Claras Allerleiweltsgedanken

Wochenende in Görlitz mit Klassentreffen – 2

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Also geht es weiter mit Görlitz, in das die EU und das Land sehr viel Geld gesteckt haben, um es wieder halbwegs in seinem alten Glanz erscheinen zu lassen. Aber die Stadt hat auch noch von anderer Seite her Geld bekommen. Es gab einen ANONYMEN Spender, der JEDES Jahr eine Million Euro (oder DMark) an Görlitz überwiesen hat. Irgendwo ist sicher registriert, was mit diesem Geld alles instand gesetzt werden konnte. – Schön, dass es Leute gibt, die ihr Geld sinnvoll einsetzen.

Ich will mal mit dem DDR-Begriff „Plaste“ anfangen, den ich ja vor kurzer Zeit schon einmal mit „Plaste und Elaste aus Schkopau“ erwähnt hatte. Hier hält er sich – einmal alt, einmal neu.

So einen elektrisch gesteuerten Wartburg wie oben auf dem Plakat hat unser Sohn mit ca. 3 Jahren zu Weihnachten bekommen – mit Fernbedienung. Er wurde die ganze Nacht nicht müde, damit zu fahren, zu rangieren und zu kollidieren, letzteres allerdings kaum, denn es war ein Polizeiwartburg. Er hat es bestimmt noch besser gemacht als der Superheld aus dem Kinderfernsehen.

 

Hier sitzen noch mehr Kinderhelden (Pittiplatsch, Schnatterinchen, der Herr Fuchs und ???) aus dem Fernsehen und Kinder dürfen – zumindest im Schaufenster – auch mal an die Macht. – Aber warum Berlin so abgewirtschaftet aussieht, ist mir nicht klar. Ob deswegen der Flughafen nicht zu Ende gebaut werden kann?

Streicht man von dem Wort „Plaste“ hinten das e, wird ein Pflaster daraus.

Der Name ist offenbar geschützt.

Hier könnte sich eine Bloggerin angesprochen fühlen, die zumindest das eine Wort in ihrem Blog in der Bezeichnung hat.

Und jetzt möchte ich zu den Fotos kommen, die ich vom Desktop abfotografiert habe. Da ich mir schon die Arbeit für das neue Fotobuch gemacht habe, kann ich es hier verwenden. Allerdings hat es mit den Farben nicht hingehauen – ich habe fast allen Fotos die Farbe entzogen und schwarzweiß, sepia oder ähnliches bevorzugt.

Wenn ich am Bahnhof ankomme und die Berliner Straße Richtung Altstadt laufe, bin ich jedes Mal neu entsetzt, wie abgewirtschaftet diese Straße jetzt wirkt. Es sind nicht die Häuser, deren Wohnungen nur z.T. vermietet sind, obwohl sie instandgesetzt sind – es sind die vielen leeren Geschäfte und die Ramschläden, die sich eingenistet haben.

Das linke Foto – das Weihnachtshaus von Käthe Wohlfahrt – war meinem Hotelfenster genau gegenüber. Im November kann man ja den Gedanken an Weihnachten schon ertragen – aber das Geschäft hat das GANZE Jahr geöffnet. Das müsste ich nicht haben.

Das „Hotel zur Börse“ steht am Untermarkt. Ich habe extra Ortskundige gefragt, ob da früher mal ein VPKA = Volkspolizeikreisamt drin gewesen ist. Als sie bejahten, war ich sicher, dort im Sommer 1964 meine Fahrerlaubnis = Führerschein ausgehändigt bekommen zu haben. Alles ganz billig, nur die Mindeststunden gemacht – nicht wie heute – allerdings war auch der Verkehr nicht annähernd so wie heute, was jedem klar ist.

Bier ist ja in Görlitz ein lebenserhaltendes Getränk, nur deswegen schreibt die Landskronbrauerei (sh. voriger Artikel) so gute schwarze Zahlen (hoffe ich, ich habe es nicht überprüft).

Die Peterskirche mit ihren zwei sandgestrahlten Türmen ist mehr oder weniger das Wahrzeichen der Stadt. Sie steht unmittelbar an der jetzt problemlos zu Fuß zu überschreitenden Grenze nach Polen. Ob die Autos immer noch nach Zigaretten kontrolliert werden? Wäre Blödsinn, denn über die Fußgängerbrücke kann man ganze Fahrradhänger voller Zigaretten einführen.

Hier sind die Türme der Peterskirche in voller Schönheit – es ist schon eine sehr imposante Kirche. – An historischen Kneipen und so mangelt es in Görlitz auf keinen Fall – und an Bier sowieso nicht – das wissen die Landskron-Bier-Trinker.

Die beiden unteren Fotos zeigen die Neiße, den Grenzfluss. Zu meiner Schulzeit hieß sie noch die „Deutsch-polnische-Friedensgrenze“. Viele Deutsche gehen gern in die polnischen Restaurants, weil es sehr gut schmeckt und weil es vor allem preiswerter ist als bei uns.

Görlitz ist für mich die Stadt der seltsamen Tiere. In dem Restaurant „Dreibeiniger Hund“ war auch schon mal ein Klassentreffen, bei dem aber die vierbeinige Katze und das zweibeinige Pferd keine Rolle gespielt haben.

Zwei der bekanntesten Görlitzer Sehenswürdigkeiten – die Rathaustreppe mit der Justitia und der Uhrenturm vom Rathaus. Schon damals hatte die Dame mit der Waage in der Hand keine Binde vor den Augen – sie wollte ganz genau sehen und zählen können, wie viel Bestechungsgeld sie zugeschoben bekommen hat. – Über den beiden Uhren thront natürlich ein Löwe – wie könnte es anders sein.

Hier sind so ein paar Schmankerln. Trotz November hatten viele Innenhöfe von Kneipen noch geöffnet. – Unten links ist der Brunnen vom Untermarkt. Sein Neptun wacht mit seinem Dreizack, dass niemand Unbefugtes die Geldstücke aus dem Brunnen fischt. – Ist man zu arm, um in den Trevibrunnen von Rom das Geld zu werfen, macht man das eben hier – ich konnte viele Geldstücke sehen.

Und die Sessel waren verlockend – ich wollte niemanden ansprechen, um von mir ein Foto zu machen – es geht auch ohne.

Und jetzt kommt eine Galerie von verschiedenen Straßenschildern. Ich fand die Antiquaschrift (?) sehr schön und die Namen nicht weniger. – Die Via Regia war ja etwas Besonderes im Mittelalter – und die verfallenen Häuser waren vor einigen Jahren der übliche Anblick der Häuser – jetzt sind es Einzelfälle.

Und das Wichtigste kommt zum Schluss:

Tja, und zur letzten Gasse ist mir noch eine Collage eingefallen. Warum ich es trotz der vielen Jahre immer noch nicht verwinden kann, dass ich von einer ehemaligen sehr engen Freundin verraten wurde, die so vieles von mir wusste, und von einem Klassenkameraden gnadenlos an den politischen Pranger der Schule gestellt wurde, verstehe ich selbst nicht. Aber Verrat ist etwas, was ich ganz schlecht wegstecken kann, denn mit Tina und ihren Anhängerinnen ist mir das ja im Blog mit gewaltigen Folgen ebenfalls passiert. Wer denkt, ich übertreibe, muss einfach meine Abiturbeurteilung lesen. Noch Fragen?

Dabei sieht diese EOS = Erweiterte Oberschule = Gymnasium so schön und harmlos aus – aber in Zeiten gleich nach dem Mauerbau war sie das überhaupt nicht – fast jeder Lehrer und viele Schüler wollten ganz nach oben in die besten Positionen. Wer da nicht so richtig mitgezogen hat, MUSSTE gnadenlos bestraft werden, oder?

Dabei hatte ich doch noch Glück, denn in irgendeine Justizvollzugsanstalt (heutige Bezeichnung) musste ich zum Glück nie, schon gar nicht in das „Gelbe Elend“ in Bautzen, wo fast nur politische Gefangene saßen.

Hier hat wohl jemand durch Vandalismus seinen Unmut über das Görlitzer Gefängnis zum Ausdruck bringen wollen. Oder ist das etwa Kunst???

 

 

 

 

 

 

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Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

39 Kommentare zu “Wochenende in Görlitz mit Klassentreffen – 2

  1. Eine schöne Reise in die Vergangenheit. Ich stelle mir vor, hier ticken die Uhren langsamer als im Rest des Landes … 😉

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  2. Oh, vielen Dank für den link, das freut mich aber, dass du beim Schilderlesen an mich denkst 🙂 Sonntag und Montag Abend kann ich mich leider nicht meiner Natur entsprechend nachteulig verhalten, weil ich am folgenden Morgen früh aufstehen muss, daher hatte ich diesen schönen Bericht noch nicht gesehen. Eine wirklich schöne Stadt und diese „Zweiländerstädte“ sind auch immer sehr interessant und lebendig. In Österreich haben wir davon auch mehrere, die lange durch den Eisernen Vorhang getrennt waren, jetzt aber schon lange wieder zusammengewachsen sind.
    Was ich dich schon länger fragen wollte: ist „Schwimmhalle“ ein DDR-Wort oder ein allgemein deutsches?

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    • Hallo, auf dem Handy kann ich meinen Feedreader nicht aufrufen – na gut, dich habe ich sogar über WP abonniert, aber dort habe ich nicht gesucht, aber ich wusste, dass einer dieser Begriffe bei dir vorkommt.
      Früher waren ja Deutschland und Polen ziemlich strikt getrennt. Erst ab 82 gab es eine Annäherung und dann gab es den kleinen Grenzverkehr, den die Billig-Deutschen für die Polenmärkte und die Tankstellen nutzten. Im polnischen Teil gab es Netto, Rewe, usw. usf. – alles für weniger Geld. Also sahst du dort auf dem Parkplatz nur deutsche Autos – aber sich aufregen, wenn die Flüchtlinge Unterstützung bekommen.
      Ich habe SOFORT zwei Westler gefragt, wie das für sie mit der „Schwimmhalle“ ist. Bei „Kaufhalle“ weiß ich ja, dass Westlers Alarmglocken schallen, bei Schwimmhalle hätte ich das nie gedacht.
      Aber du hast recht – die sagen tatsächlich „Schwimmbad“ – dabei ist das doch eindeutig eine Halle. 🙂 Du scheinst also mit deinem DDR-Wort Recht zu haben.
      Solltest du wirklich je mal nach Görlitz fahren, dann plane auf jeden Fall Bautzen (ca. 25 km weiter) mit ein – ich finde diese Stadt fast noch schöner. Zittau (auch dort) ist nicht schlecht, aber nicht so schön wie die anderen. – Man kann auch gut noch nach Polen reinfahren. Luban = Lauban ist eine Stadt aus dem Sechsstädtebund.
      Die eifrige SchwimmHALLENnichtbenutzerin Clara grüßt dich lachend

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  3. Und wieder eine Nichtnormreportage mit solch bitterem Ende, liebe Clara. Solche Ereignisse verschwinden nicht vom Seelentapet, kann man machen, was man will. Wunden vernarben, Narben bleiben für die persönliche „Ewigkeit“!

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    • Danke – aber ich MUSS es für mich bis zum nächsten Klassentreffen im Mai 2019 „bereinigen“ – die Mail ist mehr oder weniger fertig, aber noch nicht abgeschickt.
      Was ist NNR??? Eine tolle Wortschöpfung von Frau Wildgans = NichtNormReportage.
      Kommentare helfen mir sehr oft ganz doll – aber eben auch nicht immer. Aber deiner zählt zu den ersteren.

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  4. Liebe Clara!

    Ein wie immer sehr interessanter und abwechslungsreicher Stadtrundgang, den Du uns bietest. Das Wort Plaste habe ich während meiner Studienzeit in Halle ebenfalls kennen gelernt und fand es irgendwie befremdlich. Ich habe es dann auch nie übernommen und bin bei Plastik geblieben. Von Spielzeugautos kann ich auch nie genug bekommen. Bei Aldi stand ich neulich an der Kasse und war der Versuchung nahe, zu einer Packung Matchboxautos zu greifen. Habe mich aber diszipliniert …vorübergehend zumindest 🙂
    Wirtshäuser haben oftmals lustige oder gar skurrile Namen. Fand ich schon immer amüsant und interessant. Häufig steckt ja auch eine ganze Geschichte hinter der Entstehung eines solchen Namens. Dein Café heißt ja auch nicht umsonst Himmelhoch 🙂
    Gut, dass Du gleich all die Aufnahmen in einem Fotobuch verarbeitet hast, so bleibt alles in Erinnerung.
    Vielen Dank für den Rundgang und einen guten Wochenstart 🙂

    Liebe Grüße
    Mallybeau

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    • Liebe Mallybeau, jetzt habe ich einen Teil meiner heutigen „Vorhaben“ hinter mich gebracht, sie sind jetzt also „Nachhaben“ oder?
      Ich fand immer den Unterschied zwischen …..e oder ….ik so geringfügig, dass ich den Begriff beliebig verwendet habe, mal Plaste und mal Plastik – fand ich ziemlich geringfügig. – Anderes fand ich schon bedeutsamer, mal wieder die „Fahrerlaubnis“ und den „Führerschein“ angeführt. Mir kam es vor, als wenn der Erlaubnisbegriff die Tatsache besser wiedergibt.
      Dich hätte ich gern in echt zum Rundgang mitgenommen, da hätten wir vielleicht noch mehr gesehen.
      Jetzt will ich mich um Essen kümmern, denn das ist heute zeitaufwändiger als sonst.
      Liebe Grüße schickt dir
      Clara

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  5. Moin. Bevor ich mich weiter durch deine nächsten Beiträge lese, vorab das: Das „Plaste&Elaste-Spielzeug“ erinnert mich an meine Jugendzeit, wenn wir Verwandte in Berlin-Kaulsdorf besucht haben. Ja, ja …, der erste Besuch, ankommend auf dem Bahnhof Berlin-Friedrichstraße, ist mir nachhaltig in meiner kindlichen Erinnerung geblieben. Und auf deine Beurteilung kannst du wahrlich stolze sein 😉 So wie manch Westdeutsche, die wegen ihrer linken Gesinnung bspw. keine Lehrer werden durfte.

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    • Moin Sven, viel hat mir mein Stolz nicht gebracht, denn es zog sich natürlich durch mein ganzes Berufsleben, denn sie war ja immer drin, diese heimtückische Einschätzung der aufmüpfigen C.H.
      Am schlimmsten empfand ich es nach dem Fachschulstudium. Ich hätte mit Auszeichnung abgeschlossen (ich war mit 35 Jahren aber auch die älteste und eifrigste Studentin in diesem Jahrgang), wenn sie mich nicht absichtlich im Fach Staatsbürgerkunde mit einer doppelt so langen Prüfungszeit wie bei den anderen hereingeritten hätten, so dass ich mit einer Zwei (oder drei) in diesem HAUPTFACH nicht mit Auszeichnung abschließen durfte.
      Viele Stellen wollten mich nehmen, durften es dann aber doch nicht. Und die „Kaderleiterin“ in einem Krankenhaus, die mich dann eingestellt hat, meinte sinngemäß, dass ich ihr die Füße küssen könnte, dass sie mich trotz einer derartigen Einschätzung einstelle. – Sie hatte Glück, dass ich ihr nicht ins Gesicht ge…… habe.
      Lehrer wäre ich freiwillig schon nicht geworden.

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  6. Super, dein Stadtrundgang durch Görlitz. Da bin ich gerne mitspaziert. Unterhalb der Kirche, direkt an der Neiße, erinnere ich mich an ein Cafe mit kleiner Terrasse. Gibts das heute noch?

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  7. Hochinteressant, dein Bericht über diese Stadt, die von mir aus auf der anderen Seite von D liegt …
    Unglaublich, die Straßennamen!
    Liebe Grüße zur Nacht vom Lu

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