkon feiern, die alle nicht mit Fahrstuhl zu mir gefahren sind, sondern über das Gerüst gestiegen sind.
      Wie du sagst: Wenn ich es als ABENTEUER ansehe, ist die ganze Sache viel besser durchzustehen.
      Ich denke, heute gegen 14.00 Uhr fällt der Hammer (hoffentlich nicht vom Balkon auf eine Person) und die Bauarbeiter haben 4 Tage frei – vielleicht fahren manche zu ihren Familien.
      Mal sehen, was heute noch so auf meinem Balkon passieren wird. – Im Nachbarhaus, wo die Balkonseite kein Ethernit hatte (warum wir welches haben, kann mir kein Mensch beantworten) fangen sie schon an mit dem Kleben der Dämmmatten.
      Einen wunderschönen Tag wünsche ich dir, das schreibt
      Clara

      • Oh stimmt, dann ist an Ostern Deine Bude ja völlig von Bauarbeiten umstellt. Da musst Du wirklich raus in „Deinen“ Garten. Oder besuchst Du den lieben Lenny?

        • Da eiszeitähnliche Temperaturen zu erwarten sind, steht das Unterhaltungsprogramm noch nicht so richtig. Schau’n wir mal – vielleicht wird es auch ein Sofa-lese-WE. Und das Suchen wird darin bestehen, dass ich die Brille, dass ich das Buch, dass ich das Telefon oder oder oder suche. Wird auch lustig, aber eben nicht einmalig und außergewöhnlich.

          • Vielleicht solltest Du alle Gegenstände vorher noch bunt anmalen, dann freut man sich mehr, wenn man was wiederfindet 🙂

          • Die Idee gefällt. Bei den Brillen, die beide schon lila sind, werde ich mich zurückhalten, aber so ein langweilig schwarzsilbernes Telefon kann wirklich aufgepeppt werden.

  7. Genau, niemand kann dafür, in welchem Teil der Welt man geboren wurde. Da finde ich es mit Deinem Kaffee umso schöner! Das passiert den Jungs bestimmt nicht oft. Meine Fenster würde ich bei solchen Gerüstarbeiten unabhängig davon immer geschlossen halten. Die stehen da ja auch nachts… Das wär mir dann schon gruselig.
    Und ich finde es richtig, richtig sch**, dass man die Männer ohne jeglichen Schutz dort arbeiten lässt. Die sollen für wenig Geld arbeiten – und werden nebenbei gesundheitlich mit kaputtgemacht.
    Letztens sah ich eine Reportage über die 60er und die 70er, unter anderem gings um die Bergbaukumpels. Die haben damals tatsächlich ohne Mundschutz gearbeitet, das kann man sich gar nicht mehr vorstellen. Zumal man ja auch damals schon wusste, wie schädigend das ist.

    • Liebe Helma, komischer Weise musste ich dich erst anmelden, bevor du hier erscheinen konntest – ich weiß nicht warum. – Bei tonari habe ich schon einiges zum Schutz der Abrissarbeiter geschrieben. – Und hier in der untersten Collage mit den drei Fotos sieht man genau, DASS sie mit Schutzanzügen und mit Mundschutz arbeiten – nur dieser eine ist mal aus der Reihe getanzt, er hatte die Maske aber umhängen. Wahrscheinlich hat er so geschwitzt durch die Anstrengung, dass er durch die Maske keine Luft bekommen hat. Und das kann auch die strengste Bauaufsicht nicht verhindern.
      So bedeutend ist unsere Baustelle noch nicht, dass hier auch nachts gearbeitet wird. – Wir sollen alle zugeklebten Fenster geschlossen halten – die Frischluftzufuhr passiert dann eben nur über Küchen- oder Badfenster.
      Genau jetzt in diesem Moment sind zwei Bauarbeiter auf meinen Balkon gekommen – es sind aber keine Schadstoffbeseitiger, es müssen die von der Malerfirma sein, denn sie machen sich an gestrichenen Teilen zu schaffen. Die wollen offensichtlich die Farbe von der Balkondecke holen – die ist eben so auf ein Netz aufgespritzt wie die grüne an der Balkonfassade.
      Auch, wenn ich alles bisher überwigeend spannend ansehe, werde ich froh sein, wenn alles beendet ist.
      Ich hoffe, dir geht es „körper- und gesundheitstechnisch“ gut bis sehr gut. Falls letzteres nicht möglich ist, wäre auch ein befriedigend noch gut.
      Liebe Grüße

  8. Das mit den Abbrucharbeiten von Asbestzement ohne ausreichenden Schutz für Arbeiter und Anwohner finde ich mehr als bedenklich.
    Ich glaube, ich würde mal mit dem LaGeSo telefonieren und um eine Baustellenbesichtigung bitten.
    Außerdem müsste irgendwo am Baucontainer oder in der Nähe ein Baustellenschild (wahlweise Zettel) aushängen, auf dem steht, wer der Sicherheits- und Gesundheitskoordinator für die Baustelle ist. (SiGeKo)

    • Liebe Frau tonari, ich fürchte, ich habe mit dem einen Satz über den einen Bauarbeiter ohne Mundschutz ein falsches Bild hervorgerufen. ALLE Abbrucharbeiter arbeiten im blauen Schutzanzug mit Kapuze, ALLE haben eine Mundschutzmaske umhängen. Wenn der eine sie durch die große Anstrenung nicht vor den Mund genommen hat, dafür kann ich nichts. Und da ich mich mit ihnen auch nicht unterhalten kann, habe ich nichts gesagt.
      Und alle Fenster sind mit Folie verklebt – und es hängt im Haus ein Aushang, dass wie die Fenster nicht öffnen sollen, um die Fasern nicht in die Wohnung und in unsere Lungen zu lassen.
      An den Gerüsten hängen wirklich solche Zettel – die muss ich mal abfotografieren, vor Ort ist mir die Schrift zu klein zum Lesen.
      Ich schaue mal danach.
      Ansonsten befürchte ich dennoch, dass die Rumänen ihren Schutz nicht so ernst nehmen.
      Einen schönen Tag für dich – lasse dich bei der Eröffnung der IGA nicht zerquetschen!

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