Claras Allerleiweltsgedanken

Es gibt Zufälle auf Reisen … Reise 1

21 Kommentare

… die man kaum im täglichen Leben erlebt,

denn wo kommt man sich so nahe wie auf einer Bank bei täglichen langen Busfahrten?

Auf der Reise in Armenien gab es drei Alleinreisende, alle von weiblichem Geschlecht. Als ich mir einen Platz im Bus suchte, fand ich meinen Platz neben einer dieser beiden Frauen, die ich schon vom verpassten Flug aus Berlin her kannte. Ich hatte in Tegel festgestellt, dass ich sie von der Sprache und vom Dialekt her gut verstehen konnte, also setzte ich mich neben sie.

Die Kommunikation war erschwert, da sie in der rechten Busplatzreihe am Fenster saß und ich ihr somit mein rechtes Nicht-Hör-Ohr zuwendete. Ich musste mich bei jedem Kommunikationsversuch so drehen, dass ich ihre Worte mit dem linken Ohr erfassen konnte. Das brachte mir bald einen gewaltigen Halsmuskelkater ein. – Als ich am fünften Reisetag auch mal die Plätze tauschen wollte, verschwand sie sofort auf die letzte Sitzreihe, die noch frei war. Das ununterbrochene Fotografieren aus dem Fenster war dort noch ungestörter möglich, da sie – je nach Außenereignis – sofort zwischen linkem und rechtem Fenster wechseln konnte.

Doch jetzt zu den Zufällen.

  1. Wir erkannten uns nicht gegenseitig am inzwischen ziemlich abgelegten Görlitzer Dialekt – weil wir beide das sogenannte „Berliner Hochdeutsch“ sprechen, denn wir waren beide in etwa gleich lange in Berlin. Da Görlitz damals nur ca. 80 000 Einwohner hatte, ist es jetzt bei mehr als 80 Millionen schon ein Zufall, dass zwei Frauen aus Görlitz auf einer Busbank in Armenien sitzen.
  2. Natürlich fragt man sich da sofort nach der Wohnanschrift, wo man das Görlitzer Kinder- und Jugendleben mit anderen geteilt hat. Ihre Eltern hatten genau in der Straße ihre Wohnung und ihren kleinen Kolonialwarenladen, in der meine Mutter in ihrer Berufsschule ihrem Lehrerinnenberuf nachging. Da ich sie oft abholte, kam mir die Gegend sehr bekannt vor.
  3. Der Bildungsweg aufstrebender junger Damen ging nicht am einzigen Görlitzer Gymnasium vorbei, in diesem Fall die EOS (Erweiterte Oberschule) „Frédéric Joliot Curie“ Da waren gemeinsam erlebte Lehrkräfte nur eine zwangsläufige Zufallssache. Und dass wir bei der allseits beliebten Musiklehrerin im gleichen Schulchor sangen und beide tiefer als die Altstimme hätten singen wollen, war zum Schmunzeln.
  4. Offensichtlich war ihr Bildungsweg nicht mit ähnlichen politischen Schwierigkeiten verbunden wie der meinige, denn sie ging sofort nach dem Abitur 1971  zum Studium nach Berlin. Im gleichen Jahr bezogen wir unsere erste Berliner Wohnung auf der Fischerinsel.
  5. Im Laufe der Jahre bekam sie einen Sohn, ich eine Tochter und einen Sohn. Diese beiden Erstgeborenen besuchten die einzige naturwissenschaftlich-mathematische Oberschule in Ostberlin – die „Heinrich-Hertz-Oberschule“. Vielleicht hat dort ihr inzwischen an einer englischen Universität arbeitende Sohn von den Erfolgen eines Mädchens Mitte der 80er Jahre gelesen oder gehört.
    „Viele Schüler der Schule erreichten vorderste Plätze in den nationalen Runden verschiedener Wettbewerbe, und es gelang, mehrere Medaillen bei der Internationale Mathematik-Olympiade und anderen internationalen Wettbewerben zu erreichen.“ (kopiert aus dem Link von Wiki) – Im Juli 1987 fand die IMO in Havanna statt – von 237 Teilnehmern waren insgesamt 7 Mädchen dabei, und eines davon aus der „Heinrich-Hertz-Oberschule“ in Berlin.
  6. Wie das bei älteren „Damen“ so ist, werden sie manchmal Oma – wir beide zwei Mal – jeweils mit einem Enkelsohn und mit einer Enkeltochter.  Das ist vielleicht noch nicht ganz so erstaunlich – weil es diese Konstellation zu Hunderttausenden geben wird.
  7. Doch dass ihr Enkel so wie mein Sohn heißt, nämlich Sebastian, fand ich schon sehr, sehr lustig. Doch ich juchzte förmlich auf, als ich hörte, dass ihre Enkelin Clara heißt.

Noch Fragen nach diesen sieben Zufällen. Für die gemeinsame Reise blieben allerdings kaum Gemeinsamkeiten übrig, denn mir hat es das Leben inzwischen abgewöhnt, immer und überall an vorderster Front sein zu wollen.

Und dass sie den gleichen Vornamen hat wie die ca. 30 Jahre später geborene Freundin meines Sohnes und bei ihm förmlich um die Ecke wohnt, hielt ich nur noch für sekundäre Zufälle.

*********

Falls Mitreisende dem aufgestickten „Clara Himmelhoch“ auf dem lila Rucksack nachgegangen sind, habe ich vielleicht bisher unbekannte Mitleser – aber ich glaube das kaum.

 

 

Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

21 Kommentare zu “Es gibt Zufälle auf Reisen … Reise 1

  1. Das zeigt doch eigentlich recht deutlich, wie klein unsere ach so riesige Welt doch ist! 🙂

    Liebe Grüße,
    Werner

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  2. Liebe Clara!

    Lustig, welche Einzelheiten Dir gleich auffallen. Ich glaube, ich hätte all diese Zufälle gar nicht bemerkt. Möglicherweise wären sie mir vielleicht auch nicht so wichtig gewesen. Schön, dass Du auf die Zahl 7 gekommen bist, wenngleich es keine Schnapszahl ist 🙂
    Wenn die Armenienreise ein Reinfall gewesen wäre, hättest Du Dich immerhin gut mit jemandem über Görlitz austauschen können. Aber wie ich ja bereits auf FB mitbekommen habe, hast Du doch einiges erlebt und vor allem mit dem lieben Elefanten eine lustige Begleitung gehabt. Und wenn Dir etwas so richtig auf den Sack gegangen wäre, hättest Du es ja im übertragenen Sinne in selbigen lila farbenen stopfen können 🙂
    Die Fahrt ging jetzt also schonmal gut los. Ich bin gespannt, ob sich Dein Halsmuskelkater gelöst hat und welche Fotos Du uns mitgebracht hast 🙂

    Liebe Grüße und einen schönen Wochenbeginn
    Mallybeau

    Gefällt 3 Personen

    • Liebe Mallybeau, dein GIF hat so etwas von Recht – dieses Gefühl der Schräglage des Busses hatte ich nicht nur einmal.
      Wenn man im fernen Armenien neben einer Frau sitzt und ganz zufällig entdeckt, dass man in der gleichen kleinen Stadt in der nicht mehr vorhandenen DDR aufgewachsen ist und zur Schule gegangen ist – da ergaben sich dann alle gegenseitigen neuen Fragen wie von selbst – bei dem einzigen Görlitzer Gymnasium war die Überraschung nicht ganz so groß, doch alle anderen Sachen fand ich schon lustig und eigentlich als Zufall kaum zu glauben.
      Schnapszahl nicht, aber eben absolute Lieblingszahl, wenn ich mal von der 13 absehe 🙂
      Der Halsmuskelkater wurde zumindest nicht schlimmer, da während der Fahrten an den weiteren Tagen bei dieser Platzkonstellation kaum eine Unterhaltung stattfinden konnte .
      Meine Reiseberichte sind bis zum Tag 7.Sept. fertiggestellt – es fehlt also nicht mehr viel.
      Beschäftigte Grüße zu dir von mir aus Claras Computerzimmer

      Gefällt 1 Person

  3. Da wittere ich doch gleich eine Verschwörung! :-O
    Ich hab das mal bei James Bond gesehen. So macht das der fremde Geheimdienst, um sich das Vertrauen des Agenten zu erschließen :-O

    Gefällt 2 Personen

  4. Liebe CC,
    Ich glaube nicht an Zufälle. Aber bin ja auch eine Fee…:-)
    Feines Reiseerlebnis – wenn auch zum Preis eines muskelverkaterten Halses.
    Hier regnet es heute ohne Unterlass: Pfützenspringwetter im Nebel.
    Hab einen guten Montag und bette Dich weich auf lila Kissen,
    mit herbstlichten Luftiküssen,
    grüßt Dich Amélie

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    • Hallo, du Karfunkelfee,
      manchmal möchte ich auch eine Fee sein, da würde ich vielleicht vieles leichter nehmen können. – Doch du zeigst ja, dass es nicht unbedingt so sein muss.
      Das „feine Reiseerlebnis“ fand kaum eine Fortsetzung – ist aber nicht tragisch.
      Der „kissenausgestopfte Clara-Himmelhoch-Rucksack“ leuchtet mir im Bett immer entgegen – ein schönes Bild.
      Liebe lila Grüße zu dir von
      MIR

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      • Ach Du…Feen haben es in unserer Wirklichkeit und all dem sie umgebenden Pragmatismus und der zweiten allgemeinen Verunsicherung auch oft schwer. Allerdings tröstet es dann um so ungemeiner, so eine Geschichte voller Lebensmagie zu lesen. Es mag die Einzige dieser Art aus Armenien sein, doch wie meistens, macht auch hier nicht die Quantität eine Qualität – das Gegenteil: so wirkt die Geschichte umso zauberhafter und rätseliger.
        Wenn ich nur besser zaubern könnte, dann würde ich Dir zu gerne einen Satz neue Ohren spendieren.
        Für mehr Zaubergeschichten. Und basierend auf genau sieben ‚Zufällen‘?
        Manchmal dröhnt Magie regelrecht.😉

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        • Ich würde vom großen B zum kleinen B wirklich zu Fuß gehen, wenn du neue Ohren zaubern könntest – natürlich für mich.
          Zufälle dieser Art bräuchte ich dann gar nicht – Hörohren wären die allergrößte Belohnung für mich.
          Aber du kannst lila Rucksack, das ist doch auch schon was.

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  5. Menschenskinder! Immer wieder geschehen solche Plötzlichevents und es kommen Sachen aus der Tiefe unseres Lebens…Das trägt zur Gemütlichmachung bei, oder!

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