Claras Allerleiweltsgedanken


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2022 – Über die Schwelle

Durch die Fürsprache einer Kommilitonin war er an eine kleine, ganz schnuckelige Wohnung mit zwei Zimmern zu einem bezahlbaren Preis gekommen – vor allem so gelegen, dass sie beide einen vernünftigen Weg hatten – er zur Uni, Anna in ihr Büro. Sie arbeitete in einem Kunstmuseum als Ausstellungsmanagerin.

Obwohl es keine Hochzeitszeremonie darstellen sollte, hob er seine Anna beim Einzug hoch und trug sie über die Schwelle. Aber genau deswegen, weil es keine Hochzeit war, gab es auch keinen roten Teppich, sondern nur einen gelben.

Mutter Domini sagte nur zu ihrem Mann: „Nachtigall, ick hör‘ dir trapsen!“ Worauf er in bewährter Manier antwortete: „Das ist schon eher ein Trampeln, was die Nachtigall macht!“ – und beide lachten, glücklich, dass der Generationenfluss nicht ins Stocken geraten würde.

2024 – Kleine rosa Stiefelchen

Ihr denkt es euch, ich denke es mir – die Dominis sollten Recht behalten mit ihren trapsenden, trampelnden Nachtigallen.

Ihr Sohn und Anna waren stark beschäftigt, so dass es manches Mal knapp wurde, sich einmal im Monat zu treffen. Aber an die Silberhochzeit von Johannis und Claudia dachten sie trotz allen Stresses trotzdem. Sie schenkten ihren Eltern mit Felix gemeinsam ein Wochenende in einem Wellnesshotel. Die Mama war sofort hellauf begeistert, der Papa zog zuerst ein langes Gesicht – aber als er von dort zurückkam, hatte er schon die Buchung für ein nächstes Wochenende in der Tasche, so begeistert war er. Weniger von den Wasseraufenthalten, sondern mehr von den Tennisplätzen. Sein Schlaganfall war ohne Folgen geblieben – und jetzt trieb er mehr Sport, trank weniger Bier, rauchte gar keine Zigarette mehr und fühlte sich rundum wohl.

Doch eines Tages war eine richtige Einladung im Briefkasten.

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