Claras Allerleiweltsgedanken

Früher gegen Jetzt

14 Kommentare

Früher zu DDR-Zeiten habe ich meine freie Zeit dafür gebraucht, Artikel zu kaufen, die entweder unter dem Ladentisch angeboten wurden oder die es nur mit Beziehungen gab.

Heute zu BRD-Zeiten verwende ich meine freie Zeit dafür, um unter den viel zu vielen Artikeln einer Warengruppe ein Angebot zu finden, das gut, günstig und haltbar ist.

Ihr könnt es mir glauben, ich brauche heute viel mehr Zeit als früher, um mir z.B. einen Fotoapparat, einen Fernseher oder sonst etwas zu kaufen.Vielleicht sollte ich die „Teufelstechnik“ wie Computer nicht für Preisvergleiche und riesige Versandwarenhäuser  nutzen.

Ich bin wirklich kein Schnäppchenjäger, der immer und überall den günstigsten Preis erhaschen will. Ich möchte aber auch kein Dummi oder gar Blödi sein, der nach dem Kauf an jeder Ecke ein besseres und günstigeres Angebot sieht. Mich überfordert dieses Überangebot an Waren mit den unterschiedlichsten Preisen für die gleichen Sachen noch immer. Und wie soll ich wissen, ob mein neuer Fotoapparat besser einen elektronischen Sucher haben soll oder ob der althergebrachte nicht vollkommen ausreicht. Sich Technikfeatures zu kaufen, die man nachher wegen „technischer Einfältigkeit“ gar nicht nutzen kann, ist ja auch rausgeschmissenes Geld.

Vor wenigen Tagen habe ich eine Fernsehsendung gesehen, in der sich ein Team nur um das Affentheater mit den Preisen an Tankstellen beschäftigt hat. Viele, viele Male täglich werden die Preise verändert. Wenn sich Tankstellen gegenseitig im Blick haben, dann prescht die eine vor und die anderen kommen hinterher. Es gibt schon „Standarduhrzeiten“, an denen die Preise hochgeschraubt werden. Der „arme“ Autofahrer, der das nicht weiß. – So kann man also auch mit der Zeit und dem Geld der Leute umgehen, ich finde es abartig.

Was habe ich früher zu Mauerzeiten über den Mann einer Freundin in Westberlin gelacht, der vor dem Kauf eines Kühlschranks oder einer Waschmaschine oder … oder … drei Tage lang die Zeitschriften von „Stiftung Warentest“ gelesen hat, die er sich stapelweise aus der Bibliothek geholt hat. Computer für Preisvergleiche oder gar Handys gab es da noch nicht.

Keiner hört auf mich – ich würde in jeder Produktklasse vier Preissegmente einführen: Billig – Mittelklasse – Hochwertig – Superhochwertig und dann dürfte es in jeder Preiskategorie genau 3 Angebote geben – also insgesamt 12 Artikel.

Alle West-Geborenen werden jetzt aufschreien und mich als „senilen DDR-Bürger“ beschimpfen (ist ja hier schon passiert) – doch ich fühle mich so überhaupt nicht senil – aber unsere Umwelt würde es uns durch Schonung von Ressourcen danken. Wir müssen das Wirtschaftswachstum nicht ununterbrochen steigern – aber das glaubt mir ja keiner, vor allem von der Regierung glaubt das keiner.

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Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

14 Kommentare zu “Früher gegen Jetzt

  1. Da pflichte ich dir bei, das sind gute Gedanken. Mit denen man in unserer ständig auf das Neueste heißen Gesellschaft nicht weit kommt.
    Die Wortfindigkeit von der technischen Einfältigkeit finde ich herrlich.

    • Du siehst, liebe Sonja, nun bin ich schon 28 Jahre Bürgerin der Bundesrepublik Deutschland und bin in mancher Beziehung immer noch nicht klug geworden – oder ich will es einfach nicht, ich will mich nicht diesem Konsumwahn anpassen. Wenn ich hier und da höre, dass die Eltern für ihren Schulanfänger allein für den Ranzen mit dem ganzen Pipapo drumherum weit mehr als 200 € ausgeben, da merke ich, dass unsere Superwelt aus den Fugen ist.
      Das Wasser, was manche Leute (erlebt, mehr als einmal) dafür brauchen, um auch jedes Krümelchen aus ihrem Waschbecken zu spülen, das haben Leute in Dürregebieten nicht in zwei oder drei Tagen zur Verfügung.
      Der Lebensstil, den wir hier führen – wie oft kotzt er mich an – und dennoch befreie ich mich nicht daraus, ich versuche wirklich nach ehrlichem Gewissen, das Beste aus der Situation zu machen.

  2. Besser als ein jeder Preisvergleich … nix kaufen …

  3. weil mich das preisvergleichen nicht interessiert, weil es mich ermüdet und unzufrieden macht, kaufe ich am computersektor alles beim disconter. immer die gleiche marke. und die sachen halten meist lange. und meine ansprüche sind ja gering. kamera habe ich 4 x um kleines geld bei ebay gekauft. die teuren liegen in der lade. jetzt brauche ich gerade neue bremsen fürs auto. da bin ich am preisvergleichen – und es macht mich wirklich unglücklich. weil es dinge sind, mit denen ich mich nicht beschäftigen will.
    liebe grüße
    ingrid

    • Danke, liebe Ingrid, für deinen Kommentar. Bei mir kann ich oder muss ich den Spruch sagen „Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust“. Um ganz sorglos zu kaufen und zu bestellen, was mir als erstes über den Weg läuft, hat mir meine liebe Mama leider nicht genug Geld hinterlassen, dass ich hätte durch unbekannte Zinstricks vermehren können.
      Aber vielleicht macht es mir manchmal auch ein wenig Spaß, technische Fertigkeiten an den Tag zu legen, die in meinem Alter nicht mehr ganz so üblich sind.
      Oder an anderen Tagen, wo meine Seele und mein Gemüt von Kummer überschattet werden, ist das Beschäftigen am Computer gleich welcher Art eine wunderbare Möglichkeit, meine Gedanken vom Schweifen abzuhalten.
      Beim Kauf von gebrauchten Sachen bin ich leider schon zweimal derartig auf die Schnauze geflogen, so dass mir der Mut genommen wurde, eine Kamera gebraucht zu kaufen.
      Viel Glück beim Finden von guten Bremsbelägen wünscht dir mit lieben Grüßen
      Clara

  4. Liebe Clara!

    Tja, das mit dem Überangebot ist so eine Sache. Natürlich könnten wir es uns diesbezüglich wesentlich einfacher machen, aber die Wirtschaft muss eben boomen 🙂
    Wenn Du tatsächlich irgendwann Dein Kaufhaus mit den übersichtlichen Produktkategorien eröffnest, kaufe ich ein. Allerdings nur, wenn nicht alles lila ist. So schön diese Farbe natürlich ist, aber ein wenig Farbvielfalt sollte geboten sein. Und solange Schokolade in Deinem Sortiment vorhanden ist, ist ohnehin alles paletti.
    Ich weiß jetzt übrigens, warum unser Aldi hier bereits die Einkaufswägen in chicem grau vor dem Laden stehen hat. Momentan steht ein Umbau bevor und dann macht er auf gehobenes Ambiente. Bin mal gespannt, ob sich dann auch die Preise erhöhen 🙂

    Liebe Grüße von der gar nicht kaufsüchtigen
    Mallybeau

    • Liebe Mallybeau, deine Angst ist unbegründet, dass hier nur noch lila oder es in den Kaufhäusern von C&H nur violette Waschmaschinen, purple Geschirrspülautomaten, blasslila Schrankwände oder gar dunkellila Betten

      zu kaufen gäbe. Schon in meiner Wohnung praktiziere ich ja eine Vielfalt von weiß-grau-grün-rot-aprikot-beige und einem ganz klein wenig lila.
      Ich glaube, dass mit der ständig boomendem Wirtschaft fällt in gewisser Weise schon uns auf den Fuß, aber auf jeden Fall meiner Kinder- und Kindeskindergeneration.
      Die Menschheit hat offensichtlich schon immer ihren Gewinn über ihren Verstand gesetzt.
      Auch, wenn ich in letzter Zeit hier viel über Käufe schreibe, mehr aber über Rückgaben, bezeichne ich mich dennoch keinesfalls als kaufsüchtig, denn ich ersetze wirklich immer nur das, was defekt ist.
      Beste Morgengrüße zu dir von der ausgeschlafenen Clara

  5. Ich finde die Idee mit deinem Warenangebot gar nicht so schlecht .l.g.Anja

  6. interessante gedanken die du da äußerst. die gefährten meiner zweiten lebenshälfte – gelernte ddr-bürgerin – und ich – gelernter westberliner – haben darüber auch schon häufig gesprochen. sie erzählte von geräten, die produziert wurden um möglichst nicht kaputt zu gehen.in diesem zusammenhang spraach sie von einem typischen ddr-handmixer, der vierzig jahre in ihren händen seinen dienst tat. während unserer beziehung – 14 jahre – haben wir nun bereits drei mixer aus heutiger produktion verbraucht. geplante obsoleszenz und leider typisch für die kapitalistische warenproduktion.
    im übrigen halte ich leute, die, wie du andeutest, im alten schimpfmodus gegen wen auch immer verharren, für dermaßen irrelevant, dass wir sie einfach weglachen und dann vergessen sollten.das leben ist zu kurz um sich über dummköpfe zu ärgern. wir sind jedenfalls glücklich auf unserem west-östlichen diwan…
    beste grüße an dich, liebe clara

    • Peter, wie sage ich immer: Du hast den Nagel mitten in den Kopf getroffen, (ohne dass es schmerzt).
      Die größte Liebe meines Lebens war Hamburger – „war“ deswegen, weil er seit 1996 nicht mehr lebt. Ihm habe ich es nicht übel genommen, wenn er ganz liebevoll sagte „Na, meine Große aus Dunkeldeutschland“
      Er war wenigstens bemüht, uns als Land und Volk zu verstehen und zu akzeptieren, auch wenn es ihm ab und an schwer fiel.
      Ich glaube wirklich – aus welchen Gründen auch immer – dass die DDR sehr viel sparsamer mit unseren Ressourcen umgegangen ist. Allein, wenn ich die Reklame in den Briefkästen herausquellen sehe, bekomme ich einen dicken Hals. Und bei 1000 anderen Sachen auch. Die jetzigen Bundestagsrunden ähneln Kampfarenen, bei denen aber nichts Gescheites rauskommt.
      So ein Diwan würde mir auch mal wieder gut tun.
      Herzlich grüßt die Clara mit den langsam müde werdenden Augen.

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