Claras Allerleiweltsgedanken

So wird das aber nix, Herr Staubsaugervertreter!!!

19 Kommentare

Ein Situationsbericht über das garantiert schlechteste Verkaufsgespräch.

Ich bekomme einen Anruf mit der Frage, ob ich eine kostenlose Teppichintensivreinigung probieren möchte. Die Firma hätte ein neues Reinigungsmittel entwickelt, wozu sie gern Kundenmeinungen einholen wollen.

Meine Auslegware im Flur hätte so eine Reinigung nötig, so dass ich zusage.

20 Minuten nach der vereinbarten Zeit klingelt es einmal und ich melde mich an der Sprechanlage und öffne die Tür. Es klingelt noch einmal und kurze Zeit ein drittes Mal. Leider kann ich den Besucher nicht verstehen.

Obwohl meine Klingel die oberste von allen ist, war dem jungen Mann nicht klar, ob ich oben oder unten wohne.

Er nimmt Platz und macht so überhaupt nicht den Eindruck, als wenn er jetzt irgendwie arbeiten möchte. Und ich Übereifrige hatte noch zwei Kleinmöbelstücke im Flur aus dem Weg geräumt.

Ich stelle die Frage, ob so eine tiefengereinigte Auslegeware nicht danach viel schneller schmutzig wird. Seine Antworten waren mehr als unqualifiziert. Meinem gerade zu Besuch weilenden Nachbarn – in etwa in meinem Alter – fuhr er wie ein Rotzlöffel über den Mund.

Dann kommt er mit einer kleinen Schachtel an, in der sich eine gelochte weiße Kugel befindet, die mit klappernden Kristallen gefüllt ist – sie soll die Waschmaschine effektiver machen und Waschpulver sparen. „Für 80 € ist das ihre!“ Als ich keinerlei Interesse zeigte, ging er auf 60 € runter und dann auf 40,00. Da reichte es mir und ich sagte: „Wir sind doch hier nicht auf einem türkischen Basar!“ Den Protest einer beleidigten Leberwurst hättet ihr hören müssen, denn er war oder ist Türke. – Übrigens kosten diese Kugeln beim großen A ca. 20,00 €.

Dann lobte er meine Wohnung bis über den grünen Klee – wahrscheinlich wollte er sich einschleimen.

Da weder Zeit noch Geduld bei mir ewig vorhanden sind, bat ich ihn, doch mit der Reinigung anzufangen. Ich bemerkte, dass er seinen 800,00 € teuren Kirby-Staubsauger (gebraucht als Vorführexemplar, leichte Kratzer und Gebrauchsspuren) verkaufen wollte. Nach seinen Worten pustet „sein Staubsauger“ tiefengereinigte Luft aus, jeder andere trotz Hepafilter sei dagegen eine „Dieselrußschleuder“.

Als ich daran so überhaupt kein Interesse zeigte, da ich außer dem Flur in den anderen Räumen so gut wie keinen Teppich hatte, sank seine Laune in den Keller. – Dann wollte er das 9 m lange Kabel als besonderen Vorzug anpreisen. Auch da rollte ich nicht vor Begeisterung mit den Augen, denn ein Umstecken in eine andere Steckdose halte ich nicht für unzumutbar.

Und da ist ihm die Geduld geplatzt. Er meinte, ich sei ihm derartig unsympathisch, dass er jetzt zu den Leuten ginge, die auf ihn warten. Das beruhte zwar auf Gegenseitigkeit, aber ich sprach es nicht aus – und bei mir war diese Antipathie schon da, als er mit seinem „Gepäck“ die 8 Stufen der Treppe hoch stieg.

Schade, warum habe ich ihn nicht sofort hinausgeworfen und die Tasche mit dem teuren Staubsauger gleich hinterher??? Es lohnt nicht immer, Menschenfreund zu sein.

Trotz zu sehender Telefonnummer konnte ich niemand erreichen, um mich über ihn zu beschweren. Doch falls er wirklich der Chef ist, hätte das ja eh keinen Erfolg..

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Autor: Clara HH

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

19 Kommentare zu “So wird das aber nix, Herr Staubsaugervertreter!!!

  1. Oh jeee, es gibt sie also noch diese Verkaufsvertreter.
    Gut, dass er so schlecht war, dass Du ihm nicht auf den Leim gegangen bist.

    • Liebe Agnes, ich wäre ihm auch nicht auf den Leim gegangen, wenn er gut gewesen wäre. Denn die Einladung galt ja nur für das Saubermachen meines Teppichs, nicht für den Kauf eines Staubsaugers. Schon gleich gar nicht für den Kauf einer waschkugel. Jetzt ist es vergessen.
      Einen lieben Gruß zu dir

      • Liebe Clara, gut, dass Du sowieso gegen diese durchsichtige Verkaufsstrategie gefeit warst. Inzwischen hatten wir alle ja auch ein paar Jahre Kapitalismus-Schulung, um nicht auf jeden Verkaufsteufel hereinzufallen.

        Mir fiel bei Deiner Erzählung ein, wie nach der Wende Massen dieser Vertreter durch die noch-DDR und die neuen Bundesländer gezogen sind und den Ossis, die doch mit derartigem Verkaufsgeschick keinerlei Erfahrung hatten, auf den Leim gegangen sind. Einmal auch meine Familie, obwohl ich uns im Vergleich zu manchen anderen nicht als übermäßig blauäugig-naiv in Erinnerung hatte, aber eben naiv und unerfahren genug.

        Ich sehe uns immer noch an unserem Tisch um Wohnzimmer sitzen; und alles was dieser Verkaufsprofi sagte, machte solchen Sinn …

        • Agnes, weißt du, was ich „interessant“ fand, was für die Verzweigung unserer Infokanäle spricht.
          Nachdem der Kerl verschwunden ist, riefen mich zwei weitere Vertreter von Kirby an.
          Einzig und allein ärgere ich mich, dass ich keine Visitenkarte von ihm verlangt habe bzw. den nicht gezeigten Dienstausweis kopiert habe.
          Dann wäre eventuell eine Beschwerde über ihn von Erfolg gekrönt – aber ich habe im Moment anderes zu tun.
          1996 bin ich mal voll reingefallen. Ich wollte mir nach dem Tod meines liebsten Menschen ein anderes Auto kaufen. Und dabei bin ich so etwas von reingefallen. Es hatte schon mehrere Unfälle, die aber alle gut versteckt und kaschiert waren.
          Mit Versicherungen und ähnlichem war es wohl besonders schlimm.
          Und tschüss sagt Clara

  2. Liebe Clara!
    Ich kann mir dieses Zusammentreffen lebhaft vorstellen. Und so wie Du hier mit Fachbegriffen galant die Situation umschreibst, sehe ich den Vertreter vor mir, wie er in sich zusammen sinkt. Ich kenne mich mit Staubsaugern überhaupt nicht aus und wäre in diesem Augenblick sicherlich hoffnungslos überfordert gewesen. Chapeau, dass Du diese Situation so gut gelöst hast.
    Ist jetzt wenigstens der Teppich sauber ? 🙂
    Liebe Grüße an das Verkaufsabwimmelgenie Clara in der obersten Etage
    Mallybeau

    • Nein, nein, nein, nein – liebe Mallybeau, der Teppich ist natürlich nicht sauber, da der Kerl ja nicht am Arbeiten interessiert war, sondern am Verkaufen – und dazu habe ich nicht genügend Bereitschaft signalisiert.
      Ich habe einen Superstaubsauger von Siemens, der reicht mir vollkommen aus – doch er war da anderer Meinung.
      Am Ende wollte ich wirklich nur, dass er so schnell wie möglich geht.
      Mit dieser Beschreibung „Clara, das Verkaufsabwimmelgenie, wohnend in der obersten Etage“ fändest du mich sicher in ganz Berlin, denn bei wem trifft so etwas schon zu.
      Und tschüss – ich will auf meinen Balkon, auch wenn er noch nicht fertig ist.
      Lieb grüßt dich Clara

  3. Solche Typen lasse ich erst gar nicht in die Wohnung. Wo gibt es schon etwas kostenlos. Schade eigentlich.

    • Bei Werbeaktionen machen die schon kostenlose Sachen, da sie die Hoffnung haben, die Leute sind sooooooooooo begeistert, dass sie danach das Produkt kaufen. Ich hatte ja am Telefon zugestimmt, dass er kommen darf. – Und er wollte ja nicht das chemiefreie Konzentrat – wie angekündigt – verkaufen, sondern seinen schon mächtig gebrauchten Staubsauger.
      Der hat sich von A – Z dämlich angestellt – doch mein Teppich ist jetzt leider immer noch dreckig.

  4. Mich macht sowas immer sehr misstrauisch 😒

    • Ich bin nicht sehr ängstlich und in meiner Wohnung gibt es auch nicht sehr viele Sachen, die auf einem Wiederverkaufsmarkt Geld oder „Punkte“ brächten. Auch der Fernseher ist dafür schon zu alt.
      Er wurde ja telefonisch mit Namen und Dienstausweis angekündigt.
      Wenn er wenigstens das neue chemiefreie Produkt angewendet hätte und mein Flur jetzt sauber wäre. Aber er hatte ja nur den Verkauf seines angekratzten Kirby im Kopf.

  5. Ich dachte, nur Feinstaubvertreter hält das System noch vor. Naja, an den Heinzelmann kann der Typ sich sicher nicht erinnern.

    • Ne, garantiert nicht, denn erstens war er dafür zu jung und zweitens sicher an deutschen Humorhighlights nicht interessiert. Falls es stimmt, dass er 12 Angestellte hat, tun die mir aufrichtig leid.

  6. Gegenseitige Liebe auf den ersten Blick, sehr romantisch *kicher*

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