Claras Allerleiweltsgedanken

2056 – Unscharf

8 Kommentare

Claudia weiß natürlich, dass sie mit ihren zarten 78 Jahren nicht mehr die jüngste und knackigste ist – damit kann sie sehr gut leben. Doch dass seit längerem alles unscharf und verschwommen ist, das macht ihr sehr zu schaffen. Sie braucht doch ihre Augen so sehr, weil schon ihre Ohren so absolut gar nichts mehr taugen.

Eine Untersuchung beim Augenarzt ergibt, dass eine fortschreitende Makuladegeneration ihr Sehvermögen im Laufe der nächsten Jahre auf ein Minimum reduzieren wird. In ihrer Verzweiflung ruft sie von zu Haus ihre Enkeltochter an, denn zwischen den beiden besteht eine sehr liebevolle Beziehung. Felicitas ist sehr traurig darüber und verspricht sofort, am nächsten Wochenende nach Berlin zu kommen.

Claudia fragt Felicitas, ob sie das geliebte Auto von ihr haben will, da sie sich nicht mehr traut zu fahren. Felicitas schmunzelt heimlich in sich hinein, denn das Auto ist jetzt schlappe 18 Jahre alt. Da Oma aber immer sehr wenig gefahren ist, zeigt der Tacho eine ganz akzeptable Zahl, so dass sie es versuchen will. Auf der Fahrt zu ihren Eltern stellt sie fest, dass es auch noch super fährt.

Am nächsten Tag ruft sie ihre Oma an und bittet sie, sich für einen Ausflug fertig zu machen. „Oma, packe ein Kopftuch ein, falls es etwas zu windig wird, und eine Sonnenbrille auch, denn deine Augen brauchen jetzt ein wenig Schonung. Ich komme dich in einer Stunde abholen.“

Claudia hat noch einen kleinen Picknickkorb zusammengestellt – Omas können offenbar nicht anders – und dann geht es los. Es geht weit ins Brandenburgische hinein. Plötzlich hält Felicitas an und bittet ihre Oma, sich die Augen zuzuhalten und nicht zu schummeln, damit die Überraschung größer ist.

Sie hält auf einem Parkplatz, hilft ihrer Oma aus dem Auto und führt sie am Arm ein paar Schritte weiter. Claudia erschrickt irgendwie, weil sie denkt, dass es so sein könnte, wenn sie nichts mehr sieht. Doch genau in diesem Moment sagt Felicitas: „So Oma, jetzt kannst du die Hände wegnehmen und die Augen aufmachen.“

Claudia macht das und glaubt, ihren Augen nicht zu trauen. Sie steht vor einem großen Fesselballon, der gerade gefüllt wird. Jetzt weiß sie auch, dass es das Geräusch der Brenner war, was sie absolut nicht zuordnen konnte. Mit fragenden Augen schaut sie auf Felicitas und will wissen, ob sich jetzt ein schon lange gehegter Traum für sie erfüllen soll. „Ja, Oma, bevor du eventuell nicht mehr genügend von der Welt sehen kannst, dachte ich mir, das machen wir jetzt ganz, ganz schnell gemeinsam.“

Felicitas hatte den gesamten Ballon gebucht, denn sie wollte nicht mit einer ganzen Horde schreiender und kreischender Leute dieses einmalige Erlebnis genießen. Claudia war fasziniert und Felicitas nicht weniger. Die wichtigsten Erläuterungen kamen vom Ballonfahrer. Beide hatten vor lauter Glück Tränen in den Augen – alles spielte mit: das Wetter, der Wind und auch die Art des Ballonfahrers.

Den Nachmittag ließen sie bei dem mitgebrachten Picknick und guten Gesprächen ausklingen.

 

2057 – Ein Pferd kommt in die Familie

Zuerst möchte ich noch von einer anderen Sache erzählen – einer sehr guten. – Als Claudia in das Augenzentrum des Universitätsklinikums überwiesen wird, stellen dort die Ärzte fest, dass die Sache mit der Makuladegeneration zum Glück eine Fehldiagnose war. Ihr schlechtes Sehen wurde von einem sehr fortgeschrittenen grauen Star auf beiden Augen hervorgerufen. Das wurde dort gleich erledigt, da sie nun schon mal im Krankenhaus lag und zu Haus allein lebte und keine Pflege hatte.

Als alles vorüber war, staunte Claudia, wie bunt und klar die Welt doch sein konnte und war überglücklich. Dennoch wechselte sie den Augenarzt, denn solche Fehldiagnosen dürfen einfach nicht passieren, nach ihrer Meinung.

Von dem Hund, der von Anfang an auf dem Gehöft von Benno und Katharina lebte, habe ich hier noch gar nicht erzählt, ich juble ihn euch jetzt einfach so unter. Da dieser Hund Wachaufgaben zu erledigen hatte, war es ein großer, kräftiger Schäferhund, Bonnox mit Namen, der tagsüber in einem sehr, sehr großen Gatter lebte, in der Nacht aber frei auf dem ganzen Gelände herumlief. Ihr merkt zweifelsohne, dass Benno bei der Namenswahl kräftig mitgewirkt hat, denn Katharina war für Ajax, aber Bonnox hatte sich durchgesetzt.

Als die beiden Künstler Benno und Katharina ihren Riesenauftrag am Amtsgericht fertiggestellt hatten, kam eine große Summe auf ihr gemeinsames Konto. Beide sind der Meinung: „Geld auf dem Konto stärkt nur die Bank“ und beschließen, sich einen lange bestehenden Traum zu erfüllen und kaufen sich ein Pferd, allerdings ein etwas beweglicheres als hier auf dem Foto. Reiten können die beiden schon, aber mit Ada, der eigenen Stute, macht das Reiten gleich dreimal so viel Spaß.

Felicitas telefoniert eines Tages mit ihrem Bruder und platzt gleich mit der tollen Neuigkeit heraus. „Hast du schon daran gedacht, dass unsere Oma nächstes Jahr ihren 80. Geburtstag hat? Ich habe ein ganz schönes Geschenk für sie, ich mache sie zur Uroma. Und wenn es der Zufall will, kommt unsere Tochter auch noch am gleichen Tag zur Welt, an dem Oma Geburtstag hat.“

Das muss Benno erst einmal alles verdauen, denn für ihn und Katharina ist das Thema Kinder vorläufig noch nicht spruchreif. Doch seine Schwester hat eine glänzende Promotion abgeschlossen, eine gute Stelle im öffentlichen Dienst und den besten aller Männer als Kindesvater, dazu 32 Lebensjahre auf dem Konto – was spräche da gegen ein Kind???? – Nichts!!!!

Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

8 Kommentare zu “2056 – Unscharf

  1. Ein schicksalpralles Hinundher mit gutem Ausgang, letztendlich. So soll es sein.

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  2. Liebe CC,
    In Claudias Figur entdecke ich gewisse Ähnlichkeiten zu noch lebenden Institutionen oder Personen. Allerdings geht die Geschichte einen anderen Weg, schlägt Haken wie Adas Ankunft oder Bonnox. Äh,…Bonnox? Zumindest ein ungewöhnlicher Hundename, der ein Bisschen wie ein Putzmittel auf Schlangengiftbasis klingt.
    Einen schönen Sonntag Dir und liebe Grüße
    Amélie

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    • Nein, meine liebe Amélie, du entdeckst Ähnlichkeiten???? Das ist ja nicht zu fassen 🙂 😉 Ich hätte gern Claudias Leben gelebt, dann wäre ich nämlich jetzt genau 33 Jahre jünger, nämlich 42. Da ich genau weiß, was bei mir in diesen 33 Jahren gelaufen oder auch nicht gelaufen ist, möchte ich nicht auf diesen Zeitpunkt zurück gesetzt werden, denn das, was mir an meiner erfundenen Figur so gefällt, wäre bei mir nicht eingetreten.
      Für ein Pferd hätten sich vielleicht Liebhaber in der Familie gefunden, aber eben nur vielleicht – hier wurde ja mehr die Musik bevorzugt. Auf Bonnox kam ich wohl, weil der geliebte Lenny laut Hundepass eigentlich Lennox heißt – hier in der Geschichte sollte es aber ein Hund mit B sein, also Bonnox. Du nun wieder: Schlangengiftbasiertes Putzmittel. Nein doch!
      Endlich regnet es hier mal – und das, obwohl mein Sohn mein Fahrrad gestern aus dem Keller nach oben getragen hat und ich es heute benutzen wollte, um meine Großzehen zu schonen. – Na gut, dann eben später.
      Lieben Sonntagsgruß von CC

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      • Na ja, es sind ja nur so ganz entfernt vage gehauchte Ähnlichkeiten…quasi nur Andeutungen für Insider wie mich oder so. Und ein Drahtesel ist doch ein Alupferd? und selbst bist gerennradelt und Fahrradfahren ist mindestens leichte Kavallerie, bloß halt ohne Emissionen. Erst diese Ohrensache, ein geradezu verschwindend winziger Hinweis im Dominigeflecht und dann Das treue alte Töff, ein weiterer beinah unsichtbarer Wegweiser Richtung Clara. Und ich wollte den etwas ungewöhnlichen Hundenamen keinesfalls verbotoxen. Bonnox klingt ja irgendwie so voll zuverlässig und obendrein hocheffektiv. Von dort aus war es nur noch einen Maulkorbwurf weit weg zu diesem markanten Produkt- oder auch Hundenamen.
        Hier regnet es aber immer noch zu wenig.
        Beneide grad den Norden, da zog heute jede Menge Regen durch. Gestern sah ich zu viel Geisterwald. Graue Fichtengespenster zwischen zum Glück grünen Buchen. Wie viel Totwald das in Klaftern gemessen gibt, mag ich nicht ausdenken.
        Nächste Woche kannst Du Dein Gefährt spazieren reiten. Bestimmt.
        Herzlich
        Amélie

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        • Liebe Amélie, als ich gestern Abend müde und mit rechteckigen Augen den Computer geschlossen hatte, fiel mir dein Kommentar ein , auf den ich ja noch antworten wollte – der Computer sollte aber zu bleiben. Dann versuchte ich es mit dem Handy, doch das wollte meinen Sprachtext nicht so richtig nehmen – also verschob ich es auf den nächsten Morgen – und schwups, da bin ich.
          Du hast vollkommen Recht – mein Fahrrad ist kein DrahtESEL, sondern ein MetallPFERD, zumal es auch noch aus dem Hause Pegasus ist. Gerade habe ich mich schlau gemacht, das geflügelte Pferd schreibt sich PegasOs – aber so kleinlich wollen wir doch nicht sein, nicht wahr?
          Bei uns hat es gestern ganz schön viel und ganz schön lange geregnet – aber natürlich immer noch Tonnen zu wenig.
          Das mit dem Bäumesterben ist ein weiterer Punkt bei mir, der mir sagt, es lohnt sich wirklich nicht, 90 oder gar älter zu werden – WOFÜR?
          Ich fahre jetzt zu einer „exzellenten“ großen Podologiepraxis. Meine Hautärztin hat mir ein Rezept für eine beidseitige Zehennagelspange ausgestellt. Wenn ich dafür einen Anteil von der Krankenkasse haben will, muss ich von den Fußpflegern einen Kostenvoranschlag holen und beides einreichen. – Na, schau’n wir mal.
          Im Moment sind für mich positiver Input und negativer output sehr verschoben.
          Aber jetzt mache ich mich auf die Füße.
          Ganz liebe Grüße aus dem „frisch gewaschenen“ Marienfelde von CC

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  3. hallo clara,
    altersabhängige makuladegeneration ist ja eine erkrankung der netzhaut und vielleicht hatte ich das schon mal erwähnt, dass vera und ich mitglieder von pro retina sind. das ist eine patientenorganisation von und für leute, die an einer der zahlreichen netzhauterkrankungen leiden. nebenbei sind wir beide auch redakteure der zeitschritf retina aktuell. vielleicht schaust du mal auf die seite unserer regionalgruppe berlin-brandenburg. ab wann der betroffenenstammtisch wieder stattfindet und ab wann die patientensprechstunde kann ich dir aber noch nicht sagen. auf alle fälle können betroffene kontakt aufnehmen. hier ist der link: https://www.pro-retina.de/regionalgruppen/berlin-und-brandenburg
    und nun noch schöne sonntagsgrüße von vera und peter

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    • Hallo Peter, das ist lieb von dir, dass du mir hier indirekt Hilfe anbietest – aber so biografisch exakt ist der Text nicht. Auch wenn er sich in vielen Details an meine Familie anlehnt und ich mich ein wenig mit der jetzt schon alten Claudia identifiziere, habe ich aber andere Augenprobleme gehabt. Meine Augenärztin hat eine Membran auf der Netzhaut nicht erkannt, weil sie keine genaue Untersuchung gemacht hat, sondern einfach einen grauen Star diagnostiziert, der es aber mitnichten gewesen ist. – Erst, als es danach überhaupt nicht besser werden wollte, eher schlimmer, hat man sich zu einer genauen Diegnose bequemt, mich operiert und das Auge hat sich dann über Monate hinweg wieder erholt.
      Das heißt also konkret, dass ich an dem Betroffenenstammtisch dann doch fehl am Platze wäre.
      Sollte es mal dazu kommen und ich dann immer noch blogge, werde ich mich hoffentlich daran erinnern.
      Lieben Gruß zu dir von Clara

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