Claras Allerleiweltsgedanken

2028 – Ist das Kunst…

4 Kommentare

… oder kann das weg?

Anna hatte sich ihre Berufstätigkeit mit Kind recht gut eingerichtet. Das erste halbe Jahr blieb sie zu Haus, um Felicitas in aller Ruhe und Gemütlichkeit zu säugen stillen, aber dann bekam sie einen Platz in der Kindertagesstätte für Angestellte der Museen des Preußischen Kulturbesitzes. Das kleine Familienauto stand jetzt überwiegend ihr zur Verfügung, damit sie sich nicht mit Felicitas und Kinderwagen und den unfreundlichen Berlinern in den Berufsverkehr stürzen muss. Sie hatte ihre Arbeitszeit verkürzt und verändert, so dass sie außerhalb der Stoßzeiten unterwegs sein konnte.

Bei ganz akuten Problemen konnte sie auf ihre Schwiegermutter zurückgreifen. Die freute sich immer, wenn sie Feli mal ein paar Tage bei sich hatte und sie wieder gesund pflegen konnte.

In diesem Jahr war Claudias 50. Geburtstag gewesen – doch sie hatte sich gewünscht, mit ihrem Johannis allein verreisen zu dürfen, sie wollte keinen Trubel. Der Schmerz saß ihr noch zu sehr in den Knochen – sie hatte gerade ihren besten Freund loslassen müssen – er hatte nach schwerem Kampf aufgegeben und den Krebs „gewinnen“ lassen, obwohl er selbst vom Tierkreiszeichen her Krebs war. Mit Johannis wollte sie eine ruhige Zeit der Besinnung haben.

Doch zurück zu Anna. Als sich alles so richtig gut eingespielt hatte, merkte sie, dass sie wieder schwanger ist. Der Bauch wuchs ziemlich schnell und blieb auch ihren Kollegen nicht verborgen.

Alle waren in ziemlicher Hektik, weil eine Ausstellungseröffnung bevor stand. Eines Morgens kam Anna ins Büro und bekam fast einen Lachkrampf. Sie sah das Ding hier:

Fassungslos vor Lachen fragte sie: „Ist das Kunst oder kann das weg?“ Sie hatte wirklich ernsthaft geglaubt, einer ihrer kunstbegabten Kollegen hätte sich einen Scherz erlaubt und sie irgendwie abgebildet. – Am Ende war sie heilfroh, dass der erschaffende Künstler nicht im Büro gewesen ist, als sie sich über die Plastik lustig gemacht hatte. Sonst hätte sie vielleicht noch eine Anzeige bekommen wegen persönlicher Verunglimpfung des Künstlers oder seines Werkes.

Mit einigen Schwierigkeiten hatte Anna die letzten Wochen ihrer Schwangerschaft im Büro gearbeitet. Sie wusste, dass es ein Junge werden wird – und sie wusste auch schon jetzt, dass er Maradonna, Pele, Klose, Ribery und Özil weit in den Schatten stellen wird, so wie er in ihrem Bauch schon die Tore schoss. Ihr Mann war historisch sehr interessiert und kannte alle bedeutenden Fußballer der Vergangenheit – deswegen fielen diese Namen immer mal wieder, wenn der Kleine in ihrem Bauch ein Tor schoss oder einen Rückwärtssalto wie Klose auf der Uterusrückwand landete.

Als er draußen war und in ihren Eingeweiden wieder Ruhe herrschte, war sie mehr als zufrieden. Felicitas war ihr schon ein wenig Hilfe und außerdem war sie ganz glücklich darüber, dass sie jetzt die große Schwester von dem kleinen Benno ist.

Benno und seine Mutter Anna verband ein ganz besonderes Band – nämlich das des gleichen Tages der Geburt, nur mit 30 Jahren Unterschied. Die für diesen Tag angesetzte Party mussten die Gäste allein feiern, Anna vergnügte sich stattdessen mit Wehenschreiber, Fruchtblasensprengung und was da so an an- und unangenehmen Dingen mehr sind. Aber wie gesagt, als er draußen war und wunderschön auf ihrem Bauch lag, war aller Kummer vergeben und vergessen. – Anna war nur traurig, dass Anno nicht bei der Entbindung dabei war – doch einer musste sich um die Gäste kümmern. Wenigstens Felicitas hatte vor Jahren die Anwesenheit ihres Vaters bei der Geburt „erlebt“ (schade, dass sie sich nicht erinnern konnte), mit wenigen Minuten schon in den starken Armen ihres Papas gewiegt zu werden – gewagt hatte das Unternehmen Kind die Mutter und gewogen haben die Hebammen das Kind.

 

2029 – Stützen

Anno hatte sich diesen Namen für seinen Sohn gewünscht so nach dem Motto: Wer A sagt, muss auch B sagen, und so kam es eben zu Benno. Beide Großeltern zeigten sich anfangs etwas pikiert und meinten, dass Benno doch nur die Kurzform von Bernhard sei. Sie wollten, dass er als Bernhard ins Standesamtsregister eingetragen werden soll. – Die jungen Eltern ließen die Großeltern palavern und machten im Endeffekt doch, was sie für richtig hielten – und am Ende war ihnen keiner böse.

Was sie dagegen ernst nahmen, war die Beschwerde ihrer Tochter. So klein, wie sie ja eigentlich noch war, bemerkte sie zielsicher, dass ihr Name Felicitas im Grunde genommen nicht zu Anna, Anno und Benno passte – er war viel zu sperrig, da half auch die Abkürzung Feli nicht viel. Der Hinweis auf den Patenonkel Felix machte allerdings einiges wieder wett, denn sie liebte ihn abgöttisch – was total auf Gegenseitigkeit beruhte. Doch in der letzten Zeit musste sie ihre Liebe etwas portionieren oder teilen – und das kam so.

Felix war bei den letzten Besuchen und bei Felicitas Geburtstag immer mit dem gleichen Freund gekommen. Alle begriffen sofort und alle akzeptierten sofort – denn die beiden passten wunderbar zusammen. Aus Felix, der früher immer so ernst und verschlossen gewesen war, war fast schon ein „Comedian“ geworden, wie man neudeutsch zu den Komikern sagte. – Doch Felicitas litt, litt so sehr, wie eben nur ein kleines Mädchen in diesem Alter leiden kann. Sie wusste nämlich nicht, welchen der beiden Männer sie lieber hatte: Felix war ja ihr Patenonkel, doch Constantin liebte sie schon deswegen, weil der auch so einen langen Namen wie sie hatte. Und da sie lange Namen blöd und umständlich fand, war sie die konsequenteste Verfechterin der Abkürzung Conny. Constantin hatte sich in Schul- und Studienzeiten immer vehement gegen diese Verballhornung seines Namens gesträubt. Doch der charmanten Felicitas konnte er nichts abschlagen. Und es war wiederum Felicitas, die auf eine andere Idee kam. Wenn sie den Felix zum Patenonkel hatte, dann sollte ihr Bruder den Constantin als Paten bekommen. Pfiffig, wie das kleine Weib schon war, wusste sie, dass sie dann diese beiden Lieblingsmänner – neben ihrem Papi natürlich – oft sehen würde.

Im Laufe der Zeit zeigte sich, dass die Eltern und auch die beiden Patenonkel für ihre Kinder, Enkel und Paten eine sehr große Stütze waren, so dass Anno und Anna der Kultur nicht ganz entsagen mussten, es fand sich immer wieder mal eine Betreuerin oder ein Betreuer.

Es war doch viel anstrengender, als sie es sich ursprünglich gedacht hatten. Am meisten vermissten sie Schlaf. Die Sache mit Felicitas, meist nur Feli genannt, hatte sich schon gut eingespielt, sie ließ ihre Eltern am Wochenende auch bis 9.00 Uhr schlafen, bevor sie energisch ihr Frühstück einforderte.

Aber Benno wollte immer nur trinken, so dass Anna schon ganz müde und abgezehrt war. Es war für sie eine große Hilfe, wenn Feli abwechselnd mal für ein paar Tage zu den einen und dann zu den anderen Großeltern durfte. Sie schärfte beiden Omas ein, Feli nicht zuuuuuuuuuuuu sehr zu verwöhnen, denn sie hielt nichts von den allseits bekannten verwöhnten Berliner Blagen oder auch Gören genannt.

Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

4 Kommentare zu “2028 – Ist das Kunst…

  1. [zitat]Vielleicht liegt es auch daran, dass es in den meisten Leben eben nicht so rund läuft,[/zitat]

    Liebe Amélie,
    Sie sagen es!
    Man soll ja alles „aufarbeiten“, aber manchmal ist es besser, die Erinnerung an frühere Geschehnisse zu verdrängen.
    Leider muss ich auch Lebenszeiten verdrängen. Dadurch kommt mir das Leben kürzer vor als es wirklich ist.
    Aber die Hoffnung auf eine bessere Zukunft sollte man jederzeit haben, was aber nicht immer klappt.

    Liebe Clara,
    mein grauer Star hat zur Zeit nicht die Kraft für lange Geschichten in hellgrauer Schrift auf weißem Untergrund. Sagen Sie mir Bescheid, wenn Ihr Buch als Hörbuch rauskommt. 😉
    Gruß Heinrich

    Liken

    • Lieber Heinrich, das mit den „Vögeln im Auge“ tut mir leid – aber da hilft wirklich eine OP. Bei mir wurde ja das rechte Auge „versehentlich“ (es war eine verd…. Fehldiagnose) schon 2007 operiert und das zweite voriges Jahr. Dabei hatte ich vorher noch keine bewussten Eintrübungen.
      Mir hilft beim schlecht Lesen-können immer die Vergrößerung der Seitenansicht. Meine eigene Seite läuft mit 110 %, aber ich habe auch welche mit 130 %.
      Das Buch ist ja nie irgendwo im offiziellen Handel erschienen, deswegen könnte ich auch kein eBook daraus machen. Als meine Enkel noch klein waren, habe ich das mit vorgelesenen Geschichten vor dem Fotoapparat gemacht, die ich dann auf eine CD Übertragen habe. Doch dazu ist diese Geschichte zu lang.
      Wenn Sie wirklich lesen wollen, mache ich auch oft folgendes: Den gesamten Text in Word kopieren und dort den Schriftgrad vergrößern oder Fettdruck, damit aus dem unlesbaren grau ein lesbares Schwarz wird.
      Doch jetzt habe ich genug Eigenwerbung gemacht – toi toi toi auf der Suche nach einem guten „Linsentauscher“.
      Herzliche Grüße schickt Clara

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  2. Liebe CC,

    Da mir Deine anderen treuen Kommentatoren heute aufmerksamerweise den Vortritt lassen, beginne ich mal zu Kommentieren.

    Bei einer Fortsetzungsgeschichte über drei Generationen hinweg, eine Kleinigkeit – bei so viel Geschehnissen: Hochzeiten, Geburten…Zugegeben, hier lese ich eher den Text und schaue weniger bei den Fotografien.
    Das alles liest sich ganz wunderbar. Weil es sich alles irgendwie gut fügt. Manchmal und nur selten gibt es solche glücklichen Geschichten.

    Sie werden eher selten erzählt und noch seltener mit Fotos bebildert.

    Vielleicht liegt es auch daran, dass es in den meisten Leben eben nicht so rund läuft, da gibt es Krach, Betrug, Lügen, Gedankenlosigkeit und Vermissen.
    Schreib was mit Sex, drugs and Rock’n’Roll – das geht weg wie geschnittene Markise, noch sonnenwarm…
    (Wir sind doch alle kleine Sünderlein..ich besonders…👀uik 🙂)

    Lesedank und liebe Grüße,
    Amélie

    Liken

    • Ach, liebe Amélie, obwohl ich gerade in dicken technischen Problemen mit meinem Computerlein stecke, freue ich mich über deinen Kommentar ganz besonders. Was sollte ich über Sex, drugs an Rock_n Roll schreiben, wo ich mich doch gerade noch an die Begriffe erinnern kann. – Allmählich fange auch ich an zu sagen: Ist nicht meine Zeit, doch das liegt nicht nur allein an dem fetten C, wo die einen sagen: es geht und die anderen: ja, es geht, aber es lauert schon an der nächsten Ecke und kommt wieder.
      Für mich gibt es ein Ehepaar in der Familie, wo es in etwa so gelaufen ist – die sind jetzt 78 und 81. Da sie mit mir verwandt ist, kenne ich sie so ca. seit 1960. Natürlich war ich nicht immer mit ihnen zusammen – aber im Vergleich zu anderen verwandtschaftlichen Eheverhältnissen sind diese beiden oberste Sahne. – Ich hätte mich wohl gar nicht so lange gut in einer Beziehung gefühlt – wahrscheinlich bin ich eben kein idealer Familienmensch.
      So – jetzt muss ich wieder Technik!
      Und tschüss sagt CC

      Gefällt 1 Person

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