Claras Allerleiweltsgedanken


2 Kommentare

2049 – Stärkung

Obwohl es schönere Feste als Beerdigungen gibt, war es dennoch wunderschön, mal wieder alle Verwandten und Freunde zusammen zu haben. Das wäre sonst bei der Goldenen Hochzeit in diesem Jahr passiert – aber dazu hat es Johannis durch seinen Tod nicht kommen lassen. Er liebte diese großen Feiern nicht so richtig – die waren ihm immer zu laut.  Dennoch fanden es alle schön, dass Johannis den 70. Geburtstag seiner Frau noch miterleben durfte, der wegen seiner Erkrankung ein wenig untergegangen war.

Bei einem guten Bier wurden auch gute Gespräche geführt und am Ende fühlten sich alle durch den guten Zusammenhalt gestärkt.

Der Schmerz verblasste und zurück blieben die guten Erinnerungen, was sie so als Familie erlebt und durchgestanden hatten.

Die Enkelkinder finanzierten mit dem großväterlichen Erbteil ihre Berufsausbildung. Felicitas gönnte sich ein Auslandssemester in England und Benno kaufte sich einen kompletten Satz an sehr guten Werkzeugen. Jeder Steinmetz arbeitete am besten mit seinem eigenen speziellen Werkzeug.

 

2050 – Aufstieg

Inzwischen waren mehr als 8 Jahre vergangen, in denen Anno das physikalische Labor nach bestem Wissen und Können geleitet hat und auch vorzeigbare Erfolge aufzuweisen hatte.

Seinen 50 Geburtstag am Anfang des Jahres hatte die Belegschaft mit großem Enthusiasmus vorbereitet und dann auch gefeiert. Er hätte nie geglaubt, dass er wohl offensichtlich doch sehr beliebt ist als Chef, obwohl er weder beide Augen zudrückte noch irgendwelche Schludereien durchgehen ließ. Die Leute spürten, dass er von ihnen nicht mehr als von sich selbst verlangte – und das wirkte sich ungeheuer positiv aus auf das Arbeitsklima.

Dennoch meinte er, dass er jetzt der Wissenschaft genug Lebenszeit geopfert hatte – irgendwie langweilte ihn momentan die Physik – er liebäugelte mit einem anderen Betätigungsfeld, das auch mit P anfängt.

Er träumte von einem Aufstieg der absolut anderen Art.

Jetzt glaube aber bitte keiner, dass er einen Freizeitpark führen und zum Parkboss aufsteigen möchte.

Na, mal sehen, was noch so kommt.

 

2052 – Politische Spielwiese

Als denkender und interessierter Mensch verfolgte er die Innen-, Außen- und Stadtpolitik seines Landes, seiner Stadt und seines Stadtteils mit großem Interesse. Dennoch hatte er sich nie dazu durchringen können, einer Partei auf dieser politischen Spielwiese beizutreten.

Dennoch reizte ihn dieses Aufgabengebiet unheimlich. Durch seine kontaktfreudige Art kam er schnell mit Leuten ins Gespräch, er wusste, wo die meisten ihre berechtigten Kritikpunkte anbrachten. Er kniete sich immer mehr in die Lokalpolitik hinein, verbrachte einen großen Teil seiner Freizeit im Büro der Stadtverwaltung. Die Kinder waren ja inzwischen so erwachsen, dass sie sich nur noch selten sahen. Benno, obwohl noch ziemlich jung, betrieb er eine sehr erfolgreiche Bildhauerwerkstatt. Er hatte es vorgezogen, nach Brandenburg aufs Land zu ziehen, da er dort günstig Haus, Hof und Fläche erwerben konnte. Bezahlt wurde das auch noch zum Teil vom Großvater, der voller Stolz von oben auf ihn herabsah. – Jetzt hatte Benno auch das nötige handwerkliche Können, um für seinen Opa den Stein für’s Grab zu bearbeiten. Ich würde ihn euch ja zeigen, aber er steht unter Urheberrechtsschutz und will hier nicht gezeigt werden.

Felicitas war aus Dresden nicht wegzubekommen, sie wollte nicht mehr nach Berlin zurück. Außerdem hatte sie sich entschlossen, an das Studium noch eine Promotion anzuhängen – sie liebte zwar ihre Eltern sehr, aber sie liebte eben so ihre Unabhängigkeit und ihre Freiheit.

Felix und Constantin, die inzwischen auch in die Jahre gekommenen Herren mit grauen Schläfen, waren sehr reiselustig. Da es mit der Adoption eines Kindes nicht geklappt hatte, waren sie wohlhabend und unternehmungslustig. Mindestens einmal im Vierteljahr beauftragten sie Felicitas, sich um Opern- und Theaterkarten für 4 Personen zu besorgen, natürlich beste Plätze. Das war dann allerdings auch der einzige Anteil, den Felicitas leisten musste, alles andere übernahmen die beiden „Onkels“. Sie wohnten oben am Weißen Hirsch in einem Hotel mit Blick auf Dresden – traumhaft schön. Für Felicitas und ihren Freund Max hatten sie als Überraschung ebenfalls ein Zimmer gebucht – und so konnten sie unbesorgt bis in den späten Abend hinein Erinnerungen pflegen und dabei den Elbauenwein genießen. – Der Name Max gab Felix gleich Grund für eine leichte Neckerei seines Patenkindes. Erinnert ihr euch noch, dass sie am liebsten Feli genannt wurde, weil sie für das Aussprechen von Felicitas immer keine Zeit hatte. Also fragte Felix mit einem leichten Grinsen auf den Lippen den jungen Mann: „Heißen Sie wirklich nur Max?“ Natürlich hatte er die Antwort vorausgeahnt: „Nein, ich heiße natürlich Maximilian, aber bei Feli hätte ich mit diesem Namen keine Chance gehabt. Und außerdem, Sie können ruhig du zu mir sagen.“

In dem anschließenden allgemeinen Gelächter stießen die beiden „seriösen“ Herren mit dem jungen Mann auf Brüderschaft an und es wurde ein ganz gemütliches Wochenende. Feli, die ja inzwischen auch schon 26 war, beschloss, jetzt auch namensmäßig erwachsen zu werden uns sich ab jetzt wirklich Felicitas zu nennen. Ganz generös sagte sie zu ihrem Freund: „Nicht wahr, Maximilian, Doktor der Naturwissenschaften in spe, darauf trinken wir jetzt einen und stoßen mit unseren beiden Zeugen darauf an!“ – Maximilian war froh, dass er seinen „-imilian-Teil des Namens zurückbekommen hatte, denn ihm gefiel dieser kaiserliche Name.

Als die beiden Männer Dresden in- und auswendig kannten, ging es in die Umgebung nach Meißen, Moritzburg, Bautzen und Görlitz. Für Felicitas waren das immer unvergessliche Tage, weil sie kunstgeschichtlich von den beiden so unendlich viel lernen konnte, ohne dass es belehrend wirkte.

An Wochenenden, an denen ihr Freund verhindert war, brachten Felix und Conny den „bärigen Benno“ aus Berlin-Brandenburg mit. Diese Bezeichnung traf jetzt tatsächlich auf ihn zu, denn sein Beruf und der viele Sport hatten aus ihm ein Muskelpaket gemacht.

Die Innenausstattung der Semperoper, aber auch Schloss und Hofkirche ließen sein Bildhauerherz mehr als einmal heftiger schlagen. Er wusste, dass er zu ähnlichem fähig war, zumal er inzwischen nicht mehr allein arbeitete, sondern in einer sogenannten Künstlerkommune tätig war.