Claras Allerleiweltsgedanken

Drei Mädchen und ein Junge …

25 Kommentare

… begegneten mir bei meinem letzten Britzer Gartenbesuch.

Das ist wohl nichts Außergewöhnliches und wahrscheinlich begegneten mir sogar noch viel mehr. Aber diese vier waren etwas Besonderes. Die Mädchen hatten sich wahrscheinlich den Jungen ausgeguckt, dass er der Mutigste sein musste, um mich anzusprechen. In fehler- und akzentfreiem Deutsch sprach er mich an – sein Migrationshintergrund war nicht zu übersehen. Ob ich Zeit hätte und ihnen bei der Erfüllung einer Hausaufgabe helfen könnte.

Sie sahen alle vier sehr sympathisch aus und ich willigte ein. Es ging darum, zu ermitteln, was die Kleidung gekostet hat, die ich trug. Die Armen, da waren sie ja bei mir genau an der richtigen falschen Adresse. Zahlen und Preise interessieren mich im Normalfall gar nicht, da ich immer so preiswert wie möglich einkaufe und keine Markenklamotten trage. Die Jacke, die ich um den Bauch gebunden hatte, machte eine Ausnahme – aber sie muss Mitte der 90er Jahre gekauft worden sein, denn Heiko war dabei.

Als sie mich genügend gelobt hatten ob meiner lila Brille und des lila Sweatshirts und auch die Jacke gut fanden, wurde ich immer aufgeschlossener und wir quatschten und lachten uns durch die Aufgabe.

Doch dann hatten sie eine für mich: Ich sollte von allen das Alter raten und die Herkunft. Als ich das erste Alter bei dem Jungen auf 12 schätzte und mitbekam, dass sie alle in eine Klasse gehen, kamen die Zahlen 11, 12 und 13 in Frage. Damit war ich also schnell durch.

Bei der Herkunft war es bei dem Jungen und einem Mädchen leicht. Aus Syrien konnten sie nicht sein, dafür sprachen sie viel zu gut deutsch, also tippte ich auf Türkei und lag richtig. Beide Kinder hatten ein türkisches Elternteil und ein deutsches. An das dritte kann ich mich nicht mehr richtig erinnern – ich weiß nur, dass alle vier ein deutsches Elternteil hatte.

Bei der vierten sagte ich ganz prompt: Du bist deutsch, denn viel deutscher kann man nicht mehr aussehen. Heftiger Protest scholl mir entgegen. Ein Elternteil war aus Polen und das Mädchen erklärte mir – wie auch die drei anderen – dass sie sich den anderen Pass besorgen wird, weil sie keine Deutsche sein möchte.

Leider konnten wir das nicht diskutieren, weil sie es eilig hatten, aber ich habe doch ein wenig geschluckt. Ich werde jetzt nichts weiter dazu ausführen, vielleicht schreibt ihr mir mal eure Gedanken. –

Hier kurz vor dieser Brücke am Modellbootteich standen wir und diskutierten. – Letztendlich hatte ich den Eindruck, alle wollten weg in das andere Land, aus dem der zweite Elternteil stammt.

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Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

25 Kommentare zu “Drei Mädchen und ein Junge …

  1. Deren Meinung kommt wohl daher, weil sie sich nicht akzeptiert fühlen, wie schon jemand kommentierte.
    Die Frage ist, ob sie es sich da nicht etwas zu einfach machen, indem sie glauben, dass sie im anderen Land akzeptierter wären?
    Ich kenne es nur in abgeschwächter Form, als ich in Deutschland umgezogen bin (anderer Dialekt, andere Gegend, auch andere „Kultur“) und mich nicht heimisch fühlte. Als ich aber in die Heimat zurückkehrte, hielten sie mich dort eher für eine Bürgerin des neuen Bundeslandes, da ich dort eben schon zu lange gelebt hatte. Allerdings habe ich das Gefühl von „Heimat“ in dem Sinne nie vermisst.

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    • Von 13- bis 14jährigen Mädchen kann man noch keinen Weit- und Weltblick erwarten, den haben ja zur Zeit offenbar genügend Erwachsene auch nicht.
      Es tat mir sehr leid, dass ich das Gespräch nicht weiter oder zu Ende führen konnte – vielleicht wären wir beide dann schlauer.
      Ein sogenanntes „Heimatgefühl“ habe ich nie entwickelt, auch nach 50 Jahren in Belrin nicht, denn da habe ich einfach schon in zu vielen Stadtbezirken gewohnt – und jeder ist wie eine eigene Stadt, na nicht ganz: Erst Mitte, dann wieder Mitte, dann Lichterfelde, jetzt Tempelhof – ich bin schon froh, wenn ich mich überall auskenne, ich mit meinem „exzellenten“ Orientierungssinnn.

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  2. Also, in meinem Pass steht Ösi drin. Alles andere wäre Etikettenschwindel… 😉

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  3. Kinder und Jugendliche spüren, wer sie mag und wer nicht. Haben sie bei dir auch, und echt schade, dass sie so schnell verschwanden!

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  4. Habe ich auch teilweise schon von Erwachsenen gehört, dass sie sich in Deutschland nicht voll akzeptiert fühlen, obwohl sie hier arbeiten, gutes Deutsch sprechen etc.

    Dank AfD, Pegida und Co. wird das wohl auch erst mal nicht besser werden. Im Gegenteil.

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    • Heute schreibe ich zur Feier des Tages deinen Namen aus: Hallo, liebes Fellmonsterchen
      ich finde es äußerst bedeuerlich, dass die vier so schnell weg waren, ich hätte mich wahnsinnig gern noch weiter mit ihnen unterhalten.
      Bei dem deutsch-polnischen Mädchen waren es vielleicht andere Gründe, denn sie sprach ja perfekt und akzentfrei Deutsch und machte auch einen sehr hellen Eindruck – vom Kopf her, nicht vom Haar her.
      Dein „im Gegenteil“ befürchte ich eben auch!
      LG von mir

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  5. Eine Geschichte zum Nachdenken, auch wenn ich sie nicht überbewerten möchte. Ich glaube, in dem Alter wollte ich mit den britischen Besatzunssoldaten nach England. Später wollte ich wohl zu unseren dänische Nachbarn auswandern, heute wohne ich immer noch in Schleswig-Holstein.
    Anderseits: Kindermund tut Wahrheit kund. Wenn ich mich mit einem Migrationshintergrund nicht in dem einen Land wohlfühle, teste ich es im anderen. Aber dass das so ist, ist schon ein bisschen traurig.
    Albert aus SH

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    • Hallo Albert aus SH, schön, mal einen „Neuling“ unter den Kommentatoren zu haben.
      Ich möchte die Geschichte auch nicht überbewerten – es war einfach so ein Gedanken“blitz“.
      Vielleicht war die Idee wirklich gut, in Schleswig-Holstein geblieben zu sein, denn von dort kannst du ja bei Bedarf zu den Briten oder den Dänen zu Besuch fahren.
      Ich fand eigentlich wirklich besonders, dass es nicht die drei Kinder so vehement geäußert haben, denen man den Migrationshintergrund deutlich angesehen hat.
      Nein,, das Mädchen, was von mir für deutsch mit zwei deutschen Elternteilen gehalten wurde – das beteuerte am nachhaltigsten, dass sie nach Polen möchte, um dort zu leben.
      Mal sehen, was wir in der nächsten Zeit oder den nächsten Jahren noch so alles erleben mit Deutschland und allen Nachbarn und Neuangekommenen.
      Mit Gruß von Clara aus Berlin

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  6. Ja, liebe CC, da hast Du offensichtlich einen frei liegenden Kindernerv getroffen. Ich frage mich auch: wie sieht denn eigentlich ein deutsches Kind aus…? Bei den polnischen oder russischen Zuwanderern gibt es viele, die an das alte überholte Blondschopfbild erinnern. Mein Brüderchen hat die braune Haut, die schwarzen Haare und Augen unserer italienischen Vorfahren geerbt. In seiner Schule, dem Gymnasium, litt er unter Beschimpfungen wie: Ithaker, Südländer. Seinen Namen verzerrten seine Schulkameraden von Axel zu Oxül, damit er türkischer klingt. Also seit wann ist Ausgrenzung und Rassismus nochmal ein Problem bei uns? Nicht erst seit heute.
    Es ist sehr schade, ich hätte gerne gewusst warum die Lüttje etwas gegen ein ‚deutsches‘ Aussehen oder eine deutsche Staatsangehörigkeit hat. Huch, ist denn das etwas Schlimmes? Ich finde es hübsch.
    Liebe Morgengrüße ✨🌈❣️

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    • Hallo StefanieKarfunkelfee, genau das, was du am Ende deines kommentars schriebst, hätte mich auch so brennend interessiert: „Es ist sehr schade, ich hätte gerne gewusst warum die Lüttje etwas gegen ein ‚deutsches‘ Aussehen oder eine deutsche Staatsangehörigkeit hat. Huch, ist denn das etwas Schlimmes?“
      Ausgrenzung von Fremden gibt es ja nicht nur in deutschen Landen – Juden wurden schon immer überall gehasst und verfolgt, nur Deutschland hat es bis zur (negativen) Perfektion betrieben – wie fast immer wollen Deutsche eben perfekt sein.
      In der Hitlerzeit wurde ja die Ausgrenzung von „Andersartigen“ bis zum Extrem verfolgt – und das scheint aus den Köpfen von vielen auch nicht mehr zu entfernen sein. Ich habe zwar diese Zeit nicht erlebt, finde aber diese „Übermenschtheorie“ zum Reihern.
      Ich glaube nicht, dass die Kinder etwas vom Fremdenhass hier in Deutschland aktuell mitbekommen haben, denn Chemnitz war später. Aber vielleicht doch, da ihnen die Eltern davon erzählen.
      Egal wie, ich fand das Gespräch herzerfrischend.
      Dir ein restliches gutes WE. Mit den liebsten Grüße zu dir von
      CC

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      • Ja, eine schöne Begegnung. Das Wichtigste ist doch aufeinander neugierig zu sein…? Und das geht nur, wenn alle das wollen. Der Übermensch ist eine Chimäre aus Superheldencomics.
        Schlimm, wenn sowas jemand als Wahrheit verkaufen will. Total Plemplemes Elitedünkeldunkeldenken…
        Herzdich,
        Amélie ❣️

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        • Früher haben ja aus Spaß viele die DDR als „Dunkeldeutschland“ bezeichnet, weil wir die Energie auf Straßen nicht so sehr in Reklame rausgeschmissen haben.
          Aber vielleicht war es auch wirklich in vielen Köpfen dunkel, wie man ja jetzt überall erlebt – aber ich finde es auch im größeren Teil von Deutschland gibt es diese Dunkeldenker.
          Tschüss, ich bekomme Besuch!

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  7. Polen, die ich treffe, beschreiben PL immer als datt beste Land wo gibt. Erklären so was http://www.bpb.de/cache/images/3/57783-3×2-galerie_gross.jpg?B2F42 eher mit Fake News.

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    • Erst, als ich endlich mit Vergrößerung die graue Unterschrift entziffern konnte, sah ich, dass es was mit Polen zu tun hat.
      In „Ausländerunfreundlichkeit“ sind sie uns ja mehrere Schritte voraus, doch mit solchen Leuten wie Horst und Gau…. und der eiskalten Alice schaffen wir das lässig, sie einzuholen.

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  8. Liebe Clara!
    Nur ganz kurz, ich muss gleich weg und den ganzen Tag arbeiten.
    Ich melde mich dann später ausführlich.
    Liebe Grüße
    Mallybeau 🙂

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    • Hallo Mallybeau, du kennst mich ja besser als ich mich. Da du so 100%ig als eine der ersten kommentierst, hätte ich mir vielleicht wirklich im Hinterkopf Gedanken gemacht. Im Vorderkopf hätte ich mir immer gesagt: „Geduld, Clara, auch wenn du das Wort kaum kennst, aber es gibt Geduld – und du hörst jetzt auf zu barmen!“
      Ich hoffe, dass richtig viel Kohle oder Schotter oder Mäuse oder Knete dabei rüberkommt. Du hast zwar kein Smart- oder I-Phone, aber deinen Laptop hast du sicher dabei, so dass du es vielleicht in einer Arabeitspause lesen wirst.
      Lieben Gruß zu dir!

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      • Sooo, liebe Clara!

        Fix und fertig bin ich. Doch zunächst einmal vielen Dank für Deinen Kommentar, den ich erst zu Hause lesen konnte. Da ich weder Laptop noch internetfähiges Handy besitze, mussten Deine Zeilen etwas warten.
        Leider waren heute nur schlappe 13 Euro Gewinn bei einer Haushaltsauflösung zu erwirtschaften. Aber die „arme Künstlerin“ nimmt was sie kriegen kann 🙂
        Über Pässe habe ich mir ehrlich gesagt noch nie großartig Gedanken gemacht. Ist im Grunde ja „nur“ ein Fetzen Papier oder Plastik. Schon komisch, was alles an so einem kleinen Ding dran hängt.
        Ich werde mich jetzt erstmal auf mein Bett fallen lassen und hoffe, dass Du einen wunderschönen und stressfreien Tag gehabt hast 🙂

        Liebe Grüße vom Ackergaul
        Mallybeau

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        • Hallo, liebe schwer arbeitende Mallybeau,
          es tut mir sehr leid, dass nicht mehr Erlös für dich rausgekommen ist – da muss doch mein zweites Ich mal wieder was bei dir kaufen – aber so viel wird RB auch nicht für dich übrig lassen.
          Dass du kein Handy mit Internet hast, das wusste ich – aber dass du genau wie ich auf einen Laptop verzichtest, das weiß ich jetzt.
          Wärst du ehemalige DDR-Frau, hätten Pässe für dich eine andere Bedeutung. Eine andere oder zweite Staatsbürgerschaft mit einem Pass konnte zur Folge haben, dass man damit ins „kapitalistische Ausland“ reisen konnte – und das stand offensichtlich bei den meisten an oberster Stelle: die Reisemöglichkeit oder sogar die Reisefreiheit.
          Ansonsten kann dieses andere Land mit dem anderen Pass auch deine Wunschheimat sein, wo du gern leben möchtest.
          Ganz stressfrei war der Tag nicht, aber im Endeffekt dann doch sehr schön.Jetzt ist mein Besuch weg und ich bin zum Computer geeilt.
          Gute Erholung wünscht Clara

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          • Aaaah, ein Kommentar von Dir ist immer eine gute Erholung 🙂
            Meinen RB-Shop müsste ich im Grunde einmal richtig bewerben, aber auch das kostet natürlich Geld, das ich nicht habe. Aber genug gejammert.
            Hier haben wir einen wunderbaren Sonnenuntergang und den Tag über wurden wir mit fast 30 Grad verwöhnt. Das sind Temperaturschwankungen!
            Sonnige Grüße ins Lilaland 🙂

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  9. Huuu Clara, was für ein Fettnäpfchen 😉
    „Du bist deutsch, denn viel deutscher kann man nicht mehr aussehen.“ wie war das mit Bildern und Vorurteilen 😉
    kalt erwischt, ist mein Gedanke dazu … und nun du –
    herzliche Grüße, Ulli

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    • Hallo Ulli, diese „Deutsch-Aussehen-Aussage“ empfand ich weder als Fettnäpfchen noch als Vorurteil – ich dachte, ich hätte endlich mal etwas richtig geraten oder bestimmt. – Es ist ja tatsächlich so, dass zwischen Polen, Tschechen, Österreichern, Deutschen und noch einigen mehr kaum ein optischer Unterschied ist – da haben wohl mehr die Politiker die Grenzen gezogen als die Genetiker.
      Ich fand die Kinder sehr klug, sehr freundlich und sehr aufgeschlossen und habe es wirklich bedauert, dass sie am Ende so schnell weg mussten.
      Ich wünsche dir ein wunderschönes Wochenende, was hier in Berlin prächtiges Wetter im Angebot hat.
      Herzlichen Gruß von Clara

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